Frage von thisgirl0, 71

Erinnerungen, an die wir uns nicht erinnern existieren nicht?

Ist da was dran? Hab ich mal in einem Anime gehört und das lässt mich echt nachdenken. Ist nur das von Existenz, woran wir uns erinnern können und was wir selbst sehen können? Quasi alles nur eine Illusion, die jeder individuell "auslebt"?

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo thisgirl0,

Schau mal bitte hier:
Anime Leben

Antwort
von berkersheim, 29

Philosophie bedeutet auch, Aussagen sehr präzise zu analysieren und Begriffe sehr genau zu verwenden. Deine Frage und Beschreibung ist ein Beispiel des Gegenteils: Unpräzie und ein wirres Durcheinander unterschiedlichster, schwammiger Aussagen. Wenn Du selbst über Deine Frage nachdenkst: Erinnerungen - was wird damit bezeichnet? Es handelt sich um geistige Vorstellungen eigener Vergangenheit. Das darf man nicht mit den Vorkommnissen verwechseln. Wenn Du keine Erinnerung an Deinen 5. Geburtstag hast, dann hat er doch stattgefunden und evtl. erinnert sich Deine Mutter noch ganz genau, dass Du damals Onkel Herbert den Kaffee über die Hose gegossen hast. Dieser Sachverhalt ist nicht dadurch ausgelöscht, dass Du Dich nicht an ihn erinnerst. Das "wir" in der Frage darf nicht verallgemeinert werden. Dass Du Dich nicht erinnerst bedeutet ja nicht, dass sich evtl. Deine Mutter und Onkel Herbert nicht daran erinnern.

Die nächste Sünde: Ob wir uns an etwas erinnern oder ob wir etwas sehen sind zwei vollkommen verschiedene Dinge. Die kann man nicht einfach gleichstellen. Wenn Du in Deinem Zimmer bist, was auf alles auf der Welt siehst Du dann nicht, auch wenn es existiert? Deine Schule z.B.. Die kannst Du aus Deinem Zimmer nicht sehen. Aber Du kannst Dich daran erinnern, dass es sie gibt und wie sie aussieht und Du kannst Dir sogar den Weg in Dein Klassenzimmer vorstellen. Also, wenn Du schon denkst, dann bitte präziser, denn dass wir viele Dinge je nach Ort unseres Aufenthalts nicht sehen, die selbstverständlich vorhanden sind, ist doch trivial. Wenn Du mit Deiner Freundin telefonierst und sie Dir sagt, sie sitze in Eurem Stammcaffee, dann weißt Du genau, dass das existiert und wie es dort aussieht, auch wenn Du es nicht unmittelbar sehen kannst.

Ich wünsche Dir nicht, dass Du beim Überqueren der Straße ein herannahendes Auto übersiehst, sonst endet Deine Illusion im Krankenhaus. Das ist dann keine Illusion mehr.

Kommentar von PolluxHH ,

Eines sei gesagt: selbst die Farbwahrnehmung ist genetisch bedingt, nicht durch objektive Vorgaben. Die Umsetzung des Farbeindrucks einer subtraktiven Mischung von Lichtwellen ist schon eine subjektive Wahrnehmung. So können Europäer weit mehr Grüntöne unterscheiden als Grönländer, Grönländer weit mehr Weißtöne als Europäer.

Zudem ist jede Wahrnehmung zwingend selektiv und deren Verarbeitung subjektiv verzerrt, sei es durch Gewichtung, sei es durch eine erlernte Selektion, was eine verstärkte Form der Gewichtung darstellt, da hier bestimmte Sachverhalte erst gar nicht in das Bewußtsein gehoben werden, obwohl man sie erfaßt hat, Nebengeräusche bei einem Gespräch z.B.. Es entzieht sich uns damit nicht nur die Schule, die man aus dem Zimmer nicht sehen kann, sondern auch Sachverhalte direkt vor unserer Nase, die wir durchaus feststellen könnten, z.B. daß die Person uns gegenüber eine neue Frisur hat, was aber der Wahrnehmung nachgestellt ist, da schon beruhend auf einer Verarbeitung der Wahrnehmungen.

Da aber Erinnerungen sich immer nur aufgrund verarbeiteter Wahrnehmungen ergeben, sind diese durch Beschränkungen der Wahrnehmung und deren selektiver Verarbeitung auch nur sehr mittelbar an die Realität gebunden. Erinnerungen sind zudem komplex, d.h. sie erfassen nicht nur konkrete Eindrücke, sondern auch einen emotionalen Überbau.

