Frage von sternenreh, 91

Ethische Auseinandersetzung mit der These "Ist Religion das Opium des Volkes"?

Hallo :)

Ich muss nächste Woche meine mündliche Abiturprüfung in BW halten. Dafür muss ich einen 10 minütigen Vortrag halten und danach folgen 10 Minuten Fragerunde. Diese Prüfung findet bei mir im Fach Ethik statt und ich habe das Thema "Ist Religion das "Opium des Volkes"?" DIe Gliederung, die ich vor einigen Monaten eingereicht habe, habe ich zusammen mit meinem Ehtiklehrer erstellt, nun habe ich hier jedoch das Problem, dass einer, bzw. der Hauptgliederungspunkt "Ehtische Auseinandersetzung" ist. Ich weiß im Moment nicht was ich dort reinbringen soll und darf ja meinen Lehrer jetzt nicht mehr fragen..

Ich bitte um Antworten, da ich im Moment etwas verzweifelt bin.. Danke schon mal! Rebecca :)

Antwort
von Schuhu, 38

Du sollst die These "Religion ist Opium für's Volk" von allen Seiten betrachten und ethisch bewerten:

  • Was meint Marx mit dem Vergleich der Religion mit Rauschgift?
  • Warum hat Marx diese Äußerung gemacht? Historisch-soziologische Überlegungen.
  • Hatte die These zur Zeit der Entstehung eine Berechtigung?
  • Gab oder gibt es Gesellschaften, die die Religion ablehnen (die Ausübung erschweren oder verbieten)? Wie unterscheiden sich diese Gesellschaften von denen, die Religionsausübung gestatten bzw. erzwingen?
  • Gab oder gibt es Gesellschaften, in den ein Zwang zur Ausübung der Religion besteht - und ist die Religion dort "Opium für's Volk"?
  • Aus Marx Sicht hat Religion nur negative Seiten. Gibt es auch positive? (Auch unabhängig vom Glauben des Einzelnen betrachtet)

Du musst ja nicht alle Punkte ansprechen. Sie sollen nur eine Anregung sein, was man alles betrachten und bewerten könnte.

Kommentar von sternenreh ,

Vielen, vielen Dank!! :)

Das sind wirklich alles sehr gute Punkte, ich werde dann mal gucken welche davon am besten reinpassen und wie viel ich ansprechen kann, ohne, dass es zu lang wird.

Antwort
von Wurzelstock, 35

In praktisch allen Religionen werden kultische Rituale gemeinschaftlich vollzogen. Während dieser Kulthandlungen fallen die Teilnehmer in eine unterschiedlich tiefe Trance, die teils auf Autosuggestion, teils auf Gestaltung der Kulthandlung zurückgeht. In diesem Zustand sind sie für Suggestionen empfänglich.

Das Phänomen ist nicht auf die Religion beschränkt. Es kann bei einseitiger Kommunikation immer erzeugt werden.

Einseitige Kommunikation liegt auch dann vor, wenn der Wechsel zwischen Sprecher und Zuhörer einer Vorgabe folgt - z.B. auf der Theaterbühne zwischen den Schauspielern - einer Band mit dem Publikum im Konzertsaal - oder eben im christlichen Gottesdienst das Wechselgebet/der Wechselgesang zwischen dem Pfarrer und der Gemeinde. Solche Art des Dialogs bezeichnet man als Pseudodialog.

Deshalb traf Lenin zwar ins Schwarze mit seiner flotten Bemerkung, aber er verschwieg dabei die wichtigere Hälfte: Er wollte dem Volk sein eigenes Opium verkaufen. Es kommt nicht auf die Trance an, sondern auf die Inhalte, die in diesem Zustand vermittelt werden.

Kommentar von 666Phoenix ,

wurzelstock

Dieses Zitat stammt nicht von Lenin, sondern von Marx (auch Lenin hat nie gesagt "Opium für das Volk"!)

Dieser wollte auch nicht seine eigene Religion "verkaufen", sondern hat den Zustand damals aufgezeigt (siehe "Vorwort zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie" von 1844).

Hört nur mal alle endlich auf, über Zeug zu schwätzen, von dem Ihr keine Ahnung habt!

Kommentar von Wurzelstock ,

Danke für die Korrektur. Deine Schurigelei schmir dir in die Haare.

Antwort
von Haldor, 32

Im Zentrum jeder (höherstehenden) Religion steht die Verpflichtung oder zumindest die Forderung, sich ethisch zu verhalten (s. z.B. in der jüdischen und christlichen Religion die 10 Gebote: "Du sollst.....";  ähnlich ist es im Buddhismus, Hinduismus, Jainismus, Konfuzianismus und in den Lehren des Lao tse; auch im Islam gilt zumindet die "Goldene Regel": 'Was du willst, das man dir tut, das tue auch den anderen').

Wenn jetzt Marx behauptet – aufgrund seiner materialistischen Anschauung – , Religionen seien Opium fürs Volk, so stellt er nicht nur den Sinn von Religionen in Frage – denn Rauschgift schädigt ja das Hirn des Menschen -, sondern er hält auch die ethischen Prinzipien der Religionen für Nonsens; zumindest die ethischen Prinzipien, die dem Menschen etwas Gutes nach ihrem Tode versprechen (Eingang ins Reich Gottes, ins Nirwana, ein besseres Leben durch Reinkarnation; der Materialismus ist ja nicht von vornherein unethisch; z.B. wird er die sog. Institutionenethik – in Form des Strafrechts - akzeptieren müssen. Aber die christliche Moral [s. Bergpredigt = sei ein guter Mensch!] lehnt der Materialismus ab. Wozu gut sein? Nach dem Tode folgt ohnehin das Nichts und nicht etwa das göttliche Gericht – sagt der Materialismus)

Kommentar von Wurzelstock ,

Der Satz von Marx ist richtig. Ob er das wusste, ist eine andere Frage.

Antwort
von Mignon4, 36

Ich denke, Toleranz ist ein Ethikaspekt.

Kommentar von sternenreh ,

Danke für die schnelle Antwort!!!
Meinst du, dass diese Aussage "Religion ist das Opium des Volkes" nicht sehr tolerant ist, also alles direkt so "abhakt" oder meinst du es anders?

Kommentar von Mignon4 ,

Ich meinte die Toleranz gegenüber anderen Religionen. Du könntest in diesem Zusammenhang auf die Flüchtlinge, auf die AfD, IS, Inquisition und auf Religionskriege eingehen,

Kommentar von Wurzelstock ,

Womit sie dann bei sämtlichen Klischees, Schemata, Konstrukten und Heuristiken wäre, die das gebildete Abendland heute zu bieten hat. Die Prüfer werden es ihr mit einer wohlgefälligen Note honorieren.

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