Frage von PokemonJunkie3, 205

Euro-Crash 2017?

Hallo, ich habe mir schon einige Berichte zum Euro-Crash durchgelesen...Aber ich verstehe es nicht, kann mir jemand die ganze Sache einfach erklären ? :) Danke

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von Unsinkable2, Community-Experte für Politik, 141

Aber ich verstehe es nicht, kann mir jemand die ganze Sache einfach erklären ?

Du willst eine Sache, über die man ganze Bücher schreibt, um sie zu erklären, einfach erklärt haben? 

Unter "Euro-Crash" versteht man im Allgemeinen das "Auseinanderbrechen der Euro-Zone". 

Wahlweise kann das geschehen, indem die Staaten wieder zu ihren alten (oder auch ganz neuen) Währungen zurückkehren. Deutschland bekommt wieder die D-Mark, Frankreich den Franc, Italien die Lira, und so weiter...

Alternativ können sich aus der einen gemeinsamen Euro-Zone eben "mehrere Euro-Zonen" bilden, etwa eine "Nord-Euro-Zone" und eine "Süd-Euro-Zone". (Ob deren Währungen dann immer noch Euro oder anders heißen, ist dahingestellt.)

Euro-Crash 2017?

Das ist eine Untergangs-Theorie, also ein "worst-case"-Szenario. Manche behaupten auch, es sei ein "best-case"-Szenario. (Darunter beispielsweise jene, die sich einen kompletten System-Zusammenbruch wünschen.)

Ob es allerdings 2017, 2018, 2020 oder nie geschieht, steht in den Sternen. Wer behauptet, ein Datum vorhersagen zu können, der betätigt sich als Prophet. ... Und wie das mit der Prophetie so ist: Es kann eintreten; es muss nicht.

Richtig ist jedoch, dass alle bisherigen Versuche, den Euro - und vor allem die Euro-Zone - zu stabilisieren, weitgehend fehlgeschlagen sind. Selbst die Null-Zins-Politik der Zentralbank, die im Allgemeinen als "letztes, dafür aber definitiv wirksames Mittel" galt, hat sich als vollständiger Fehlschlag erwiesen. Und schlimmer noch: Es hat sogar in eine Sackgasse geführt, die man wohl kaum schadlos verlassen können wird.

Richtig ist auch, dass sich bereits neue Krisen abzeichnen, obwohl die "alte" Krise von 2007/2008 immer noch nicht beendet ist (und auch kein Ende abzusehen ist).

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Letztlich ist "Geld" aber nichts anderes als eine "Vereinbarung des Vertrauens". Wenn Geld(-Märkte bzw. -Systeme) also "crashen", dann ist es weniger das Geld, das crasht, sondern vielmehr das gegenseitige Vertrauen.

Um es mit Douglas Adams zu sagen:

Dieser Planet hat - oder besser gesagt, hatte - ein Problem: die meisten seiner Bewohner waren fast immer unglücklich. Zur Lösung dieses Problems wurden viele Vorschläge gemacht, aber die drehten sich meistens um das Hin und Her kleiner bedruckter Papierscheinchen, und das ist einfach drollig, weil es im großen und ganzen ja nicht die kleinen bedruckten Papierscheinchen waren, die sich unglücklich fühlten.

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Das heißt aber nicht, dass es nicht trotzdem Möglichkeiten gibt, diesen Crash zu verhindern. Die liegen nur jenseits der religiösen Vorstellungen der Verantwortlichen. Insofern ist es jetzt vor allem eine Frage, was den Leuten wichtiger ist: Rettung des (Finanz-)Systems oder die eigene Religion...

Und hier siehst du es deutlich: Es ist nicht so sehr ein Automatismus, der zwingend eintreten muss, ob man will oder nicht. Vielmehr ist es eine Frage von menschlichen Entscheidungen. Und die sind - auch in der hohen Politik - nicht wirklich vorhersagbar...

Antwort
von Tuplo, 115

Diese Berichte zum "Euro-Crash" sind meistens Lockangebote unseriöser Finanzdienstleister, die dir ausmalen, was passiert wenn..., und dir dann anbieten, zu einem monatlichen Abo-Preis von nur 29,90€ die Finanzprodukte zu empfehlen, mit denen du dein Geld angeblich vor den Finanzmarktschwankungen eines Euro-Crash in Sicherheit bringen kannst. 

Die Tipps sind nichts besonderes: Wenn du ein wenig im Wirtschaftsteil einer großen Zeitung oder auf den Börsenseiten der Nachrichtensender stöberst oder den Bankberater deines Vertrauens fragst, findest du dort die gleichen Hinweise - kostenlos und ohne Abo!

Günther Hannich ist so ein Vogel, der gerne mal den Euro-Untergang prophezeite. Ich habe eine Weile lang seine "Werbung" zu Dokumentationszwecken gesammelt: 2009 fing er mit dem Euro-Untergang an, dann 2010, 2011, 2012, 2013 und zuletzt habe ich seine düsteren Vorhersehungen 2014 gesehen. Seitdem nicht mehr - wahrscheinlich ist ihm klar geworden, dass er als Euro-Untergangsprophet noch mal zum Nachsitzen muss!

Der Brexit (wenn er denn jemals kommt - bislang ist GB immer noch Vollmitglied) hätte auf die Eurozone im Übrigen eine gute Auswirkung: dass GB nämlich nicht mehr mitbestimmen darf, wenn's um Eurofragen geht [und das, obwohl sie selbst kein Euroland sind]. 

