Frage von Hjjksjdll, 52

Ethik: Glücklich sein?

Hallo, ich bräuchte da mal Hilfe, da ich etwas nicht verstehe. Und zwar ist es der Text: Aristoteles, Nikomachische Ethik, Buch 1,Kapitel 11 -12. Findet ihr. die Glücklichen müssen da gelobt werden? Und könnte mir jemand den Text kurz zudammenfassen, um was es geht, da ich die anderen Kapitel verstanden habe, aber dies nicht. Danke.

Expertenantwort
von Albrecht, Community-Experte für Philosophie, 10

Aristoteles, Nikomachische Ethik 1, 11 – 12 behandelt einzelne Probleme, die sich im Zusammenhang mit Glück und seiner Beurteilung stellen.

In Kapitel 11 geht es um den Zeitpunkt, zu dem eine Glücklichpreisung berechtigt ist.

In Kapitel 12 geht es darum, ob Glück lobenswert oder (noch eine Stufe höher in der Anerkennung/Wertschätzung) preisenswert/verehrungswürdig ist.

Wichtig ist, den von Aristoteles dargelegten Glücksbegriff zu erkennen.

Lob und Preis

Aristoteles versteht unter Glück(seligkeit) (εὐδαιμονία [eudaimonia]) nicht nur augenblickliche Zufriedenheit, sondern umfassender und eine größere Zeitdauer einschließend ein gutes Leben, wozu Wohlergehen und die gelungene Entfaltung von Anlagen gehören. Mit Glück ist also etwas anderes gemeint als ein günstiger Zufall (dessen Gegenteil, ein ungünstiger Zufall, ist Pech).

Daher ist es folgerichtig, Glück(seligkeit) als hohes Gut zu verstehen (im Bereich des Handelns das höchste Gut) und glückliche Menschen glücklich zu preisen, weil sie dieses wünschenwerte Gut innehaben/besitzen. Ein Gut ist etwas, das erstrebenswert ist.

Das Glück/die Glückseligkeit als das menschliche Gut (τὸ ἀνθρώπινον ἀγαθὸν [to anthropinon agathon]) bestimmt Aristoteles, Nikomachische Ethik 1, 6 als der Vortrefflichkeit/Tugend/Tüchtigkeit (ἀρετή [arete]) gemäße Tätigkeit/Wirksamkeit/Ins-Werk-Setzen (ἐνέργεια [energeia]) der Seele. Hinzu kommt, ein volles Leben hindurch zu dauern. Die dem Menschen eigentümliche Leistung ist dabei eine Tätigkeit aufgrund der Vernunft oder nicht ohne Vernunft.

Es ist richtig, in dieser Bedeutung glückliche Menschen mit Anerkennung/Wertschätzung zu beurteilen. Zu dem guten Leben mit Beteiligung der Vernunft gehört die Ausbildung von Vortrefflichkeiten/Tugenden des Charakters wie beispielsweise Tapferkeit, Besonnenheit, Gerechtigkeit und Hochsinnigkeit/Seelengröße.

Aristoteles argumentiert dafür, Glück und glückliche Menschen seien nicht zu loben, sondern zu preisen. Dies bedeutet eine höhere Stufe der Wertschätzung. Der Gedanke ist nachvollziehbar und einleuchtend, weil Glück(seligkeit) ein Ziel um seiner selbst willen ist und nicht Mittel zu einem Zweck.

Zusammenfassung

Kapitel 11

Thema: Worauf erstreckt sich Glück unter zeitlichem Gesichtspunkt und wie ist sein Verhältnis zu den Wechselfällen/Veränderungen des Lebens?

Fragen:

1) Ist kein Mensch zu Lebzeiten glücklich zu nennen, sondern erst bei seinem Tod (Abwarten des Lebensendes)?

2) Sind auch Verstorbene glücklich?

zu 1)

Probleme: Es ist seltsam und unstimmig, das Lebensende abzuwarten und erst dann einen Menschen glücklich zu preisen, nicht als wenn er es dann wäre, sondern weil er es vorher war. Dann würde etwas Wirkliches nicht als wahr ausgesagt werden sollen. Dieselben Menschen würden aufgrund der Wechselfälle/Veränderungen des Lebens mal glückselig und mal unglückselig genannt. Glückseligkeit gilt aber als etwas in hohem Ausmaß Bleibendes, schwierig Wandelbares. Äußere Glücksgüter sind nur eine Zugabe. Entscheidend ist eine der Vortrefflichkeit/Tugend/Tüchtigkeit gemäße Tätigkeit und dabei gibt es ein hohes Ausmaß an Beständigkeit.

Lösung: Kleine Glücks- und Unglücksfälle sind nicht ausschlaggebend, große und zahlreiche sind begrenzt von Belang. Vortreffiche Menschen können damit gut umgehen. Glückselig ist, wer vollendeter Vortrefflichkeit/Tugend/Tüchtigkeit gemäß tätig und mit äußeren Glücksgütern gut ausgestattet ist und dies ein volles Leben lang.

zu 2)

Probleme: Verstorbene als glückselig aufzufassen, erscheint unpassend, besonders weil Glückseligkeit als Tätigkeit verstanden wird (Aristoteles, Nikomachische Ethik 1, 6). Nur Menschen mit Sicherheit glücklich zu nennen, die als Verstorbene außerhalb von Übeln und Unanehmlichkeiten sind, bringt auch Schwierigkeiten. Auch für Verstorbene gibt es Güter und Übel: Ehrungen und Schmähungen, Glück und Unglück von Nachkommen und Freunden. Es ist unstimmig, wenn Tote sich mit Veränderungen der Nackommen und Freunde mit verändern und mal glücklich, mal unglücklich werden. Unstimmig ist aber auch, wenn das Schicksal der Nachkommen nicht einmal eine gewisse Zeit die Vorfahren berührt.

Lösung: Die Definition von Glück(seligkeit) wird bestätigt. Es besteht ein großer Unterschied, ob Wechselfälle/Veränderungen des Lebens Lebende oder Tote treffen. Es ist unsicher, ob Verstorbene noch an Gütern und Übeln dieses Lebens Anteil haben. Falls Gutes und Schlechtes die Toten berührt, dann nur als etwas Schwaches und Geringes oder doch nur von der Bedeutung und Beschaffenheit, sie nicht glücklich zu machen, wenn sie es nicht sind, und nicht ihre Glückseligkeit wegzunehmen, wenn sie glücklich sind.

Kapitel 12

Frage: Ist Glückseligkeit etwas Lobenswertes oder Preisenswertes/Verehrungswürdiges?

Problem: Glückseligkeit gehört nicht zu den bloßen Fähigkeiten/bloßen Vermögen. Im Grunde geht es darum, ob Glück als höchstes Gut eingestuft wird.

Lösung: Es wird eine Unterscheidung zwischen Lob und Preis/Wertschätzung vorgenommen. Lobenswertes wird gelobt aufgrund einer Beschaffenheit und einer Eigenschaft, sich in Beziehung auf etwas anderes, das gut und brauchbar ist, in bestimmter Weise zu verhalten. Es ist wegen der Handlungen (πράξεις [praxeis]) und Werke/Leistungen (ἔργα [erga]) lobenswert. Vortrefflichkeit/Tugend/Tüchtigkeit verdient Lob, weil sie befähigt, Gutes zu tun. Preis/Wertschätzung bezieht sich auf die Sache selbst, um ihrer selbst willen, nicht als Mittel zu einem Zweck. Glückseligkeit wird nicht wie das Gerechte gelobt, sondern als etwas Göttlicheres und Besseres gepriesen. Glückseligkeit steht damit auf einer noch höheren Stufe der Wertschätzung.

Antwort
von Ottavio, 25

Wenn Du den Text hier hinzugefügt hättest, könnte ich vielleicht antworten Aber meinst Du, ich würde den jetzt mir selber suchen ?

Antwort
von Viktor1, 15

Du erwartest also wirklich, daß jemand für dich den Text eines Buches ließt und für dich zusammenfaßt ?

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