Frage von 789frage789, 117

Feststellung des Verlustvortrages bei Studenten bei Job auf Lohnsteuerkarte?

Ihr lieben, ich habe da eine Frage zu "meinen Steuern". Ich habe natürlich versucht, im Netz antworten zu finden, jedoch werde ich im Moment nicht schlau daraus.. Also: Ich hatte rückwirkend Steuerklärungen abgegeben um mir meinem Verlustvortrag aus dem Studium später anrechnen lassen zu können. Nun ist es aber so, dass ich auf Lohnsteuerkarte arbeite (450€ Job) und dadurch mein Gehalt mit den Verlusten verrechnet wurde.. Ich habe somit kein negatives Einkommen gehabt (wie sollte ich davon auch 5 Studienjahre leben?!). Ich hatte damals, um mir Zeit für eine Entscheidung lassen zu können erstmal einen "formlosen" (dh. selbstverfassten) Einspruch erhoben. Die Antwort lautete natürlich, dass die Entscheidung des FA rechtskräftig und richtig sei.

Frage: Warum wird das mit oder ohne Lohnsteuerkarte anders gehandhabt? Im Moment fühle ich mich nur ungerecht behandelt, das kommt sicherlich aus meiner Unwissenheit.. Kann mit jemand diese untersch. Behandlung erklären?

Kann man da noch was machen? Gibt es irgendeinen Kniff, der mir mein angehäuftes, aber nicht angerechnetes Geld rettet? Oder das Verfahren aussetze um auf eine Entscheidung eines Gerichts zu warten (so wurde es mir auch geraten, als es darum ging, die Steuer mehr als 4 Jahre rückwirkend zu machen)? Irgendetwas?

Ich habe auch überlegt, mich von einem Anwalt beraten zu lassen.. Weniger um zu klagen, sondern eher um es verstehen zu können und mich nicht mehr ärgern zu müssen ;) Aber ich hoffe, dass jemand von euch schon eine Rat hat...

Dank Euch!

Antwort
von Christianwarweg, 65

Zunächst mal würde ich mich eher an einen Steuerberater wenden, als an einen Anwalt (wobei ein Anwalt für Steuerrecht vermutlich auch eine gute Adresse ist).

Mir ist dein Problem noch nicht so ganz klar. Ich versuche das mal zusammenzufassen.

Du hast während des Studiums auf 450 € Basis gearbeitet.

Du hast rückwirkend Steuererklärungen abgegeben.

Es wurde kein negatives Einkommen festgestellt (offenbar richtigerweise, wenn du sagst, davon hättest du ja nicht leben können).

Für mich erschließt sich nicht, welchen Verlust du dann vortragen willst. Und was soll das "angehäufte aber nicht angerechnete" Geld sein. Mir ist auch nicht klar, welche unterschiedliche Behandlung es da gegeben hat.

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Bei mir sah das so aus:

Ich selbst habe auch studiert (4 Jahre) und habe jedes Jahr meine Einkommensteuererklärung abgegeben und das Feld für den Verlustvortrag angehakt.

Mein Einkommen war minimal, mit Semestergebühr, Studiengebühr, Praktikumskosten, Kosten für Bücher etc. wurde es negativ (meine Ersparnisse sind dementsprechend geschrumpft und gegen Ende des Studiums fast aufgebraucht). Daher konnte ich das nach dem Studium mit meinen Steuern verrechnen.

Kommentar von 789frage789 ,

Naja, ich habe es so verstanden: Hätte ich nciht auf Lohnsteuerkarte gearbeitet, sondern pauschal versteuert, dürfte ich trotz Job das angehäufte Geld später anrechnen. Mit dem angehäuften Geld meine ich, was mir anerkannt und dann verrechnet wurde. Der Verlust dieses Betrages ergibt sich durch die Verrechnung, die nur zustanden kam, da ich auf LSK arbeite... Und verstehe die Ursache meines Problems, aber nicht, warum das so unterschiedlich betrachtet wird. Es sind ja beides Jobs, die legal und offiziell sind und warum mein, aus meiner Sicht, "unversteuertes" (ich meine damit von mir nicht aktiv besteuertes) 450€ Gehalt da jetzt den 450€ Gehalte eines anderen Studenten anderswertig gegenübersteht.

Meine Frage ist also eine ganz andere: Nicht wo die Ursache meines Problems liegt, sondern warum ein "steuerfreier" (ich weiß, so einfach ist es nicht) 450€ Job unterschiedlich behandelt wird. Die Rechnung und die Ursache sind mir klar, die Systematik, nach der entschieden wird nicht.

Dank Dir trotzdem schon mal :)

Antwort
von kevin1905, 53

Warum wird das mit oder ohne Lohnsteuerkarte anders gehandhabt?

