Frage von Regulus123, 167

Es kommt mir vor, als wäre ich Autist (oder zumindest sehr autistisch), aber ich bin es nicht. Wer kann helfen?

Laut eines Psychotherapeuten bin ich kein Autist. Es ist auch eher so, dass ich Gefühle anderer Menschen deutlich wahrnehme, auch mit einer hohen Wahrnehmungsgeschwindigkeit. Ich nehme Stimmungen sehr stark wahr etc. Es geht also prinzipiell Richtung Hochsensibilität. Aber das trifft es leider nicht ganz. Ich habe beispielsweise eine starke Sehschärfe, sehe noch im Dunkeln, habe eine hohe Dunkel-Adaptation, sehr unkonventionell, freiheitsliebend, Anpassungsprobleme an die Gesellschaft und ihre Normen. Gute Ergebnisse im Mosaiktest so denke ich. Hatte so denke ich eine schwache TOM, die sich erst durch u.a. negative Beziehungserfahrungen besserte, wurde ausgenutzt, gemobbt, habe oft nicht verstanden, dass ich im Grunde unerwünscht war. Eine Tit-for tat-Moral ist mir fremd. Wenn ich jemanden gerne mag, dann tue ich für diesen Menschen gerne etwas, ohne dafür etwas zurückzuverlangen. Umgekehrt kann es dadurch passiert sein, dass auch ich mal Nutznießer war, ohne mich dafür entsprechend revanchiert zu haben. Fühle mich unverstanden. Andere halten mich für schwach und unfähig. Habe keine Lebenperspektive.

Antwort
von einfachichseinn, 70

Ein Psychotherapeut ist eigentlich auch nicht unbedingt der Ansprechpartner, wenn es es um eine Autismus-Spektrum-Störung Diagnose geht. Da solltest du einen Experten aufsuchen. Entweder in der Autismus-Ambulanz oder in einem SPZ mit Autismusabteilung. 

Wobei ich mich frage, was genau dir eine solche Diagnose bringen würde. Dein Problem wird dadurch nicht verschwinden und in Therapie scheinst du ja schon zu sein. Wenn dich diese Therapie nicht weiter bringt, solltest du vielleicht darüber nachdenken einen anderen Therapeuten aufzusuchen.

Wobei dir auch klar sein sollte, dass Menschen komplett unterschiedlich sind. Nicht jede charakterliche Variabilität ist gleich eine Störung und lässt sich therapieren. 

Antwort
von Seanna, 67

Und was ist nun die Frage?

Autismusspektrumstörungen, die von normaler Symptomatik oder Asperger-Symptomatik abweichen, werden übrigens oft nur von Spezialisten korrekt diagnostiziert.

An einen solchen solltest du dich wenden. Am besten eine Spezialambulanz in der Nähe, die machen das täglich. Niedergelassene Therapeuten nicht.

Antwort
von halbsowichtig, 39

Hat der Therapeut auch gesagt, warum du aus seiner Sicht kein Autist wärst? Normalerweise stellt der Psychiater die Diagnose; der Therapeut akzeptiert sie und zieht die dafür angemessene Therapie durch.

Ich geh mal deine Punkte durch:

Es ist auch eher so, dass ich Gefühle anderer Menschen deutlich wahrnehme, auch mit einer hohen Wahrnehmungsgeschwindigkeit. Ich nehme Stimmungen sehr stark wahr etc.

Du fängst also Stimmungen rasant auf, kannst dich aber nicht dagegen abschotten und auch nicht schnell genug angemessen reagieren?

Das ist typisch für hochsensible Asperger-Autisten. Man wird von den Emotionen der Leute erschlagen, weiß aber nicht, wie man worauf reagieren soll. Denn es fehlt die Theory-of-Mind, um zu erraten, was der andere jetzt aufgrund seiner Emotionen von dir will.

Ich habe beispielsweise eine starke Sehschärfe, sehe noch im Dunkeln, habe eine hohe Dunkel-Adaptation, sehr unkonventionell, freiheitsliebend, Anpassungsprobleme an die Gesellschaft und ihre Normen.

Auch das passt sowohl zu Hochsensibilität, als auch zu Asperger.

Hatte so denke ich eine schwache TOM, die sich erst durch u.a.
negative Beziehungserfahrungen besserte, wurde ausgenutzt, gemobbt, habe
oft nicht verstanden, dass ich im Grunde unerwünscht war. [...]

Hatte so denke ich eine schwache TOM, die sich erst durch u.a.
negative Beziehungserfahrungen besserte, wurde ausgenutzt, gemobbt, habe
oft nicht verstanden, dass ich im Grunde unerwünscht war. [...]

Auch das kommt bei Asperger so gut wie immer vor. Warum also meint dein Therapeut, du hättest das nicht?

Kommentar von Regulus123 ,

Ich kann leider nicht genau sagen, warum er meint, dass (Asperger) Autismus nicht zutrifft. Ich vermute mal, weil er merkt, dass ich mich eben doch sehr gut in meine Mitmenschen hineinversetzen kann. Diesbzgl. habe ich gerade in den letzten 2 Jahren noch fast einen Entwicklungssprung gemacht nochmal eben durch bestimmte Erfahrungen, aber auch durch Literatur. Ich scheine die Motive anderer Menschen sehr gut zu durchschauen. Mit kommt es fast so vor, als könnte ich dies besser, als diese es selbst können.

Kommentar von Regulus123 ,

Ich selbst bin und war noch viel mehr viel zu offen anderen gegenüber, sodass ich eine wunderbare Projektionsfläche geboten habe, auf denen andere herumgehackt haben (nur, um sich selbst nicht in den Spiegel schauen zu müssen). Heute erzählt mir jede Form der Aggression, die mir entgegengebracht wird weit mehr über mein Gegenüber als früher. Früher glaubte ich tatsächlich, ich hätte etwas falsch gemacht etc.

Kommentar von halbsowichtig ,

Du konntet das früher nicht und hast es in den letzten Jahren gelernt. Das spricht doch klar für Autismus bei hoher Intelligenz.

Antwort
von Joline007, 77

Autisten verstehen die Gefühle anderer Menschen eher nicht .Mimik ,Gestik entschlüsseln ist ganz schwer für sie. Autisten können hochbegabt sein ,aber oft gibt es auch Autisten,die geistig eher eingeschränkt sind . Viele Autisten haben aber die Gemeinsamkeit ,dass sie seit dem Kindesalter motorisch unterentwickelt sind im Vergleich zu gleichaltrigen. Außerdem fällt ihnen die Interaktion mit anderen Menschen sehr schwer ,weil sie über die soziale Kompetenz nicht verfügen . Aus deinem Text hab ich keine autistischen Merkmale wiedererkannt bzw vllt hast du auch zu wenig geschildert . Wenn du deiner Psychotherapeutin nicht vertraust ,dann geh zu einer anderen. 

Kommentar von Regulus123 ,

Doch, ich vertraue ihm sehr. Es gibt eine Intense World Theory, die besagt dass Autisten sogar weitaus tiefer in andere Menschen hineinsehen können. Es mangelt in vielen, aber nicht allen Fällen an Defiziten in der Beurteilung von Gestik etc., mangelnde TOM-Fähigkeiten. Die hatte und habe ich mitunter evtl. immer noch. Autisten leben zurückgezogen und hierbei kann es sein, dass sie darunter leiden oder eben auch nicht. Beides ist möglich. Und ja richtig, der oberflächliche Small Talk der liegt Autisten nicht- mir auch nicht. Defizite in der sozialen Kompetenz sind aus meiner Sicht sehr weit verbreitet. Vordergründig sind viele Menschen oft freundlich. Drehen sie sich um, sieht die Welt ganz anders aus. Kaum ein Mensch scheint authentisch zu sein. Es wird geredet, gelästert etc. Autisten hingegen sind oftmals ehrlich.

Kommentar von Regulus123 ,

Inwieweit kennst du dich mit Autismus aus?

Kommentar von Joline007 ,

Ich habe an einer Schule für geistig und körperlich behinderte Kinder gearbeitet ,also viele Kinder mit Autismus gesehen. Und es ist so wie ich es beschreibe. Ich rate dir ganz banal mal eine Doku über Autisten anzusehen . Da berichten Autisten über ihre Krankheit aus deren Sicht und da kannst mal gucken,ob du dich wieder erkennst . Gefühle ,Mimik,Gestik nicht deuten können ist ein zentrales Symptom,auch wenn es verschiedene Schweregrade des Autismus gibt. Genauso fällt es den betroffenen oft selbst schwer, das Gesagte mit Mimik und Gestik zu verbinden. Also ich habe das Gefühl du hast dir in den Kopf gesetzt,dass du ein Autist bist und möchtest es bestätigt bekommen um jeden Preis. Wenn dir hier Leute von richtigen autistischen Symptomen berichten glaubst du es auch nicht . Es ist mir auch relativ ,Ich gebe nur mein Wissen und meine Erfahrung mit betroffen weiter. Annehmen oder nicht bleibt dir überlassen . Wenn deine Psychotherapeutin sagt du bist kein Autist ,weiss ich nicht ,was du noch hören willst . Kannst ja mal nach Foren suchen und dich mit betroffenen austauschen ,vllt hilft es dir was . 

Kommentar von Regulus123 ,

Das stimmt so nicht ganz, wie du es beschreibst. Ich habe schon einige Dokus gesehen, gelesen, einen Autisten in einer früheren Nachbarschaft gehabt, mit seinem Bruder war ich gut befreundet. Ich habe mir auch nichts in den Kopf gesetzt, weil ich es so toll fände und bilde mir auch nichts ein. Das ist albern. Ich werde durchaus als Sonderling wahrgenommen und finde das typische Verhalten in dieser Gesellschaft oftmals sehr befremdlich. Es geht mir auch nicht darum, dass mir hier jemand eine Diagnose gibt oder auch nicht.  Es geht um das Erleben in dieser Welt. Und da fühle ich mich Autisten weitaus näher verwandt, als anderen Artgenossen.

Ich freue mich auf Beiträge von Leuten, die mir weiterhelfen können oder könnten.

Antwort
von DonkeyDerby, 71

Du bist ziemlich eingenommen von Dir. Ist für Dich so schrecklich, dass  Du aller Wahrscheinlichkeit nach ein ganz normaler, durchschnittlich intelligenter Mensch bist? Kein Autist, kein Hochbegabter, kein Freak, kein Supersensibelchen, nein, ganz einfach ganz normal und durchschnittlich?

Ein Beispiel:

Wenn ich jemanden gerne mag, dann tue ich für diesen Menschen gerne etwas, ohne dafür etwas zurückzuverlangen.

Das ist ein ganz normales menschliches Verhalten. Die meisten Menschen sind so.

Weißt Du, auch andere Menschen nehmen die Gefühle anderer deutlich wahr, nehmen Stimmungen stark wahr, sind freiheitsliebend und unkonventionell... Das sind ganz normale menschliche Eigenschaften.

Wenn Du das erstmal für Dich akzeptiert hast, dann musst Du Dich auch nicht mehr unverstanden fühlen. 

Es ist unverständlicherweise modern, sich selbst autistische Züge zuzuschreiben. Wer je mit echten Autisten zu tun hatte, der findet Autismus nicht "schick". Autisten sind keine Genies, sie haben es sehr schwer im Leben.


