Frage von Mommmo23, 121

Wer kann mir bei dieser extrem schweren philosophischen Frage helfen?

Hi, ich habe eine Frage bekommen, die ich leider nicht verstehe. Es wäre super nett, wenn mir hier jemand bei der Frage helfen könnte.

Jeder kennt die goldene Regel, die unsere Ahnen in den Satz verwandelt haben:  

„Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu!“.   

Der größte deutsche Philosoph Immanuel Kant  (1724 bis 1804) formulierte in diesem Sinne seinen berühmten kategorischen Imperativ:

„Handle nur nach derjenigen Maxime, nach der du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

Kant setzt dabei auf die Vernunft des Menschen und auf seinen freien Willen.

Gerade dieser freie Wille wird aber immer wieder in Frage gestellt. Die Neuwowissenschaftler versuchen zu beweisen, dass unser Handeln und unsere Entschlüsse zum Handlen gar nicht in einem freien Abwägen der Argumente durch uns selbst, sondern ausschließlich durch unsere  Nerventätigkeit begründet seien.

Fragestellung 3 Welche  Konsequenzen  hat  das  für  unser  Menschenverständnis?  Müssen zukünftig  Verantwortung, Mündigkeit, Schuld neu definiert werden? Sind sie als ethische Begriffe vielleicht sogar überflüssig? 

Werden die Wissenschaften versucht sein, den perfekten Menschen zu schaffen, damit er sich  stets richtig verhält? Und wessen Interessen dienen solche Vorstellungen?

Wie erlebst Du Dich in der Diskussion?  Hast Du das Gefühl frei zu handeln  und frei zu  entscheiden? 

Ich hoffe, das ist nicht zu merkwürdig und jemand versteht das .

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von berkersheim, 16

Zu Deiner Frage zwei Anmerkungen: Kant war Naturwissenschaftler, bevor er zur Philosophie kam und er war sich sehr wohl bewusst, als er seinen kategorischen Imperativ formuliert hat, das wir Menschen keine absolute Freiheit haben sondern uns immer nur im Rahmen von Gesetzmäßigkeiten bewegen. Das schließt aber nicht aus, dass wir immer wieder die Wahl haben, wie wir handeln wollen. Das schließt nicht aus, dass wir als gesellschaftliche Wesen unseren Umgang miteinander so regeln, dass bei möglichst viel individueller Freiheit die Notwendigkeiten eines gedeihlichen Miteinanders nicht verletzt werden. Wir stehen da, wie so oft im Leben, in einem Spannungsverhältnis und schwarz-weiß-Lösungen verfehlen das.

Zur Neurowissenschaft: Da gibt es keine einheitliche Lehrmeinung, schon gar nicht in den weitergehenden Interpretationen. Hier sind auch Neurowissenschaftler nicht frei von metaphysischen Einstellungen. Auch Wissenschaftler sind Menschen, die mit ihrer Arbeit Anerkennung suchen und manche können der Versuchung nicht widerstehen, etwas von der allgemein anerkannten Ethik abzuweichen. Eine Presse, die nach Sensationen giert, unterstützt das bedauerlicherweise. Seriöse Wissenschaftsredaktionen sind da zurückhaltender. Dass auch Wissenschaftler von der Versuchung gepackt sein können, mit ihrem Wissen Macht und Einfluss auszuüben, sollte man immer im Hinterkopf haben.

Antwort
von Eselspur, 18

Wenn die angesprochenen NeurowissenschaftervRecht haben, können wir gar nicht entscheiden. Damit wird meiner Meinung nach die goldne Regel, wie der kategorische Imperativ, ja die ganze Ethik sinnlos.

Wer nicht zum Helden werden kann (trotzdem heroisch handeln - das wollte glaube ich A. Camus), wird sich halt ablenken, sich unterhalten lassen und noch mehr konsumieren.

Antwort
von realsausi2, 19

Gerade dieser freie Wille wird aber immer wieder in Frage gestellt.

Ob das faktisch richtig ist, sei mal dahin gestellt. Aber:...

 sondern ausschließlich durch unsere  Nerventätigkeit begründet seien.

