Frage von DerUnwissende, 78

Fahrerkarte,ich werde aus diesem Thema nicht unbedingt schlau?

Hallo zusammen, wir planen die Neuanschaffung eines Transporters mit zulässigem Gesamtgewicht über 3.5 to. Das Teil wird wohl ein digitales Aufzeichnungsgerät haben. Der Wagen wird nicht jeden Tag benutzt und wenn, dann werden es auch immer wieder unterschiedliche Fahrer sein. Das Fahrzeug dient dazu entweder Ware ausliefern, oder aber abzuholen.

Meine konkreten Fragen dazu:

  1. Ich gehe davon aus das das Unternehmen eine Unternehmerkarte braucht.
  2. Müssen also alle in Frage kommenden Fahrer sich eine Karte besorgen?
  3. Was muss ich genau beachten, wenn ich z.B. am Montag um 10.00 Uhr zum Kunden fahre und um 13.00 fertig bin, meine Karte ziehe, an meinen Schreibtisch gehe und dann um 15.00 noch einmal los muss?
  4. Dann ist erst einmal wieder nix mit fahren und am Freitag der gleichen Woche muss ich wieder eine Fahrt machen.

Das ist in unserer Firma eigentlich der am häufigsten auftretende Fall. Also gewerbliche, gelegentliche Fahrten mit wechselnden Fahrern. Muss ich alle 28 Tage von meiner Karte einen Ausdruck machen, wie ist das mit der "Schreibtischzeit". Wie soll ich den Sheriffs das erklären? Wer muß was bei uns archivieren? Und das alles nur weil ich so Alle 2 Tage mal für 2-3 Stunden auf so nem kleinen Bock sitzen muss.Ich hoffe für dieses Szenario mal auf verständliche Antworten.

Schon mal vielen Dank im Voraus.....

Antwort
von RainerB76, 41

Grundsätzlich:

Bei gewerblichen Fahrten im Güterkraftverkehr über 2,8t bis 3,5t sind die Sozialvorschriften im Straßenverkehr und das Arbeitszeitgesetz einzuhalten. Hierbei ist ein Tageskontrollblatt zu führen.

Bei gewerbsmäßigem Güterkraftverkehr über 3,5t trifft das selbe zu, nur dass ein Kontrollgerät benutzt werden muss.

Zu 1.:

Ja, das Unternehmen braucht eine Unternehmerkarte. Diese Karte dient dazu die Daten auszulesen und Einstellungen vorzunehmen, z.B. das Unternehmen auf dem Fahrzeug anzumelden. Hier wird im Fahrtenspeicher gespeichert für welches Unternehmen das Fahrzeug läuft. Bei Verkauf des Fahrzeugs muss das Unternehmen im Fahrtenschreiber wieder abgemeldet werden.

Die Unternehmerkarte wird benötigt um die Fahrdaten vom Fahrtenschreiber auszulesen. Dies muss mindestens alle 3 Monate geschehen. Mittels eines Download-Keys, der nach dem Stecken der Unternehmerkarte an den Fahrtenschreiber angeschlossen wird, werden die Daten auf den Stick gezogen, von hier kann man sie dann auf den Rechner im Büro kopieren.

Zu 2.:

Ja, alle in Frage kommenden Fahrer brauchen eine Fahrerkarte. Diese kann bei einer vom KBA zertifizierten Ausgabestelle beantragt werden(z.B. TÜV, DEKRA usw). Zum Antrag einer Fahrerkarte muss der Fahrer persönlich erscheinen und einen EU-Führerschein vorlegen.

Zu 3. du 4.:

Sämtliche Tätigkeiten müssen auf der Karte aufgezeichnet werden. Es sind das Arbeitszeitgesetz und die Sozialvorschriften im Straßenverkehr einzuhalten. Wird die Karte erst nach Arbeitsbeginn gesteckt, bzw. vor Arbeitsende gezogen müssen die Tätigkeiten mittels Nachtrag im Fahrtenschreiber manuell nachgetragen werden. Es kann bei längerem Nichtgebrauch der Karte auch ein "Urlaubsschein" ausgefüllt werden. Dies ist ein Formular das den EU-Standards entsprechen muss, maschinell ausgefüllt werden muss und vom Verantwortlichen im Betrieb sowie vom Fahrer zu unterschreiben ist. Hier wird festgehalten ob der Fahrer Urlaub hatte, anders im Betrieb eingesetzt wurde usw usw.

