Frage von SteveGibtRat, 93

Evangelische Kirche bzw Taufe?

Ich weiß, das die evangelische Kirche durch Luther geprägt wurde, doch was genau hat er verändert?

Welche Arten der Taufe gibt esß

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von mmolthagen, 29

Hallo,

es gibt nicht eine evangelische (eigentlich: protestantische) Kirche - es gibt verschiedene.

Die klassischen Hauptströmungen sind die lutherischen Kirchen, die auf Zwingli und Calvin zurückgehenden reformierten Kirchen und die täuferischen Kirchen (z.B. Mennoniten). Im 20. Jahrhundert kamen noch die Pfingstkirchen dazu.

Die heute weltweit größte protestantische Denominationsfamilie ist die baptistische (noch vor Lutheranern, Reformierten und Methodisten), eine recht heterogene Familie täuferischer Kirchen, die ihren Anfang vor etwas mehr als 400 Jahren nahmen, als Glaubensflüchtlinge aus England eine erste Baptistengemeinde in Amsterdam gründeten. Hierzu gehören die Baptisten, die Freien evangelischen Gemeinden, die Brüdergemeinden, die Adventisten und noch einige andere Kirchen.

Hauptmerkmal des Protestantismus ist der Glaube, dass bei der Rettung des Menschen vier bzw. fünf Grundsätze (die "vier (fünf) Solas") zu beachten sind: Allein durch Christus (solus Christus), allein durch die Gnade (sola gratia), allein durch den Glauben (sola fide), allein durch die Schrift (sola scriptura) und allein zur Ehre Gottes (sola Deo gloria): Allein Christus rettet die Menschen, die Rettung wird allein durch die Gnade von Gott her zugeeignet und allein durch den Glauben vom Menschen angeeignet, allein die Schrift (Bibel) beschreibt den Weg der Rettung.

Das geht unter anderem gegen die Annahmen, Gott ordne das Heil aufgrund von Verdiensten zu, der Mensch könne seine Rettung durch Werke verdienen, an der Rettung sei nicht nur Christus allein beteiligt, der Weg des Heils sei nicht allein in der Bibel (sondern z.B. auch in Traditionen) beschrieben.

Luther, Zwingli und Calvin haben die (Kinder-) Taufe weitgehend von der katholischen Kirche übernommen - vermutlich auch aus politischen Gründen.

Die täuferischen Kirchen dagegen erwarten vom Täufling ein eigenes Glaubensbekenntnis (erst das Bekenntnis des Glaubens, dann die Taufe auf das Bekenntnis des Glaubens), und in der Regel taufen sie durch Untertauchen.

Die Konfirmation in den kindertaufenden evangelischen Kirchen bildet das den täuferischen Kirchen wichtige Glaubensbekenntnis nach und macht die Taufe erst "vollständig" (sie wurde erst nach Luther eingeführt, 1539 von Bucer). Sie ist gewissermaßen ein Kompromiss zwischen Kinder- und Gläubigentaufe. Andere Kirchen haben eine so genannte "Tauferinnerung" eingeführt, die eine ähnliche Funktion hat. Manchmal wird sie sogar durch Untertauchen zelebriert.

Die täuferischen Kirchen lehnen die Kindertaufe ab, weil sie in der Bibel nicht ausdrücklich bezeugt ist und das evangelische "sola scriptura" auch hier gelten muss. 

Sie glauben auch, dass Kinder, die ungetauft sterben, nicht verloren gehen. Es gibt darum auch keinen Ersatz für die Taufe von Säuglingen.

Ein Problem ist immer wieder die Bitte von Kindgetauften um Aufnahme in eine täuferische Kirche. Dort gelten die Kindgetauften als ungetaufte Gläubige, aber die Kirchenmitgliedschaft setzt Glaube und Taufe voraus.

In heutiger Zeit gehen viele täuferische Kirchen dazu über, Kindgetaufte in seelsorgerlich begründeten Einzelfällen auf das Bekenntnis des Glaubens hin und ohne Gläubigentaufe aufzunehmen (manchmal als normale, manchmal als assoziierte Mitglieder). Theologisch wirft die Aufnahme von Kindgetauften in Täuferkirchen aber viele Fragen auf, die nicht gelöst werden können - es sind immer Kompromisse, zu denen die täuferischen Kirchen gezwungen sind.

In täuferischen Kirchen ist die Taufe zugleich Aufnahme in die Gemeinde. Eine Konfirmation erfolgt dann nicht mehr.

Grüße

Michael

Antwort
von NameInUse, 39

Es gibt nur eine Art der Taufe. Man kann als Baby getauft werden oder wenn man älter ist, je nachdem wann man seinen Weg zur Kirche gefunden hat, wobei das Baby das gezwungenermaßen mitmacht.

Luther hat die Bibel auf Deutsch zur Verfügung gestellt und auch die Lithurie auf Deutsch gemacht. Es gibt keine Beichte mehr, der Gläubige kann mit Got selbst direkt in Kontakt treten, beim Abendmahl nimmt der Gläubige selbst die Gaben an und nicht der Priester stellvertretend für alle. Mehr fällt mir spontan nicht ein.

Antwort
von hummel3, 24

Was Luther am Glauben der katholischen Kirche verändert hat, lässt sich allgemein zugänglich leicht im Netz nachlesen. Dies erfordert also keine individuelle Einzelerklärung. Sieh z. B. unter Wikipedia nach.   

Und mit der christlichen Taufe hat Luther insofern Klarheit geschaffen, dass er manifestiert hat, dass nicht die Taufe "errettet" und einen Menschen zum Christen macht, sondern allein der Glaube. 

Dies hat sich in den großen Kirchen nur leider bis heute immer noch nicht allgemeinverbindlich durchgesetzt. Die Taufe ist nämlich nach der Bibel allein ein symbolischer Akt nach der Bekehrung eines Menschen und ein Gehorsamsschritt in der Nachfolge Jesu Christi.

Auf welche Weise die einzelnen Kirchen taufen? - Das ist konfessions- und gemeindeabhängig verschieden - entweder durch das komplette Eintauchen bzw. Untertauchen des Täuflings, oder durch die Besprengung  des Kopfes mit ein paar Tropfen oder einer "Handvoll" Wasser.     

Antwort
von klugerpapa, 40

Er hat die Zahl der Sakramente reduziert: Nur noch Taufe und Abendmahl. Es gibt nur "die" Taufe. Sie wird von beiden Großkirchen gegenseitig anerkannt. Getauft ist getauft. Die Freikirchen erkennen sie nicht an und taufen noch einmal. Sie sind "Wiedertäufer".  Übrigens: Über Luther gibt es einen tollen Film!

Kommentar von JTKirk2000 ,

Es gibt nur die Taufe? Interessant, denn wie Christus getauft wurde, wird heute kaum noch jemand oder vermutlich niemand mehr in einer Großkirche getauft. Die Taufen, die es in den Großkirchen zumindest heutzutage gibt, also das Beträufeln der Stirn ist bestenfalls noch als symbolische Taufe anzusehen, aber nicht mehr mit dem, was Christus als seine Taufe erlebt hat, gleichzusetzen und ebenso wenig, wie mit dem, was er aus Wasser und Geist wiedergeboren zu werden gemeint hatte.

Kommentar von Flo834 ,

Die Freikirchen erkennen sie nicht an? Dann sind die Freikirchen, in denen ich bisher war wohl heimlich staatliche Kirchen. Verschiedene Arten von Taufe gibt es übrigens durchaus, denn die meisten staatlichen Kirchen träufeln nur Wasser auf den Täufling, während Freikirchen eher mit Untertauchen taufen, außerdem gibt es nicht in allen Gemeinden die Säuglingstaufe, das ist auch eher in der Staatskirche so.

Antwort
von klugerpapa, 42

Es gibt einen tollen Film! Hol ihn dir! Das Sakrament der Taufe gab es immer schon und wird zwischen den  Kirchen übrigens anerkannt. Getauft ist getauft. Die Freikirchen erkennen die Taufe nicht an und taufen noch einmal. Sie sind "Wiedertäufer". 

Kommentar von JTKirk2000 ,

Die Freikirchen erkennen die Taufe nicht an und taufen noch einmal.

Erstens kann man das nicht verallgemeinern und zweitens warum wohl wird die Taufe bei denen, die die Taufe der Großkirchen nicht annehmen, nicht angenommen?
Dies geschieht aus drei Gründen:
Erstens kann ein kleines Kind oder gar ein Kleinkind nicht für sich entscheiden, ob es getauft werden möchte. Stattdessen entscheiden die Eltern für ihr Kind.
Zweitens ist die Erbsünde nichts weiter als eine Erfindung der römisch-katholischen Kirche ohne jede biblische Grundlage. Kleine Kinder sind unschuldig und bedürfen daher die Taufe nicht. Die Taufe aber dient der Reinwaschung von allen Sünden, von denen man zuvor umgekehrt ist.
Drittens geschah die Taufe zur Zeit Christi durch Untertauchen im Wasser. Man legte durch das Eintauchen ins Wasser sein altes Leben nieder und wurde aus Wasser und Geist von Neuem geboren, so wie Christus es zu Nikodemus laut der Bibel sagte. 

Das Beträufeln der Stirn des Täuflings in den Großkirchen ist bestenfalls, aber auch nur wenn man bei dieser Betrachtung beide Augen zudrückt, symbolisch für die Taufe durch Untertauchen zu sehen, und erst recht in Bezug darauf, dass in der Zeit Christi keine Kinder, sondern Erwachsene getauft wurden - auch Jesus wurde erst als Erwachsener getauft. 

Insofern ist es ein Wunder, dass überhaupt eine Religion außer den Großkirchen, die diesen Mist immer noch weiter verzapfen - sorry aber nichts anderes ist es, wenn man sich über die Entscheidungsfreiheit Minderjähriger in einem so wichtigen Bündnis hinwegsetzt - die in den Großkirchen durchgeführten Taufen akzeptiert.

Antwort
von RobinsonCruesoe, 51

Luther hat aus dem Priesterstand einen ganz normalen Beruf gemacht, wie den Elektriker oder die Fleischereifachverkäuferin. Theoretisch könnten auch diese taufen bzw. die Taufe vornehmen, vorausgesetzt, er oder sie ist getauft.

Kommentar von SteveGibtRat ,

warum einen normalen beruf geschaffen?

Kommentar von Viktor1 ,
Theoretisch könnten auch diese taufen bzw. die 
Taufe vornehmen,

Nun, dies hat mit lutherischer Lehre nicht zu tun. Auch in der kath. Lehre kann jeder z.Bsp. die Nottaufe  spenden, sogar wenn er nicht getauft oder ungläubig ist. Dies erscheint unlogisch, ist aber so.
https://de.wikipedia.org/wiki/Nottaufe#G.C3.BCltigkeit.
Außerdem hat Luther keinen "normalen" Beruf aus dem Priesterstand gemacht sondern das Weihepriestertum verworfen  - wahrscheinlich aus ziemlich egoistischen Gründen.
Er war Weihepriester mit Zölibat und wollte da raus. Da mußte die Lehre "korrigiert" werden.

Kommentar von RobinsonCruesoe ,

Ich muss Dir recht geben, das Entscheidende ist tatsächlich, dass Luther das Weihepriestertum abgeschafft hat. Das kommt in meiner Antwort nicht so zur Geltung. 

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