Frage von flowergilrl, 40

Evangelisch Pilgern?

Hallo
Ich mache einen Vortrag über das Pilgern und bin mir mit dem folgenden Text, den ich verfasst habe sehr unsicher, ob das so stimmt. Wenn ihr was von Religion versteht, wäre ich euch sehr dankbar, wenn ihr das durchlesen könntet und mir sagen könntet ob das richtig ist und ob man es noch besser und verständlicher formulieren kann.
Danke :)

Hier der Text:
Das Pilgern und Wallfahren war einst nur auf das Katholische beschränkt. Es gab zur Zeit der Reformation viel Kritik am Wallfahrtswesen und man glaubte, dass Pilgern rein katholisch sei. Die Werkgerechtigkeit ist ein Begriff aus Martin Luthers Rechtfertigungslehre. Sie besagt, dass die Menschen vor Gott gerecht werden, solange sie fromme Taten und gute Werke tun. Diese Ansicht lehnte Martin Luther jedoch strikt ab, denn er betont, dass man vor Gott allein durch dessen Gnade und durch den Glauben an die Erlösung und Auferstehung Jesu gerecht werden kann. Dieser Grundsatz, „allein aus Gnade“, ist ganz besonders in der evangelischen Theorie bedeutend. Daher haben früher die meisten Leute gedacht, das Pilgern gehöre zu den sogenannten frommen Taten und guten Werken aus der Werkgerechtigkeit und es konnten nur die katholischen Leute pilgern, da sie dieser Ansicht waren. Die Ansicht Martin Luthers, und somit die des Evangelischen war, dass man allein durch Gottes Gnade gerecht wird, daher fand man früher, dass Pilgern eher katholisch war und nicht evangelisch. Das neue und heutige evangelische Verständnis vom Pilgern ist jedoch nicht dasjenige, dass man nicht pilgern sollte, weil man schon allein durch den Glauben gerecht wird. Es wird nicht gepilgert, um gute Taten zu vollbringen und somit als Katholik vor Gott gerecht zu werden. Es wird gepilgert, um sich selbst im Inneren auf Gott ausrichten zu können, man tut es für einen selbst und nicht dafür, vor Gott gerecht werden zu können.

Antwort
von Viktor1, 23

Hallo,

Es wird gepilgert, um sich selbst im Inneren auf Gott 
ausrichten zu können, man tut es für einen selbst und
nicht dafür, vor Gott gerecht werden zu können.

Ja, das ist auch die katholische Auffassung des Pilgerns wie auch die zum Fasten oder zu Exerzitien .
Dies alles sind keine "Guten Taten" im Sinne der Botschaft Jesu (Tun der Gerechtigkeit = Nächstenliebe) welche sehr wohl zur Erlangung des "Heils"
(nach Jesus, nicht nach Luther) erforderlich sind.

Daher haben früher die meisten Leute gedacht, das
Pilgern gehöre zu den sogenannten frommen Taten
und guten Werken aus der Werkgerechtigkeit

Du meinst, die meisten Evangelischen haben dies gedacht - und Werksgerechtigkeit ist ein Begriff aus der reformatorischen Theologie und hat mit der kath.Lehre nichts zu tun.
Tatsächlich wurde von evangelischer Seite mal das Pilgern mit der Todesstrafe bedroht. Kannst du ja in deinen Vortrag einbringen ebenso wie die falschen Vorstellungen welche Evangelische von der kath. Lehre haben .
Selbstverständlich gab (und gibt) es auch "Gläubige" welche meinen, sich mit religiösen Übungen den "Himmel" zu verdienen. Viele Evangelische meinen ja
statt dessen,daß sie nur "glauben" brauchten - auch nicht besser.

Gruß Viktor

Kommentar von flowergilrl ,

danke für die Verbesserungen :) Allerdings verstehe ich immernoch nicht ganz, worin jetzt genau der Unterschied katholisch/evangelisch beim Pilgern liegt. Warum fanden die Evangelischen, dass sie nicht pilgern sollten und was für ein falsches Verständnis hatten sie zu den Katholiken?

Kommentar von Viktor1 ,
Warum fanden die Evangelischen, dass sie nicht 
pilgern sollten

Du hast es doch schon selbst gebracht.

Die Werkgerechtigkeit ist ein Begriff aus Martin
Luthers Rechtfertigungslehre. Sie besagt, dass
die Menschen vor Gott gerecht werden, solange
sie fromme Taten und gute Werke tun....
...vor Gott allein durch dessen Gnade und durch
den Glauben an die Erlösung und Auferstehung
Jesu gerecht

Dies war einmal die falsche Vorstellung, die damals und auch heute
dem religiösem Leben der Katholiken zugedacht war (z.Bsp. die Katholiken brauchen nur zu beichten und meinen damit das "Heil" zu erlangen) zum anderen die reformatorische Theologie, welche jeden Zusammenhang vom Tun des Menschen zu seinem Heil leugnet.

