Frage von 121511, 162

Essstörung durch verdrängtes Trauma?

Meine Lebensgefährtin hatte vor einiger Zeit einen schweren Autounfall den sie zum Glück überlebt hat. Allerdings lag sie sehr lange im Krankenhaus und hat immer noch gesundheitliche Probleme wie Schmerzen und Kraftverlust. Es gibt eigentlich kaum ein Tag wo sie nicht weint.

Jetzt fängt sie seit neusten an zu hungern und sich täglich zu wiegen. Dazu notiert sie alles was sie gegessen hat und wieviel Kalorien dies gehabt hat. Sie hat innerhalb von kürzester Zeit an Gewicht verloren und wiegt bei einer Größe von 175 cm nur noch 47 Kilo.

Ich frage mich nun wie ich ihr helfen kann dort rauszukommen damit sie wieder an Gewicht zu nimmt oder sie wenigstens lernt damit umzugehen. Könnte die Essstörung von dem Trauma her stammen? Zum Psychologen möchte sie nicht und redet auch sonst nicht über den Unfall. Genauso fährt sie immer noch nicht selber Auto und wird auch als Beifahrer sichtbar nervös.

Antwort
von TomTom1989, 42

Ich weiß wie du dich fühlst. Meine Frau leidet seit sie 16 ist immer wieder an Bulimie und es sind oft richtige Kämpfe sie da wieder rauszubekommen. 

Versuche nochmal mit ihr sachlich und ruhig zu sprechen. Vergiss dabei nicht ihr auch zu sagen was deine Sorgen und Ängste sind. Gleichzeitig solltest du ihr zeigen, dass du auch weiterhin zu ihr stehst, sie liebst und ihr es gemeinsam durchsteht. 

Vielleicht kannst du sie irgendwann vorsichtig fragen warum sie keine psychologische Hilfe möchte. Oft sind es einfach Ängste sich zu zugestehen, dass man ein Problem hat oder auch Verlustängste. 

Gerne kannst du mich anschreiben wenn du vielleicht eine Frage hast oder einfach jemanden zum reden brauchst. 

Wünsche dir (euch) alles Gute 

Tom

Kommentar von 121511 ,

Danke. Komme vielleicht auf das Angebot zurück 

Antwort
von Leopatra, 87

Das klingt alles höchst bedenklich! Eigentlich ist es dabei unerheblich, ob deine Partnerin die Essstörung wegen des Unfalls hat oder ob sie sowohl eine Essstörung als auch ein Trauma hat.

Fakt ist, sie hat bedrohliches Untergewicht und ist offensichtlich psychisch sehr stark mitgenommen. Sie braucht dringend Hilfe, wie du ja auch erkannt hast.

Durch ihre Verschlossenheit und Ablehnung einer Hilfe von außen, ist deine Einflussnahmemöglichkeit minimal. Sei für sie da, rede mit ihr (auch über den Unfall und ihr zwanghaftes Abnehmen)! Den Schritt, sich helfen zu lassen, muss sie für sich machen. Du kannst lediglich versuchen, sie auf diesem Weg zu begleiten und zu stützen.

Alles Gute!

Kommentar von 121511 ,

Sobald ich versuche über den Unfall mit ihr zu reden macht sie dicht und wechselt entweder das Thema oder verlässt den Raum bzw. geht draußen einfach weg. 

Sie findet sich laut eigener Aussage nicht dünn und selbst ihr behandelter Arzt (der sie bereits öfters auch darauf anspricht) bekommt sie nicht dazu, dass sie wieder normal isst. 

Kommentar von Leopatra ,

Das schafft ihr nicht, weil das eine Krankheit ist, die deiner Partnerin ein falsches Selbstbild, falsche Selbstwahrnehmung suggeriert.

Das Problem ist natürlich die Hilflosigkeit außenstehender Personen, die um die Dringlichkeit einer Behandlung wissen, aber nicht zur betroffenen Person "vordringen".

Da Zwang keine Option ist, bleibt nur die liebevolle Begleitung in der Hoffnung, dass irgendwann Bereitschaft besteht, sich helfen zu lassen, wenn der Leidensdruck zu groß wird.

Antwort
von Mirarmor, 10

Hallo.

Ihr Gewicht ist höchst bedenklich und wie schon andere gesagt haben, kann das zu langfristigen, irreparablen Schäden führen.

Ich finde es richtig, dass du ab und zu den Unfall ansprichst. Er hat ja auch dein Leben beeinflusst und du hast keine Pflicht, das totzuschweigen.

Wenn sie nur psychisch belastet wäre, würde ich es anders sehen. Aber weil ihr Körper durch das Untergewicht geschädigt wird, würde ich jetzt, wenn ich du wäre, sie massiv unter Druck setzen, sich in Behandlung zu begeben. :-(

Du musst ja sonst zusehen, wie sie sich selbst körperlich zugrunde richtet. Das ist zu viel verlangt. Und für sie ist das Zulassen und Zusehen ja auch nicht das Beste.

Tut mir leid, ich weiß nicht, wie du sie dazu bringen könntest, sich behandeln zu lassen. Vielleicht genügt ja die Drohung, Gewicht rauf oder Psychologe. Träumt sie von Kindern? Untergewicht kann unfruchtbar machen.

Natürlich hast du kein juristisches Recht, aber ich würde jetzt alle Register ziehen. Wenn du noch die Kraft hast.