Sollten sich die Briten durchsetzen, wird das andere Staaten im Euro motivieren den Euro zu verlassen.

Eine Motivation den Euro zu verlassen hätte im Übrigen nur die Staaten, die dadurch einen Gewinn hätten und es sich leisten könnten. Das sind aktuell nur die Niederlande, Luxemburg und Deutschland; alle anderen hängen zu sehr mit ihren Staatsschulden durch, als dass sie einen Euro-Austritt volkswirtschaftlich verkraften könnten.

Ich gehe nicht davon aus, dass der Euro zerfällt: vielmehr wird es immer neue Instrumente geben, um die Eurostaaten mit ihren Schulden und schlechten Staatshaushalten immer weiter aneinander zu binden, damit ein Austritt zunehmend unwahrscheinlich wird.

Antwort
von dan030, 99

Also wenn jemand behauptet, dass der Euro in 2017 "crashen" wird, dann ist das definitiv unseriös.

Was allerdings stimmt: die Finanz-/Zins-/Kapitalfehlallokationskrise, die wir seit den ausgehenden Nullerjahren haben, ist nach wie vor nicht gelöst. Und im nächsten Jahr stehen in mehreren Eurozonen-Mitgliedsstaaten Wahlen an, die das mittel-/langfristige Entscheidungsgefüge maßgeblich beeinflussen könnten. (Betrifft auch Deutschland, vornehmlich aber FR/NL.) Zudem könnte die EZB unter Druck geraten, den Leitzins evtl. schneller als allgemein erwartet anzuheben. Und die südeuropäischen Finanzkrisen sind nach wie vor nicht nachhaltig gelöst.

Es ist also durchaus nicht unwahrscheinlich, dass es "Verwerfungen am Finanzmarkt" geben wird, wie man es so schön nennt. Ob das aber zwangsläufig zum "Crash" führt, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Wahrscheinlich ist, dass die Börsen mehrmals in 2017 gehörig Achterbahn fahren werden. Unwahrscheinlich hingegen ist, dass es einen Totalkollaps der Finanzsysteme, bzw. auch der Realwirtschaft gibt.

Kommentar von Unsinkable2 ,

Und die südeuropäischen Finanzkrisen sind nach wie vor nicht nachhaltig gelöst.

Das gilt auch für die "deutsche" Finanzkrise. Ein Großteil des "Haushalts-Ausgleichs" wird durch die aktuelle Finanzpolitik der EZB bestritten. 

Ob das aber zwangsläufig zum "Crash" führt, steht auf einem ganz anderen Blatt.

"Crash" ist ein subjektiver Begriff. Insofern hängt es davon ab, wie er definiert wird. Einzig die "Umrubelung" in neue Währungen ist (derzeit) noch unwahrscheinlich... 

Auch hier auf Deutschland gezeigt: Wenn 60% des Handelsvolumens (und steigend) von der finanziellen Stabilität der externen Zielmärkte abhängen, entstehen spannende Kausalketten. Und selbst positive 10% (bereinigtes Defizit) Einbruch dürften sich katastrophal (in jeder beliebigen Definition des Wortes) auswirken...

Antwort
von voayager, 76

Ist möglich, letztendlich läßt sich das aber nicht wirklich abschätzen.

Antwort
von soissesPDF, 89

Der Euro hat zwei Kosntruktionsfehler, der erste ist, dass diese Währung die wirtschaftlichen Unterschiede in den Mitgleidländern nicht ausgleichen kann.

Den zweiten brachte die Finanzkrise und einhergehende Bankenrettung, die unmittelbar in der Überschuldung der Staaten mündete.

Die ersten die den Reigen eröffneten sind die Briten mit ihrem Brexit, auch ohne, dass sie Euromitgliedsland wäre.
Sollten sich die Briten durchsetzen, wird das andere Staaten im Euro motivieren den Euro zu verlassen.

Dass der Euro noch nicht geplatzt ist verdankt er allein der Geldpolitik der EZB und deren Aufkauf von Staatsschulden.
Was jedoch nichts daran ändert, das die europäischen Banken, auch die in Deutschland auf einem Berg fauler Kredite sitzen, Schulden die niemand bezahlt und nicht bezahlen wird.

Ob und wann das zum Crash führt, kann dahingestellt bleiben.
Wäre nicht das erstemal in der Geschichte des Geldes, dass eine Währung untergeht.
Die Deutschen haben Erfahrung damit, gleich mehrmals im letzten Jahrhundert.

Kommentar von AalFred2 ,

Sollten sich die Briten durchsetzen, wird das andere Staaten im Euro motivieren den Euro zu verlassen.

Welche Staaten sollten durch einen EU-Austritt Grossbrittaniens warum zum Verlassen des Euro motiviert werden?

Antwort
von Ikonos, 101

Mit dem Euro-Crash verhält es sich in etwa so wie mit den ständig wiederkehrenden Weltuntergangsszenarien~~~

Kommentar von Maxieu ,

Du Glaubst wirklich, dass der Euro und "die Welt" (also menschliches Leben auf der Erde) ungefähr die gleiche Lebensdauer haben?

Dann wäre ja der Euro die stabilste Währung in der Geschichte der Menschheit. Wie beruhigend. Denn wir haben ja keine Anhaltspunkte dafür, dass "die Welt" bald untergeht, wenn ich dich recht verstehe und wie auch ich meine.

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