Frage von Nellyspirelli, 36

Fassade von alten Haus Baujahr 1910 nachträglich dämmen ?

Hallo! Wir wollen die Fassade unseres alten Hauses erneuern. Im selben Zug sollen die Fenster ebenfalls erneuert werden. Zum Objekt... Es ist ein Haus, welches im Untergeschoss aus über 1 m dicken Natursteinwänden besteht und das erste Geschoss + Dachboden ist aus normalen Ziegelsteinen (12 cm). Die Innenwände sind im ersten OG aus Lehm, im Untergeschoss und im ausgebauten Dachboden mit Gipskarton versehen. Unterkellert ist unser Haus nicht. Vor drei Jahren haben wir den Dachboden von innen gedämmt. Die Ziegel wurden vor ca. 18 Jahren erneuert. In unserem Haus gibt es bisher null Schimmel und so soll es bitte auch bleiben. Nun meine Frage... Macht es Sinn die Fassade im Zuge der Erneuerung nachträglich mit spezieller Mineralwolle zu dämmen ( zumindest da wo nur die " dünnen " Ziegeln sind) oder lieber nicht? Wir haben unser Haus bis vor kurzem komplett mit Holz und Kohlen geheizt. Nun haben wir aber im Untergeschoss teilweise Fußbodenheizung mit Erdgas betrieben einbauen lassen. Wir lüften immer sehr ausgiebig, jeden Morgen und auch am Abend. Ich bedanke mich schon mal im Voraus und würde mich sehr über einige hilfreiche Antworten freuen!

Antwort
von technikhirn,

Die Frage ist zwar schon beantwortet... aber ich möchte hier noch ein paar Dinge anmerken:

1) Zur Dämmung einer Fassade kann man kritisch stehen - insbesondere dann, wenn es darum geht,  Kunstoff-Hartschauplatten auf's Haus zu kleben. Diese Lösung ist meistens das WDVS (die wohl verbreitetste Lösung). Diese Lösung ist technisch und bauphysikalisch "nicht die Beste" (diplomatisch formuliert), aber es ist eine relativ kostengünstige Lösung. Vermutlich aus diesem Grund ist diese Lösung das "Standardverfahren". Wenn euch bei dieser Lösung die Nackenhaare zu berge stehen und ihr auf eine Dämmung lieber verzichten wollt, dann kann ich das gut nachvollziehen.

2) Es gibt aber Fassadendämmungen, die ohne Konstoff-Hartschaum auskommen. Beispielsweise eine Vorgehängte, hinterlüftet Fassade (vereinfacht beschrieben: Auf die alte Fassade wird eine Lattung aus z.B. Holz geschraubt und Glas-, Mineral- oder Holzwolle eingebracht. Darüber kommt eine Weitere Lattung und eine neue Außenhaut aus Putzträger-Platte, Holz, Klinker, Blech, ... was die Phantasie hergibt!).

Eine solche Fassade ist sehr haltbar und nachhaltig. Die Hinterlüftung sorgt dafür, dass von Außen eindringende Feuchtigkeit schnell wieder abtrocknen kann. Insbesondere bei einem aus alten Ziegeln gebauten Haus ist (wegen der relativ guten Wärmeleitfähigkeit der Ziegel) nicht nur die Heizkostenersparnis, sondern auch der Komfortgewinn enorm!

So eine hinterlüftete Fassade ist nicht billig (sprecht ggf. mal mit einer Zimmerei oder einem Dachdecker).

Mit handwerklichem Geschick und einer guten Beratung könnt ihr aber viel (...alles...) alleine machen und viel Geld sparen. Optisch gewinnen viele Häuser durch eine neu gestaltete Fassade oft viel hinzu. Wie wär's z.B.  mit einer Holzfassade (Natur, Schwedenrot...) und den Gibel ganz in Zink?

