Frage von bigmcz, 32

Feedback und weitere Vorschläge zu einem Vortrag: Unterschiede in der Umgangssprache in verschiedenen deutschen Regionen?

Sprache und Dialekte interessieren mich schon immer. Was das Englische betrifft habe ich dazu auch etwas studiert, im Deutschen fehlt mir allerdings die Fachkompetenz. Trotzdem würde ich nun gerne einen kleinen - für einen Unterhaltungszweck gedachten - Vortrag über Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Umgangssprachen meiner Heimat (Bayerisches Rhein-Main Gebiet) und meiner Wahlheimat (Berlin) halten. Ich bitte um ein Feedback/ eine Korrektur zu den Dingen, die mir bisher aufgefallen sind, sowie weitere Anregungen:

zuhause vs. daheim: Soweit ich weiß hatten die beiden Wörter früher ganz unterschiedliche Konnotationen. Zuhause bezeichnete völlig wertneutral den Ort an dem man - für wie lange auch immer wohnte, während "daheim" ein Ort war an dem man sich "heimisch" fühlte. Heutzutage sind beide Begriffe Regionalexklusiv (In Bayern und Südhessen würde NIE jemand "zuhause" sagen)

"leer" im Sinne von "aufgebraucht" Wenn etwas aufgebraucht ist, sagt man in meiner alten Heimat: "Es ist all". Obwohl es dieses "all" im Standartdeutschen nicht gibt, gibt es in Berlin etwas ähnliches: "Es ist alle"

Wörter für die es keine passenden Synonyme gibt: Als Wessi gefällt mir ja das Wort "doll": Mach nicht so doll, ich hab dich doll lieb, es tut doll weh, jetzt regnet es aber doll. Wir Wessis bräuchten dafür zig Wörter.

Im (süd)Westen haben wir das Wort "gescheit": Mach's gescheit oder lass ess. Ich brauch jetzt mal was gescheites zu essen. Am gescheitesten wärs', wir würden ein Taxi nehmen. Bei dem Unfall hat es gescheit gekracht. Die Ost und Norddeutschen bräuchten hier zig Wörter.

Die Uhrzeit: Dass es in Ostdeutschland und Nordbayern nach 2 Uhr viertel-, halb- und dreiviertel drei wird, bevor es dann 3 Uhr ist, dürfte bekannt sein. Ebenso, dass es im Nordwesten viertel vor und viertel nach gibt. Was mich aber mal interessieren würde. Warum "leiht" sich der Nordwesten das "halb" aus dem anderen System. Man könnte doch auch "halb nach" sagen wie z.B. im Englischen :-)

Die Uhrzeit 2: Im Westen sagt man: "Ich komme um 3", wenn es dann 3 Uhr ist, sagt man: Jetzt ist es 3. Berliner habe ich schon oft sagen hören: "Ich komme zu 3 Uhr" und wenn es dann 3 Uhr ist: "Jetzt ist es um 3"

Perfektbildung von stehen vs. gestehen: In meiner Heimat sagt man "ich bin gestanden" wenn man an der Bushaltestelle stand (= stehen) und "Ich habe gestanden" wenn man (z.B. vor Gericht) etwas zugegeben hat (=gestehen). In Berlin heißt es immer: "Ich habe gestanden" - auch an der Bushaltestelle.

Etwas einstecken haben. In meiner Heimat sagt man, wenn man Dinge in seiner Tasche hat: "Ich habe etwas einstecken". Damit stieß ich aber sowohl in Berlin, als auch in München auf Unverständnis. Dort dachte man, ich meinte "eingesteckt haben" obwohl es nicht das gleiche ist.

"zu stehen haben" Berliner sagen gerne: "Ich habe da etwas zu stehen" oder "Ich habe da etwas zu liegen" - in meiner Heimat würde man das "zu" weglassen.

Antwort
von OlliBjoern, 16

Moselfränkisch (zumindest die Variante, die ich kenne, Nordsaarland):

dohemm (anstatt "zuhause") (do sin eisch net dohemm)

all (anstatt "leer") (dat Bier es all)

aarisch (anstatt "sehr") (aarisch gudd = sehr gut) (doll ist ungebräuchlich)

ungebräuchlich ist "gescheit", das gibt es aber im Schwäbischen

ebenso unverständlich wäre "ich habe etwas einstecken" (eisch hann eppes im buxesack) (bux = Hose, buxesack = Hosentasche)

"etwas zu stehen haben" äh, das versteh ich nicht mal :) was bedeutet das?

Kommentar von bigmcz ,

"Ich hab da noch mein Fahrrad  zu stehen" ...Erweiterter Infinitiv statt einfachem... oder vereinfacht: Denk dir das "zu" weg...

Antwort
von humanist78, 32

Sonnabend vs. Samstag. In Norddeutschland sagt man Sonnabend, in Süddeutschland wird man damit nicht verstanden. Jemand dachte mal, ich würde damit Sonntagabend meinen.

Kommentar von bigmcz ,

Danke, stimmt! Ich meine sogar einmal gehört zu haben, dass die Stasi hellhörig wurde, wenn Kinder "Samstag" sagten, da sie das dann wahrscheinlich aus dem Westfernsehen hatten... leider finde ich dazu keine Quelle...

Kommentar von humanist78 ,

Das wusste ich noch nicht. Interessant. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es so war. Wo man das nachschlagen könnte, weiß ich leider auch nicht.

Kommentar von Grammatikus ,

Die Bezeichnung Samstag ist gemeindeutsch. Zur Zeit der DDR war Sonnabend DDR-Standarddeutsch. Dieses Standarddeutsch verschwand mit dem Ulbricht-Staat. Die alten Begriffe bestehen als Regionalismen und in den Umgangssprachen weiter.

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