Frage von pruddle, 14

Extreme Angst in sozailen Situationen?

Hi,

ich war schon immer schüchtern. Aber in letzter Zeit ist es schlimmer geworden.

Ich habe 2 Gruppen von Freunden, mit der einen gehe ich vielleicht 1 -2 mal im Monat im feiern, mit der anderen war ich bis vor 4 Monaten unzertrennlich, aber wir treffen uns nicht mehr. Heute abend würden sie sich treffen, aber ich kann nicht gehen.

Ich weiß nicht, wie ich am besten beschreiben soll, was in mir vorgeht. Mein Magen dreht sich um, es fühlt sich an, als würde jemand von innen gegen meinen Bauch treten. Ich denke, ich muss mich gleich übergeben. Alle Geräusche um mich rum gleiten ab in ein unverständliches Wirr-warr, in meinem Kopf entsteht ein lautes, konstantes kreischen und ich fang an zu schwitzen. Es ist total schrecklich, ich weiß nicht, was ich dagegen tun kann.

Ich bin seit 6 Wochen in einer neuen Klasse und hab mich mit 3 Leuten angefreundet. Mit den anderen 26 Leuten hab ich kein Wort gewechselt, weil ich nicht weiß was ich sagen soll.

Ich hab' heute nichts vor, trotzdem hock ich hier im Dunkeln, anstatt bei meinen Freunden zu sein.

Aber ich kenne mich, wäre ich dort hin gegangen, säße ich nur unangenehm in der Ecke und wenn mich jemand ansprechen würde, würde ich nur mit großen Augen zurückstarren und in Gedanken damit kämpfen, was ich am besten sagen sollte.

Geht es irgendjemandem so ähnlich, wenn ja, was macht ihr dagegen? ._.

Ich bin 16 und ein Mädchen.

Danke für eure Hilfe.

Antwort
von Tamajoschi07, 14

Hört sich ein wenig nach Panikattacken bei einer Angststörung an.

Vielleicht solltest du dir mal Hilfe bei einem Psychologen suchen, der kann dir das genauer sagen und wenn es tatsächlich eine Angststörung ist, das auch erklären und helfen.  

Das doofe bei Angststörungen ist, dass Vermeidungsverhalten die Angst auf Dauer noch stärkt.
Weil du quasi unterbewusst das, was die (unnötigerweise) Angst macht meidest und somit das Denken, dass es eine reale Bedrohung sei, stärkt.

Denn eigentlich tun die Menschen dir ja nichts und sind somit keine reale Bedrohung. Und dennoch hast du Angst davor.

Angst ist ja ursprünglich ein Selbstschutz. Z.b wenn ein gefährliches Raubtier oder ein aggressiver Mann mit einer Waffe vor einem steht. Dann hat man zu Recht Angst, weil man bedroht wird.

So wurde uns das in der Reha erklärt. Das zu verstehen, hilft oft auch schon, weil man dann weiß was genau mit einem los ist.

Der Arzt würde erst mal checken, ob das wirklich zutrifft oder etwas anderes ist.
Und dann auch nach der Ursache schauen um die zu verarbeiten und dir wirklich zu helfen
Vielleicht sprichst du mit deinen Eltern und gehst dann mal zum Arzt, damit du Hilfe bekommst und es dir besser geht.

Expertenantwort
von samm1917, Community-Experte für Depression, 2

Ich bin kein Arzt und kann auch keine (Fern-)Diagnose wagen, doch das was zu beschreibst klingt stark nach einer Soziophobie bzw. sozialen Phobie (https://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Phobie).

Eine soziale Phobie eine Angststörung und dadurch gekennzeichnet, dass man übermässig bzw. krankhaft Angst hat im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen. Wenn man doch im Zentrum der Aufmerksamkeit steht hat man Angst sich zu blamieren, kriegt Angstzustände (Herzrasen, Schwitzen, Zittern, Atemnot etc.) und wüde am liebsten davon rennen.

Wichtig dabei ist, dass die Symptome unnatürlich stark ausgeprägt sind, denn jeder hat etwas Lampenfieber, wenn er z.B. vor einer grossen Menschenmasse sprechen muss.

Eine soziale Phobie kann soweit gehen, dass man sich am liebsten nur noch zuhause einsprerren würde.

Behandelt werden soziale Phobien in erster Linie mit Psychotherapie (z.B. Verhaltenstherapie). Dabei lernt der Patient sich langsam und dosiert wieder den Reizen auszusetzen. Dies ist ein beschwerlicher Weg, der sich jedoch lohnt. Das Problem einer Psychotherapie ist, dass es oft Monate, wenn nicht Jahre dauert bis sie wirkt.