Bei einer Kontrolle im Straßenverkehr, bzw. bei einer evtl. Betriebskontrolle sind die Tätigkeiten der Fahrer lückenlos auf die Minute zu belegen. Entweder durch Aufzeichnungen auf der Karte, durch den "Urlaubsschein" oder durch handschriftliche Aufzeichnungen des Fahrers.

Unterwegs muss der Fahrer den laufenden Tag und die 28 vorausgegangen Tage lückenlos auf die Minute nachweisen, ansonsten wird ein Bußgeld nach dem Bußgeldkatalog der EU-Sozialvorschriften im Straßenverkehr fällig.

Zu Deinen anderen Fragen:

Nein, Du musst nicht alle 28Tage einen Ausdruck Deiner Karte machen. Die Karte muss mindestens alle 28 Tage ausgelesen werden und die Daten archiviert werden. Die Daten des Fahrtenschreibers müssen mindestens alle 3 Monate ausgelesen werden und archiviert werden. Hierfür ist der Chef verantwortlich. Natürlich kann er dies einer verantwortlichen Person im Betrieb übertragen.

Die Daten sind mindestens ein Jahr lang zu archivieren.

Ausnahme:

Es gibt Ausnahmen zu den EU-Vorschriften im Straßenverkehr.

Z.B. die "Handwerker-Regel".

Hier würde ich mich genauer bei der zuständigen IHK und/oder BAG informieren. Denn hier kann es von Fall zu Fall unterschiedlich sein.

Dies würde ich mir schriftlich bestätigen lassen von IHK und/oder BAG und dies immer im Fahrzeug mitführen. So kannst Du es den "Scheriffs" erklären.

Hast Du das nicht, dann handeln diese "Scheriffs" nach den Sozialvorschriften im Straßenverkehr und ahnden Verstöße auch so...

Mein Tipp:

Ihr scheint ja bei Euch im Unternehmen ziemlich unsicher und ratlos zu sein...

Informiert Euch auf jeden Fall bestens darüber. Und zwar nicht über das Internet oder bei einem vermutlich allwissenden Bekannten, sondern an öffentlicher Stelle.

Informiert Euch bei IHK und/oder BAG genauestens über die "Handwerker-Regel" und ob sie bei jedem einzelnen Eurer Fahrer und Eurem Betriebsablauf anwendbar ist.

Falls die "Handwerker-Regel" nicht greift, informiert Euch bestens über alles andere. Ab 3,5t gewerblichem Güterkraftverkehr, der nicht in diese Regel fällt, muss eine Lizenz vorhanden sein. Transportversicherungen und extra Betriebshaftpflicht abgeschlossen werden. Die nationalen Gesetze (Arbeitszeitgesetz usw) sowie die EU-Vorschriften und EU-Richtlinien eingehalten werden.

Von den EU-Vorschriften gibt es viele. Die Verordnung Nr. (EG) 561/2006, also die Lenk-und Ruhezeiten, sowie einige andere EU-Vorschriften und EU-Richtlinien die ich jetzt leider aus dem Stehgreif nicht benennen kann. Aber da gibt es viele bezüglich Archivierung der Daten, Einbau von Kontrollgeräten in Fahrzeuge...

Auch sollte geprüft werden ob evtl. das ADR greift, wenn Gefahrgüter transportiert werden, oder evtl. ein A-Schild angebracht werden muss, wenn Güter nach dem Abfallrecht transportiert werden...

Setzt Euch mit der zuständigen IHK in Verbindung und klärt dies ausführlich! Es kann sein dass die "Handwerker-Regel" greift und Ihr in Eurem Betriebsablauf nicht ändern müsst, es kann aber auch sein, dass Ihr nach den EU-Vorschriften im gewerblichen Güterkraftverkehr handeln müsst und eine Menge beachten müsst...

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