Frage von trinity0275, 188

Fahrradunfall, Versicherung sieht den größten Teil der Schuld bei unserem Sohn, ist das richtig so?

Hallo!

Unser 13jähriger Sohn wurde im letzten Jahr von einem Auto angefahren, als er mit dem Fahrrad über einen Zebrastreifen fahren wollte: er erlitt hierbei einen Schlüsselbeinbruch, eine Hüftprellung und mehrere große Schürfwunden.

Die Unfallörtlichkeit ist dergestalt ausgelegt, dass der Rad-Fußweg parallel zur Straße verläuft, der dann endet und es geht nur noch weiter, wenn man über den Zebrastreifen fährt. Die Beschilderung vor dem Zebrastreifen ist zum einen natürlich das Hinweisschild auf den Zebrastreifen, zum anderen das Warnschild "Radfahrer kreuzen".

Zeugen des Unfalles hatten angegeben, dass unser Sohn kurz angehalten hat und dann losgefahren ist und es dann geknallt hat. Unser Sohn wusste noch, dass er ein Handzeichen gegeben hatte, das Auto nicht gesehen hatte und es dann zu dem Zusammenstoß mit dem Auto kam.

Die Unfallfahrerin hat die Aussage verweigert.

Wir haben natürlich sämtliche Ansprüche bei der Versicherung der Unfallgegnerin angemeldet, zumal mein Mann und ich auch Verdienstausfälle hatten, weil wir zuhause bei unserem Sohn bleiben mussten, um ihm beim Laufen und Aufstehen helfen zu können usw. Zudem ist das Fahrrad kaputt, das iPhone 4 unseres Sohnes war ebenfalls kaputt, er konnte fast 2 Monate lang nicht in die Schule gehen ( laut Arzt war er auch in dieser Zeit zu 100 % schulunfähig).

Die Haftpflichtversicherung hat nun ein Regulierungsschreiben geschickt, mit dem sie zu Ungunsten unseres Sohnes reguliert, 1/3 zu 2/3, weil unser Sohn die alleinige Schuld an dem Unfall tragen würde, weil er einfach in den fließenden Verkehr eingefahren wäre.

Sie will gerade einmal EUR 1.100,00 für all das, was unser Sohn mitgemacht hat, regulieren. Das deckt noch nicht einmal die Verdienstausfälle von meinem Mann und mir.

Zudem hat die Unfallfahrerin unseren Sohn auf Schadensersatz verklagt bezüglich der Selbstbeteiligung der Kaskoversicherung, Höherstufungsbeträge der Versicherung und Wertminderung des Autos, das sich um ein Leasingauto handelte. Hierbei verlangt sie fast EUR 1.700,00. Da wir natürlich eine Privathaftpflichtversicherung haben, kümmert die sich darum und hat Anwälte beauftragt.

Mein Mann und ich verstehen die Welt nicht mehr. Unser Sohn hätte vielleicht absteigen müssen, aber die Unfallfahrerin war offenbar unaufmerksam, da will ich lieber garnicht darüber nachdenken, was ihm passiert wäre, wenn sie ihn beim Laufen angefahren hätte.

Wir finden es jedenfalls sehr ungerecht, dass unser Kind angefahren und schwer verletzt wurde und hier nicht einmal der rein materielle Schaden abgedeckt wird und die Unfallfahrerin für ihr Auto, nur ein Gegenstand, dieses Kind noch auf einen wesentlich höheren Betrag verklagt.

Ist das alles so in Ordnung oder sollte man sich hier klageweise zur Wehr setzen?

Antwort
von treppensteiger, 30

Kinder mit 13 sind noch deutlich als solche zu erkennen. Kinder auf Fahrrädern sind immer zu 100% Fahranfänger. Zebrastreifen werden Kindern als sichere Übergangsstellen von Erwachsenen empfohlen. 

Bereits das am Rand stehen eines Fußgängers am Zebrastreifen wäre für mich Signal, anzuhalten, wenn ich merke, dass ich nicht gesehen werde.

Wieso dein Sohn hier überhaupt eine Teilschuld zugesprochen bekommt, ist mir völlig rätselhaft. Nehmt einen Anwalt zu Hilfe.

Antwort
von DerHans, 47

Zebrastreifen sind für FUSSGÄNGER gedacht. Wenn er da mit dem Fahrrad rüber will, muss er das Fahrrad schieben.

Eine Schuldverteilung ist hier also folgerichtig erfolgt.

