Frage von maerchenmarie, 66

Evolutionstheorie von Carl von Linee?

Kann mir jemand die Evolutionstheorie Von linee sagen?

Expertenantwort
von DiegoderAeltere, Community-Experte für Biologie & Evolution, 24

Carl von Linné ging die meiste Zeit seines Lebens von der Konstanz der Arten aus, d.h. er dachte, dass Arten sich nicht verändern, wie in der erst später entstandenen Evolutionstheorie behauptet. In seinen späten Jahren rückte Linné von dieser Ansicht ab, aber er hat seine Gedanken nie in einer Evolutionstheorie niedergeschrieben. Seine Arbeiten waren für die spätere Evolutionsbiologie trotzdem von großer Bedeutung.

Antwort
von MarkusKapunkt, 11

Carl von Linné hat mit der Evolutionstheorie zunächst einmal nichts zu tun, denn er ging noch davon aus, dass alle Arten gleichzeitig entstanden sind - was zu seinen Lebzeiten (1707 - 1778) auch noch gängige Lehrmeinung war, denn man vertraute noch auf den biblischen Schöpfungsbericht. Charles Darwin veröffentlichte seine bahnbrechenden Beobachtungen zur Evolution erst 1859, da war Carl von Linné bereits über 80 Jahre lang tot.

Trotzdem erkannte von Linné bereits die Ähnlichkeiten verschiedener Spezies und schloss daraus auf eine Verwandtschaft. Sein wertvollster Beitrag zur Wissenschaft war deshalb die zoologische und botanische Systematik, die in etwas veränderter Form heute noch verwendet wird. Auch die Benennung der Spezies in einen Gattungs- und einen Artnamen wie Homo sapiens (Mensch), Canis lupus (Wolf) oder auch Tyrannosaurus rex geht auf Carl von Linné zurück.

Es ist ein künstliches System, dass alle Spezies in Arten, Gattungen, Ordnungen, Klassen und Reiche einordnete. Man kann es sich wie ein Schubladensystem vorstellen, in welchem von Linné die ihm bekannten Spezies einordnete und mehrere Schubladen in der nächst größeren Schublade zusammenfasste. Später kamen noch die Unterteilungen Familie (zwischen Gattung und Ordnung) und Stamm (zwischen Klasse und Reich) hinzu, doch auch diese Unterteilungen reichten noch nicht aus, um das komplette Verwandtschaftsbild der verschiedenen Spezies darzustellen.

Heute ist man weitestgehend dazu übergegangen, das klassische Modell durch die moderne Kladistik zu ersetzen. Dabei rückt man vom Schubladensystem ab und zeichnet vielmehr einen Stammbaum. Ausgehend von einem gemeinsamen Vorfahren kann sich im Blick auf die Evolution - die Carl von Linné ja noch nicht bekannt war - eine Spezies immer weiter aufspalten und verästeln. Die einzelnen Äste tragen oft zwar immer noch die Namen ihrer "Familie" oder "Ordnung", doch sind sie alle in der Kladistik gleichwertig und werden als einzelne Taxa (Singular: Taxon) geführt.

Ein Beispiel: Der Mensch gehört nach dem klassischen System zur Familie Hominidae (Menschenaffen), zu der auch der Gorilla, der Schimpanse und der Orang Utan zählen. Da der Mensch aber entwicklungsgeschichtlich enger mit dem Schimpansen als mit dem Orang Utan verwandt ist, werden Mensch und Schimpanse zu einem gemeinsamen Taxon (hier: Unterfamilie) Homininae zusammengefasst. Der Orang Utan wird mit seinen (heute ausgestorbenen Verwandten) hingegen unter dem Taxon der Ponginae geführt. Der Gorilla steht dazwischen, ist aber wiederum enger mit Schimpansen und Menschen als mit Orang Utans verwandt, also könnte man für Menschen, Schimpansen und Gorillas theoretisch auch wieder einen Zweig als neues Taxon benennen.

Noch ein Beispiel: Nach dem klassischen System gibt es fünf Klassen der Wirbeltiere: Fische, Amphibien, Reptilien, Säugetiere und Vögel. In der modernen Kladistik wird jedoch berücksichtigt, dass Vögel und Säugetiere aus den Reptilien und diese aus den Amphibien hervorgegangen sind. Alle Landwirbeltiere werden somit zum Taxon Amniota gezählt, sowie Vögel, Säuger und Reptilien zum Taxon Sauropsida. Vögel sind nach dem kladistischen System auch keine eigene Klasse mehr sondern gehören alle zum Taxon der Theropoda, zu denen auch alle fleischfressenden Dinosaurier wie der oben erwähnte Tyrannosaurus rex gehören.

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