Wenn ein Minijob durch den Arbeitgeber pauschal mit 2% besteuert wird, ist die Thematik durch. Es wurden Steuern gezahlt. Da diese pauschal berechnet sind, gibt es auch keine Werbungskosten und der Minijob ist steuerneutral für den Arbeitnehmer. Weder die Einkünfte noch Kosten werden irgendwie berücksichtigt.

Wenn natürlich stattdessen nach Abzugsmerkmalen verfahren wird und es wird auf Klasse I abgerechnet, spart der Arbeitgeber die pauschale Lohnsteuer und du zahlst auch keine, würdest du aber, wenn der Job z.B. in der Klasse VI liefe. Als Gegenleistung darfst du Werbungskosten in Abzug bringen.

Die Werbungskosten sind bei der Einkunftsart abzuziehen, bei der sie entstehen (§ 9 Abs. 1 EStG).

Ein Verlustvortrag entsteht nur, wenn die Gesamtbetrag der Einkünfte negativ ist.

Kommentar von 789frage789 ,

Das ist eine Antwort, die uns glaube ich zum Ziel bringen kann ;)

Aber darf denn ein pauschal versteuerter Student nicht auch Werbungskosten aufbringen, um sie als Verlustvortrag geltend zu machen? 

"Die Werbungskosten sind bei der Einkunftsart abzuziehen, bei der sie entstehen (§ 9 Abs. 1 EStG)."

Meine Werbungskosten haben mit dem Job nicht zu tun, sondern mit dem Studium. Die Werbungskosten entstehen ohne Verdienst im Studium und das Gehalt kommt von meinem Arbeitgeber, der mit meiner Ausbildung nichts zu tun hat. 

Kommentar von kevin1905 ,

Hast du den § weitergelesen? Der wird noch etwas spannender.

Allerdings sind trotzdem deine durch Studium entstandenen Werbungskosten erst mit positiven Einkünften (Kapitalerträge außen vor) zu verrechnen, bevor es einen Verlustvortrag geben kann.

Und da dein Minijob eben nicht steuerneutral war, steht auf der Einkommenseite bei dir leider keine 0.

Expertenantwort
von wfwbinder, Community-Experte für Steuern, 69

Den Fehler hast Du gemacht, als Du dem Arbeitgeber Deines Minijobs Deine Steuer-ID gegeben hast, anstatt ihn zu bitten die Lohnsteuer pauschal zuzahlen und Dir die 9,- Euro pro Monat von Deinem Lohn abzuziehen (muss er nicht, darf er aber).

Als Du ihm die Steuer-ID gegeben hast, wurde natürlich keine Lohnsteuer abgezogen, weil das erst bei ca. 950,- beginnt, aber eben bis zu 5.400,- Euro sind als Einkünfte registriert und Verlustvorträge kannst Du nur noch haben, von Ausgaben, die Deine Einnahmen übersteigen.

Kommentar von 789frage789 ,

Danke für deine schnelle Antwort!

Eine pauschale Versteuerung geht leider nicht, da habe ich im Nachhinein für die Zukunft erfragt. 

Leider ist es nicht die Antwort auf meine Frage: Warum taucht das 450€ Gehalt überhaupt in der Lohnsteuer auf und warum wird es einem anderen Studentenkjob mit gleichem Verdienst gegenüber anders behandelt? Ich verstehe nicht, auf welcher Basis das faire ist. Es ist ein Gesetz in DE und damit wird es gerecht sein müssen, ich verstehe nicht warum diese Unterscheidung gemacht wird.. 

Kommentar von wfwbinder ,

  Warum taucht das 450€ Gehalt überhaupt in der Lohnsteuer auf und warum wird es einem anderen Studentenkjob mit gleichem Verdienst gegenüber anders behandelt?

Ich habe es doch geschrieben. Es taucht auf der Lohnsteuerbescheinigung auf, weil Du dem Arbeitgeber die Steuer-ID gegeben hast. deshalb hat er sich vom Finanzamt die ELSTAM-Daten laden können und nach Steuerklasse 1 abgerechnet. keine Steuer-ID und schon wird pauschal abgerechnet.

Kommentar von 789frage789 ,

Hm, oje.. Ich weiß nicht wie ich es anders erklären soll. Warum wird es überhaupt angerechnet? Es wird ja nicht angerechnet, weil es in einer "Datenbank" steht, sondern es steht da auf Grund eines Gesetzt o.ä in dieser "Datenbank". Und diesen Grund möchte ich gerne verstehen. Die Rechtfertigung des Staates wird ja nciht sein "... weil wir die Daten haben" sondern "wir benutzen diese Daten trotz 450€-Grenze, weil..."