3) Fenster tauschen ist nett - aber rechnet mal nach, wie viele Quadratmeter Fensterfläche ihr habt - und dann rechnet mal nach, wie viele m² Fassadenfläche ihr habt. Vergleicht mal die beiden Zahlen miteinander, dann habt ihr ein grobes Gefühl, was der Austausch oder eine nachträgliche Optimierung der Fenster alleine bringen wird.

Deshalb empfehle ich euch: Bevor ihr euch gegen eine Dämmung entscheidet, schaut euch nicht nur die Meinungen zu EINER möglichen Lösung an, sondern macht euch ein umfassenderes Bild von dem was möglich ist und entscheidet dann noch einmal ...

Viel Erfolg!

Antwort
von Blumenacker, 22

Wenn die Fassadendämmung sowieso geplant gewesen wäre, dann wäre das im Zusammenhang der Erneuerung die günstigste Gelegenheit. Energetisch gesehen macht es Sinn.

Ob es finanziell Sinn macht, hängt von Eurer Lebensplanung ab. Ich besitze ein ähnlich altes Haus, und bin momentan damit beschäftigt, das Dach von innen zu dämmen, weil ich das Obergeschoss dadurch teurer vermieten will.

Die Fassade dämme ich nicht, obwohl ich da eines Tages auch mal erneuern muß.  Ich bin nicht mehr jung genug, um von der Sonderausgabe einer Fassadendämmung  jemals etwas zu haben. Man verstehe meine Sicht der Dinge: Dämmen nicht auf Teufel komm raus, sondern nur so viel, wie es für einen persönlich oder für Angehörige noch von Vorteil ist.

Kommentar von Blumenacker ,

Un was den Schimmel betrifft, dürfte das bei ausgiebiger Lüftung auch nach Fassadedämmung kein Problem sein.

Antwort
von dietar, 13

Man kann entweder selbstgemachte Ölfarbe nehmen oder eine Kochfarbe. Da man beim Auftragen der Ölfarbe mit Grundierung, Mittelschicht und Deckschicht so vieles falsch machen kann, die Standzeiten darüberhinaus nur etwa 10 Jahre sind, würde ich eine Kochfarbe nehmen. Bei den Koch- und auch bei den Farben auf Milcheiweiß sind die Standzeiten mindestens 20 Jahre. Danach wird mit einer Bürste gesäubert und einfach neu aufgetragen.

Hier das Rezept. Es ist für farbige Außenanstriche gedacht. Für die Fenster kannst du, wenn du willst, die Pigmente weglassen. Für weiße Fenster nimmst du Titandioxyd.

Rezept für 5 Liter Außenanstrich Falunrot:

4 Liter Wasser

300 Gramm Eiisensulfat (Eisenvitriol)

400 Gramm Roggenmehll

800 Gramm Rotocker aus Falun (Ersatzweise kann jedes andere Mineralpigment

genommen werden)
300 Milliliter 2 mal gekochtes Leinöl
aus der Ölmühle (Siehe Internet) Keinesfalls aus dem Baumarkt. Dort
sind sogenannte Standöle beigemischt, auch dann wenn auf dem Etikett
"Reines Olivenöl“
steht.
Zum Kochen nimmt man eine 8 -10 Liter alte Blechbüchse,
deren Seiten man mit einer Lage Mineralwolle umwickelt und mit Draht
befestigt. Die Mineralwolle verhindert, dass die Wärme zu schnell
durch die dünne Blechwand verloren geht. Mit Backsteinen baut man eine kleine Feuerstelle.
Zuerst wird das Wasser erhitzt und das Eisensulfat eingerührt. Die Mischung abkühlen lassen und dann das Mehl unter Umrühren langsam zugeben.
Die Mischung solange kochen, bis eine breiige Konsistenz erreicht ist.
Dann kommt nach und nach der Rotocker oder das Pigment hinzu. Das
wird dann mit dem Rühraufsatz mit einer Bohrmaschine gründlich
umgerührt und homogenisiert. Umrühren mit der Hand genügt hier
nicht.
Am Ende kommt das gekochte Leinöl hinzu. Das Leinöl bitte aus einer Ölmühle (Internet). Keinesfalls aus dem Baumarkt.

