Frage von Raptoryoshi, 68

Eure Meinung zählt: Gibt es so etwas wie Freitod?

Selbstmord ist ein dehnbarer Begriff :) Er lässt sich theoretisch in Suizid und Freitod weiter definieren. Suizid ist dabei der verzweifelte und letzte Ausweg, der einem angesichts seiner Depression bleibt (oder auch nicht, wollte hier dramatisieren), während der Freitod der gewollter Tod (also man freut sich sogar schon drauf) im vollständig geistigen Zustand. Hauptfrage: Würde sich ein Mensch, der auf sein glückliches Leben schaut, den Freitod suchen? Bin schon gespannt zu diskutieren. Eure Meinung zählt.

Antwort
von Pescatori, 19
Ja, ihn gibt es

Die Fragestellung beinhaltet ja wohl auch die Annahme, dass
der Tod normalerweise kein „freier“ ist.

Da wir in unserer Gesellschaft die einzige Gewissheit unseres Lebens kaum wirklich zur Kenntnis nehmen, trifft uns unser Lebensende fast immer unvorbereitet.

Im Spätmittelalter gab es die „ars moriendi“ („die Kunst des guten Sterbens“) . Im tibetischen Totenbuch wurde versucht,  den Weg des Sterbenden über den Zeitpunkt des Todes hinaus zu beschreiben und ihn  auf seinem Weg über die Schwelle zu begleiten.

Es war zu anderen Zeiten auch bei uns und  ist vielleicht  in anderen Kulturen auch heute noch möglich, dass der Tod des Menschen ein angenommener, ein „freier“ Tod ist.

Ich fände es wünschenswert, wenn dieser Aspekt eines „freien
Todes“ in die Diskussion um den „Freitod“ miteinbezogen würde.

Dass in den meisten Fällen heute der Suizid eine "Selbsttötung aus Angst vor dem Tod" ist, möchte ich damit nicht infrage stellen.

Antwort
von Enzylexikon, 23

Eine Selbsttötung ist aus meiner Sicht praktischer immer ein Vermeidungsverhalten und eine Form von Flucht.

Man meint, den emotionalen Schmerz einer Trennung nicht aushalten zu können - und anstatt den eigenen Egoismus zu erkennen, flieht man in die Selbsttötung

Man meint, mit einer Herausforderung überfordert zu sein - und anstatt sich seiner Verantwortung zu stellen, flieht man in die Selbsttötung.

Man meint, die Erfahrung des langsamen Sterbens nicht machen zu wollen - und anstatt sich auf die Erfahrung einzulassen, flieht man in die Selbsttötung.

Man meint, die eigene Pflege würde die Angehörigen zu sehr belasten und anstatt sich auszusprechen, flieht man in die Selbsttötung.

Eine Person die mit sich und dem Leben wirklich im Reinen ist, wird aus meiner Sicht keine Selbsttötung begehen.

So eine Selbsttötung ist auf irgendeine Weise praktisch immer egoistisch motiviert und man nimmt dabei keine Rücksicht auf das resultierende Leid für Angehörige, Freunde, Pfleger - oder jene Person, welche die traumatische Erfahrung des Leichenfunds macht.

Kommentar von Pescatori ,

Bist Du Dir wirklich sicher, dass "eine Selbsttötung ... auf irgendeine Weise immer egoistisch motiviert" ist?

Wenn ich in Absprache mit meinen Angehörigen nach sorgfältiger Abwägung zu dem Entschluss komme, dass sich mein Leben erfüllt hat und ich nicht in den Teufelskreis der Medizin geraten will auf Essen und Trinken verzichte, dann ist das auch eine Selbsttötung.

Deine radikale Haltung kann ich vor dem Hintergrund eines religiösen Verbots verstehen. Das braucht doch aber nicht zur Folge haben, dass Du allen, die anders denken als Du, Egoismus unterstellst.

Kommentar von Enzylexikon ,

Bist Du Dir wirklich sicher, dass "eine Selbsttötung ... auf irgendeine Weise immer egoistisch motiviert" ist?

Ja, ich denke schon, denn das "Leidenvermeidungsverhalten" ist ichbezogen.

Ob der Vorsatz "ich will meine Angehörigen nicht mit meiner Pflege belasten" zu einer selbstlosen oder egoistischen Handlung führt, darüber könnte man sicher diskutieren.

Ich bin jedenfalls skeptisch, denn die wahre Motivation könnte vielleicht eher die Angst vor dem Ausgeliefertsein, oder der Verlust persönlicher Würde sein - auch wenn es einem nicht bewusst ist.