Kommentar von wfwbinder ,

Das Gesetz ist wie folgt:

Bei einem Minijob, für den die Sozialabgaben pauschal vom Arbeitgeber getragen werden, hat der Arbeitnehmer die Wahl, ob er möchte, das die Lohnsteuer auch pauschal berechnet wird (2 % des ausgezahlten Lohnes), was der Arbeitgeber ihm dann abziehen darf, oder die Berechnung der Lohnsteuer nach den eigenen Besteuerungsmerkmalen (also Steuerklasse), was dazu führt, dass wenn es die einzigen Einnahmen sind, keine Lohnsteuer fällig wird. Diese Wahl trifft man als Arbeitnehmer dadurch, dass man dem Arbeitgeber die Steuerklasse mitteilt (durch Hingabe der Steuer-ID).

Aber wenn man natürlich einen Verlustvortrag aufbauen möchte, dann darf man das eben nicht tun, sondern muss es pauschal versteuern lassen und eben die bis zu 9,- Euro zahlen.

Kommentar von Christianwarweg ,

Ich hänge mich mal hier mit dran, weil es die Expertenantwort ist.

Mir ist immer noch nicht so ganz klar, was das Problem ist.

Um einen Verlustvortrag geltend zu machen, musst du negative Einkünfte (Verlust) haben.

Damit diese Daten nicht frei erfunden sind, musst du für die Jahre, in denen ein Verlust festgestellt werden soll, deine Lohnsteuererklärung machen - egal ob du Steuern abgeführt hast oder nicht.

Für den Fall, dass die 450 € pauschal versteuert wurden, was bei dir ja nicht mehr geht (oder so habe ich das verstanden), würden die 450 € im Monat trotzdem als Einkommen auftauchen und daher angerechnet werden - da ist keine unfaire Behandlung.

Wenn die 450 € jetzt aber unter der Hand bar gezahlt wurden, dann müsste man sie zwar auch angeben, aber das macht nicht jeder. Dann werden die natürlich auch nicht angerechnet und man hätte einen Verlust. Das ist aber illegal.

Kommentar von wfwbinder ,

 Für den Fall, dass die 450 € pauschal versteuert wurden, was bei dir ja nicht mehr geht (oder so habe ich das verstanden), würden die 450 € im Monat trotzdem als Einkommen auftauchen und daher angerechnet werden 

Würden sie nicht. Wenn das pauschla abgerechnet wird, ist mit der pauschlaen Lohnsteuer alles erledigt und es erscheint nicht in der Einkommensteuererklärung.

Das ist ja gerade der Sinn der Pauschalierung.

Auch Leute, die neben einem Hauptjob einen Minijob haben, machen eben genau davon gebrauch, weil ihnen das Lohnsteuer erspart.

Antwort
von TomRichter, 33

> Frage: Warum wird das mit oder ohne Lohnsteuerkarte anders gehandhabt?

Weil der Gesetzgeber es u.a. zwecks Vereinfachung (plus diverser umstrittener arbeitsmarktpolitischer Erwägungen) vorgesehen hat, dass in bestimmten Fällen Einkommen pauschal versteuert werden darf.

Wenn pauschal versteuert wird, dann heisst das,

a) Die Höhe der Steuer ist unabhängig von den sonstigen Einkünften

b) Das so versteuerte Einkommen ist für alle weiteren steuerlichen Belange nicht existent.

> Im Moment fühle ich mich nur ungerecht behandelt, das kommt
sicherlich aus meiner Unwissenheit..

Das kommt im Steuerrecht öfter vor, dass man aus Unwissenheit falsche Entscheidungen trifft, und später, wenn man das Wissen hat, kann man sie nicht mehr korrigieren.

Es geht auch eine Stufe schlimmer: Dass man eine Entscheidung trifft, die nach der zum Zeitpunkt der Entscheidung gültigen Rechtslage die richtige ist. Und später ändert sich die Rechtslage (Beispiel Besteuerung der Alterseinkünfte), wodurch die Entscheidung zur falschen wird.

> Kann man da noch was machen?

Nein.

> um auf eine Entscheidung eines Gerichts zu warten

Es ist in dieser Frage kein Rechtsstreit am Laufen, auf dessen Ergebnis man warten könnte. Es ist auch kein Argument vorstellbar, mit dem jemand die Verfassungsmässigkeit anzweifeln könnte.

Ein Schutz gegen Fehlentscheidungen aus Unwissenheit ist in unserer Verfassung nicht vorgesehen.

> Ich habe auch überlegt, mich von einem Anwalt beraten zu lassen..

> Weniger um zu klagen, sondern eher um es verstehen zu können

Unwahrscheinlich, dass der es besser erklären kann. Nur teurer.

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