Dann wird 3-4 Stunden gekocht. Dabei muss man aufpassen, dass die Farbe nicht anbrennt. Dazu nimmt man einen alten Kochlöffel oder man nimmt ein Brettchen und schraubt einen Stiel an. Damit geht man öfter über den Boden.

Wird die Masse zu dickflüssig, gibt man etwas Wasser nach. Es sollte etwas dünnflüssiger sein, als die entsprechende Kunststofffarbe.

Außer bei Titandioxyd (für weiß), ausschließlich Mineralpigmente verwenden.
Damit werden die Holzteile dick gestrichen. Nur in Ausnahmefällen
ist ein zweiter Anstrich notwendig. Wenn es nach gründlicher
Trocknung nötig ist, werden eventuelle Überschüsse mit einer
Bürste entfernt.
Jetzt hast du 20 Jahre Ruhe.

Viel Glück

Kommentar von Nellyspirelli ,

Ich muss sagen... Bin begeistert!!! Wir werden uns das Dämmen mit Sicherheit sparen und dafür lieber in vernünftige Fenster investieren! Und das Rezept für die Farbe hört sich wirklich spannend an, ich hoffe das es uns gelingt!!! Vielen lieben Dank für Ihre Antwort!!! 

Antwort
von dietar, 15

Bei der Außendämmung eines solchen Hauses, müsste man von einer Kaputtsanierung sprechen.  Damit das gute, schimmelfreie Wohnklima so bleibt, darf man auch nicht mit Kuststoff- oder Latexfarben arbeiten. Innen muss man auf abwaschbare oder metallisierte Tapeten verzichten.
Eine Dämmung würde energetisch auch nichts bringen, da die Backsteinmauern soviel Energie von der Sonne erhalten (auch an bedeckten Tagen), dass eine Einsparung an Energie kaum messbar wäre.
Eine weitere Warnung bei den Fenstern: nur Fenster nehmen, die eine zusätzliche Entlüftung haben. Dass man die entstehende Feuchtigkeit in einer Wohnung durch Stoßlüftung alleine beseitigen kann, gehört in das Reich der Märchen.
Kunststofffenster gasen noch ca. 20 Jahre aus. Die haltbarsten Fenster sind die aus skandinavischer Fichte, wenn man sie ordentlich behandelt. Es gibt Holzfenster, die mehrere hundert Jahre alt sind und immer noch ihren Dienst tun. Diese Standzeiten haben weder Alu noch Kunststofffenster. Leider fehlt es meist an der Kenntnis, wie man Holzfenster behandeln muss.
Also Finger weg von "modernen" Dämmpraktiken, wenn ihr weiter ein gutes Wophnklima erhalten wollt.

Kommentar von Nellyspirelli ,

Vielen Dank für Ihre Antwort! Ich konnte mir das schon so in etwa denken :)... Wie muss man denn Holzfenster pflegen? Regelmäßig ölen? Das Haus ist mein Elternhaus und mein Vater hat damals (1992) neue Fenster eingebaut, allerdings aus Kunststoff. Nun wollen wir aber auf Grund der Erneuerung der Fassade neue Fenster einbauen lassen, da die Alten von sehr einfacher Qualität sind. Wie teuer sind denn solche Holzfenster, welche sich eignen würden? Vielen Dank schon mal im Voraus! 

Antwort
von lutzd, 1

Hallo
Das untere Mauerwerk muss keinesfalls gedämmt werden. Bei dem oberen würde ich vielleicht über eine Holzfaserdämmung nachdenken. ( z.B. Unger Diffutherm)Das Farbrezept ist gut Alternativ vielleicht bei der Firma Keim mal nachhören die haben alles in mineralischer Ausführung. ( ist vielleicht etwas einfacher Umzusetzen ).

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten