Frage von unsicher158, 59

Erstgespräche beim Psychotherapeuten, ehrlich sein bei Kollegen?

Hallo,

da ich letztes Jahr die Diagnose Multiple Sklerose bekommen habe und eigentlich im Vergleich zu anderen mit der Krankheit ziemlich gut damit umgehe. Hab ich mich entschlossen in einer kurzen Psychotherapie rauszufinden, ob mein Weg ein "guter" ist oder doch nur gekonnte Verdrängung :D Ich denke ein gesundes Seelenfundament, ist für den Verlauf der Krankheit förderlich!

Meine Kollegen wissen von meiner MS.

Nun hab ich am Donnerstag ein Erstgespräch und würde vielleicht 20min später kommen und wie der Zufall so will auch noch am Freitag, wo ich eher 1,5h später kommen würde. Ich möchte nicht dass sie sich Sorgen machen. Einmal könnte ich sagen, ich hätte nen Hautarzttermin, aber für die 20min später am Donnerstag hm, ich komm halt eigentlich nie zu spät in die Arbeit..

Was meint ihr?

Antwort
von Glueckskeks01, 33

Sag doch einfach, du hättest einen Arzttermin. Bei ,,Therapie" gucken die meisten Menschen leider, leider immer noch sehr komisch. Hoffe, das ändert sich bald mal.

Und für dich alles, alles Gute!!!!!

Kommentar von unsicher158 ,

Danke! Ja leider, ist da immer noch so ein Stigmata dabei. Sehr schade! Werd vielleicht am Donnerstag einfach leicht zu spät kommen, wegen Mitbewohner Badchaos^^ und Freitag nen Arzttermin. :)

Kommentar von Glueckskeks01 ,

Ja, hört sich doch ok an. :-)

Antwort
von AnnaStark, 41

Einfach sagen, Arzt-Termin. Es ist doch nichts ungewöhnliches, wenn man mal 2 x in der Woche einen hat. Brauchst ja nicht sagen, was für ein Arzt. Und wenn, einmal Untersuchung, einmal Röntgen, oder MRT o.ä.

Kommentar von unsicher158 ,

Danke für deine Einschätzung! Dann werd ich Arzttermine vorschieben :)

Antwort
von SiViHa72, 26

Du meinst, ob Du es auf Arbeit sagen sollst?

Sag doch erstmal eionfach, Du hast HAusarzttermine.. wahlweise erst nen Blutbild und dann ne besprechung. Weiss der geier, wegen Eisenwerten oder so.

Ob Du Deine Diagnose auf Arbeit sagst, ist eine sehr individuelle Entscheidung.

Auch weil man nie weiss, wie die Leute so ticken.

Ich hab meine Diagnose 2008 gekriegt.. anfangs ganz offen und ehrlich dazu gestanden,a uch weil ich dachte, man sieht doch, ich hab keine Ausfälle. .. nun ja. Ich sag mal nur so viel: nach 3 Kündigungen deswegen hab ich dann im nächsten Job die Klappe gehalten.

Und kriegte 2 verlängeruingen, dann unbefristet.

Und ich sags ihnen immer noch  nicght,a uch wenn ich mittlerweile 1x im Monat zum Blutbild und zu Tysabri-Infusion muss.

ne Freundin (wir lernten uns beim Neuro kennen) hälts auch so. Und ein Kumpel (auch beim Neuro getroffen) hats im öffentlichen Dienst gesagt und null Probleme.

Gar nicht so einfach, die Entscheidung!

Übrigens:

Schön,. dass Du gut klarkommst  :-))

Kommentar von SiViHa72 ,

PS: da ich ja nun immer 2 Termine pro Monat hab.. sag ich, ist wegen Blutwerten. Kräht kein Hahn nach.

Kommentar von unsicher158 ,

Naja mein Chef weiß es natürlich nicht, nur die Kollegen in der Abteilung. Meine eine Kollegin hat mich nach ein paar fehlgeleitenden Ärzten zu einem fähigen Neurologen gebracht, der die Krankheit ziemlich schnell erkannt hat. Sie war mal Krankenschwester. In meiner Abteilung sind alle über 20 Jahre älter als ich und ich bin halt das Netzhäckchen, ich hab seit dem Jahr keinen Eindruck, dass man mich anders behandelt, hab vor paar Monaten auch den unbefristeten Vertrag bekommen :) Bislang eine gute Entscheidung, klar man weiß nie was die Zukunft bringt, aber wer weiß das schon so genau? :D

Kommentar von SiViHa72 ,

Das ist die Sache: das weiss man nie.

ich sag immer, mir haben sie schon mit 19 gesagt, ich lande spätestens mit 25 wegen kaputter Knie in Rolli (2 Reitunfälle).

Dann mit 38 die Diagnose MS, meine Chefs: die sitzt bald im Rolli, wenn sie nicht vorher stirbt. Und ich bin still alive and kicking.

Umgekehrt hatte ich mal 4 Kumpels, alle kerngesund, alle Top-Sportler. Wir haben immer gewitzelt: ihr werdet 100!

Nein, eine Lawine nahm sie mit und es hat nur 1 überlebt.

Deshalb: hätte wäre wollte.. ach, nicht zu viel Kopf zerbrechen.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Und übrigens, das mit dem "gesunden ASeelenfunsdament".. ja, das ist echt wichtig!

Ich bin da auch ganz gut drin, kriege aber auch gerne mal gesagt: das ist nur Verdrängung. Habe meinen Neuro dann mal gefragt: "Ach so, aber wenn ich jetzt in nem Coping-Projekt wäre, dann fänden Sie, ich geh ja ganz toll mit dieser Diagnose um? Warum nicht, wenn ich das einfach aus mir selber raus schaffe?"

"Coping, auf Deutsch: Bewältigen, bezeichnet die Art des Umgangs mit
einem als bedeutsam und schwierig empfundenen Lebensereignis oder einer
Lebensphase im weitesten Sinne."

LG!

Kommentar von unsicher158 ,

Eben. Das denk ich mir auch, deswegen will ich eigentlich keine Zeit mit negativen Gedanken vergeuden, wenn man eh nicht weiß was kommt. Meine Mutter hatte vor ein paar Jahren nen doofen Unfall und ist seitdem arbeitsunfähig, sie ist einfach doof ausgerutscht. Geht ganz schnell.

Ich möchte aber trotzdem in ner Psychotherapie rausfinden, ob ich mir das postive Denken nicht nur vorgaugkle. Ich find es gut, wenn ich durch die Diagnose an meine eigene Sterblichkeit erinnert werde, weil ich seitdem viele Dinge besser genießen kann. Glaub das Urteil einer Therapeutin, dass ich einen guten Weg gefunden haben, wird mich umso mehr stärken, auch von den Zweifeln der Mitmenschen..

Vor paar Wochen erkrankte auch die ältere Schwester von ner Freundin dran und ich hab mich ein wenig um sie gekümmert, aber ihr "Leidensgefühl" war mir einfach zu viel. Ich musste sie um Abstand bitte, weil ich eben nicht die Krankheit als Bestrafung meines bisherigen Lebens sehe oder Kribbeln im Arm als großes Problem ansehe (besser Kribbeln als chornische Halsweh!). Ich konnte nicht jeden Tag erneut ein youtube Video beurteilen, wo Halsabschneider behaupten, sie können MS heilen..

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