Frage von InvestmentStar, 66

Fällt ein Asperger erst auf der weiterführenden Schule sozial auf, oder schon in der Grundschule / Kindergarten?

Antwort
von EstherNele, 12

Ich kenne zwei Autisten ziemlich gut und beide sind in ihrem sozialen "Erscheinungsbild" komplett unterschiedlich.

Mein Sohn ist mit seinem etwas eigenwilligen Spielverhalten, seiner Echolalie und seinen Tics schon im Kindergarten aufgefallen. Ebenso offensichtlich seine Unfähigkeit zu kindlichen Rollenspielen oder zur adäquatem Umgang mit Spielzeug. Ebenso hatte er noch mit 10 ein Problem mit generalisierter Ansprache. (Wenn es in der Schule hieß: "Alle machen jetzt mal ..." , war für ihn klar, dass das alle außer ihn betraf. Er hat sehr lange gebraucht, um zu lernen, dass er auch ein Teil von ALLE ist.)

Er hat zwar auch Freunde, aber die gehören zum Beispiel zu bestimmten Situationen. Der Freund, mit dem er sommers immer Badminton spielt, ist in der restlichen Zeit des Jahres völlig uninteressant. irgendwie stört das den sog. Freund aber auch nicht weiter.

Er kann sich aber inzwischen relativ gut und eher wenig auffällig in einer Gruppe bewegen. Er hat noch nie irgendeine Art von aggressivem Verhalten gezeigt.

Der andere Autist war ein guter Schüler, Einzelgänger, der seinen Einzelsitzplatz in der Schule mit aller Kraft verteidigt hat. Er ist intelligent (Abi 1,3), er ist eloquent, höflich, er kann Smalltalk der plattesten Sorte, auch wenn es ihm sichtlich unangenehm ist, da mit einbezogen zu werden.

Seine Berufsentscheidung, PC-Techniker zu werden, hat er damit begründet, dass PCs nicht mit ihm reden wollen und dass er allein arbeiten kann. Er hat sich folgerichtig mit Softwareentwicklung beschäftigt und würde auch irgendwo in die Pampa ziehen, Hauptsache, man lässt ihn arbeiten, er muss nicht Bus fahren (schon gar nicht, wenn im Bus zu viele Leute sind) und er kann sich seine Lebensmittel liefern lassen, denn er hasst einzukaufen.

Beide sind mit 14 bzw. über 20 diagnostiziert worden.
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Was ich sagen will - Autismus heißt heute richtigerweise Autismus Spektrum Störung, weil dieses Störungsbild eine sehr große Palette an "Eigenheiten" bietet, welche von Person zu Person ganz unterschiedlich ausgeprägt sein können. 

Da viele Lehrer von Autismus bzw. autistischen Zügen keine Ahnung haben, werden solche Kinder nicht selten in den Bereich ADS, Konzentrationsstörungen u.ä. gesteckt.
Eltern hoffen ja oft, dass sich das eigenwillige Verhalten ihrer Kinder "verwächst" und bemerken nicht immer das ganze Ausmaß des Andersseins ihrer Kinder. - 

Deine Frage kann man nicht mit JA oder NEIN beantworten, ich denke, auch da ist das ganze Spektrum von "nicht auffällig" bis "frühzeitige Diagnose" möglich.

Antwort
von Naydoult, 39

Äußerst verschieden, viele aber schon im Kindergarten. Leider ist es so, das trotz der Auffälligkeiten im Kindergarten, längst nicht alle diagnostiziert werden. Ich kenne einen der fiel dadurch auf das er keine Kontakte geknüpft hat und die anderen Kinder nicht als existent wahrgenommen hat. Weiterhin dadurch das er nie aktiv mitmachte und trotzdem dann alles mindestens so gut konnte wie die anderen, er hat es bloß nicht gezeigt. Er durchlief dann auch wegen des Sozialverhaltens Therapien, wodurch er sich gut anpassen konnte. Die Ärzte waren immer ratlos, da sie nie wussten was mit ihm ist. Erst mit 20 Jahren hat er die Diagnose gehabt. Denn in der weiterführenden Schule konnte er sich sehr gut anpassen, hat sich alles abgeguckt.

Expertenantwort
von rotesand, Community-Experte für Kleidung, Auto, Mode, Schule, 24

Es hängt extrem vom sozialen Umfeld & den Leuten ab, mit denen er in Kontakt kommt. Wenn es entsprechend Menschen mit toleranter, langmütiger, freundlicher Art sind, die nicht alles sofort "auslegen" und die anderen Menschen nicht nach irgendwelchen blödsinnigen Richtschnüren definieren, von denen man kaum abzuweichen hat kann es sogar durchaus sein, dass er sein ganzes Leben lang gar nicht sozial auffällt und es die anderen nicht stört ------> gerade, wenn das Syndrom nur relativ leicht ausgeprägt ist und die Person bis auf kleine "Eigenheiten" zwar kauzig, aber doch nicht wirklich auffällig ist.

Es gibt somit Lehrer/Erzieher, die es für nicht weiter schlimm finden, wenn jmd. etwas "schrullig" rüberkommt aber auch solche, die jeden kleinen Fehltritt als potenziellen Grund für 'ne Überweisung zum Schulpsychologen ansehen und bei denen alle Alarmglocken schon schrillen, wenn etwas um einen Millimeter von der Norm abweicht.

Antwort
von Marc8chick, 2

Am meisten fiel ich an der Grundschule auf aber auch schon im kindergarten. Ab Ende der 6. Klasse fiel ich dann gar nicht mehr auf, weil ich es geschafft hatte mich anzupassen. Aber die Probleme mit der reizfilterung haben sich verschlimmert und jetzt merkt man es daran.

Antwort
von Marc8chick, 10

Normalerweise ist es in Grundschule und Kindergarten am offensichtlichsten aber Lehrer und Erzieher sind leider nicht dazu ausgebildet das zu erkennen.

Antwort
von summersweden, 13

Das hängt von vielem ab: soziales Umfeld, wie stark die Merkmale ausgeprägt sind,... Bei meinem Bruder ist schon mit einem Jahr aufgefallen, dass er anders ist. Die Diagnose bekam er aber erst mit 11, obwohl er bei vielen Fachärzten war. Ich kenne aber auch jemanden, der hat die Diagnose mit 50 bekommen. 

Die meisten Asperger, die ich kenne, haben die Diagnose erst auf der weiterführenden Schule bekommen. Auffälligkeiten im Verhalten gab es aber immer davor schon.

Antwort
von 121212345, 3

Kommt halt drauf an ist unterschiedlich bei mir wurde es in der Primarschule (6. Klasse) herausgefunden bei anderen halt früher oder später. Ich habe jedoch gehört, dass sich die ersten Anzeichen anscheinend ab 4 Jahren zeigen würden

Antwort
von Revic, 21

Das ist je nach Ausprägung und Intensität der Symptomatik unterschiedlich. Manche fallen schon im Kindergartenalter durch stereotypes und/oder aggressives Verhalten auf, andere bekommten ihre Diagnose erst im Erwachsenenalter.

Ich selbst habe meine Diagnose erst mit 16 erhalten, also relativ spät. Die Probleme, welche das betroffene Kind durch die Störung hat bestehen jedoch auch unabhängig von seiner "Auffälligkeit". Auch ein scheinbar gut integriertes Kind kann unglaublich leiden.

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