Frage von Virus1512, 179

Estland = Russland?

Hi

Also ein Freund von mir ist Russe (zumindest sagt er das immer) Er besitzt aber den estnischen Pass und wurde auch in Estland geboren. Er hat auch schon oft angedeutet, dass er stolzer Kommunist sei etc.. Ob er aber jemals wirklich in Russland war, weiß ich nicht. Er meinte auch immer wieder, dass es gar keine richtigen "Estländer" gibt, weil dort nur Russen leben. Seine ganze Familie spricht beide Sprachen (Estnisch und Russisch) und soviel ich weiß, ist Estland seine Heimat. Außerdem "ver*rscht " er auch immer wieder Estland, weil es dort angeblich so "langweilig" ist etc.

Ich finde es einfach komisch sich Russe zu nennen, obwohl man einen anderen Pass besitzt. Ich persönlich bin Österreicher und kann mich auch nicht Deutscher nennen, weil Kultur, Religion, Sprache, etc. ähnlich sind. Gibt es so etwas öfter oder ist er da ein Einzelfall?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von JBEZorg, 37

Ich finde es einfach komisch sich Russe zu nennen, obwohl man einen anderen Pass besitzt.

Das Gegenteil ist komisch. Sich nach einem Stück Papier zu identifizieren. Und wenn du eine Stück Papier mit Amtsstempel kriegst, in dem steht, dass du ein Esel bist, bist du dann ein Esel?

In Estland leben ethnische Russen, so wie in allen baltischen Staaten. Und sie haen dort mehr Rechte als Schwarze in den USA um 1950 aber weniger als ein Franzose oder Deutscher. Könnte es nicht sein, dass diese Verletzung von Bürger- und Menschenrechten, die die baltischen Staaten begehen ein Grund ist für de Enstellung der dort lebenden Russen gegenüber den Ländern, in denen sie leben?

Und ich spreche aus Erfahrung. Ich habe auch Verwandte dort. Und eben nicht nur Russen. Tut mir Leid aber wenn dort Leute Angst haben am Telefon etwas "falsches" zu sagen weil sie ihren Job verlieren könnten ist es etwas was meine Vostelungen von EU-Werten sehr stark in negative Richung korrigiert,

Dass des Genossen Aussagen unreif und überspitzt sind  liegt wohl an seinem Alter. Aber die Gründe für die grundsätzliche Einstellung haben ich dir genannt. Sein Trotz gegen die Esten grüdet in der in 2016 in europa beschämenden Postion der estnischen Regierung. Würden sie in einer normalen gleichberechtigten Gemeinschaft mit der russischen Minderheit leben wollen würde es sowas auch nicht geben.

Kommentar von Virus1512 ,

Das Gegenteil ist komisch. Sich nach einem Stück Papier zu
identifizieren. Und wenn du eine Stück Papier mit Amtsstempel kriegst,
in dem steht, dass du ein Esel bist, bist du dann ein Esel?

Natürlich muss man sich nicht nach einem "Stück Papier" identifizieren. Ich fand es eben komisch, dass sich ein Este mit estnischen Pass (der anscheinend noch nie in Russland war, noch dort geboren ist) Russe nennt. Habe auch, zugegeben, null Ahnung von Estland, Sowjetunion, Russland und co. Aber dafür gibts ja Leute wie dich die einem solche Fragen gut beantworten können.

Expertenantwort
von PeVau, Community-Experte für Geschichte & Politik, 75

Natürlich ist Estland nicht Russland und Esten sind keine Russen. Etwas Licht in die Motivation seiner Behauptungen kommt aber, wenn du Folgendes siehst.

Estland gehörte bereits 1710 zum russischen Zarenreich. Demzufolge hatte Russisch dort einen besonderen  Stellenwert. 1918 schlugen deutsche Truppen in den baltischen Ländern, so auch in Estland, die bolschwistische Revolution nieder und errichteten dort formal unabhängige Staaten, die in Wirklichkeit aber deutsche Satrapien waren. 1940 kamen diese infolge des Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes zur Sowjetunion und waren bis 1990 Teil der Sowjetunion.