"Sensibilisiert" wurde Luther durch den Ablaßhandel und anderen
"Lehren" welche mißverständlich tatsächlich den Gläubigen das "Heil" versprachen durch religiöses "Verhalten" ( wie auch immer)
Es ist tatsächlich auch heute unter kath. "Gläubigen" noch weit verbreitet, daß viel beten, in die Kirche gehen und die "10 Gebote" halten zum Heil führen - wovon Jesus natürlich nichts gesagt hat.
Er hat aber auch vom Glauben an seine "Erlösungstat" nichts gesagt oder vom "Heil durch Gnade allein" (Sola gratia).

worin jetzt genau der Unterschied katholisch/
evangelisch beim Pilgern

 Hatte ich doch schon gesagt - im Prinzip keiner.

Kommentar von RudolfFischer ,

Zitat: "Es ist tatsächlich auch heute unter kath. "Gläubigen" noch weit
verbreitet, daß viel beten, in die Kirche gehen und die "10 Gebote"
halten zum Heil führen - wovon Jesus natürlich nichts gesagt hat.
Er hat aber auch vom Glauben an seine "Erlösungstat" nichts gesagt oder vom "Heil durch Gnade allein" (Sola gratia)."

Gut, jetzt wissen wir, was er alles _nicht_ gesagt hat.

Ich vermisse jetzt deinen positiven Ansatz, wie sieht der denn aus?

Kommentar von Viktor1 ,


Gut, jetzt wissen wir, was er alles _nicht_ 
gesagt hat.
Ich vermisse jetzt deinen positiven Ansatz, wie
sieht der denn aus?

Ich verstehe jetzt wohl deine Frage nicht richtig - manche haben hier Schwierigkeiten, sich richtig auszudrücken.
Oder hast du Schwierigkeiten in den Evangelien die Botschaft Jesu zu finden ?
Hier ist wohl nicht der Platz dafür dich darin einzuweisen. Ich empfehle dir für den Anfang entsprechende Literatur oder auch die Suche hier im Netz - wenn dich das wirklich interessiert.

Antwort
von RudolfFischer, 11

Zunächst einmal ein Hinweis:

Es gibt in Deutschland seit einigen Jahren einen evangelischen Pilgerweg von Loccum nach Volkenroda.

http://www.loccum-volkenroda.de/

Da sieht man, dass das Pilgern heute auch durchaus eine Sache der Protestanten ist. Darüber hinaus ist Pilgern für jedermann, gläubig oder ungläubig, sinnvoll, um einen Rahmen zu haben, in dem er über sich und seine Position in der Welt nachdenken kann.

So pilgert man aber letzten Endes doch nicht nur für sich, da der Mensch ein soziales Wesen ist und deshalb das Nachdenken über seine Position unweigerlich auch dazu führt, sein Verhältnis zu seinen Mitmenschen und der ürbigen Welt zu bedenken. Die Gesellschaft und Begegnung mit anderen Pilgern ist dazu sinnvoll und kann sehr hilfreich sein, ist aber nicht unbedingt notwendig.

Wer nun religiös ist, wird heutzutage kaum noch unterwegs sein, um irgendetwas für den Himmel zu "leisten". Aber auch nicht für Gott, denn der ist nicht auf uns angewiesen. Ausrichtung auf ihn ist richtig, denn das ist das Nachdenken über die eigene Position ihm gegenüber, letzten Endes aber doch unablösbar von seiner Schöpfung, die man gerade als Fußgänger sehr eindrücklich (für die Füße im wahrsten Sinne des Wortes) erlebt.

Also Ausrichtung auf ihn und seine Schöpfung, damit man selbst zu einer harmonischeren Verhältnis in dem Dreieck Gott - Mensch (ich) - Mitmensch (und übrige Schöpfung) findet. "Antenne ausfahren" ist wichtig, dann erfährt man viel unterwegs. Davon kann fast jeder Pilger berichten.

Meine "Übersichtsseite über meine Pilgerberichte" findet man im Netz, wenn man genau diese Wörter unter Google eingibt. 

Antwort
von kubamax, 19

Das Pilgern wird meditativ erlebt, bzw. wenn du religiös bist, spirituell.

Es gibt bei den nordamerikanischen Indianern die Medizinwanderung. Ich glaube auch bei den Aboriginis.

Dann gibt es noch den alten asiatischen Spruch (Konfuzius?), der Weg ist das Ziel.

Für religiös und/oder spirituell interessierte Männer sind Wanderungen besonders wichtig (s. Der Wilde Mann, Richard Rohr)

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