Frage von linchen0912, 37

Könnt ihr mir die Aussagen des Wikipedia Artikels zum Konservativismus erklären?

Ich stehe bei dem Wikipedia Artikel zum Konservatismus total auf dem Schlauch... ich weiß echt nicht, was es mir sagen soll... Ich hoffe ihr könnt meine Füße anheben :D

Es geht um folgenden Teil des Artikels:

Der Grundgedanke des Konservatismus:

  1. der Glaube an das Walten der göttlichen Vorsehung in der Geschichte und die Einsicht in die Unzulänglichkeit der menschlichen Vernunft
  2. die konkrete Anschauung und aus der Geschichte gewonnene Erfahrung im Unterschied zu abstrakter Systematik
  3. die Vielfalt des historisch Gewachsenen in der Gesellschaft im Unterschied zur uniformen Freiheit für alle
  4. Tradition in der Gestalt der unbewussten Weisheit der Ahnen
  5. Autorität mit Rücksicht auf die natürliche Ungleichheit der Menschen im Gegensatz zum egalitären Denken
  6. die Einheit von bürgerlicher Freiheit und Privateigentum

Ich hoffe wirklich, dass ihr mir helfen könnt es zu verstehen :)

LG linchen

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Unsinkable2, Community-Experte für Politik, 26
Glaube an das Walten der göttlichen Vorsehung in der Geschichte und die Einsicht in die Unzulänglichkeit der menschlichen Vernunft
Der Konservativismus lehnt selbständiges Denken grundsätzlich ab.

Er verlässt sich auf eine "höhere Macht", die ihn lenkt. Im Großen sollen Götter lenken, im Kleinen sollen die Politiker bzw. Reichen lenken. Der "kleine Mann" soll das Denken aber in jedem Fall sein lassen und brav seinen Herren folgen.

konkrete Anschauung und aus der Geschichte gewonnene Erfahrung im Unterschied zu abstrakter Systematik

Hier ist einfach nur gemeint,

dass der Konservativismus sich lieber auf die Erfahrungen aus der Geschichte verlässt, als eigene Gedanken in die Zukunft zu stecken.

 

Es ist also eine Variation des ersten Satzes ("Ablehnung des selbständigen Denkens"), die sich weniger auf die "Glaubensphilosophie", als vielmehr auf den "wissenschaftlichen Ansatz" der Informationsgewinnung stützt.

Einfacher ausgedrückt: Man möchte lieber Erfahrungen aus der Geschichte "nach Gefühl verwursten", als sich einer "abstrakten Systematik" zu beugen, die möglicherweise aus den Erfahrungen Erkenntnisse für die Zukunft ableiten will.

Beispiel: Konservative glauben (aus der geschichtlichen Erfahrung): "

Kriege vermeidet man, indem man zwar rüstet, aber dann nicht in den Krieg zieht.

" Die "abstrakte Systematik" schlussfolgert aus der gleichen Geschichte: "

Wer nicht in den Krieg ziehen will, der hat auch keinen Grund zu rüsten. Wenn man also Kriege verhindern will, dann muss man Rüstung verhindern.

"

Vielfalt des historisch Gewachsenen in der Gesellschaft im Unterschied zur uniformen Freiheit für alle

Das sagt nichts anderes als "

Herren bleiben Herren, Sklaven bleiben Sklaven

("Uniforme Freiheit" = gleiche Freiheit für alle Menschen).

Tradition in der Gestalt der unbewussten Weisheit der Ahnen

Auch das ist nur ein anderes Wort für "

Rückwärts-Blicken? Ja! Vorwärts-Blicken? Nein!

" Es wird davon ausgegangen, dass die "Ahnen" (also die Vorfahren) weise genug waren, "gefühlt" die richtigen Wege zu finden. Man muss jetzt nur konsequent bleiben und diese Wege weitergehen, auch, wenn es schmerzen sollte. (s. a. "Ablehnung des selbständigen Denkens")

Autorität mit Rücksicht auf die natürliche Ungleichheit der Menschen im Gegensatz zum egalitären Denken

"Egalitäres Denken" meint "Der Glaube, dass alle Menschen gleich sind und gleiche Rechte haben"

.

Mit einfachen Worten heißt diese Aussage also: "

Wer arm ist und/oder keine Macht hat, der hat eine niedrige Intelligenz.

" Deshalb muss man die Armen vor sich selbst schützen, indem man ihnen Autoritäten (Politik, Reiche, etc.) vorsetzt, die das Denken für sie übernehmen und Anweisungen erteilen.

Einheit von bürgerlicher Freiheit und Privateigentum

Das sagt nichts anderes als: "

Wer reich ist, der ist frei.

" Und je reicher man ist, desto freier ist man.

------------------------

Im Wesentlichen sind das nur präzisere Beschreibungen der zentralen Werte des Konservativismus:

  • "konservativ" kommt von "conservare", also "bewahren".
  • Das bestehende System soll vor Veränderung geschützt werden.
  • Reichtums- und Armutsverhältnisse sollen genauso bewahrt bleiben, wie sie sind.
  • Machtverhältnisse sollen nicht geändert werden.
  • Selbständiges Denken ist verpönt und wird strikt abgelehnt.
  • Um die "Denk-Lücke" zu füllen, wird "War schon immer so. Soll um jeden Preis so bleiben." zum zentralen Dogma.
  • Arme Menschen sind "einfältige Menschen", die man vor sich selbst schützen muss. Deshalb haben die "Aristokraten" (also die "Auserwählten" bzw. "die durch Geburt, Macht und/oder Reichtum bevorzugten Menschen") den Auftrag, diese einfältigen Menschen zu beschützen, indem sie über ihr Leben bestimmen; sie also "fernsteuern". 

All diese Werte werden aus der Geschichte gezogen: Das Christentum schaffte es auf diese Weise (und mit diesen Mitteln) rund 1.000 Jahre lang ohne wesentliche Veränderungen zu herrschen. Und der Konservativismus versucht nun seinerseits, noch ein paar Hundert Jahre dranzuhängen...

Und in gewisser Weise bestätigt sich die Auffassung der Konservativen auch: Konservative haben nach verschiedenen Studien tatsächlich eine niedrigere Intelligenz - http://goo.gl/uvZG1H (Je niedriger der IQ, desto geringer die Bereitschaft zum selbständigen Denken; und desto größer der Hang zu Tradition und Autorität...)

Kommentar von linchen0912 ,

Vielen, vielen Dank für deine Ausführliche Erklärung... und das anheben meiner Füße :D

Expertenantwort
von PeVau, Community-Experte für Politik, 37

1. Der Mensch ist nicht Herr seiner Geschichte, sondern Gott lenkt und der Mensch ist unfähig Ziel und Sinn der göttlichen Lenkung zu erkennen.

2. Geschichte wird nur als Folge von Ereignissen und deren Auswirkungen beschrieben und es wird bestritten, dass Geschichte in ihrem Verlauf Gesetzmäßigkeiten unterliegt. (Gegensatz --> Marx, Manifest der Kommunistischen Partei: „Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen“)

3. Was historisch gewachsen ist, ist gut und Veränderungen sind schlecht, weil sie die Vielfalt abschaffen und alles gleichmachen wollen. Wo kommen wir hin, wenn alle gleich sind?

4. Tradition ist die Weisheit der Vorfahren und was die getan haben, kann heute nicht schlecht sein. Veränderungen bedeuten, die Weisheit der Alten zu missachten. Oben soll also oben und Unten soll unten bleiben.

5. Die Menschen sind ungleich und Oben und Unten sind deshalb natürlich gegeben. Die Oberen haben die Autorität (von Gott oder wem auch immer) verliehen bekommen, um die Unteren zu führen und zu beherrschen.

6. Privateigentum ist die Grundlage bürgerlicher Freiheit. Wer kein Privateigentum hat, hat eben Pech gehabt. (Mit Privateigentum ist nicht der Toaster in der heimischen Küche gemeint, sondern Privateigentum an Produktionsmitteln.)

Antwort
von Tamuril, 29

Also Die Bedeutung steht ja schon im Wort "Konservatismus" Da ist das Wörtchen Konserve drinnen, was so viel bedeutet, wie erhalten, bewahren. 

Man konserviert etwas, man erhält etwas. Dabei kommt es nicht darauf an, ob man Menschen, oder Früchte konserviert. 

Das geht auch mit Politik. Man will die alten Werte erhalten. Die Werte, die schon seit Ewigkeiten gelten, ob nun bewusst, oder unbewusst. 

Der Punkt 1 sagt nichts anderes, als: "Du kannst das Schicksal nicht ändern. Gott leitet uns, egal, ob wir daran glauben, oder nicht." Das ist schon immer so gewesen und wird auch so bleiben. 

2. Das was man sieht, das was man in der Hand hält, bzw. erlebt hat, ist substanzieller als alle Theorie und sei sie auch noch so modern. 

3. da komme ich auch ins Strudeln. Ich glaube es geht darum, dass all das, was ein Volk erreicht hat, für das Volk sinnvoller ist zu erhalten, als dem Volk die Freiheit zu geben, sich komplett anderen Werten zuzuwenden.

Also für mich geht es dabei sowohl um die Historischen, die kulturellen und die intellektuellen Errungenschaften. Im Gegensatz dazu das Vergessen der Herkunft. Die macht zwar frei aber man fühlt sich unvollkommen. 

4. Ich denke, das ist klar. Frag lieber Oma als Google. ;-) 

5. Das ist etwas, das mir irgendwie gegen den Strich geht, aber im Grunde war es schon immer so und wird sicher auch so bleiben. Autoritär ist ja nichts anderes als Macht ausüben, wenn nötig mit Gewalt. Dabei ist egal, welche Art. Der Gegensatz dazu ist Antiautoritär. Antiautoritäre Erziehung funktioniert nicht. Autoritäre Erziehung kann aber genauso in die Hose gehen. Hier geht es aber um Politik. Autorität in der Politik setzte ich mit einer Diktatur gleich. Aber ohne geht es nicht. Wenn keiner da oben ist, der sagt, wo es lang geht, haben wir die Anarchie. 

Der Satz sagt: Dass Autorität wichtig und richtig ist, aber nur, wenn akzeptiert wird, dass jeder Mensch anders denkt, anders aussieht, andere Vorstellungen hat. Davon auszugehen, dass alle Menschen gleich denken, wäre Idiotie. 

6. Jo, da muss ich auch raten. Ich gehe mal davon aus, dass jeder Mensch die Freiheit besitzt aus sich zu machen, was ihm gefällt. Ob ich jetzt ein Haus kaufe, oder mich in einer Wohnung einmiete, ist quasi mir überlassen. 

Gibt es kein Privateigentum, passiert das, was in den Oststädten passiert ist. Keiner fühlt sich verantwortlich für das Eigentum des Staates. Alles verkommt und verrottet.

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