Kommentar von Regulus123 ,

Tut mir leid, dass so sagen zu müssen, aber ich beschreibe das, was bei mir nachweislich eine Abweichung von der Norm darstellt. Wenn du damit ein Problem hast, dann tut es mir für dich leid. Meine Erfahrung ist übrigens, dass die meisten Menschen nichts einfach nur so tun, sondern eben sehr berechnend sind. Vielleicht kannst du es dir einfach nicht eingestehen, dass du so bist und andere abwertest, sobald sie etwas über sich äußern und nach Rat suchen. Wenn du keinen Beitrag hier leisten kannst zu meiner Frage, warum reagierst du dann überhaupt? Frage dich das mal. Kannst du dich reflektieren? Oder bist du zu selbstverliebt, um dies zu tun?

Kommentar von DonkeyDerby ,

Ich bin der Meinung, dass ich durchaus einen Beitrag zu Deiner Frage geleistet habe. Leider gefällt Dir dieser Beitrag nicht, aber vielleicht regt er Dich doch ein bisschen zum Nachdenken an? Wenn nicht, ist es auch nicht schlimm.

Dein Therapeut hat festgestellt, dass Du kein Autist bist. Du kannst auf die Suche nach einem Therapeuten gehen, der die von Dir gewünschte Diagnose stellt. Oder Du kannst akzeptieren, dass Du nicht das von Dir gewünschte Krankheitsbild hast.

Ich kann in dem von Dir beschriebenen Verhalten keine Normabweichung feststellen.

Vielleicht hilft es Dir, mit nachweislichen Autisten Kontakt aufzunehmen, um das Krankheitsbild realistisch einschätzen zu können.

Kommentar von Regulus123 ,

Nein, das ist kein Beitrag, vor allem erkennst du nicht die Problematik, die dahinter steht. Meine Frage richtet sich an Menschen (Autisten oder Leute mit Fachkenntnissen in diesem Bereich), die sich auskennen und nicht an Leute, die meinen überall mitreden zu können un dzu müssen, ihren Senf beitragen zu müssen, ohne einen blassen Schimmer zu haben. Widme dich doch einfach deinen Themen, statt Unmut zu verbreiten.

Kommentar von Regulus123 ,

Nur weil keine Autismusdiagnose vorliegt bedeutet dies nicht, dass es eine "nachweisliche" Normabweichung gibt. Du nimmst dir jetzt hoffentlich nicht raus das beurteilen zu können.

Kommentar von Revic ,

Schon wieder so ein Vogel der sich für Rainman höchstpersönlich hält. Du hast doch schon eine Diagnose bekommen die da lautet: nicht autistisch. Schwein gehabt würde ich sagen.

Anstatt an der Meinung des Therapeuten zu zweifeln solltest du lieber froh sein, von den wirklichen Defiziten verschont geblieben zu sein. Denn das was du beschreibst, sind tatsächlich nur Kleinigkeiten, wie jeder Mensch sie hat.

Wie ist es denn mit der zwischenmenschlichen Kommunikation? Gibt es da erhebliche Schwierigkeiten? Kannst du dir Dinge gut vorstellen oder ausdenken? Kannst du auch die "Grautöne" der einzelnen Gefühle richtig zuordnen und interpretieren? Hast du irgendwelche stark ausgeprägten, für dein Alter ungewöhnlichen Interessen? Wie sieht es mit der Motorik aus? Wie mit der Reizfilterung?

Im Moment deutet für mich noch nichts auf möglichen Autismus hin. Ich bin übrigens selbst diagnostizierter Asperger-Autist, falls du dich fragen solltest, wo meine Referenzen liegen.

Kommentar von DonkeyDerby ,

Schon wieder so ein Vogel der sich für Rainman höchstpersönlich hält.

Lol, wo Du recht hast, hast Du recht. Ich weiß auch nicht, warum so viele Normalos es für spannend halten, Autist zu sein. Wir haben ein autistisches Kind im Freundeskreis, ich mag den Jungen echt gerne, aber gerade deshalb würde ich ihm ein "normales" Leben wünschen, auch wenn es klasse ist, dass er dank seiner Eltern und dank seinem Umfeld hier auf dem Dorf, viele Lebensfreude hat.

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