Das was sie jetzt tut, schädigt ihre Knochen, ihren Herzmuskel und wer weiß, was noch. Viele Magersüchtige sind schon tot umgefallen, weil das Herz einfach "weggehungert" war. Kreislaufprobleme bei Untergewicht sind ein Alarmzeichen.

Tut mir leid. Wünsche euch alles Gute und Besserung in jeder Hinsicht.

Antwort
von Nirakeni, 39

Wenn ihr behandelnder Arzt nichts unternimmt kannst du schwerlich etwas ändern. Es ist aber gut mit ihr immer wieder darüber zu reden. Nimm sie vor anderen in Schutz und behandele sie ganz normal. Mach keine Bemerkungen über Zunehmen oder abnehmen. Reden ja, aber nicht drängen. Sag: Ich mach mir Sorgen um deine Gesundheit. Sag ihr immer wieder wie gern du sie magst. Links liegen lassen ist verkehrt. Immer wieder das Problem ansprechen und das dich die Krankheit interessiert usw. Broschüren besorgen (Internet) und Geduld, Geduld, Geduld.

Kommentar von Nirakeni ,

Anmerkung: Den Unfall nicht ansprechen. Die Ursache ist nicht Deine Sache, sondern die des Psychologen (wenn sie denn mal soweit ist, Hilfe in Anspruch zu nehmen). L.G.

Kommentar von 121511 ,

Ich nehme sie permanent in Schutz bzw. muss es eigentlich überhaupt nicht, da alle Verständnis für sie haben und wenn es doch mal zu Reibereien kommt wie z.B. wenn wir eingeladen sind und sie wieder alles stehen lässt, dann schütze ich sie. 

Kommentar von Nirakeni ,

Es ist bewundernswert wie du mit der Situation umgehst. Das ist bestimmt nicht leicht, Gib die Hoffnung nicht auf und dabei wünsche ich dir viel Kraft. Vielleicht findest du bei Google etwas über Genesungsverläufe. Das sollte dir Mut machen.

L.G.

Antwort
von sandraac, 43

Das kann sein. Aber Du kannst nicht helfen - so traurig das ist. Wenn sie nicht will, dann geht es nicht. Sie braucht einen offenen und liebevollen Therapeuten, den sie annehmen kann und der dann wirklich hilft. KLiniken und Hilfe von außen sind schwerer - habs bei ner Freundin erlebt.

Antwort
von fuuuj, 13

Das tut mir sehr leid zu hören :(

Es kann sehr gut sein, dass die Essstörung hauptsächlich durch das Trauma entstanden ist (war bei mir jedenfalls der Fall). Dank der Essstörung fühlt sie sich geborgen, denn nur sie hat die Kontrolle darüber und niemand anders. Sie flüchtet sich also in ihre eigene kleine vertraute Welt, in welcher der Zutritt anderen verwehrt bleibt und erhält dadurch ein Gefühl der Sicherheit.

Aus meiner Sicht kannst du ihr nicht gross helfen .. Es ist einfach wichtig, dass du nicht vor Verzweiflung ausrastet und sie anschreist, weil sonst blockt sie noch mehr ab. Versuch ihr irgendwie beizubringen, dass du sie liebst wie sie ist und nur das Beste für sie möchtest, dich um sie sorgst und ihr daher eine Therapie empfiehlst. Rede mit ihr nicht mehr gross über den Unfall ! Das Problem ist, dass bei ihr umgehend Bilder im Kopf auftauchen und diese mit Gefühlen gekoppelt sind (Flashback).

Ich würde ihr von einer üblichen Verhaltenstherapie abraten. Denn dort wird nur darüber geredet, wie man in der Gegenwart damit umgeht, aber der Kern (Auslöser) bleibt in ihr drin bestehen. Mir hat eine EMDR Therapie bei einem Psychiater geholfen, danach war das Trauma weg ..

Ich wünsche euch alles Gute ! 

Kommentar von Mirarmor ,

EMDR ist die beste Idee.

Antwort
von jennywonfer, 34

Du solltest ihr das genauso schildern. Du musst ihr klar machen, dass wenn sie das nicht verarbeitet, dass sie dann immer so ist. So kraftlos, ängstlich und traumatisiert. Das mit der essstörung wird sie wahrscheinlich nicht einsehen, aber deine Meinung solltest du ihr schildern. Viel glück, hoffe ich konnte helfen...

Antwort
von Patriciiia, 68

Eine Essstörung kann sehr viele Ursachen haben, eine davon kann auch ein Trauma sein. Bei 1,75 m nur 47 kg zu wiegen ist schon recht gefährlich, wenn sie dazu noch einen sensiblen Kreislauf hat, kann sie jederzeit umkippen. Eine Essstörung kann bleibende Schäden hinterlassen. Sie kann das Leben einer Person komplett zerstören. Ich rede aus Erfahrung. Alles, was du aufgezählt hast deutet auf eine Essstörung hin, die auch nicht mehr am Anfang ist. Deine Lebensgefährtin braucht dringend Hilfe, wenn sie es nicht aus eigener Kraft schafft. Noch mehr abzunehmen ist für sie lebensgefährlich! Sie muss zum Psychologen! Dazu ist es allerhöchste Zeit! Du musst etwas tun, sie kommt da nicht mehr alleine raus!

Kommentar von 121511 ,

Der Kreislauf verabschiedet sich öfters mal bei ihr.

Antwort
von annablanka, 33

Hast du sie mal gefragt warum sie das seit neuestem so macht?

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