Wenn ihr jemandem die Schuld zuweisen wollt, müsst ihr bei euch selbst anfangen. Ihr hättet das eurem Sohn längst beibringen müssen.

Kommentar von trinity0275 ,

Du warst offenbar noch nie ein Kind, oder? Kinder machen nicht mal immer das, was sie gesagt bekommen.

Und unser Sohn hatte in der Grundschule auch Fahrradunterricht und die Kinder bekamen es dort nichtmal gezeigt, wie man sich am Zebrastreifen zu verhalten hat.

Kommentar von DerHans ,

Zebrastreifen und den Umgang damit, sollten Kinder bereits kennen, BEVOR sie in der Schule "Fahrradunterricht" erhalten.

Meine Kinder wussten das da jedenfalls bereits

Kommentar von trinity0275 ,

Die Kinder wissen das, aber halten sie sich auch wirklich daran, wenn sie alleine unterwegs sind? Das weiß keiner, auch nicht die Eltern.

Ich jedenfalls habe als Kind/Jugendliche auch waghalsige Manöver gefahren, wenn meine Eltern nicht dabei waren. Wenn ich heute daran denke, packt mich das Grausen, was mir da hätte passieren können. Aber früher gab es weniger Autos und weniger egoistische Autofahrer.

Antwort
von iTech01, 88

Hallo! Ich würde mich hier klar an einen Rechtsanwalt wenden, die Versicherung ist kein Gericht.
Alles weitere müssten Sie dann mit ihm klären. Also ich persönlich würde es machen, egal wie viel oder lang es erstmal dauert oder kostet.
Viel Glück und gute Besserung!!! :-)

Antwort
von Ursusmaritimus, 87

Wie sah die Polizei damals vor Ort die Situation? Wie war die Reaktion der Staatsanwaltschaft?

Persönlich würde ich den Klageweg beschreiten. Eine Versicherung ist kein Gericht.

Kommentar von trinity0275 ,

Der Polizist sagte zu unserem Sohn bei der Vernehmung anfangs sofort "Du bist schuld!". Ich bin ihm dann aber gleich dazwischengegangen und habe ihn darauf hingewiesen, dass er hier einen 13jährigen Jungen vor sich hat, der vor kurzem durch den Unfall schwere Verletzungen erlitt, dann machte er einfach in normalem freundlichem Ton die Vernehmung.

Das Verfahren gegen unseren Sohn wurde von der Bußgeldbehörde eingestellt, gegen die Unfallfahrerin läuft meines Wissens noch das Verfahren gegen sie wegen Mißachtung der Sorgfaltspflicht und fahrlässiger Körperverletzung.

Kommentar von Ursusmaritimus ,

Dann würde ichg davon ausgehen das deinen Sohn nur eine geringe Schuld trifft, aber da sollte wohl ein Anwalt darüber schauen.....

Antwort
von DreiGegengifts, 32

Zu welchem Zweck willst du das mit uns diskutieren? Wie die Schuldverhältnisse tatsächlich sind kann nur ein Gericht klären.

Rein nach meinem persönlichen Rechtsverständnis hört sich die Begründung der Versicherung plausibel an.

Der Sohn ist in das Auto rein geradelt. Der vorhandene Zebrastreifen tut nichts zur Sache, weil er hätte absteigen müssen aber vor allem hätte er ihn nicht von der Straße aus kommend befahren dürfen. Da kann ja kein Autofahrer mehr reagieren, wenn ein in die gleiche Richtung fahrender Radler plötzlich in die Fahrbahn fährt.

Wenn es Zweifel an der alleinigen Schuld gibt -> Anwalt.

Antwort
von Toenchen97, 78

Dein Sohn ist/war doch 13, man ist erst mit 14 Jahren "mündig minderjährig" und "schadenersatzpflichtig" also zumindest bei uns in Österreich. Ich denke dass es zu einer Gerichtsverhandlung kommen wird, ob und in welcher Höhe der Schaden dann beglichen wird wird sich herausstellen. 

Das wirkliche Problem liegt aber bei der Autofahrerin, man lernt selbst im Führerscheinkurs, dass man langsam zu einem Zebrastreifen fahren muss, egal ob jemand im Moment am Zebrastreifen steht oder nicht. Ist sie unaufmerksam oder abgelenkt gewesen, könnte sie sogar unter "grobe Fahrlässigkeit" eingestuft werden. 

Ich würde euch auf jeden Fall raten, euch an einen Rechtsanwalt zu wenden und Klage einräumen.

