Frage von Deniz4514, 111

Existenz immer zu 100%?

Woher wissen wir das etwas existiert wenn wir es nicht beobachten? Beispiel: Ich stehe in einem leeren Raum und betrachte einen Ball aus zwei Metern entfernung, nun drehe ich mich um und kann den Ball nicht mehr wahrnehmen. Wie kann Ich mir dann zu 100% sicher sein das er noch da ist wo er lag als ich ihn beobachtete, er müsste ja zwangslaufig nicht mehr existieren nur wenn ich ihn betrachte.

Antwort
von marcussummer, 65

Unser Gehirn ist mit einer Menge abstraktem Denkvermögen ausgestattet, das uns hilft, aus Erfahrungswerten Schlussfolgerungen für die Zukunft zu ziehen. Wir gehen zum Beispiel davon aus, dass der Ball in deinem leeren Raum keine Möglichkeit hat, zu verschwinden und glauben deshalb zu wissen, dass er noch da ist. Mit absolute Sicherheit wissen können wir das aber nicht.

Antwort
von Kajjo, 13
  • Wissen über die Existenz kann nur durch eine irgendwie geartete Beobachtung geschehen. Das ist doch trivial und einleuchtend und sollte nicht allzu sehr philosophisch aufgebauscht werden.
  • Wenn ich nicht hingucke, dann kann ich logischerweise auch nicht mehr sicher sein, ob der Ball noch da ist. Alles mögliche könnte inzwischen mit ihm passiert sein.
  • Diese Frage ist kein philosophisch anspruchsvolles Konstrukt bezüglich der Existenz-Problematik, sondern ganz geradlinig. Hier benötigt man keinerlei Unschärfe, Quantenmechanik, Welle-Teilchen oder sonstwas für abgefahrene Theorien, sondern bloße Logik und Geradlinigkeit. 
  • Die Frage nach der Existenz ist aus meiner Perspektive aber die falsche. Du vermengst hier zwei völlig unabhängige Konzepte, nämlich Wissen und Existenz. Du kannst nicht wissen, ob der Ball noch dort ist, wenn du weder den Ball noch den Ort siehst (oder auf andere Art misst oder wahrnimmst). Darum geht es. Vermeide die Einmischung komplexer Themen wir "Existenz", wenn harmlosere Themen wie "Wissen" oder "Beobachtung" ausreichen würde, um die Frage zu beantworten. Philosophie sollte Probleme lösen und auf einfache Zusammenhänge reduzieren und nicht künstlich Komplexität erzeugen, wo gar keine ist.
Antwort
von grtgrt, 17

Nein: Jene Existenz muss keineswegs immer (oder zu 100%) gegeben sein.

Hintergrund ist der in http://greiterweb.de/zfo/Realismus.htm#msgnr0-35 erklärte Unterschied zwischen Realität und Wirklichkeit.

Ein schönes Beispiel für etwas nur scheinbar Existentes ist die Zeit: Sie ist real, höchstens Eigenzeit (Objektalter) ist wirklich:

http://greiterweb.de/zfo/Erkenntnisse.htm#msgnr0-178

Kommentar von grtgrt ,

Das einfachste Beispiel überhaupt ist Farbe

Sie existiert nur als eine von unserem Gehirn erzeugte Illusion, denn was unser Auge erreicht, sind einfach nur elektromagnetische Wellen unterschiedlicher Wellenlänge. Unser Gehirn übersetzt eine Wellenlänge in die Meldung "Rot", eine andere in die Meldung "Grün" usw.

Mit anderen Worten: Farbe existiert real, aber nicht wirklich. Sie existiert also -- in deiner Sprechweise -- nicht zu 100%.

Ähnliches gilt für Materie.

Antwort
von gottesanbeterin, 3

Du stellst die Frage ein bisschen ungenau, denn du schreibst von Beobachtung und von Wahrnehmung und scheinst die beiden  gleich zu stellen. Beobachten geschieht mit den Augen, Wahrnehmung auch mit (den) anderen Sinnen; so kannst du etwa ein Feuer, das hinter deinem Rücken brennt, nicht sehen, doch durch seine Wärme/Hitze deutlich wahrnehmen.

Wenn wir etwas nicht wahrnehmen (können, wie auch immer), können wir auch nicht wirklich ganz sicher sein.

Es gibt natürlich Erfahrungswerte; etwa, wenn wir etwas los lassen, machen wir die Erfahrung, dass es zu Boden fällt. Da wir diese Erfahrung schon unzählige Male gemacht haben, scheint es uns sicher zu sein, dass das auch immer so sein wird.

Antwort
von TimKunZe, 38

Hallo Deniz1514,

das ist eine sehr gute Frage, doch die Antwort eine simple.

1999 führten eine Reihe österreichische Physiker ein bahnbrechendes Experiment durch- das Doppelspalt Experiment.
Mit Hilfe von diesem Experiment lässt sich auch diese Frage beantworten.

Stelle dir vor Du schießt einige Fußbälle durch einen Doppelspalt auf eine dahinter liegende Wand. Da wo die Bälle aufkommen, verfärbt sich die Wand in eine entsprechenden Farbe.

Was würdest du sehen?
Genau, ein einfaches Doppelspaltmuster, einfach zwei gerade Striche nebeneinander.

Nun stell dir eine Wasserwelle vor, die du durch den Spalt schickst. Die Welle wird sich zerteilen, in zwei Wellen. Wenn du ein wenig Ahnung von Physik hast, weißt du auch, dass sich Wellen überlagern können und sich dabei verstärken, aber auch auslöschen können. Auf der Wand würde ein Interferenzmuster entstehen.

Nun übertragen wir das auf eine subatomare Ebene. Die Bälle sind nun Elektronen, die wir auf einen Photoschirm schießen, natürlich auch durch den Doppelspalt.

Was würdest du erwarten, was passiert?
Wie man vielleicht nicht denken würde, entsteht KEIN Doppelspaltmuster, so wie bei den Fußbällen. Auf dem Schirm zeichnet sich ein Interferenzmuster ab.
Doch wie kann das sein?
Einzige Lösung- die Elektronen, die wir bisher immer als Teilchen sahen, besitzen Welleneigenschaften, so wie die Wasserwelle.

Später hat man das Experiment einige male wiederholt und weil man wissen wollte, wie genau das mit dem Welle-Teilchen-Dualismus ist, installierte man ein Messgerät vor und nach dem Doppelspalt.

Und jetzt wurde es absurd.

Man schoss wieder Elektronen durch den Spalt, doch dieses mal, zeichnete sich KEIN Interferenzmuster ab.

Wie kann das sein? Auch hier gibt es eine Erklärung. Die Elektronen haben sowohl Teilchen- als auch Welleneigenschaften und unsere Beobachtung bzw. Messung entscheidet in welchem Zustand sich das Elektron befindet.

Anders ausgedrückt, in der Zeit indem wir das Elektron nicht beobachten, nimmt es alle möglichen Zustände an...und nicht nur das, nachdem wir es abgeschossen haben, nimmt es auch jeden möglichen Weg, von dem mit dem wir es beschleunigt haben bis zum Schirm.

Und um jetzt endlich deine Frage zu beantworten.
Solange wir das Objekt, sei es ein Tisch oder ein Stuhl, nicht beobachten, nimmt es automatisch jeden Zustand an. Es kann also durchaus möglich sein, dass wenn wir den Tisch nicht beobachten, der Tisch sich bewegt, fliegt oder sogar verschwindet.

Natürlich ist zu beachten, dass dies ein quantenmechanischer Effekt ist und wir ihn eigentlich nicht auf unseren Makrokosmos übertragen können, denn sonst entstehen ähnlich wie bei Schrödingers Katze, solch absurden Paradoxa. Aber ausschließen und somit sicher sein, kann man sich nicht.

Ich hoffe ich konnte helfen.

LG Tim Kunze

Kommentar von Kajjo ,

Die Anwendung des Welle-Teilchen-Dualismus sowie Quantenmechanik auf makroskopische Gegenstände ist nicht zielführend. Die Existenz des Balles hängt natürlich nicht von der Beobachtung durch uns ab, da er auch mit vielen anderen Objekten wechselwirkt.

Für die Existenz von Materie ist keine Beobachtung erforderlich. Die Welt gab es auch schon, bevor jemand sie beobachtete.

Richtig ist einzig, dass ein Nicht-Beobachter sich natürlich selbst auch nicht sicher sein kann. Das ist jedoch zum Glück trivial und einleuchtend.

Kommentar von TimKunZe ,

Dann hast du wahrscheinlich noch nie von der wohl wichtigsten Frage von Albert Einstein gehört, die er an den dänischen Physiker Niels Bohr stellte. Existiert der Mond auch dann, wenn keiner hinsieht?

Antwort
von Shaik97, 59

Können wir nicht, hat auch nie einer behauptet, jedoch können wir Tatsachen beweisen, zum Beispiel: Ein Funke in einem explosiven Gas löst eine Explosion aus, obwohl wir das Gas nicht sehen :)

Antwort
von Lennister, 29

Woher wissen wir das etwas existiert wenn wir es nicht beobachten? 

Das wissen wir überhaupt nicht. Wir nehmen es nur an, weil es unserer Intuition entspricht und es uns hilft, Phänomene zu erklären und Prognosen zu treffen. 

Kommentar von Abahatchi ,

Einstein war der Meinung, es müsse eine Wirklichkeit geben, die unabhängig von uns und von unseren Vorstellungen oder Beobachtungen ist. Einstein hatte dann oft die passenden Fragen gestellt, auch an Niels Bohr:

Glauben Sie wirklich, dass der Mond nicht da ist, wenn keiner hinsieht? 

Und Niels Bohr hatte wohl geantwortet: 

Beweisen Sie mir doch das Gegenteil!

Antwort
von Plautzenmann, 44

Ja, es existieren nur Dinge, die Du sehen kannst ;)

Führ Dir das vor Augen, wenn du einmal von einem Auto, Bus oder Fahrrad angefahren wirst, welches du nicht gesehen hast :D

Antwort
von egglo2, 36

Das ist der Ansatz von Heisenberg´s Unschärferelation.

http://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/werner-heisenberg/unschaerferelat...

Kommentar von Plautzenmann ,

Besagt die nicht nur, dass wir nicht in der Lage sind, zur selben Zeit Ort und Geschwindigkeit eines Quants festzustellen? Ein Ball dürfte etwas größer sein als ein Quant... ich muss hierbei eher an Schrödingers Katze denken... wir vermuten, dass sie noch lebt, aber wissen können wir es nicht.

Kommentar von egglo2 ,

Stimmt, aber die ist ja gleichzeitg tot und lebendig.....ein Ball ist immer tot ;-)

Kommentar von Plautzenmann ,

Zumindest unserem beschränkten Verständnis nach :D vielleicht denkt sich der Ball das auch. 

Aber wenn die Unschärferelation immer gelten würde, könnte man sich damit super aus Blitzerfotos rausreden, da die Polizei zu einem Zeitpunkt nur Ort oder Geschwindigkeit unseres Fahrzeuges feststellen könnte, aber nicht Beides :D

Kommentar von egglo2 ,

Ja, darüber habe ich auch schon nachgedacht. Möglicherweise wird ein Fussball während es Spiels unermesslichen Qualen ausgesetzt :-D

Antwort
von imakeyourday, 28

Er ist noch da.

Kommentar von Abahatchi ,

Woher weist Du das?

Kommentar von imakeyourday ,

weil es dann weg wäre wenn wir erneut hinsehen

Kommentar von Abahatchi ,

Kannst Du beweisen, dasz der Mond, nachdem er nach dem weckschauen weg wäre, nicht durch ein Hinschauen wieder einfach da ist?

Kommentar von imakeyourday ,

und weil es bedeutend würde dass die ganze Welt eine Illusion ist

Kommentar von Abahatchi ,

könntet Du beweisen, dasz die ganze Welt keine Illusion ist?

Kommentar von imakeyourday ,

das ist absurd

Kommentar von Abahatchi ,

warum ist diese Frage absurd? Diese Frage stellt sich eben genau aus einem Grund, den man auch bezüglich des Doppelspaltexperimentes feststellen musz. Ich weis jetzt nicht ob ich mit Superposition und Verschränkungen beginnen soll, doch das Thema wäre sehr umfassend. 

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community