Frage von fabydileo, 45

Escitalopram 1-0-0 und Abilify 0-0-1?

Hallo Community!

Gerne erkläre ich hiermit meine Geschichte:

Ich, 19 Jahre alt, bin schon immer ein kreativer und innovativer Mensch gewesen. Ich wage gerne den Schritt, statt mich bei einer Sache zurückzuhalten. Ich bin auch leider manchmal eher ein introvertierter Mensch, der sich eher das falsche Bild seiner Gesellen macht. Ich sehe mich eher als Einzelgänger, der seine eigene Regeln und Limiten hat. Aber: Ich bin ein sehr freundlicher und witziger Mensch, der gerne Besuch hat oder macht. Diese Gegensätze erkläre ich mir mit einem egozentrischen Verhalten meinerseits, der sich öfters in der Familie als klar, andererseits ausserhalb der Familie als undeutlich/versteckt manifestiert.

Das Problem: Als kleiner Junge (9 bis 15 Jahre) manifestierte sich bei mir eine Zwangsstörung. Deshalb wurde ich zu einem Psychiater hingewiesen. Der Psychiater war lange daran, herauszufinden, was meine Störung war, da ich meistens - kreativerweise - nicht zutreffende Details über meine Situation gab. Dieses Verhalten gegenüber der Realität brachte zur Diagnose einer gemischten schizoaffektiven Störung F25.2. Von dort an wurde mir das Neuroleptika Abilify verschrieben (5mg), was möglicherweise dazu bewirkte, dass ich depressiv wurde.

Im Jahre 2014, im Alter von 18 Jahren, wurde mir (nicht durch Diagnose) das Anti-Depressiva Escitalopram verschrieben (20mg 1-0-0). Dies war ein blöder Tipp von Bekannten, denn die Einnahme der beiden Medikamenten gleichzeitig erwies sich als destruktiv. Jetzt lese ich plötzlich noch, dass die gleichzeitige Einnahme der beiden Medikamenten nicht gut oder besser gesagt negative Auswirkungen haben kann.

Die Frage: Ist es sinnvoll, ein Junge mit Medikamenten zu behandeln, nur weil er eine schwache Zwangsstörung hat, die wahrscheinlich nur kindlich ist? Was sollte die richtige Behandlung im Falle einer Depression sein? Ist Abilify bei Depressionen wirklich einzusetzen? Muss man wegen jedem Verhalten, ob wegen Liebe, Hass, Fröhlichkeit, Euphorie oder Traurigkeit, der die "anderen" prejudizieren zur ständigen Behandlung gehen?

Expertenantwort
von Chillersun03, Community-Experte für Medikamente, 28

Von dort an wurde mir das Neuroleptika Abilify verschrieben (5mg), was möglicherweise dazu bewirkte, dass ich depressiv wurde.

Das ist leider nicht selten.

Jetzt lese ich plötzlich noch, dass die gleichzeitige Einnahme der beiden Medikamenten nicht gut oder besser gesagt negative Auswirkungen haben kann.

Grundlegend kann man Citalopram problemlos mit Abilify kombinieren - negative Auswirkungen hat das nicht. Das Ausschlusskriterium ist meistens einfach die Krankheit: bei Depressionen sollte man keine Neuroleptika nehmen, bei Psychosen eher keine anregenden/stimulierenden Antidepressiva wie Citalopram. (Das ist natürlich stark verallgemeinert und nicht immer richtig!)

Ist es sinnvoll, ein Junge mit Medikamenten zu behandeln, nur weil er eine schwache Zwangsstörung hat, die wahrscheinlich nur kindlich ist?

So wie du es beschreibst - nein, ist es m.M nach nicht.

Was sollte die richtige Behandlung im Falle einer Depression sein?

Bei einer "normalen Depression" -> Antidepressiva und/oder Psychotherapie

bei Neuroleptika-induzierter Depression -> Dosis oder Neuroleptika wechseln, Psychotherapie, selten auch Antidepressiva

Ist Abilify bei Depressionen wirklich einzusetzen?

Das muss abgewogen werden, was ist das kleinere Übel? Depressionen oder Zwangsstörungen - DU kannst SELBER wählen!

Muss man wegen jedem Verhalten, ob wegen Liebe, Hass, Fröhlichkeit, Euphorie oder Traurigkeit, der die "anderen" prejudizieren zur ständigen Behandlung gehen?

Nein ganz im Gegenteil. Emotionen sind menschlich. Eine Depression ist klassischerweise ein Verlust von jeglichen Emotionen und Gefühlen - das ist dann krankhaft.

Gruß Chillersun

Antwort
von Ostsee1982, 33

Ob eine Zwangsstörung schwach ausgeprägt ist oder nicht unterliegt in jedem Fall der Einschätzung eines Facharztes genauso wie auch die Einstellung der Psychopharmaka. Die Medikamenteneinnahme erfolgt nicht unter Zwang und du wurdest doch bestimmt vor der Verschreibung aufgeklärt warum das Präparat für dich sinnvoll ist. In wie weit du offen für eine Behandlung bist und/oder die Medikamente einnimmst unterliegt deiner Eigenverantwortung.

Antwort
von gernehelfen1993, 33

Das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Meine persönliche Meinung, da ich in dem Bereich arbeite, Antidepressiva sind keine Lösung auf dauer. Es unterdrückt nur aber es löst keine "Probleme"

Antwort
von Zwergio, 27

Für mich mit (mittelschweren bis schweren) Depressionen und 5 Persönlichkeitsstörungen (darunter auch die zwanghafte) habe ich entschieden: Wozu Medikamente? Ich komm doch in meinem Leben damit klar? Auch wenn Ärzte mich drängen, muss ich nicht ja sagen.

Mit den paar Einschränkungen kann ich leben und den Rest lern ich VOM Leben. Ich muss mich arrangieren, klar, aber das bekommt man wohl hin.
Damit war das Thema durch.

Wenn du mit dem, der du warst,zufrieden warst, dann wozu die Medizin? Wenn andere sich daran stören ist es nicht deine Sache ;)

Bei Schizophrenie oder Psychosen würde ich zu Medikamenten raten, denn ein gewöhnliches Leben ist durch Therapie alleine eigentlich unmöglich. Bei meinen Depressionen hat mir Therapie auch viel mehr gebracht als jedes Medikament der Welt.

Wenn DU sagst, du brauchst die Medis nicht, damit du dich wohl in deiner Haut fühlst, dann bitte deinen Psychiater, diese mit dir abzusetzen (niemals alleine!)

Antwort
von Pummelweib, 45

Das kann man so aus der Ferne nicht beurteilen, dazu müsste man den ganzen Fall und dich persönlich unter Jahre kennen.

Oft wird viel zu schnell ein Medikament verabreicht, anstatt abzuwarten. Manchmal ist es aber auch notwendig, um schlimmeres zu verhindern.

So etwas muss man immer von Fall zu Fall unterscheiden. Das lässt sich nicht pauschalisieren.

LG Pummelweib :-)

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