Frage von Tenkterra, 76

Ethische vertretbarkeit diverser Blackmetal Bands/Projekte/Künstler?

Einen schönen Abend zusammen, die Frage geht vor allem an alle Blackmetal Fans da draußen.

Ich bin nähmlich gerade dabei eben Jenen für mich zu endecken, dabei höre ich mich quer durch von Marduk bis Mayhem über Bathory und versuche dabei allem was es so an großen und kleinen Namen in der Szene gibt näher zu kommen.

Nun zu meiner Frage: Ich bin natürlich auch über Bands wie Gorgoroth und Burzum gestolpert, und fand die Musik teilweiße auch mehr oder minder gut, zumindest interessant. Wie steht die Szene generell zu solchen Bands und vor allem zu Persöhnlichkeiten wie eben Ghaal oder Varg Vikernes?

Also Geld ausgeben und solche leute unterstützen will ich sowieso nicht, aber ist es generell verpönt die Musik zu hören/respektieren und als Blackmetal anzuerkennen?

Bevor ich in ein rechtes Eck gestellt werde lass ich nähmlich lieber die Finger davon.

vergesst nicht das ich absolut neu in der Szene bin und so ziemlich gar nichts weiß.. ;)

Ich geh mal pennen und freu mich morgen auf eure Antworten!

lG

Antwort
von Ansegisel, 49

Mit der Problematik, die du hier ansprichst, hat sich sicherlich schon ein Großteil der Black-Metal-Hörer auseinandersetzen müssen.

Black Metal zieht aufgrund seines vorgeblichen Elitismus und seines martialischen Erscheinens in Musik und in der bildlichen Darstellung viele an, bei denen diese Dinge auch im politischen Denken eine Rolle spielen.

Du musst einfach deinen Weg finden, damit umzugehen, und dass du in der Richtung schon so aufmerksam bist, zeigt eigentlich, dass da nicht viel schief gehen kann.

Ich persönlich halte es so: Wenn mir die Musik gefällt und weder in den Texten oder dem künstlerischen Drumherum einschlägiges Material zu finden ist, ist es für mich ok. Man kann in die Köpfe der Musiker nicht hineinschauen. Es ist mir auch schon oft passiert, dass ich erst später komische politische Kommentare von den Musikern gelesen habe, da war die Musik aber schon längst gekauft.

Dazu gehört auch, dass ich die ersten Alben von Burzum wirklich gern höre, das neue Zeug aber nicht mehr kaufe, weil die Musik einfach inzwischen Mist ist. Bands wie Absurd oder Totenburg kommen mir aber grundsätzlich nicht auf den Plattenteller.

Ich denke einfach, es ist wichtig, dass du für dich trennst: Kaufst du die Musik wegen der Musik oder wegen der Ideologie. Solange du für dich selbst deinen Musikkonsum ab und zu mal hinterfragst und kritisch bleibst, machst du auch nicht viel falsch.

Man sollte die NSBM-Szene aber auch nicht überschätzen. Das ist die Subkultur einer Subkultur und die Verkaufszahlen sind so klein, dass davon sicher kein Künstler leben kann.

Und zum Abschluss kurz zu Ghaal: Der hat sich vor einigen Jahren als homosexuell geoutet, da kann es mit der rechten Ideologie also nicht so weit her sein.

Kommentar von Vando ,

die Verkaufszahlen sind so klein, dass davon sicher kein Künstler leben kann.

Jep. Mal als Größenvergleich: Man braucht ungefähr den Bekanntheitsgrad von Equilibrium oder Eluveitie um in den Bereich zu kommen, wo man langsam von seiner Musik leben kann. Und das ist dann auch kein gutes Leben, sondern eher auf Niveau einfacher Facharbeiter.

Antwort
von Vando, 33

Wie steht die Szene generell zu solchen Bands und vor allem zu Persöhnlichkeiten wie eben Ghaal oder Varg Vikernes?

Ich sag mal so: gespalten. In Teilen der Black Metal Subsubkultur herrscht ein noch viel größerer Antikommerzialismus und Elitarismus als in der Metalszene ohnehin. Es gibt tatsächlich Leute, die z.B. Nargaroth oder Gorgoroth als Mainstream und ,,Kommerz" ansehen (hab solche schon kennengelernt. Inwieweit man dem zustimmen kann, sei dahingestellt.) 

Vor diesen Leuten nutzt es dann wenig, bekannte Black Metal Bands zu hören. Eher mit kleinen Bands kann man da trumpfen. Aber genau gibts auch die Mainstream Black Metaller, die nur bekannte BM Bands mögen.

Der größte Teil der Black Metal Leute ist sowieso ganz normal. Die finden die Musik genau wie du, mehr oder weniger gut, mehr oder weniger interessant. Nur sind die sich im Klaren das Black Metal keine Straftat ist und heutzutage ganz normal ist sowas zu hören.

An Black Metal ist ja nichts Verwerfliches dran. Der thematisiert mal Kriege, Tot und Abgründe der menschlichen Seele, aber wirklich schlimm ist das ja heutzutage auch nicht mehr. Früher konnte man damit die Leute noch richtig auf die Palme bringen. Aber die Gesellschaft ist was das angeht ziemlich tolerant und relativ mündig geworden.

Zu Varg Vikernes gibts alle möglichen Meinungen. Die einen stellen ihn wegen der Kirchensache als größten Tidioten dar und reden deswegen auch seine Musik schlecht, die anderen setzen sich kritisch damit auseinander und betrachten Taten und Musik getrennt, und wieder andere verehren ihn als Held. Was man auch denkt, es gibt kein richtig oder falsch. 


