Frage von Honigbiene8888, 46

Fehler vom Arbeitgeber?

Hallo,

Ich würde vor kurzem fristlos entlassen, weil ich Missstände im Unternehmen den Kostenträgern gemeldet habe, nachdem diese trotzt mehrfacher Aufforderung nicht abgestellt wurden. Ich habe auch Klage dagegen eingereicht. Der Kammertermin ist in wenigen Monaten. So viel zum Allgemeinen. Meines Wissens müsste eine Kündigung aus o.g. Gründen doch eine "verhaltensbedingte Kündigung" sein, oder? Mein Ex-Chef musste für mich etwas für das Arbeitsamt ausfüllen und darauf steht als Kündugungsgrund "Personenbedingt". Laut Definition ist meine Kündugung definitiv nicht Personenbedingt, sondern wenn verhaltensbedingt. Könnte ich das vor Gericht verwenden? Ist das ein Fehler meines AG? Mir selbst wurde nie offiziell der Grund der Kündigung genannt, außer das es sich um das von uns verfasste Schreiben an die Kostenträger handelt.

Danke schonmal :)

Antwort
von juristendeutsch, 21

Das wäre eine verhaltensbedingte Kündigung.

Sie können das als Argument verwenden, der Chef hätte verhaltensbedigt kündigen müssen und dazu den Betriebsrat anhören sollen.

Weiteres Argument für Sie ist das Massregelungsverbot.

Es darf niemand benachteiligt werden, nur weil er seine Rechte wahrnimmt.

-juristendeutsch-

Kommentar von Honigbiene8888 ,

Danke für Ihre Antwort.

Denken Sie, wenn ich mich auf dieses Massregelungsverbot evt. in Kombination mit meiner Meinungsfreiheit Berufe, könnte ich Chancen haben, dass die Kündigung unwirksam wird?

Zumal die Äußerung einer "personenbedingten Kündigung" in meinen Augen meinen Ruf schädigt. Es bedeutet ja, dass ich weder in der Lage, noch willig bin/war, meine Arbeit zu erledigen. Und das wäre die Lüge des Jahrhunderts.

Kommentar von Familiengerd ,

Eine fristlose Kündigung ist immer eine verhaltensbedingte Kündigung als Folge eines schwerwiegenden vertragswidrigen Verhaltens; eine fristlose Kündigung kann keine personenbedingte Kündigung sein!

Gegen eine fristlose Kündigung und allgemein eine verhaltensbedingte (ordentliche) Kündigung muss geklagt werden, damit es im Falle von eintretender Arbeitslosigkeit nicht zu einer Sperre beim Bezug von Arbeitslosengeld 1 kommt.

Denn bei einer fristlosen und allgemein einer verhaltensbedingten (ordentlichen) Kündigung geht die Arbeitsagentur zunächst davon aus, dass der Arbeitnehmer durch sein Verhalten die Arbeitslosigkeit schuldhaft selbst herbei geführt hat.

Deine Auffassung von der personenbedingten Kündigung ist falsch, sie ist entweder gar nicht oder jedenfalls entschieden weniger "rufschädigend" als eine verhaltensbedingte ordentliche oder fristlose Kündigung; die Gründe für eine personenbedingte Kündigung können vielfältig sein, haben aber nichts mit dem Verhalten des Arbeitnehmers zu tun (wenn Du nicht "willig" gewesen wärst, Deine Arbeit zu erledigen, wäre das ein Grund für eine verhaltensbedingte Kündigung).

Die deutschen Arbeitsgerichte setzen (oder setzten bisher) die Loyalitätspflicht des Arbeitnehmers gegenüber dem Arbeitgeber sehr hoch an. Bisher wurden Kündigungen, die ausgesprochen wurden, weil ein Arbeitnehmer seinen Arbeitgeber wegen Missständen im Betrieb an Aufsichtsbehörden gemeldet oder sie gar angezeigt hatten, eben wegen Verletzung der Loyalitätspflicht bestätigt. In einem konkreten Fall (Veröffentlichung von Missständen) hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte der Klage einer gekündigter Arbeitnehmerin allerdings Statt gegeben.

Es kommt ganz entschieden auf den konkreten Einzelfall an. In Deinem Fall ist ganz entscheidend, dass Du Deinen Arbeitgeber vergeblich (mehrfach) zur Abstellung der Missstände aufgefordert hast; das kann Dich dann zu einer Meldung an eine Aufsichtsbehörde berechtigen, ohne dass Dir deswegen gekündigt werden dürfte.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community