Du kannst also davon ausgehen, dass in Estland die meisten Einwohner russisch verstehen können und sprechen. Dort ist  außerdem ungefähr jeder vierte Einwohner Angehöriger der russischen Minderheit. Nur bei den jüngeren, die nicht der russischen Minderheit angehören, wird das mit dem Verstehen und Sprechen langsam anders.

In bewusster Abgrenzung zu ihrer russisch-sowjetischen Geschichte verschwand Russisch aus dem öffentlichen Raum. Seitdem wird dort die russisch sprechende Minderheit von immerhin einem Viertel der Bevölkerung diskriminiert. Ethnischen Russen, die nach 1940 innerhalb der Sowjetunion dorthin zogen, und ihre Kinder wurden 1990 nicht automatisch Staatsbürger Estlands, womit ihnen grundlegende politische Rechte, wie z. B. das Wahlrecht, verwehrt wurden. Russen wurden aus öffentlichen Ämtern und Führungspositionen verdrängt und administrativ entfernt.

Sie können Staatsbürger werden, wenn sie an einem Kurs teilnehmen wo sie nicht nur die Amtssprache lernen müssen, sondern auch die neue umgeschriebene Geschichte, wonach z. B. estnische und lettische Kollaborateure der deutschen Faschisten während des Zweiten Weltkrieges Freiheitskämpfer waren und sie als Angehörige der russischen Minderheit die Okkupanten. Nicht alle ethnischen Russen unterziehen sich einer derart entwürdigenden Prozedur mit anschließendem Test, der einer öffentlich vollzogenen demütigenden  Unterwerfung unter estnisch-nationalistische und antirussische Geschichtsdeutung und einer Verleugnung der eigenen kulturellen Identität entspricht. Das betrifft vor allem die älteren  Angehörigen der russischen Minderheit.

So leben etwa die Hälfte der ethnischen Russen in Estland ohne estnischen bzw. lettischen Pass ohne oder nur mit eingeschränkten Rechten auf gesellschaftliche Teilhabe und Mitbestimmung. Bei den Wahlen im letzten Jahr wirkte sich das so aus, dass über 90.000 "staatenlose" Einwohner Estlands (6,8 Prozent der Bevölkerung), mehrheitlich  russische Muttersprachler nicht wählen durften. Das ging in erster Linie zulasten der dortigen Zentrumspartei, die für bessere Beziehungen zu Russland eintritt.

Vor diesem Hintergrund wird also verständlich, weshalb ein Russe mit estnischem Pass ein sehr gespaltenes Verhältnis zu einem Land hat, das ihn und sein Volk systematisch diskriminiert.

Kommentar von PeVau ,

Bitte ignorieren: "bzw. lettischen ..."

Kommentar von earnest ,

Das ist - jedenfalls nach meinem beschränkten Kenntnisstand - alles richtig, insbesondere, was die jetzige Diskriminierung der Russen betrifft.

Mit dem Verständnis für die russische Minderheit sollte meiner Ansicht nach aber auch ein Verständnis für diejenigen Esten, Letten und Litauer einhergehen, die seinerzeit nicht begeistert waren, dass ihre Heimat "Satrapien" der Sowjetunion waren.

Kommentar von simferopol ,

Die Balten, die jetzt von russischen Okkupanten fabulieren, sollten mal die Füße still halten. Es gab bspw. zahlreiche Letten, die während der Revolution im heutigen Russland ihr Unwesen getrieben haben. Google: "rote lettische schützen" ( красные латышские стрелки). Ferner sei daran erinnert, dass es in der Estnischen SSR keinen einzigen Russen jemals in der Republiksregierung gab. Und Russland ist nicht gleich Sowjetunion. Die Russen hatten dieselben Vor- bzw. Nachteile wie bspw. Kasachen, Usbeken, Letten, Tadschiken etc. Ich kann also kein Verständnis für die Esten aufbringen, die ihr "Leid" an Russland festmachen.

