Frage von dissonanz666, 100

Falsche Hausnummer im Mietvertrag: Soll ich den Vermieter darauf ansprechen?

Hallo an alle,

ich habe vor einiger Zeit eine Wohnung besichtigt (mit zwei Zeugen). An diesem Termin hat der Vermieter mir erläutert, was alles in der Wohnung renovierungstechnisch passieren wird, mir alle Räumlichkeiten sowie Keller und Dachboden gezeigt. Die Rede war natürlich ausschließlich von der besichtigten Wohnung.

Vor einem Monat habe ich den Mietvertrag unterschrieben. Der Vertrag kann innerhalb einer Zeitspanne von zwei Jahren nicht von mir gekündigt werden (dafür wird die Wohnung komplett neu renoviert). Gestern ist mir aufgefallen, dass dort leider eine falsche Hausnummer hinterlegt ist. An der "falschen" Adresse wird ebenfalls eine Wohnung vermietet, die wir aber unter keinen Umständen haben möchten.

Meine Frage ist nun, ob es sich dabei - sofern der Vermieter natürlich nicht versehentlich einen Fehler gemacht hat - um eine Täuschung handelt. Unter der Annahme, er wolle uns damit durch Betrug eine andere Wohnung vermieten.

Ich werde den Vermieter natürlich darauf ansprechen, möchte aber vorab schon mal meine Rechte kennen.

Kann jemand helfen?

Expertenantwort
von albatros, Community-Experte für Mietrecht, 96

Ich empfehle, zunächst mit dem V. zu sprechen, um zu versuchen, den Sachverhalt aufzuklären. Zwischen HN 34 und 44 liegen ja doch mehrere andere Hauseingänge. Du und deine Zeugen wissen, was ihr euch angesehen habt und was nicht. Schaut auch noch mal, was in "eurer" Wohnung so abläuft. Dann geht zur anderen (falschen)  und fragt Mieter, wer deren Vermieter ist. Wenn das ein anderer ist, wäre der Irrtum eindeutig, also Schreibfehler im MV. Schon daraus ließe sich u. U. das Missveständnis aufklären. Wenn hier der V. tatsächlich versucht haben sollte, euch auszutrixen   ( was ich eher nicht glaube), könnte der Mietvertrag angefochten werden wege Irrtums bzw. Täuschung. Damit würde  er unwirksam.

Kommentar von dissonanz666 ,

In unserer (besichtigten) Wohnung wird zurzeit renoviert - so wie mit dem Vermieter vereinbart. Was in der anderen passiert, weiß ich leider nicht. Ich werde den Vermieter anrufen, um das Problem zu klären.

Es freut mich aber zu lesen, dass grundsätzlich die Möglichkeit besteht, den Vertrag wegen Irrtum/Täuschung anzufechten. Ich möchte aber nochmals klar stellen, dass es nicht meine Absicht ist, aus dem Mietvertrag zu kommen. Aber wie gesagt, der Vermieter schien mir ein sehr netter Mensch zu sein, daher müsste es eigentlich ein Fehler sein. Aber heutzutage weiß man ja leider nie...

Antwort
von Genesis82, 89

ich würde nicht sofort das Schlimmste befürchten, auch wenn es natürlich shcwarze Schafe gibt. Vielleicht hat der Vermieter sich nur verschrieben bzw. versehentlich die falsche Hausnummer geschrieben? Gehören ihm denn überhaupt beide Wohnungen? Ist im Mietvertrag auch die genaue Lage beschrieben, also nicht nur die Hausnummer (sowas wie "EG links", oder "Wohnung Nr. 12").

Kommentar von dissonanz666 ,

Die Lage ist zwar beschrieben aber beide Wohnungen befinden sich im 1. OG. :) Ob ihm beide gehören, kann ich leider nicht sagen aber beide Wohnungen sind leer.

Ich denke auch, dass es sich um ein Missverständnis handelt, da der Vermieter ein sehr netter Mensch zu sein schein und die Hausnummer lediglich 34 statt 44 lautet.

Antwort
von Bambi201264, 100

Gut, dass Du Zeugen hast! Das machen Vermieter leider sehr oft und zwar genau aus dem von Dir angegebenen Grund.

Teile dem Vermieter mit, dass Du nur die auch von Dir besichtigte und keinesfalls die andere Wohnung haben möchtest.

Viel Erfolg!

Kommentar von imager761 ,

Mit Unterstellungen und Forderungen kommt man hier nicht weiter, wenn man dem entgegenstehendes unterschreibt.

Antwort
von kenibora, 88

Rechte wirst Du hier nicht erfahren (können) sprich Deinen Vermieter darauf an und nimm je nach seiner Auskunft einen Fachanwalt! Bist Du rechtsschutzversichert?

Kommentar von dissonanz666 ,

Ja, ich bin beim Mieterverein rechtsschutzversichert.

Expertenantwort
von imager761, Community-Experte für Recht, 68

Deine Rechte sind einfach beschrieben:

De facto und de jure hast du Mietvertrag  mit Kündigungsverzicht über genau die Wohnung geschlossen, die mietvertrglich benannt ist, die du aber "unter keinen Umständen haben möchtest".

Eine Anfechtung wegen eines Erklärungsirrtums, § 119 BGB,  sehe ich n. § 121 BGB als verfristet, wenn man erst nach einem Monat feststellt, was offensichtlich ist.

Für einen Rücktritt wegen arglistiger Täuschung wäre man aber als Kläger in der Beweislast, das man vorsätzlich getäuscht wurde.  Da mag dein Freund aussagen, es wäre immer nur von der besichtigten Wohnung die Rede gewesen, der VM widerstreitend, es wäre ausdrücklich eine Musterwohnung mit Eigenschaften der tatsächlich angebotenen vorgestellt gewesen. IMHO dringt eine Klage damit allein aber nicht durch :-(

Mit dem Vorwurf des Betruges wäre ich da sehr vorsichtig, der wäre als üble Nachrede strafrechtlich zu verfolgen :-O

G imager761

Kommentar von dissonanz666 ,

§ 121 BGB, Abs 2: Die Anfechtung ist ausgeschlossen, wenn seit der Abgabe der Willenserklärung zehn Jahre verstrichen sind.

10 Jahre halte ich für etwas lang aber ein Monat sollte doch in Ordnung sein? Ich möchte die Wohnung nicht loswerden, sie gefällt mir sehr! Aber eben die Wohnung, die mir gezeigt wurde und keine andere.

Kommentar von imager761 ,

Ich sprach nicht von Verjährung, sondern Verfristung i. S. d. Absatzes 1, wonach die Irrtumserklärung "ohne schuldhaftes Zögern (unverzüglich) erfolgen [muss], nachdem der Anfechtungsberechtigte von dem Anfechtungsgrund Kenntnis erlangt hat".

Darauf käme es aber garnicht an: Wer etwas unterschreibt, bestätigt gerade den vorstehenden Inhalt.

Kommentar von Droitteur ,

Ganz so dramatisch ist es auch nicht wirklich:

Wenn du sogar die Wohnung besichtigt hast, habt ihr einen Vertrag über diese Wohnung geschlossen. Eine falsche Bezeichnung schadet nicht.

Natürlich kann plötzlich der Vermieter aus dem Nichts mit einem Streit auftauchen, dem sollte man natürlich aus Prinzip vorbeugen. Aber wenn das Kind doch mal in den Brunnen fällt, ist längst nicht alles verloren; im Äußersten müsste man halt das Gericht von seiner Version überzeugen, was alles andere als unmöglich ist.

Kommentar von Droitteur ,

Ach so und die Anfechtung, wenn man die hilfsweise erklärt, ist mE auch nicht verfristet. Nach imagers Argumentation wäre das Institut der Anfechtung ein bisschen widersinnig ausgestaltet^^

Es geht eben gerade um einen Irrtum, so dass die Anforderung an das Kennenmüssen nicht hoch gesetzt sind, bzw ehrlich gesagt nicht mal gestellt werden, und zudem nicht ohne Grund die Zehnjahresgrenze existiert.

Und auch das Ergebnis wäre etwas hart: zwei Jahre in einer falschen Wohnung, weil man erstens etwas überlesen aber zweitens! der Vermieter! einen falschen Vertrag vorgelegt hat^^ Da muss man nicht so hart sein und dem Einen alles allein in die Schuhe schieben.

Kommentar von dissonanz666 ,

Danke Droitteur, Dein Kommentar hat mich etwas beruhigt.

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