Frage von KatzeNini 16.06.2011

Erklärungsnotstand! Was ist gemeint? >Die Würde des Menschen ist unantastbar!<

  • Hilfreichste Antwort von Albrecht 17.06.2011
    6 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    1) Würde ist ein unterschiedlich verwendeter Ausdruck. Im Kern ist Würde ein achtungsgebietender Wert. Neben der äußeren Ehre (einer Vorrangstellung, einem Ansehen, einer Anerkennung von Verdienst) gibt es den inneren Wert und ein Verhalten, das einem Wissen um diesen Wert entspricht.

    Auffassungen, was die Würde eines Menschen ausmacht, hängen von philosophischen Ansätzen und dem Menschenbild ab.

    Würde kann unterschiedlich begründet werden, mit der Vernunftbegabung, mit Freiheit, mit der Fähigkeit zu sittlich-vernünftiger Selbstbestimmung des Menschen als Person (Vernunft und Freiheit als zentrale Bestandteile verbunden), mit schöpferischer Selbstmächtigkeit (Mensch ist Urheber seiner Werke), mit Unantastbarkeit der Verwirklichungsbedingungen des Menschen als Raum, in dem die Konstitution der Persönlichkeit möglich wird, religiös mit Gottesebenbildlichkeit (Geistigkeit, Zuordnung zur Welt als Ganzes).

    Wichtige Gedanken hat der Philosoph Immanuel Kant dargelegt: Würde ist ein absoluter innerer Wert, der jedem vernünftigen Subjekt als Zweck an sich selbst zukommt. Grundlage ist die Autonomie, ein gesetzgebendes Wesen im Reich der Zwecke zu sein. Diese Selbstzweckhaftigkeit ist unbedingt zu achten. Menschen haben sie durch ihr Menschsein.

    Grundlegung zur Metaphysik der Sitten BA 76/7: „Die praktische Nothwendigkeit nach diesem Princip zu handeln, d. i. die Pflicht, beruht gar nicht auf Gefühlen, Antrieben und Neigungen, sondern bloß auf dem Verhältnisse vernünftiger Wesen zu einander, in welchem der Wille eines vernünftigen Wesens jederzeit zugleich als gesetzgebend betrachtet werden muß, weil es sie sonst nicht als Zweck an sich selbst denken könnte. Die Vernunft bezieht also jede Maxime des Willens als allgemein gesetzgebend auf jeden anderen Willen, und auch auf jede Handlung gegen sich selbst, und dies zwar nicht um irgend eines anderen praktischen Beweggrundes oder künftigen Vorteils willen, sondern aus der Idee der Würde eines vernünftigen Wesens, das keinem Gesetz gehorcht, als dem, das es zugleich selbst gibt.

    Im Reich der Zwecke hat alles entweder einen Preis oder eine Würde. Was einen Preis hat, an dessen Stelle kann auch etwas anderes als Äquivalent gesetzt werden; was dagegen über allen Preis erhaben ist, mithin kein Äquivalent verstattet, das hat eine Würde.

    Was sich auf die allgemeinen menschlichen Neigungen und Bedürfnisse bezieht, hat einen Marktpreis; das, was, auch ohne ein Bedürfnis vorauszusetzen, einem gewissen Geschmacke, d.i. einem Wohlgefallen am bloßen zwecklosen Spiel unserer Gemütskräfte, gemäß ist, einen Affektionspreis; das aber, was die Bedingung ausmacht, unter der allein etwas Zweck an sich selbst sein kann, hat nicht bloß einen relativen Wert, d. i. einen Preis, sondern einen innern Wert, d. i. Würde.“

    Menschen dürfen nicht zu einem bloßen Objekt (nichts weiter als Mittel für andere) degradiert werden.

    Immanuel Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten BA 66 - 67: „Der praktische Imperativ wird also folgender sein: Handle so, daß du die Menschheit, sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden anderen, jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchest.

    Bei Friedrich Schiller ist Würde ein Ausdruck erhabener Gesinnung.

    Nachschlagewerke zur Philosophie enthalten Darstellungen und Überblicke, z. B.:

    Otfried Höffe, Menschenwürde. In: Lexikon der Ethik. Herausgegeben von Otfried Höffe. Original-Ausgabe, 7., neubearbeitete und erweiterte Auflage. München : Beck, 2007 (Beck'sche Reihe ; 152), S. 202 - 204

    Franz - Peter Burkard, Würde. In: Metzler Philosophie Lexikon. Begriffe und Definitionen. 3., erweiterte und aktualisierte Auflage. Herausgegeben von Peter Prechtl und Franz P. Burkard. Metzler : Stuttgart ; Weimar, 2008, S. 690 - 693

    Rolf-Peter Horstmann, Menschenwürde. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Band 5: L– Mn. Basel ; Stuttgart: Schwabe, 1980, Spalte 1124 – 1127

    sehr ausführlich:

    Paul Tiedemann, Menschenwürde als Rechtsbegriff : eine philosophische Klärung . 2. Auflage. Berlin : BWV, Berliner Wissenschafts-Verlag, 2010 (Menschenrechtszentrum der Universität Potsdam ; 29). ISBN 978-3-8305-1865-5

    2) Menschenwürde ist etwas, das alle Menschen schon durch ihr Menschsein haben. Daher haben sie alle Menschenwürde und nicht unterschiedlich viel davon. Es gibt auch eine grundsätzliche Gleichheit aller Menschen im Recht. Eine gegenseitige Anerkennung als prinzipell freie und in gleicher Weise würdige Wesen der Gemeinschaft gehört zu einem guten Rechtsstaat.

  • Antwort von jospe 16.06.2011
    10 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    es gibt leute, die das wirklich gut erklären können -- hier ist eine ausarbeitung von einem rudolf kuhr. der kann das besser als ich

    http://www.humanistische-aktion.de/wuerde.htm

  • Antwort von Meandor 16.06.2011
    4 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Würde ist ein schweres Wort zu erklären. Ich als Beamter (und somit als Bediensteter des Staates) hab die Würde des Menschen zu beachten. Für mich direkt heißt das, dass ich jeden Bürger als Menschen zu behandeln habe, und nicht nur als Fallnummer die abgearbeitet werden muss. Bürokratische Vorgänge dürfen nie wichtiger werden, als die menschlichen Schicksale die dahinter stehen.

  • Antwort von coeleste 16.06.2011
    3 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    freiheit auf rede,wort und tat, die auf keinen fall beschnitten werden darf,sondern gefördert werden sollte.

    anspruch auf die lebensnotwenigen güter (essen/ trinken/unterkunft/ medizinische versorgung/ bildung),der auf keinen fall beschnitten werden darf,sondern gefördert werden sollte.

  • Antwort von dreadnought 16.06.2011
    3 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Diese Formulierung war 1948 eine Antwort auf die Erfahrungen der NS-Zeit. Sie sollte klarstellen, daß nie mehr eine Ideologie über den Wert oder Unwert menschlichen Lebens entscheiden dürfe. Sie entsprang damals einem zutiefst christlichen Menschenbild, interessanterweise kennen nichtchristliche Kulturen diesen Begriff ja auch nicht. (Eine der Hauptaufgaben heute ist es, diesen Zusammenhang zu leugnen und zu vernebeln- das wäre ja noch schöner, sonst würde man ja die blöden Kirchen nie los!)

    Der Satz drückt ein Staatsziel aus, er ist kein konkretes Gesetz. Denn selbstverständlich wird die Menschenwürde eines Verbrechers bei seiner Hausdurchsuchung, Festnahme etc.nicht bruchlos eingehalten. Im konkreten Leben kann es immer nur um ein "soweit wie möglich" gehen.Nebenbei: der Link zur humanistischen Aktion ist interessant. Bei denen besteht die "Menschenwürde" in einer staatlich überwachten atheistischen Erziehung bis zur Volljährigkeit- das ist mal eine durchdachte und widerspruchsfreie Lösung :-)

  • Antwort von Collagen2 16.06.2011
    2 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Du kennst doch folgenden Spruch: Papier ist geduldig.?Es gibt in Deutschland mehrere Millionen Gesetzesvorschriften. Hinter jedem davon steht auch beim Verstößen, eine Strafandrohung. Um eine gerichtliche Ahndung zu erreichen bedarf es erst einmal einer Anzeige. ( Wo kein Kläger da kein Richter). Beim Grundgesetz handelt es sich um ein Rahmengesetz. Wenn also die Würde eines Menschen verletzt wurde, müsste erst einmal eine diesbezügliche Anzeige erfolgen. Da besteht schon das erste Problem, juristisch genau zu definieren, wie und womit gegen die Würde des jeweiligen Klägers verstoßen wurde. Das Recht selbst ist eigentlich das Mittel zur Umsetzung des Gesetzes. Dieses wird vom höchsten Organ der Rechtssprechung eines Landes ( in den Demokratien vom Parlament) beschlossen und von der Regierung in Kraft gesetzt. Ganz sicher werden tagtäglich tausende Mal Gesetzesverstöße begangen, wovon nur ein winziger Bruchteil zur Anzeige gebracht wird. Nun sieht es in der Praxis ja so aus, dass angezeigte Gesetzesverstöße (in der Regel) irgend wann einmal vor einem ordentlichen Gericht verhandelt werden. Da geht es auch nicht immer "gerecht" zu. Wenn ein Straftäter beispielsweise einen sehr gewieften Strafverteidiger zur Seite hat, kann es durchaus passieren, dass er "ungeschoren" davon kommt. Wurde schon in unzähligen Filmen gezeigt. Recht und Gesetz sind noch lange nicht identisch mit Gerechtigkeit. Alle menschen sind vor dem Gesetz gleich , manche jedoch etwas "gleicher", sagt der Volksmund und liegt damit vollkommen richtig. Gesetze lassen sich überwiegend wunderbar "interpretieren" und mit Hilfe von sog. "Präsidenzfällen" ( vorwiegend in den USA praktiziert), versuchen die Gerichte häufig ein einigermaßen ordentliches Urteil zu finden. Ich bin juristischer Laie und kann hier nur aus meiner ganz persönlichen Betrachtungsweise versuchen, hier ein wenig "Licht" hineinzubringen. Es wird Dich kaum befriedigen, aber vielleicht helfen Dir meine überlegungen dennoch ein wenig weiter.Im Zweifelsfalle ist zugunsten des Angeklagte zu entscheiden! Machs gut. !

  • Antwort von Mucker 16.06.2011
    2 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Die Menschenwürde wird täglich mit Füssen getreten - es sind schöne Worte bzw. Wunschdenken - die Realität sieht leider meist anders aus.

    "Der Satz "Die Würde des Menschen ist unantastbar" bedeutet eigentlich: "Die Würde des Menschen ist verletzlich, sie ist zu ermöglichen, zu achten, zu wahren und zu schützen."

    Dies sollte nicht nur Verpflichtung aller staatlichen Gewalt sein, sondern auch aller elterlichen, schulischen betrieblichen und sonstigen Gewalt oder besser: Verantwortlichkeit.

    Da das Grundgesetz nicht nur für den Staat gilt, müßten sich dessen Inhalte auch in allen außerstaatlichen Bereichen entsprechend widerspiegeln, z.B. in wirtschaftlichen Bereichen im Betriebsverfassungsgesetz, in schulischen in den Vorschriften der Kultusministerien und in privaten in den religiösen Richtlinien, die jedoch entweder ethische Normen wie Artikel 1 GG nicht enthalten oder sogar gegen diese verstoßen."

    http://www.humanistische-aktion.de/wuerde.htm

  • Antwort von balljunge87 16.06.2011
    2 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    http://www.humanistische-aktion.de/wuerde.htm

    Dort wird genau dein Thema behandelt...

  • Antwort von Kleobulos 16.06.2011
    2 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Das kannst Du Dir mit etwas Denken selber beantworten.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Menschenw%C3%BCrde

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