Kommentar von earnest ,

Das bleibt selbstverständlich dir überlassen.

Ich weise deshalb auch nur auf meinen Kommentar unter dem Kommentar von JBEZorg hin.

Kommentar von Abahatchi ,

Russland ist nicht gleich Sowjetunion.

Gut, dasz Du dies noch einmal deutlich machst. 

Einigen in der Welt scheint dies nicht wirklich klar zu sei, vor allem vielen Russen, die durch den Zerfall der Sowjetunion ihr schönes Russland gedemütigt sehen, was ja total widersinnig ist und auch eine potentielle Gefahr darstellt, denn einige Russen denken, dasz Teile von Moldau Russland wäre, nur weil da Russen leben. 

Grusz Abahatchi

Kommentar von Abahatchi ,

Ich kann also kein Verständnis für die Esten aufbringen, die ihr "Leid" an Russland festmachen.

naja, es waren ja Russen, die "Sowjetunion" nur als Vorwand nahmen, das russische Reich zu erweitern, ohne direkt einen Annexion wie bei der Krim durch Russland bzw. Putin, durchführen zu müssen. 

Denn so sehen es viele im historischen Kontext, denn Russland bzw. Putin selbst sieht das Gebiet der früheren Sowjetunion als legitimen Einflussbereich Russlands an. Damit bestätigt er genau dieses Klischee. 

Grusz Abahatchi

Kommentar von JBEZorg ,

Ääääähm, die erste Einheit der Roten Armee waren lettische Schützenregimenter. Der böse, böse sowjetische Geheimdienst, der die armen, armen Balten unter der Fuchtel gehalten hat wurde von Polen Dziurschinski und Menzynski, Deutschpolen Unschlicht, Letten Peters, Lazis, Salpeter Juden Trilisser, Moros, Spiegelglass, Ukrainer Bokij und Italiener Artusov(Fraucci) geründet. Im Mai 1918 zählte der junge Geheimdienst 372 Mitarbeiter. Davon 48% Letten. Die Lettischen Schützen und der erwähnte Vorgänger  von GPU und NKWD WTchK waren für den sog. "roten Terror" verantwortlich. Stalin war Georgier. Die GULag Lager wurden fast durchgehend von judischen Mitbürgern geführt.

Vielleicht sollten Russen ein Besatzungsmuseum bauen und die besagten Nationen wegen Völkermord an Russen anklagen?

Kommentar von earnest ,

Ähm ...

Nun ja - deine Position kenne ich nun zu Genüge.

Macht aber auch nichts - ich spreche mich hier nur dafür aus, auch aufgrund einer nicht unproblematischen Vergangenheit Verständnis für die Position der anderen Seite zu haben.

Kommentar von Abahatchi ,

Stalin war Georgier. 

Aber er nicht Lenin, unter dem Russland sich die anderen Republiken getarnt als Sowjetunion einverleibte. Ich kann mich nicht erinnern, wann die Turkmenen einen Volksentscheid darüber hatten, der Sowjetunion bei zu treten. So ist es mit vielen Ethnien der Sowjetunion.

Kommentar von Abahatchi ,

Nur bei den jüngeren, die nicht der russischen Minderheit angehören, wird das mit dem Verstehen und Sprechen langsam anders.

Liegt auch daran, dasz Russisch mit deren Sprache so wenig gemein hat. Selbst Polen oder Slowaken würden im gröszeren Kontext durchaus hier und da mal einem russischen Gespräch inhaltlich folgen können, so es auch einige Deutsche bei Niederländern können, ohne je Flämisch gelernt zu haben.

ihre Kinder wurden 1990 nicht automatisch Staatsbürger Estlands, womit ihnen grundlegende politische Rechte, wie z. B. das Wahlrecht, verwehrt wurden. Russen wurden aus öffentlichen Ämtern und Führungspositionen verdrängt und administrativ entfernt.

Sicherlich gibt es diesbezüglich "genügend" Defizite, doch kann man mit entsprechendem Engagement die neue Staatsbürgerschaft bekommen. Vielmehr ist es doch ein Vorteil auch mal eine andere Sicht der Geschichte präsentiert zu bekommen, denn damit wird man doch dazu veranlasst, sich mit verschiedenen Sichtweisen einer Begebenheit zu befassen. Sei es auch mit der Eigenen. Nur so kann man thetische Fehler beider Sichtweisen für sich selbst offenbaren und wird allgemein Propaganda unempfänglicher, weil man gelernt hat, wie leicht Begebenheiten verzerrt werden können. 

Ich sehe es deshalb eher als Vorteil, als es als Nachteil zu sehen.

Zu dem Rest Deines Kommentares, dem ich zwar nicht widerspreche, jedoch etwas anmerken möchte, denn auch das Gegenteil ich nicht unbedingt als Erfolg sehe, denn bei einem Blick in die Ukraine wird auch dies deutlich. Immerhin hatte die Ukraine mit Wiktor Fedorowytsch Janukowytsch einen verhältnismäszig sehr russisch und Putin freundlichen Präsidenten. 

Diese ganze Entwicklung in der Ukraine ist, war und wird natürlich von allen früheren Sowjetrepubliken mit Sorge betrachtet und aus Sorge getroffenen Entscheidungen können unter Umständen auch zu nicht "humanen" Entscheidungen führen. 

Grusz Abahatchi

Expertenantwort
von earnest, Community-Experte für Sprache, 81

Hi.

Da spielt vielleicht persönliche Enttäuschung über die veränderte politische Situation mit. 

Ich versuche mal, dir das stark verinfacht zu erklären. In den baltischen Staaten gab es in Sowjetzeiten so etwas wie eine Russifizierung. Russen wurden in den ehemals unabhängigen Staaten angesiedelt; in einigen Gebieten, so zum Beispiel in und um Riga herum (aber auch anderswo) entstanden sozusagen "russische Gebiete", in denen sich die einheimische Bevölkerung stellenweise sogar in der Minderheit fühlte.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion änderte sich die Lage für die Russen dramatisch. Sie konnten sich nun nicht mehr als "Herren des Landes" fühlen. Es gab auch zunehmende Spannungen zwischen Letten und Russen und zwischen Esten und Russen (bzw. Einwohnern russischer Herkunft). Und es gab (und gibt) Diskriminierung gegenüber Russen.

Es gab in der Folge auch so etwas wie eine Ghettoisierung von "Russenvierteln" - mit hoher Arbeitslosenquote und Begleiterscheinungen wie Alkoholismus und Vandalismus.

Vor dem Hintergrund solcher sozialen und auch politischen Spannungen finde ich es nachvollziehbar, dass dein Freund über die gesamte Situation nicht glücklich ist und seinen Frustrationen freien Lauf lässt. (Die Behauptung allerdings, es gebe keine Esten und es gebe in Estland nur Russen, ist dummes Zeug. Das kann ich dir aus persönlicher Anschauung bestätigen.)

Gruß, earnest

Kommentar von earnest ,

-upps: vereinfacht

Kommentar von Abahatchi ,

Nicht so schlimm. 

Ich lese mir auch immer 100 mal meine Antworten und Kommentare durch, bevor ich auf "abschicken" klicke, doch kaum dasz es gepostet ist, finde ich einen Fehler nach dem anderen, als hätten diese sich selbst noch beim 99. Korrekturlesen hinter einer metaphysischen Grammatikdimension versteckt, um nach dem Posten voll und ganz materialisiert zu werden.

Ich vermute ja, dasz einige Mod schon das Schreiben der Antworten und Kommentare verfolgen, um dann diese nach dem Posten mit den entsprechenden Fehlern zu versehen. ;-)

Grusz Abahatchi

Antwort
von Malavatica, 94

Es gibt einfach immer noch sehr viele Russen in Estland, die sich die alten Zeiten zurück wünschen, in denen Estland Teil der Sowjetunion war. 

Aber Estland ist eben heute selbständig und westlich interessiert. Die Russen sind die Minderheit. 

Expertenantwort
von atzef, Community-Experte für Politik, 92

In der Sowjetunion war es gang und gäbe, dass man zwischen "Staatsangehörigkeit" und völkisch gedachter "Nationalität" unterschied. So war man gleichzeitig "Sowjetbürger" (Staatsangehörigkeit) und gleichzeitig eben Russe, Jude, Deutscher, Balte, Este, Lette etc.

Dieser Dualismus in der Identität setzt sich heute eben auch bei denen fort, die in souveränen Staaten leben und sich halt als "Russen" fühlen und weniger als Staatsbürger der jeweiligen Staaten.

Kommentar von atzef ,

Mit gang und gäbe meine ich konkret, dass das auch so ganz offiziell im sowjetischen Pass vermerkt war!

Kommentar von thetee99 ,

"Jude" als Nationalität? Darüber stolpere ich immer wieder, muss man wohl aber stehen lassen, da die Juden sich selbst als (Gottes auserwähltes) "Volk" bezeichnet haben, bzw. Jude oder Jehudi für "Bewohner des Landes Juda" steht und daher selbst für säkularisierte Juden eine "Volkszugehörigkeit" aussagt... ansonsten könnte man heute "Isreali" sagen.

Und als Ergänzung: "Balte", also Bewohner baltischer Staaten waren doch Estländer, Lettländer und Litauer?

Fertig gekluggescheißert ;) abputzen!

Kommentar von earnest ,

Als Deutschländer sage ich: Die Lettländer heißen "Letten". Und die Estländer sind "Esten".

;-)

Kommentar von atzef ,

Ups, natürlich gibt es "Balte" nicht als Nationalität, sondern eben nur Esten, Letten und Litauer. :-) Da war ich wohl noch im "Hallo, wach!"-Modus...:-)

"Jude" ist aber in der Sowjetunion wirklich ein Eintrag unter der Nationalitätenrubrik des sowjetischen Passes gewesen. Als solcher war er z.B. eine der Voraussetzungen für die Aufnahme sog. jüdischer "Kontigentflüchtlinge" in Deutschland und anderen westlichen Staaten.

Antwort
von oelbart, 87

Also die Aussage "es gibt keine Esten, dort leben nur Russen" halte ich mal für eine Übertreibung (vielleicht vergleichbar mit dem: "Es gibt gar keine Berliner mehr, da wohnen nur noch Türken")

Das mit der "gefühlten Nationalität" ist halt immer so eine Sache, je nachdem, wie sehr die Bräuche und die Sprache der Heimat so gepflegt wurden und wie sehr die Eltern das betont haben. Hängt oft auch damit zusammen, wie freiwillig man von zuhause weg ist und wie willkommen man sich fühlt.

Kommentar von earnest ,

Das ist nicht nur eine Übertreibung, das ist einfach dummes Zeug.

Kommentar von Abahatchi ,

kommt darauf an, wie man seine Antwort versteht. Falls man in der Ukraine geboren wurde und russische Eltern hat und die sich nie "integrierten" weil sie bis heute nicht die ukrainische Sprache verstehen und auch immer ihrem Kind deutlich machten: Du bist Russe, dann kann es durchaus sein, dasz ein in der Ukraine geborener sich selbst als "Fremd" im Land seiner Geburt fühlt. 

Wer selbst in 3. Generation sich in Deutschland als Türke sieht und nicht als Deutscher, der ist selbst schuld, denn ich fühle mich ja auch nicht als Afrikaner, selbst wenn meine frühesten Vorfahren von dort stammen. Wer in den Fläming fährt und fragt dort die Einheimischen, wer von ihnen denn Flame sei, die schauen einen nur dämlich an. Von den Flamen, die dort siedelten ist nur noch der Name des Gebietes geblieben und sie selbst sehen sich aber als Deutsche.

Jedenfalls ist jeder Russe, der den Pass von Estland hat auch estnischer Staatsbürger und kein russischer Staatsbürger. So ist eben auch jeder der in Berlin wohnt Berliner, selbst wenn er in New York geboren wurde.  

Antwort
von heakuesimus, 8

Kleine Analogie zu Deutschland: Mein Kumpel ist Türke und hat einen deutschen Pass. Er lebt in einem Bereich, der fast ausschließlich von Türken bewohnt wird. Er kennt kaum Deutsche, viele Türken bei ihm sprechen aber beide Sprachen. Er selbst glaubt gar nicht so richtig, dass es überhaupt noch echte Deutsche gibt. Er ist hier geboren und fühlt sich türkisch. Eigentlich sollte dieser ganze Bereich zur Türkei gehören, da Erdogan eh viel besser sei. Kurz gesagt, eigentlich: Deutschland = Türkei. Das war jetzt fiktiv, aber daran lässt sich erkennen, dass Estland in genau dieser Frage kein Einzelfall ist. Das gleiche geht auch mit Nordirland und Israel.

Antwort
von Bswss, 54

Ja, so sind sie die nationalistischen Russen , die weiterhin mit Putin auf eine Wiederherstellung des Zarenreichs hoffen und dabei die anderen Nationen  / Völker als Minderwertige unterwerfen wollen.

Estland ist ein unabhängiger Staat mit einer eigenen - dem Finnischen ähnlichen - Sprache und war nach dem 1. Weltkrieg auch bis vor dem Ausbruch des 2. Weltkriegs ein unabhängiger Staat.

Dass viele Russen im heutigen Estland leben, ist einfach nur Folge  der Tatsache, dass Russland bzw. die Sowjetunion alle drei balltischen Staaten  jahrelang russifizierte und sogar mit einigem Erfolg  versuchte, die einheimischen  Sprachen und Kulturen zu vernichten.

Welch ein Unsinn zu behaupten, das in Estand nur Russen leben! Die Russen in Estland sind nur stinksauer, dass sie nun die Sprache des kleinen Landes lernen sollen, die mit dem Russischen überhaupt keine Ähnlichkeit hat.

Kommentar von JBEZorg ,

Tja deine Lügen sind ein schönes Beispiel um deine Glaubwürdigkeit zu zerstören.

Antwort
von kordely, 26

In Estland leben auch viele Russe, die Meisten aber ohne Staatsbürgerschaft, da sie nicht genug gut Estnisch sprechen, um die Prüfung zu machen. Also kann dein Russe auf den estnischen Pass stolz sein.

Antwort
von Spielwiesen, 87

Das gleiche gilt für Menschen russischer Sprache, Kultur und Identität, die ich vor zwei Jahren auf Reisen in Lettland und Litauen getroffen haben. Sie leben einfach in diesen EU-Ländern, genießen deren Annehmlichkeiten, sind aber überzeugt von ihrer Identität und wollen sie nicht ändern. Warum auch? So haben sie Vorteile von beiden Systemen.

Es spricht nicht gerade für ihren Kultivierungsgrad, dass sie sich gleichzeitig über die einheimische Bevölkerung mokieren - aber Fakt ist es wohl, dass sie es tun.

Da sieht man mal, wohin es führt, wenn man als Nation nicht darauf dringt, dass Zugezogene sich um Anpassung bemühen. Allerdings muss eine Nation auch ihren Willen dazu kraftvoll äußern und mit Charisma durchsetzen (mit welchen Mitteln?) - diese Debatte führt wohl in eine mehr oder weniger philosophische Diskussion, fürchte ich.


Kommentar von oelbart ,

Da sieht man mal, wohin es führt, wenn man als Nation nicht darauf dringt, dass Zugezogene sich um Anpassung bemühen.

Naja, die Russen in den baltischen Staaten sind da doch in aller Regel schon seit Sowjetzeiten, oder? Die dann als "Zugezogene" zu bezeichnen ist schon etwas schräg...

Kommentar von Spielwiesen ,

. Feingefühl zu erwarten ist da sinnlos.

Kommentar von Spielwiesen ,

@ oelbart: das ist ungefähr genauso 'schräg' wie die Stimmen der baltischen Ureinwohner zu missachten, wenn sie die deutsche Besiedelung (Deutschorden, Einwanderer) und Ausnutzung der herrlich praktischen Lage für Handel und Schifffahrt (Hanse) 
zu deren Gunsten quer durch das Mittelalter und die Neuzeit hinweg beklagen.

 

Antwort
von uncledolan, 90

Menschen benutzen ihre Nationalität bzw. das, was sie für ihre nationale Identität oder auch die geschichtliche Identität ihres Landes halten, um sich wichtig zu machen und ihr "politisches Denken" zu demonstrieren. Dein Freund ist vermutlich nicht stolz darauf, Estländer zu sein, sondern will sich lieber Russland zuordnen, weil er dann Teil einer besonders großen und als (ehemals) mächtig angesehenen Nation ist.

Kommentar von Virus1512 ,

Ich seh das auch so wenn ich ehrlich bin. Aber wie schon gesagt ich kann mich als Österreicher auch nicht Deutscher oder Schweizer nennen nur weil ich Deutschland/die Schweiz "besser" finde.

Kommentar von oelbart ,

Es gibt da ja den Begriff des "Wahl-Schweizers"

Kommentar von Askomat ,

Klar gibt's Leute wie von euch beschrieben und dann gibt's Leute dir sich darüber wichtig machen das andere sich wichtig machen obwohl es die nichts angeht. Geht auch an Fragesteller. Lass ihn doch. Russland ist überings immer noch unter den Top Ten der mächtigsten Staaten.

Kommentar von Virus1512 ,

Klar "lasse ich ihn". Ich hab die Frage aus reiner Interesse gestellt. Nicht um ihn, Russland oder Estland schlecht darzustellen :-)

Antwort
von voayager, 27

All das erinnert mich ein wenig an jene Deutsch-Türken in Deutschland z.B., die zwar einen deutschen Paß besitzen, sich aber dennoch als Türken fühlen. Dies stellt sich gwehäuft ein bei starken Familienbindungen u.o. Diskriminierung der der neuen "Heimat".

Es ist ja nun mal so, dass zahlreiche -Türken hier in Germany benachteiligt werden und so die türkischen Wurzeln reaktiviert werden.

Antwort
von Hegemon, 48

Im Gegensatz dazu, daß die meisten Österreicher tatsächlich ethnische Deutsche sind (Österreich war Führungsmacht des Deutschen Bundes), ist die Behauptung, daß es keine Esten gäbe, grober Unfug. Esten sind ein baltisches Volk - genau so wie Letten, Litauer und früher die Pruzzen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß sehr viele Russen nach Estland gezogen sind.

Wenn seine Familie Estnisch spricht, könnte das übrigens darauf hindeuten, daß er womöglich selbst estnischer Abstammung ist.

Antwort
von josef050153, 12

Naja, es gibt auch Österreicher, die behaupten sie sind Deutsche. Manche Menschen schlafen halt im Geografieunterricht.

Antwort
von thetee99, 95

Estland gehört zu den sogenannten "Postsowjetischen Staaten", bzw. vor dem Zerfall war das alles die UdSSR unter Führung von Russland.

https://de.wikipedia.org/wiki/Postsowjetische\_Staaten

Demnach könnte es aber auch Ost-deutsche geben, die behaupten eigentlich Russen zu sein ;)


Kommentar von Spielwiesen ,

Gibts doch sicher auch - halt durch ein Elternteil - da kann man immer auch die Identität des jeweils anderen Landes haben und zweisprachig aufwachsen - im Notfall eine praktische Sache!

Antwort
von Luftkutscher, 49

Schau doch einfach mal hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Estland

Antwort
von simferopol, 26

Estland war eine Teilrepublik der Sowjetunion. Neben Russen und Esten leben dort noch Ukrainer, Weißrussen und einige andere. Tallin, Kotla Järv und Narva sind mehrheitlich von Russen bewohnt. Andere Städte wie Pärnu - von Esten. Die meisten Einwohner Estlands sind Staatsbürger der Republik Estland.

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