Alles Gute euch und viel Erfolg !

Antwort
von holgerholger, 39

Da solltet  ihr einen Anwalt kontaktieren.  Aber ein Fahrradfahren hat auf einem Zebrastreifen nur Sonderrechte, wenn er absteigt und schiebt. Deshalb ist das 'er ist ohne zu schauen in den Verkehr eingefahren' nicht ganz von der Hand zu weisen. Und die Anteilsbewertung sollte ein Richter treffen. Aber ich bin  froh, da§ er Loch lebt. 

Antwort
von Lumpazi77, 67

Auf dem Fahrrad ist man auf dem Zebrastreifen nicht bevorrechtigt (OLG Hamm 13 U 219/91). Zur Überquerung des Fußgängerüberwegs müssen Radfahrer deshalb aber nicht immer absteigen, so der ADFC. „Radfahrer dürfen einen Fußgängerüberweg durchaus befahren. Gleichen Vorrang wie Fußgänger haben sie indes nur, wenn sie absteigen“, 

Kommentar von Ursusmaritimus ,

Dies ist glaube ich unbestritten. Jedoch darf ich als Autofahrer den fehlhandelnden Radfahrer nicht einfach umfahren.....

Kommentar von Lumpazi77 ,

das ist schon klar, aber im Streitfall spielt das eine große Rolle

Kommentar von DreiGegengifts ,

Jedoch darf ich als Autofahrer den fehlhandelnden Radfahrer nicht einfach umfahren.....

Die Fahrerin hat nicht den Sohn umgefahren, sondern der Sohn ist in die Fahrbahn und in das Auto geradelt.

Kommentar von trinity0275 ,

Okay, wenn ich das jetzt so richtig deute, würden dann in diesem Falle die üblichen Vorfahrtsregeln "rechts vor links" gelten, oder? Und da unser Sohn von der Autofahrerin gesehen aus rechts war, sieht das Ganze dann auch wieder anders aus...?

Kommentar von Lumpazi77 ,

Die Regel "rechts vor links" dürfte hier nicht greifen, da Euer Sohn vom Fuß- oder Radweg kam. Ich meine, dass Euer Sohn an dem Unfall eine Mitschuld hat. In welcher Höhe wird vermutlich ein Gericht entscheiden.

Antwort
von marc2108, 55

Ich verstehe euren Unmut.

Aber:

1. Seid dankbar und erfreut euch an der Gesundheit eures Sohnes.

2. Auf dem Velo den Fussgängerstreifen zu überqueren ist sicherlich für die Schuldzuweisung ungünstig.

3. Ich würde keine Energie darauf verwenden den paar 1000 Euro nachzurennen. Das Karma wird es bei dieser kognitiv suboptimierten Frau schon richten.

Seid glücklich und froh, eurem wertvollsten auf Erden ist nichts wirklich schlimmes passiert, ausser dass er etwas gelernt hat.

Kommentar von Steffile ,

Schade fuer die Autofahrerin, dass sie nicht an so einen wie dich geraten ist. 

Im Prinzip hast du recht, dass die Gesundheit des Kindes das wichtigste ist, aber darum geht es hier nicht. 

Antwort
von Steffile, 76

Das solltet ihr auf keinen Fall annehmen, das ist ein eindeutiger Fall eines Versuchs euch einzuschuechtern.

Mal abgesehen von allen anderen Umstaenden, nur durch die Betriebsgefahr, die Tatsache dass ein Auto bewegt wurde und das an sich ein Risiko darstellt, kann es nicht sein, dass die Autofahrerin nur 1/3 Schuld ist.

Bringt die Sache zu einem Anwalt und geht nicht auf diesen "Vergeich" ein!

Kommentar von trinity0275 ,

Danke, ich finde das von der Autofahrerin halt schon arg frech, ein Kind zu verklagen, zumal sie ja selbst Mutter ist.

Kommentar von Steffile ,

Ich finde das auch unverstaendlich, aber viele Leute denken, dass Angriff die beste Verteidigung ist.

Kommentar von DerHans ,

Bei einem Personenschaden ermittelt automatisch die Staatsanwaltschaft. Ob die Autofahrerin das "Kind" verklagt hat, spielt also gar keine Rolle.

Antwort
von Schatten1, 60

Ich glaube, dass ist eine Frage bei der Ihnen ein Anwalt besser helfen kann als die GF Community

Antwort
von SechsterAccount, 52

Rechtlich kenne ich mich da nicht aus , aber das ist eine absolute sauerei !

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