Frage von JanoshBlue, 84

Existenzminimum bei Arbeitslosengeld?

Guten Tag, ich lese schon lange in diesem Forum mit und es hat mir bis hierhin auch viel geholfen. Nun habe ich mich mit einer wichtigen Frage hier neu registriert.

Im Januar diesen Jahres schloss ich meine Ausbildung ab und fand dreckt im Anschluss eine naja nicht wirklich schwer zu bekommende Stelle. Dabei handelte es sich um wirklich wenig Geld und sehr spezielle Arbeit die wohl keinen der Arbeitnehmer ansatzweise da Spaß gemacht hat. Aus persönlichen, Kollegialen und weiteren Gründen wurde ich gekündigt. Ich kam dort einfach nicht zu recht, es war schon Mobbing, da ich als berufseinsteiger dort der jüngste war und bei dieser Arbeit sowieso keiine Erfahrung mit brachte. (Von Anfang Februar bis Anfang Juli war ich dort beschäftigt) Wobei eigentlich geplant war das ich dies erst wollte, wenn ich bereits eine neue Stelle gefunden habe.

Also direkt im Anschluss zum Arbeitsamt und Arbeitslos melden. Ich fragte extra nach ob ich nun die bekannten 60% meines zuletzt verdienten, also Gesellengehalts bekommen würde, oder 60% meiner letzten Ausbildungsvergütung. Die Frau am Schalter sagte ich hätte 1 Jahr lang Anspruch auf 60% meines zuletzt verdienten Geldes also auf das Gesellengehalt.

Nun bekam ich für den Juli aber nur 500 Euro.. Was sehr wenig ist, ich dachte es kommt noch etwas nach kam es aber nicht. Aus den Papieren vom Amt nahm ich nun hervor das ich jeden Monat 500 Euro bekommen würde, und das sind nun definitiv 60% meiner damaligen Ausbildungsvergütung!

Da ich nach meiner Erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung aus meinem Elternhaus in eine eigene Wohnung zog, habe ich nun große Probleme. Schließlich bezahle ich die Wohnung, GEZ Gebühren sowie mein Auto etc. unterm Strich komme ich auf knappe 630 Euro Fixkosten das heißt ich bin direkt am Anfang des Monats über 100 Euro im Minus.. Nun ist die Frage ob ich dazu beim Arbeitsamt so etwas wie Wohngeld beantragen kann? Ich meine gehört zu haben das jeder Bürger mindestens eine gewisse Summe am Geld zum Leben braucht im Monat. Da ich aber nun direkt im Minus bin ist logischerweise nichts mehr drin.. wie soll ich wenigstens vorrübergehend davon Leben?

Als ich die Papiere für den Arbeitslosengeldantrag ausfüllte wurde ich auch komischerweise nicht einmal darin gefragt ob ich Miete zu zahlen habe. Das wunderte mich schon..

Ich bitte um dringende Hilfe, bevor ich mich beim Amt melde will ich mich hier erstmal was Schlau machen.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von isomatte, Community-Experte für Arbeitsamt & Arbeitslosengeld, 34

Als vorrangige Leistung müsstest du Wohngeld beantragen,dass aber nur,wenn du dann mit dem Wohngeld + deine 500 € ALG - 1 deinen Bedarf nach dem SGB - ll ( ALG - 2 oder auch Hartz - lV ) decken kannst !

Dein Bedarf liegt z.B. als Single derzeit bei min. 404 € Regelsatz + deine KDU - Kosten der Unterkunft und Heizung ( Warmmiete ) und für das Wohngeld bräuchtest du dann min. 80 % als Mindesteinkommen.

Wenn du also angenommen 346 € KDU - zahlen würdest,dann läge dein Bedarf mit den 404 € Regelsatz bei min. 750 € pro Monat,du bräuchtest dann also bei 80 % min. 600 € pro Monat.

Hast du dann nicht noch Ersparnisse,mit denen du deinen Lebensunterhalt sicherstellen kannst,dann könntest du gleich ALG - 2 beim Jobcenter beantragen.

Kannst dir aber erst mal einen kostenlosen Rechner für das Wohngeld im Internet suchen,am besten gibst du mal ein ,, Wohngeld Rechner " und dazu den Namen deiner Stadt.

Dann siehst du ob ggf.ein Anspruch bestehen könnte und ob du dann mehr hast als dein Bedarf nach dem SGB - ll,dann müsstest du dann vorrangig Wohngeld beantragen,davon gehe ich aber nicht aus.

Denn du kannst von deinen ca. 500 € ALG - 1 erst mal 30 € an Versicherungspauschale abziehen,dass aber nur solange du kein Nebeneinkommen erzielst,dann würdest du dann Freibeträge auf Erwerbseinkommen nach § 11 b SGB - ll geltend machen können.

Musst dann aber auf die Einkommensgrenze und die wöchentlichen Arbeitszeiten beim ALG - 1 achten,da darfst du pro Woche nicht auf 15 Arbeitsstunden kommen und darfst nicht mehr als 165 € dazu verdienen,sonst wird der übersteigende Betrag vom ALG - 1 abgezogen.

Beim ALG - 2 spielt das keine Rolle,da wird aber dann schon alles über 100 € Grundfreibetrag angerechnet,ab 100 € - 1000 € Brutto hättest du noch mal 20 % und von 1000 € - 1200 € Brutto noch mal 10 % Freibetrag.

Diese Freibeträge würden dann also theoretisch vom Brutto / Nettoeinkommen abgezogen und auf deine ALG - 2 Leistungen ( Aufstockung ) angerechnet.

Würdest du jetzt angenommen 165 € Brutto wie Netto verdienen,dann wäre das beim ALG - 1 ohne Abzug,aber beim ALG - 2 hättest du schon wieder 65 € zu viel,also über 100 € Grundfreibetrag,dann würden von den 65 € ohne Anrechnung 20 % Freibetrag bleiben,also 13 € und 52 € würden dir von deiner Aufstockung abgezogen.

Aber zu den 30 € Versicherungspauschale kannst du noch Beiträge für evtl.Versicherungen für die Altersvorsorge geltend machen und gesetzlich vorgeschriebene Beiträge für Versicherungen,wie die KFZ - Haftpflicht.

Solange du also kein Nebeneinkommen hast,kannst du erst mal die 30 € abziehen und dazu rechnest du dir dann aus was du pro Monat an KFZ - Haftpflicht zu zahlen hast,dann kannst du dann noch dazu rechnen und dann von deinen 500 € abziehen.

Kommentar von JanoshBlue ,

Danke für deine ausführliche Antwort

Kommentar von isomatte ,

Danke dir für deinen Stern !

Antwort
von Messkreisfehler, 53

Ja, Du kannst Wohngeld beantragen, siehe hierzu auch:

http://www.wohngeld.org/anspruch.html

Wohngeld zusätzlich zum Arbeitslosengeld

Dagegen besteht für Bezieher von Arbeitslosengeld I nach wie vor die Möglichkeit, einen Antrag auf Wohngeld zu stellen, da die Kosten für Unterkunft nicht inklusive gezahlt werden. Sollte also das Arbeitslosengeld zu gering ausfallen, lohnt es sich, einen Wohngeldantrag zu stellen.

Die Wohngeldstelle prüft den Antrag auf Wohngeld und entscheidet über die Höhe des Wohngeldes. Wichtig ist für den Empfänger, dass er alle Änderungen, welche die Voraussetzungen für das Wohngeld betreffen, der Wohngeldstelle schnellstmöglich mitteilen muss. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn er in eine andere Wohnung zieht, ein Familienmitglied ein- oder auszieht oder sich das Einkommen beziehungsweise die Miete verändert.

Antwort
von gnarr, 43

du hast die möglichkeit alg2 aufstockend zu beantragen. dazu gehst du ins jobcenter und stellst einen antrag auf aufstockende leistungen.

wenn bedarf vorliegt (404 euro regelsatz plus angemessene kosten der unterkunft) dann bekommst du aufstockend leistungen gezahlt. auch rückwirkend ab 1.8. wenn du den antrag zügig stellst.

Kommentar von isomatte ,

Hier handelt es sich bei der vorhanden Wohnung um Bestandsschutz,deshalb spielt es erst mal keine Rolle ob die KDU - Kosten der Unterkunft und Heizung ( Warmmiete ) angemessen ist oder nicht,dass Jobcenter müsste im Fall der Unangemessenheit die tatsächlichen KDU - in der Regel für weitere 6 Monate zahlen !

Kommentar von gnarr ,

nein in der regel wird nicht für 6 monate automatisch gezahlt. er bekommt angemessene zeit. das können bis zu 6 monate sein, das können auch über 6 monate sein, wenn er keine angemessene unterkunft findet.

Kommentar von isomatte ,

Erzähl mir hier nichts,es wird min. 6 Monate die tatsächliche KDU - weiter gezahlt,darunter geht nicht !

Kommentar von gnarr ,

doch darunter geht es natürlich. so stehts auch in den vorschriften. es kann bis zu 6 monate weitergezahlt werden, in der zwischenzeit ist he angehalten sich eine angemessene unterkunft zu suchen.

Kommentar von isomatte ,

Es kann unter Umständen eine Frist von 3 - 4 Monaten gesetzt werden,bis dahin sollte man den Nachweis erbringen wie man gedenkt die KDU - zu senken,reagiert man darauf nicht,wird die KDU  - nach 6 Monaten nur noch in angemessener Höhe gezahlt bzw.der Höchstsatz !

Keiner muss umziehen wenn er das nicht möchte und sich die Zuzahlung leisten kann,ich kenne keinen Fall in dem dann die unangemessene KDU - nicht für 6 Monate weiter gezahlt wurde.

Und stelle mal bitte deine Einstellungen so um das ich auch eine Nachricht bekomme wenn ich von dir etwas erhalte,ich habe keine Lust hier jedes mal meine Antworten oder Kommentare zu durchsuchen.

Antwort
von Rheinflip, 34

1. Dein ALG1 solltest du prüfen. Die Berechnungsgrundlage findest du auf dem Bescheid. Ggf musst du Einspruch einlegen. 

2. Ergänzend zu ALG2 solltest du Alg2 oder Wohngeld bekommen. Das musst du im Jobcenter bzw Wohngeldamt beantragen. 

3. Rundfunkgebühren befreiungsantrag stellen. 

Kommentar von gnarr ,

im bezug von wohngeld und alg1 bekommt er keine befreiung vom rundfunkbeitrag. nur im bezug von alg2 ist dies möglich.

Kommentar von Rheinflip ,

Nicht nur. Es gibt auch die Möglichkeit, aufgrund eine geringfügigen Überschreitung befreit zu werden. 

http://www.rundfunkbeitrag.de/informationen/buergerinnen_und_buerger/befreiung_u...

Kommentar von gnarr ,

das wäre ein zu prüfender fall von härtefall. wenn wohngeldzahlung vorliegen würde, geht man davon aus, dass alg2 abgelehnt wurde. fälle von härtefallantragsbefreiungen sind sehr selten.

Kommentar von Rheinflip ,

Auf jeden Fall sollte man  fix zum Jobcenter, gleichzeitig das ALG1 überprüfen...

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