Bevor ich in ein rechtes Eck gestellt werde lass ich nämlich lieber die Finger davon.

Brauchst du nicht. Black Metal ist größtenteils frei von Rechtsextremismus. NSBM ist höchstens ein kleines Problem (das ist ein zu kleines Rad um was zu bewirken) und ich bezweifel auch, dass das überhaupt ein Subgenre des Black Metals ist. Wenn man über eindeutig rechtsextreme Texte stößt, einfach nicht mehr hören und gut ist.

Manche Black Metal Bands provozieren mit Symboliken und Texten, die bewusst als ,,rechts" fehl-interpretiert werden sollen, ohne wirklich eine ernsthaft rechte Einstellung zu haben. Der Grund: Das Satanistenimage schockt heute niemanden mehr. Deswegen müssen sich manche Bands schon an pseydonationaler Symbolik bedienen um noch zu schocken. Bei genauem Hinsehen ist das aber meist schnell enttarnbar.



Also Geld ausgeben und solche leute unterstützen will ich sowieso nicht

Gut bei Varg Vikerness kann man das nachvollziehen. Aber ich denke mal 99% der BM Bands sind clean.



aber ist es generell verpönt die Musik zu hören/respektieren und als Blackmetal anzuerkennen?

Wenn du Oma Gisela, die jeden Sonntag in die Kirche geht, erzählst, dass du Metal hörst, musst du dich schon drauf gefasst machen als Satanist bezeichnet zu werden. Aber da ist es egal ob du BM oder happy Power Metal hörst. Metal allgemein hatte in der Gesellschaft noch nie den besten Stand (auch wenn sich das wie gesagt in den letzten Jahren stark geändert hat.) 

In der Metalszene wird Black Metal wie jedes andere Metalgenre aufgenommen. Das ist weder verpönt noch werden dich die Leute feiern.

Kommentar von Tenkterra ,



Vielen dank für die ausführliche Antwort, allerdings bezog ich mich bei den letzten drei Punkten speziel auf Leute wie VargVikerness(VV)

dh.

Ich lass lieber die Finger von Burzum bevor ich in ein rechtes Eck gestellt werde


Ich hab nicht vor leute wie VV zu finanzieren


Und ob persöhnlichkeiten wie VV/Bands wie Burzum oder Gorgoroth innerhalb der BM szene verpönt sind.


Deine Antwort war allerdings trotzdem sehr hilfreich, danke!


Antwort
von RheumaBaer, 34

Mein Interesse für das Schwarzmetall ist schon etwas zurückliegend,über Tätowierer hatte ich auch Berührung mit NeoFolk,dort gibt es ja auch rechte Tendenzen. Mich hat damals der Exzess in Skandinavien gestört,Brandstiftungen bei Kirchen und wohl sogar Morde an Pfarrern.. Es ist Musik! Und an den Bodycount der überzeugten,Liebenden Rechtgläubigen kommt kein Hühnerkopfabreißender Teufelsbär mehr heran. Ich finde es auch schwierig,wo die Grenze ist zwischen dem Preisen der nordischen Kulturen und dem faschistischen Elitenanspruch,vom dumpfen Parolengrunzen mal abgesehen. PropagandaMusik gehört eben in die Ecke der versuchten Manipulation. Black Metal muss natürlich düster,schwer,brachial und erschütternd sein,der Soundtrack zu heranstürmenden Horden der Verdammnis-dort,wo dann aber ein Berührungspunkt zur tatsächlichen Gewalt stattfindet,ob III.Reich oder aktuelle Konflikte,wird es dann doch unangenehm. Der Mensch des Menschen Wolf. In unserer Realität würde man sich doch eher Wünschen,irgendwo säße ein Hörnchenträger,den man verantwortlich machen oder auch anbeten könnte,statt zu erkennen,daß es unser Mitmensch,unser Nachbar ist,der das Töten weitertreibt.

Antwort
von borntobechild, 43

Wenn Du bedenken hast, bestimmte Musik zu hören, solltest Du Dich sicherlich nicht danach richten, was "die Szene" als legitim ansieht.

"Die Szene" definiert nicht, was man hören "darf", sondern was Du hörst definiert, welcher Szene Du angehören wirst.

Auch mir geht es manchmal so, dass mich der Sound bestimmter Stücke anspricht, beim näheren Anhören der Texte oder bei Beschäftigung mit den Protagonisten ich aber feststellen muss, dass diese für mich inakzeptabel sind.

Ich bin selbstbewusst genug, auf den Konsum von Musik zu verzichten, deren Inhalte oder Background ich nicht mittragen will, auch wenn meine Kumpel oder auch die Szene das vielleicht anders beurteilt.

Also meine Empfehlung: Nicht wie die Fahne im Wind sich dem Szenemainstream anpassen sondern Flagge zeigen und bestimmte Musik oder Bands ignorieren.

Kommentar von Vando ,

Ich würde eher sagen.  Die Szene definiert nicht, was man hören darf, sondern was Du hörst definiert, welcher Szene Du mit Recht angehören kannst.

Ich mein es steht einem ja immer noch frei, sich auch gegen eine Szene zu entscheiden, wenn man zwar die Musik mag, aber mit der Szene nix anfangen kann. Aber dieses ist schon ein sehr guter Leitfaden der sich durch fast alle Musiksubkulturen zieht.

Antwort
von Chris10021999, 34

Also ich höre Musik wegen der Musik, nicht wegen den Texten. Wenn ich mal auf ein Lied stoße, mit rechtsextremen Inhalten, den Text aber nicht verstehen kann, weil gegrowlt oder gescreamt wird, dann höre ich mir die Musik trotzdem an, aber kaufe diese nicht, um sie nicht zu unterstützen.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten