Frage von Calypsolie, 119

Eure Meinung! Gewalt in der Erziehung. Sinnlos oder sinnvoll?

Da ich väterlicherseits auch "sehr autoritär" erzogen wurde, möchte ich mir einfach mal eure Meinung zu dem Thema einholen. 1. Habt ihr in eurer Kindheit häusliche Gewalt erfahren? 2.Wenn ja, welches Elternteil war der Gewalttäter? 3. Wie alt wart ihr? 4. In welcher Art und Weise? (Härte, Methode, Häufigkeit) 5. Wie genau habt ihr euch dabei gefühlt? 6. Fazit: Gewalt in der Erziehung, sinnlos oder doch etwa sinnvoll? 7. Merkt ihr jetzt irgendwelche bleibenden Schäden? (Die Frage stelle ich deshalb, weil ich selbst mit den Spätfolgen zu kämpfen habe)

(Nachträgliche Bearbeitung: Ich sollte vielleicht erwähnen, dass ich noch nicht erwachsen bin.)

Antwort
von EstherNele, 77

Mein Vater war bis zu seinem Ende der festen Überzeugung, das sei für meine Erziehung einfach nötig gewesen.
"Das" waren seine völlig unvorhersehbaren Prügelattacken, für die es oft nicht mal einen Auslöser gab. Meine erste ausgekugelte Schulter - ich bin gegen den Kachelofen geknallt, als er hat mich am Oberarm hinter sich her durch die Wohnung geschleift hat - da war ich sechs. Meine Krankenakte in der chirurgischen Ambulanz, dort, wo ich groß geworden bin, ist fast 8 cm dick. Das Spektrum reicht von "nur Platzwunde" über Nasenbeinbrüche, angebrochene Kniescheibe, wieder eine ausgekugelte Schulter, eine Stichverletzung knapp neben der Wirbelsäule (ein fliegender frisch angeschliffener Spachtel) bis hin zum multiplen Kieferbruch mit Jochbeinbruch und dabei eingebüßten 8 Zähnen. Da war ich 12 und seitdem habe ich Zahnersatz. Ein Jahr später hat er mir so einen Schlag aufs Brustbein versetzt, dass die Spitze abgebrochen ist. 

Grund: ich war ein Mädchen, die unerwünschte Tochter, von der er 30 Jahre lang geglaubt hat, dass sie ein Kuckuckskind sei. Warum? Weil etwas anders lief, als er es wollte. Weil ich seinen Erwartungen nicht entsprach. Weil ich nicht genug Respekt vor ihm hatte - meinte er. 

Es gab ein paar Mal eine Anzeige der Schule wegen Körperverletzung, allerdings hatte mein Vater die richtigen Verbindungen, so dass ihm nie was passiert ist, es gab nie mehr als ein Gespräch auf der Polizei.

Wie fühlt man sich dabei? Ich weiß heute noch,wie sich nackte Angst anfühlt. Das habe ich nie wieder so erlebt. Ich hatte mit 15 ein ganzes Röhrchen seiner Herzmedikamente (eine bunte Mischung), ein großes Messer mit vielleicht 25 cm Klinge aus der Küche und eine Packung Rasierklingen unter der Matratze versteckt. Irgendwie hatte das was Beruhigendes - sollte es noch schlimmer werden, dann wäre ich für eine finale Lösung vorbereitet. Ich habe nicht ein einziges Mal daran gedacht, die Pillen zu schlucken - aber sie dort zu wissen, hat irgendwie geholfen.

Drei Suizidversuche zwischen 17 und 18. Nachdem mich mein Vater aus dem KH abgeholt hat - man hatte mir den Magen ausgepumpt wegen Überdosis Tabletten - hab ich Prügel bekommen wie noch nie zuvor.
"Weißt du, was sie mit jemandem wie dir früher bei der Wehrmacht (er war bei der Wehrm.) gemacht hätten? Jemand, der seine Kameraden bestielt? Man hätte ihn standrechtlich erschossen." Das ist ein Originalzitat.

Mit 18 zu Hause raus - mit Hilfe von Polizei und Jugendhilfe.

Ich habe bis heute Schwierigkeiten, jemandem wirklich zu vertrauen. Hilfe anzunehmen von anderen ist wie ein Abhängigkeitsverhältnis für mich. Ich glaube, emotional bin ich heute noch ein "Fluchttier".

Mit Mitte dreißig habe ich das erste Mal erlebt, dass ich meine Flashbacks mitunter nicht mehr kontrollieren konnte und es nicht beim Schreck blieb, sondern sich zu richtiggehenden Panikattacken auswuchs. 

Danach bin ich für eine ganze Weile freiwillig in eine psychotherapeutische Gesprächsgruppe gegangen. 
Den Kontakt zu meinem Vater habe ich vor dreißig Jahren endgültig abgebrochen.
Ich würde manche Situationen heute noch nicht ertragen, da bin ich sicher.
Zum Beispiel in einem Fußballstadion - zu viele Menschen zu dicht und dann auch noch laut und sehr emotional - eine reine Angstsituation für mich.
Gilt ebenso für Open- Air-Konzerte. Oder wenn jemand brüllt. Aber damit kann ich umgehen, das behindert mich nicht in meinem Alltag.

Ich denke, mein Statement, was ich von einer Erziehung mit Gewalt halte, braucht es nicht mehr ...

Antwort
von SuMe3016, 115

Was soll denn sinnvoll daran sein?? Mal abesehen von der moralischen Verwerflichkeit ist es mittlerweile allseits bekannt, dass das Gehirn positive Reize für eine optimale Lern- und Persönlichkeitsentwicklung braucht.

Antwort
von eostre, 79

Erstmal sind Gewalt und Autorität zwei unterschiedliche Dinge.

Ich selbst bin mit dem berühmten klaps aufgewachsen und finde sehr wohl, dass es geschadet hat. Ich kann inzwischen nachvollziehen, warum meine Mutter dieses Mittel wählte, werde aber im Leben nicht die Hand gegen meine eigenen Kinder erheben.

Antwort
von zyxabc123, 119

Also ich selber hab keine Gewalt erlebt, aber eine bekannte Familie von mir. Die Kinder werden unteranderem geschlagen und psychisch misshandelt. Die Folgen und Schäden bemerkt man jetzt schon obwohl sie noch klein sind. Das ist nicht ohne Grund in Deutschland verboten. Es macht psychisch kaputt, genauso wie psychische Gewalt. Ich finde es sehr schlimm das heute Kinder immer noch so aufwachsen müssen.

Antwort
von Dirndlschneider, 116

Ich würde mich mal über die Gesetzeslage zu diesem Thema erkundigen . Ich halte deine Frage für völlig irrelevant , Gewalt darf nie , niemals ein Mittel zur Erziehung eines Kindes sein .

Kommentar von Calypsolie ,

Ich weiß, dass das gesetzlich verboten ist, ich möchte gerne persönlche Erfahrungen hören, denn ich konnte vor meinem Vater auch nie auf das Gesetz plädieren. Manche Menschen haben eben verquere Weltansichten und mich interessiert, wie ander Leute das als Kinder aufgenommen haben.

Kommentar von Dirndlschneider ,

Das einzige , was ich dazu beitragen kann , ist die landläufige Annahme , dass schlagende Väter selbst geschlagen worden sind .....also Opfer und Täter zugleich......

Kommentar von Calypsolie ,

Das kann ich in meinem Fall bestätigen, mein Großvater hat meinen Vater auch nicht mit Samthandschuhen angefasst. Trotzdem muss ich sagen, dass ich das nicht als Ausrede akzeptieren kann oder will. In keinem Fall.

Kommentar von Dirndlschneider ,

Es ist ein Zeichen von Ohnmacht , für einen Mann völlig unmöglich , einzugestehen ! 

In meiner Generation ( Jahrg. 51) gab es allerdings einige Kinder , die zuhause geschlagen wurden . Die Väter traumatisierte Kriegsheimkehrer , teilweise kriegsversehrt , ohne Perspektive - jedes Kind noch ein Esser mehr.....da rutscht die Hand schon mal leichter aus . 