...wenn es so wäre, wem gehören denn die Nerven, die hier tätig werden? Sind die außerhalb von uns? Nein, sie sind Teil von uns. Sie sind wir.

Nun mag es sich ja tatsächlich erweisen, dass unser Willensbildungsprozeß subtiler angelegt ist, als man lange gedacht hat, aber es gibt keinen Ansatz, daraus auf eine Minderung des freien Willens zu deduzieren.

Alles, was daran beteiligt ist, ist Teil von uns, also sind es immer wir selbst, die den Willen bilden.Sollte es hier Ebenen des menschlichen Geistes geben, die als Skriptschreiber Vorgaben zu machen versuchen, wird es immer das Bewußtsein sein, das hier den Regisseur gibt und letztlich die Entscheidung trifft.

Antwort
von prelude89, 42

Ich denke viele dieser Fragen kannst Du dir selbst beantworten.

Wer hat wohl den Nutzen davon in einer kapialistischen Gesellschaft, die sich immer mehr dem freien Markt öffnet?

Die Schuldfrage wurde auch nach der Entdeckung der Spiegelneuronen mit keiner Änderung in irrgendeinem Gesetz neu bedacht. Es ging hier darum, dass bewiesen werden konnte, dass es für das Gehirn keinen Unterschied macht, ob sich jemand nur denkt, dass gerade etwas bestimmtes passiert oder ob es wirklich so ist. Die Neuronen feuern exakt genauso. Auswirkungen auf das Strafmaß bei Handlungen im Affekt gab es bisher keine. 

Ja ich denke dass der perfekte Mensch kommen wird. Am Anfang wird es nur darum gehen ihn Robuster gegen Krankheiten zu machen, Aber wenn diese Grenze einemal überschritten wurde, ist es recht leicht weiter zumachen.

Der Mensch wird wie Saatgut, robust und ausdauernd, aber unfähig dazu sich selbst zu reproduzieren. Der freie Markt regelt eben alles.

Antwort
von DarkSepia, 6

Welche  Konsequenzen  hat  das  für  unser  Menschenverständnis?

Wir können Menschen besser verstehen. Davon abgesehen wägen Menschen Argumente ab, egal ob das ein neuronaler Prozess ist oder nicht. Wir erscheinen dadurch also nicht mehr oder weniger rational, wenn wir herausfinden, woraus unser Denken besteht.

Müssen  zukünftig  Verantwortung, Mündigkeit, Schuld neu definiert werden?

Ach, gibt es etwa schon zufriedenstellende Definitionen?

Sind sie als ethische Begriffe  vielleicht sogar überflüssig?

Wenn sie überflüssig sind, bedeutet das, wir können auf sie verzichten. Wenn wir auf sie verzichten, frage ich mich, wodurch wir sie ersetzen. Wenn es zum Beispiel überflüssig ist, zu behaupten, jemand sei schuld, wie sonst sollte man die Situation formulieren?

Werden die Wissenschaften versucht sein, den perfekten Menschen zu schaffen, damit er sich  stets richtig verhält?

Keine Ahnung. Nach welchen Maßstäben sollte dieser Mensch denn als perfekt gelten? Und ist es überhaupt physikalisch möglich, einen perfekten Menschen zu erschaffen?

Und wessen Interessen dienen solche Vorstellungen?

Welche Vorstellungen sind hier genau gemeint?

Wie erlebst Du Dich in der Diskussion?

Welche Diskussion?

Hast Du das Gefühl frei zu handeln und frei zu  entscheiden? 

Nein.

Antwort
von StefanGisiger, 53

Die Neurowissenschaft geht davon aus dass wir organische Roboter sind, da bin ich ehrlich gesagt kein besonderer Fan von.

Mein Handel jedenfalls ist frei, ich kann das "richtige" tun, aber es auch lassen und das "falsche" tun.

Kommentar von energizer99 ,

wie definierst du falsch und richtig?

Kommentar von StefanGisiger ,

Eben deswegen steht es in Gänsefüssen^^

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