Deine radikale Haltung kann ich vor dem Hintergrund eines religiösen Verbots verstehe

Ich bin ganz sicher nicht das moralische Gewissen der Welt und meine Meinung beruht auch nicht auf religiösen Vorbehalten.

Ich habe mich mit dem Thema befasst, da ich schon mehrfach mit Personen sprach, die gescheiterte Selbsttötungsversuche hinter sich haben und mit Angehörigen von erfolgreichen Selbsttötungen.

Es ist lediglich meine persönliche Meinung, dass es so etwas wie einen "freiwilligen Tod" außerhalb einer emotionalen Ausnahmesituation nicht gibt und diese Entscheidung praktisch immer egoistische Züge aufweist.

Selbst das Modell der Mutterliebe - "lieber sterbe ich, als das mein Kind umkommt" - ist möglicherweise egoistisch.

Man kann sich das Leben nicht ohne das eigene Kind vorstellen und will diese Situation vermeiden, um sich diesem Leiden zu entziehen.

Dann ist die Selbstaufopferung eine Möglichkeit, dieses Vermeidungsverhalten mit moralischen Gründen vor sich selbst zu rechtfertigen.

Wenn jemand diesbezüglich eine andere Ansicht hat respektiere ich das - aus meiner Sicht sind es jedenfalls egoistische Motive, die einen Menschen zum Entschluss der Selbsttötung führen.

Antwort
von Blueman66, 35

Kann er, wenn er zum Beispiel plötzlich Querschnittsgelähmt wird, aber vorher ein wunderschönes Leben geführt hat, dies geht natürlich mit jeder anderen Krankheit mit der die Person nicht mehr klar kommt.

Kommentar von Raptoryoshi ,

Die frage die ich mir jetzt stelle ist, ist das dann schon ein verzweifelter Selbstmord, da er eine krankheit nicht mehr ertragen möchte?

Kommentar von Blueman66 ,

Nein, wenn er immernoch glücklich ist nur nicht mit der Krankheit leben will/kann, die meisten Selbstmörder denken nur an die schlechten schlechten Zeiten erinnern beim Freitod aber erinnert man sich an die guten Dinge

Kommentar von Raptoryoshi ,

Ach so... danke für den beitrag :)

Antwort
von bachforelle49, 8
Ja, ihn gibt es

ja, auch das vermeintliche Glück befreit dich nicht von einer Entscheidung - wie auch immer... Was nützt Glück, wenn Einsamkeit.. oder was nützt Geld, wenn Krankheit aller Arten (drohen)..?

Aber vor allem ist das auch eine Frage des Alters, denn Sokrates hätte seinen Schirlingsbecher auch nicht in und mit jungen Jahren eingenommen.. Auf jeden Fall gibt den - gewollten - Freitod und die Entscheidende Frage ist, auch gesellschaftlich.., ob nicht eine Erleichterung in Sachen Freitod existieren und beinhalten sollte, wenns gar nicht mehr geht und für alle Beteiligten nur noch Quälerei? Unsere Gesellschaft hat doch jetzt schon Probleme mit dem Umgang, auch die Ärzte, die die Pillen verschreiben und verordnen..

Glück ist nur ein momentaner Ausdruck(bruch) und umschreibt viel Geld zu haben. Das macht aber unsere Gesellschaft so fragil, weil es keine " Sokratesse " mehr gibt, die also auch beriet sind, ein Idol, Vorbild zu sein und vorleben zu können! Politiker, die sich als erstes an der Schraube mit der Diätenkasse bedienen (hier gerne Selbstbedienungsmentalität), sond natürlich alles andere als Vorbilder sonders im Endeffekt Loosernaturen...

Antwort
von Ottavio, 17
Ja, ihn gibt es

Es gibt einige große Philosophen, die im fortgeschrittenen Alter den Freitod gewählt haben, ohne Not, weil sie eben beschlossen haben, auch in dieser Hinsicht frei sein zu wollen. Sokrates wird gern als Paradebeispiel genannt.

Antwort
von himbersalat, 36

nehmen wir mal an einer hötte das gemacht vielleicht war er glücklich aber er steht auf sowas

Antwort
von AnonYmus19941, 27

Suizid ist der medizinische Term für den Selbstmord. Mit Depressionen o. ä. hat das absolut nicht zu tun.

"Freitod" ist ein Euphemismus, der allerdings ebenfalls die gleiche Bedeutung hat.

=> Drei Synonyme; die Gründe dafür sind unabhängig vom Namen

Kommentar von Ottavio ,

Das ist zwar richtig, aber die fragende Person hat ja erklärt, wie sie die Ausdrücke verstanden haben will. Darauf sollten wir uns einlassen.

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