Antwort
von JustusKlein, 4

Ich habe in meiner ganzen Kindheit eigentlich täglich auf den nakten Hintern bekommen. Meistens mit den Gürtel oder mit dem Rohrstock. Schlechte Noten (4-40 Schläge,5-50, für eine 6 60 Schläge.) Wenn ich zu spät War wurde ich für jede Minute 1 mal geschlagen. Wenn ich frech war/unpassenden Gesichtsausdruck machte wurde ich meistens mit 20 Schlägen bestraft. Meistens wurden die Strafen für mehrere Tage verhängt. Als ich zum Beispiel fast nur 4er und 1× 5 im Zeugnis hatte, wurde ich 6 Wochen lang jeden Tag mit 50 Hieben bestraft. 

Heute, wenn  ich zurückblicke, finde ich es richtig und gut, dass ich geschlagen wurde. Auch das Strafmaß War meiner Meinung nach nicht falsch. 

Antwort
von sophia2441, 41

Gewalt geht gar nicht. Da diese Form der "Erziehung" das Opfer auch psychisch krank machen kann.

Antwort
von wurstbemmchen, 72

Hier wird sich bestimmt keiner FÜR Gewalt aussprechen.
Sollte doch eigentlich jedem klar sein, das gewalt eine erbärmliche "erziehungsmetode" ist, welche eigentlich nur die pädagogische Unwissenheit der Eltern unterstreicht.

Antwort
von Reg1123, 101

Ich wurde anfangs durch etwas Gewalt erzogen, hat dann aber aufgehört da ich auf Schreie nicht höre bzw. Schläge.

Kommentar von Chrisi468 ,

War bei mir genauso.

Antwort
von GTH2014, 54

Ich habe mal meinem Sohn einen Klapps auf den Po gegeben. Soetwas habe ich nie gemacht aber bei einer sehr emotionalen Situation ist es passiert. Er hatte keine Schmerzen, hat sich aber sehr erschreckt. Das werde ich niewieder machen, denn danach hat er andere Kinder im Kindergarten versucht mit Schlägen auf den Po, zu erziehen. Kinder kopieren dieses Verhalten und werden selbst gewalttätig !

Kommentar von Calypsolie ,

Das war bei mir eben auch so, dass ich in der Grundschule extrem aggressiv war, um mich geschlagen habe und so versucht habe meinen Willen zu bekommen. Hat aber dann mit zehn Jahren ungefähr aufgehört und ich war einfach nur noch still.

Antwort
von Scarlli, 49

Hallo Ihr Lieben ich bin 21 und komme aus Frankreich.
Da ist es erlaubt das man zur Erzeugung seine Kinder Schlagen darf.
Wir sind Zuhause drei Mädchen 8, 12 und 21.
Ja und für uns kann ich sagen das es halt Normal ist das man den Po versohlt bekommt.
Aber ich muss sagen das wir noch nie ins Krankenhaus mussten.
Ich habe hier auch schon gelesen das Väter Ihren Kindern den Nackten Po versohlen. Das hat mein Vater nie gemacht und würde es auch nie machen.
Es Passiert auch nur wenn wir nicht Respekt vor unseren Eltern haben oder immer widersprechen.
Aber eins muss ich sagen wir lieben unsere Eltern und es fehlt uns an nichts wir bekommen auch so gut wie alles.
Mein Vater ist Offizier bei der Armee und meine Mutter ist schon immer Hausfrau.
Bitte entschuldigt mein Deutsch. Halt nur Schul Deutsch.
Was ich Schade finde ist das man nach dem Gesetz in Frankreich bestraft wird wenn man ein Tier Schlägt. Aber Kinder darf man halt laut Gesetz in Frankreich verhauen

Antwort
von crazygirl444, 101

Sinnlos

Damit verlierst du das Vertrauen zu den Kindern und die haben dann eher Angst als Respekt.

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