Frage von KelticAngels, 29

Erst ADHS-Diagnose und eventuell Autismus übersehen?

Liebe Community,

ich lebe in einer Wohngruppe, die auf Autismus und auf ADHS spezialisiert ist. Meine Erzieherin ist selbst auf Autismus spezialisiert, neben den Spezialisierten gibt es eben auch ganz normale Erzieher.. Meine ist eine Spezialisierte, kennt sich mit dem Thema aus. Ich selbst habe ADHS. Meine Mutter meint, seit ich klein bin, dass ich für sie ein komisches autistisches Mädchen bin. Sie wusste auch, dass ich ADHS habe seit ich 6 Jahre alt bin. Mit 10 Jahren wurde die Diagnose gestellt, all die Jahre haben die zig Ärzte gemeint, dass ich nur ein lebhaftes Mädchen bin und auf keinen Fall ADHS habe. Mit zehn Jahren dann die Diagnose..

Ich verstehe keine Witze sowie keine Ironie und nehme auch alles sehr persönlich, wenn man etwas zu mir sagt. Wenn dann so MIssverständnisse im Gespräch oder im Alltag passieren, sagt sie meistens,wenn ein Autist das nicht versteht, würde ich das ja verstehen, doch du bist kein Autist und verstehst das nicht. Aber wenn ich autistisch wäre, würde meine Erzieherin das dann nicht eigentlich mitkriegen??

Antwort
von Doubtwhatyousee, 29

Es ist so ziemlich unmöglich, über das Internet eine Diagnose zu stellen. ADS/ADHS und das Aspeger-Syndrom weisen jedoch einige Symptome auf, die es manchmal schwierig macht, beide Krankheitsbilder zu unterscheiden. ADHS ist außerdem eine häufig zu beobachtende Komorbidität von Autismus.

Versuch am besten, dir einen Termin beim Psychologen geben zu lassen oder wende dich an deine Erzieherin. 

Antwort
von EstherNele, 13

Als bei meinem Sohn - damals 14-jährig - frühkindlicher Autismus diagnostiziert wurde, Typ Asperger, da hatten wir die erste mündlich geäußerte Verdachtsdiagnose schon 8 Jahre lang, aber kein Arzt wollte uns das schriftlich geben. 

Dafür hatten wir außer dem Verdacht auf Autismus noch vier verschiedene Diagnosen, welche mit ihren Symptomen nur teilweise passten ... die sich im übrigen alle erledigt haben.

Man hat uns damals in der Landespsychiatrischen Kinderklinik in Brandenburg (die im übrigen auf Autismus spezialisiert ist) erklärt, dass nur jeder 5. Autist richtig diagnostiziert wird. Ein nicht unerheblicher Teil der Autisten wird aufgrund weiterer Einschränkungen einfach unter debil abgetan und "verschwindet" in psychiatrischen Einrichtungen, aber auch Pflegeeinrichtungen, wo sie natürlich nicht hingehören. 

Vielleicht hat sich die Prozentzahl inzwischen verändert, aber es gibt noch immer eine ganze Menge an falschen Diagnosen, weil manche Symptomatiken bei Ärzten einfach mehr im Fokus stehen.

Außerdem ist ADHS - so finde ich - beinahe eine Modediagnose geworden.

Wenn man nicht weiter weiß, ist es ADHS. Die Diagnose von ADHS ist immer eine Ausschlussdiagnose - also kann man auch alles, was man nicht richtig erklären kann, unter ADHS abrechnen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass man da auch schon mal den (unverstellten) Blick auf Autismusmerkmale verlieren kann.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten