Frage von CaraBoswick, 38

Erstlingswerk an Verlag?

Ich habe hier ganz oft gelesen, dass (seriöse) Verlage und Agenten nichts / selten mit Unerfahrenen zu tun haben wollen und Erstlingswerke sich gar nicht erst anschauen.

Meine Frage lautet daher: Wie kann ich denn kein Unerfahrener sein bzw. wie kann mein Manuskript nicht mein Erstlingswerk sein, wenn man es doch ablehnt aus den o.g. Gründen? Das ist doch ein Teufelskreis? Zu Anfang ist doch jeder noch unerfahren? Aber wenn es die Story doch drauf hat, doch der Autor noch nie zuvor ein Buch raus gebracht hat - wie soll man denn sonst anders anfangen?

Bsp: Stellt euch mal vor, "10 years a Slave" oder "Shutter Island" oder meinetwegen die Reihe von "Game of Thrones" wäre von einem Unerfahrenen geschrieben worden, hätten die den dann nicht genommen, alleine weil die keine Erfahrung HÄTTEN? Vor allem, wie hat es die von 50 Shades of Grey hingekriegt? Die hat zwar auch viele Kurzgeschichten geschrieben aber nie veröffentlicht. Zählt das auch?

Was heißt überhaupt Erstlingswerk? Ich meine, es ist ja klar, dass mein Deutschaufsatz nicht so zum Verlag schicken sollte (theoretisch gesehen), aber was ist mit denen, die beispielsweise an ihrer Story seit 10 Jahren arbeiten, es (aber neben ein paar Kurzgeschichten) trotzdem ihr 'Erstlingswerk' ist ?

Antwort
von wfwbinder, 21

Das Geschäft neuer Autoren ist schwierig.

Man hat es sogar schon getestet udn berühmte Werke mit anderem Titel und als Word ausdruck an Verlage geschickt, die diese dann ablehnten.

Nicht entmutigen lassen und hartnäckig an immer andere Verlage einsenden.

Kommentar von CaraBoswick ,

Danke für deine Antwort, aber (und das ist jetzt nicht an dich gerichtet, sondern an die Verlagswelt) das ist doch wirklich dämlich. Die können sich doch so wirklich gute Werke entgehen lassen...

Kommentar von wfwbinder ,

Verlage sind ja nicht nur die der Literatur verpflichtete Unternehmen, sondern vor allem Unternehmen, die sowohl ihre Mitarbeiter bezahlen müssen, wie auch etwas Gewinn für die Eigentümer abwerfen müssen.

Also muss auch das Risiko etwas eingeschränkt werden.

Viele Autoren machen auch den Fehler die 800 Seiten Ulysses-neu einzusenden, anstatt ein Exposé beizufügen, damit der Lektor erstmal auf die Lekture "heiß" gemacht wird.

Antwort
von schloh80, 11

Das ist schon korrekt, da entsprechende Menschen, die lesen und dann entscheiden müssen, den Verlag viel Geld kosten. 

Weiterhin weiß man nicht, ob ein Autor professionell arbeitet (Einhalten von Deadlines, Verhalten während des Lektorats, usw. - außerdem schreiben Autoren (zumindest später) ja nicht ein Buch und reichen das ein, sondern sie verkaufen einen Entwurf, der dann zu einer Deadline fertig sein muss oder der Verlag beauftragt nach Marktforschungen ein Buch "schreib uns einen Roman über XY" usw.). 

Daher läuft das zu über 90% über Literaturagenten, denen die Verlage vertrauen, dass die sich einen Autor und dessen Arbeitsverhalten gut angeschaut haben, schon eine gute Vorauswahl bzgl. des Werkes gemacht haben, dieses außerdem schon vorlektoriert haben usw.

Der Agent nimmt dann Kontakt zu Verlagen auf und vermarktet das Expose und ein Probekapitel usw.


G. R. R. Martin war in SF/Fantasy/Horror-Kreisen schon recht berühmt, hatte bereits zahlreiche Preise v.a. für Kurzgeschichten gewonnen, bevor er GOT auf den Markt brachte (damit wurde er von einem Star der SF-Fantasy-Szene unter mehreren in den USA zum Superstar). 

Er hatte aber schon als Jugendlicher (wie Steven King) an Zeitschriften SF und Horrostorys für ein paar Dollar verkauft, nahm an Schreibwettbewerben teil, wurde mit den Erfolgen von einem Agenten akzeptiert und hatte dann mit seinem US-Agenten eine Ochsentour hinter sich, schrieb Shortstorys für Anthologien, gewann Preise usw., und auch inkl. immer mal wieder Scheitern, mit Durchschlagen als Dozent für Englisch und Journalistik und als Drehbuchsklave in Hollywood (unter den vielen anderen der Schreibsklaven). 

Diese Flexibilität gibt es so in D natürlich nicht, weshalb es hierzulande die Regel ist, dass ein Autor einen die Existenz sichernden Brotberuf ausübt und das Schreiben als Nebentätigkeit betreibt.

Es gibt auf YT auch ein Video, in dem der deutsche Agent von Martin berichtet, was es für eine lange und harte Arbeit war, diesen Autor hier in D zu etablieren (über 25 Jahre, seit den 1970er Jahren). GOT kam dann ja relativ spät, als Martin in der Szene, auch in D, schon recht erfolgreich war, der Durchbruch erst durch die HBO Serie.

Antwort
von baindl, 13

Das liegt unter anderem daran, dass die Verlage von Möchtegernautoren mit dilletantischen Mist zugeschüttet werden.

Lies dir mal den kompletten Text auf der verlinkten Seite durch.

Die Praxis sieht so aus, dass die Lektorate dieser Häuser derart mit Manuskripten überschwemmt werden, dass es völlig aussichtslos wäre, sie
alle ernsthaft zu prüfen. (Ein Lektor sagte mir, er bekomme um die tausend Manuskript pro Jahr auf den Tisch, habe aber in 16 Jahren nur 1 (in Worten: eines) davon tatsächlich veröffentlicht. Nur um mal eine Zahl zu nennen.)


http://www.andreaseschbach.de/schreiben/verlagssuche/verlagssuche.html

Klar, jeder, der etwas einsendet ist davon überzeugt der neue J. D. Salinger zu sein, aber dem ist nun mal nicht so.

Antwort
von Knoerf, 21

Es ist halt wie im Berufsleben. Viele Arbeitgeber wollen Arbeitnehmer mit Berufserfahrung. Wenn man aber keine machen kann, weil keiner einem nimmt ist das ebenfalls ein Teufelskreis. Es gibt aber sowohl Unternehmen als auch Verlage, die einem sofort nehmen. Man muss nur suchen^^.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community