In sehr schweren Fällen kommen auch Medikamente zum Einsatz. Allen voran Antidepressiva der SS(N)RI-Klasse wie z.B. Sertralin, Escitalopram oder Venlafaxin. Antidepressiva helfen ironischerweise besser gegen Ängste als gegen Depressionen. Das Problem dieser Medikamente ist, dass man sie täglich nehmen muss und sie viele Nebenwirkungen haben. Die Krankheit muss also relativ stark ausgeprägt sein, damit sich der Einsatz von Medikamenten lohnt.

Ich an deiner Stelle würde mich mal untersuchen lassen. Du kannst entweder direkt zu einer Fachperson (Psychiater oder Psychologe) oder dich erstmal an deinen Hausarzt wenden.

Antwort
von Manuel129, 8

Hallo Liebes:)

Also.. Ich war bis vor kurzem genau wie du - in Gesellschaft, selbst bei 'Freunden', habe ich mich eigentlich immer unwohl gefühlt und habe Angst gehabt, irgendetwas falsches zu sagen. Daher habe ich mich zurückgehalten, mich zurückgezogen und nach ein paar Wochen, egal wo ich neu anfing, und obwohl ich anfangs immer recht offen bin und mich viele gut leiden können,war ich wieder alleine und fühlte mich schlecht.

So.. was ist jetzt passiert? Eigentlich bin ich immer noch ein totaler Einzelgänger. Aber das macht mir nichts mehr aus, weil ich über die richtige Frage gelernt habe nachzudenken. Statt meine Zeit zu vergeuden mit der Frage nach wie werde ich meine Angst los oder wie werde ich geselliger, habe ich mir die Frage gestellt, woher diese Angst eigentlich rührt und vor allem: ob sie gerechtfertigt ist.

Heute scheint es als hätten alle Menschen mindestens 500 Freunde ( jedenfalls auf Facebook), von denen treffen sie sich aber immerhin mit ein paar ab und an, nämlich denjenigen, die sie wirklich mögen. Wie kommt es eigentlich zu einer Freundschaft? Freundschaft ist, wie Liebe, durch ein fortwährendes Interesse an der anderen Person gekennzeichnet. Und jetzt frage dich einmal: Hast du ein solches Interesse an einer der Personen, mit denen du so gerne was machen würdest? Ich wette die Antwort ist nein. Ich ( und wahrscheinlich auch du) finden eben die meisten Menschen total uninteressant. Das ist alles. 

Es ist schwer zu glauben, aber in meiner Schulzeit habe ich vielleicht 5 Menschen gehabt, die interessant für mich waren. Jetzt an der Universität.. genau das gleiche Spiel: ich bin sehr sympathisch, freundlich zu allen, neugierig.. aber nach ein paar Stunden mit allen wird mir schlagartig bewusst, dass mich doch keiner wirklich interessiert, ich werde zurückhaltender, passiver, Ende. Aber das ist nichts schlimmes. Ab und an finde ich auch Menschen die mir wirklich gefallen, aber man muss suchen.. und oft findet man sie wirklich aus purem Glück. Es muss einfach funken, aber dann darfst du auch nicht zögern und musst die Beziehung fördern.

Aber wenn du so jemanden triffst, der dir wirklich gefällt, den du lieben kannst ( auch freundschaftlich ), dann wird es dir unglaublich leicht fallen mit ihm in Kontakt zu bleiben. 

Als ich das erkannt habe, dass ich nichts dagegen tun kann, dass ich andere Menschen einfach nur für nicht interessant genug halte, daher nicht weiß, worüber ich überhaupt sprechen soll, geht es mir um einiges besser. Ich bin kontaktfreudiger geworden und suche nach Menschen, die mir wirklh gefallen, statt mich zu ärgern, wieso ich nicht mit denen Menschen zusammen sein kann, die mich langweilen. Man kann Nicht(!!!!) mit jedem befreundet sein, merk dir das. 

Interessant finde ich vor allem das weibliche Geschlecht ( bin männlich ), finde ich irgendwie interessanter als das männliche Geschlecht, aus offensichtlichen Gründen. Da fällt es mir dann auch deutlich leichter im Gespräch zu bleiben und eine Beziehung aufzubauen. Also: Interesse an einer Person ist alles, an dir ist gar nichts verkehrt, du musst nur aufhören dir Gedanken darüber zu machen wie du dich verändern kannst, stattdessen lieber ausschau halten nach anderen Menschen:)

Viel Glück! :)

Antwort
von Revic, 9

Klingt stark nach einer sozialen Phobie. Ich würde dir den Gang zum Psychologen empfehlen. Eine unbehalndelte Sozialphobie kann mit der Zeit immer schlimmer werden und somit auch schwieriger zu behandeln.

Ich bin selbst betroffen, deshalb weiß ich, wie es sich anfühlt auf einer Party mit 30 Leuten der scheinbar einzige ohne Gesprächspartner zu sein und Treffen abzusagen, weil man den Druck nicht aushält.

Eine Therapie könnte dein Selbstbewusstsein stärken und irrationale Ängste lösen. Du musst dich allerdings drauf einlassen.

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