Kommentar von berkersheim ,

@PolluxHH

Vollkommen in Ordnung. Die Art und Weise, wie sich eine "Welt an sich" (Kant) in unserem Bewusstsein zusammenbaut, ist ganz komplex, ist keine 1zu1-Abbildung. Selbst die vielfältigen Eindrück unserer Sinne werden nicht zu 100% verarbeitet sondern situationsbedingt "ökonomisch" mit dem geringsten Aufwand. Aber über unsere gesamte gesellschaftliche Kommunikation geschieht eine Abstimmung und dass das auch nach Umwelt unterschiedlich gewichtet wird, verwundert mich nicht. Wogegen ich mich wende: Keiner erfindet eine eigene Welt, seine Spiegelung mag etwas anders ausfallen als die des Nachbarn, aber beide spiegeln dieselbe Welt und diese ist präsent. Auch wenn ich beim Unfall das herannahende Auto nicht bemerkt habe, war es da und der Unfall ist die Bestätigung, dass in meiner Wahrnehmung ein Blackout war.

Was ich "thisgirl0" zu bedenken geben wollte, ist, Begriffe und Vorstellungen sauber zu trennen. Wenn man lasch alles als ähnlich behandelt, kommt man philosophisch in Teufels Küche.

Kommentar von PolluxHH ,

Deine Bemühung sah ich schon, ich erkannte sie auch an, nur fand ich sie dann wieder etwas halbherzig, da sie den Bruch zwischen Realität, illusionärer Vorstellung von Realität und Einbindung dieser illusionären Vorstellungen in ein komplexes Konstrukt aus  Eindrücken und Emotionen m.E. nicht hinreichend beleuchtet. Dabei orientierte ich mich weniger an Kant, als an der Scholastik unter latentem Bezug auf die aristotelischen Kategorien. Kant hätte mir dann wieder etwas zu weit geführt und hier reicht ja ein rein definitorischer Ansatz ;).

Auch gäbe es ein Problem mit Kant, denn wenn man auf eine gesellschaftliche Realität abheben wollte, müßte man Kants Methodik brechen, da es über einen dialektischen Ansatz führte. Ein methodischer Bruch aber läßt mir immer die Haare zu Berge stehen ... auch wenn ich den Schritt angesichts der Frage nicht vollführen brauche, um das Andenken komme ich regelmäßig nicht herum.

Wie nun aber auf gesellschaftlicher Ebene sich aus den Einzelbildern ein reliables Bild der Realität ergibt (wieso denke ich gerade an Hegel?) ist im Rahmen der Fragestellung faktisch nicht relevant, da es hier um einen Irrtum geht, der durch unzulässige Umkehrung einer (impliziten) Kausalität resultierte. Wäre die Causa bei der Umkehrung falsch, könnte man es stehen lassen, dann wäre die Aussage beliebig, aber die Causa ist wahr, damit die Kausalität mit unwahrer Folge auch unwahr.

[Jetzt hoffe ich nur, daß uns thisgirl0 auch folgen kann.]

Antwort
von Dxmklvw, 6

Erinnerungen sind an solche emotionalen Kostellationen gebunden, die mit einem stattgefundenen Ereignis im Zusammenhang standen.

Je konstanter jemand in seiner Emotionalität ist, desto besser wird er sich auch an etwas erinnern können, weil es dann weniger Konstellationen gibt, in denen er herumkramen muß.

Dazu kommt noch der Effekt diverser Filterungen. Alles erlebte wird im Gedächtnis gefiltert abgelegt, was bedeutet, daß es dabei auch mehr oder weniger verzerrt wird. Gleichzeitig sind aber auch diese Filter an weitere komplexe Dinge wie z. B. emotionale Konstellationen gebunden.

Das bedeutet, daß sich Menschen immer dann schlecht oder gar nicht an etwas erinnern, wenn sich emotionale Konstellationen drastisch verändert haben und/oder wenn die Filterkomplexe stark verändert wurden.

Wer stets von Trend zu Trend hin- und herhüpft, sich nach Trends der anderen ausrichtet und fortwährend wechselmütig ist, der wird sich nur sehr schlecht an vieles erinnern, und das, an was er sich doch erninnert, durch sinnfreie Filter so sehr verzerren, daß er in schlimmen Fällen als realitätsfremd oder als Lügner bezeichnet wird.

Doch letztlich geht keine Erinnerung wirklich verloren, solange nicht alle die Hirnteile beschädigt sind, in denen eine bestimmte Erinnerung abgelegt ist. Lediglich das Hervorkramen macht oft Probleme.

Antwort
von PolluxHH, 21

Um was geht es?; - um Erinnerungen. Erinnerungen sind aber Bilder, die auf individueller oder überindividueller Ebene gehalten werden, ohne fixiert zu sein, also ohne sich in physischen Bildern oder Schriften zu manifestieren.

Was passiert aber, wenn nun diese individuell oder überindividuell gehaltenen Bilder, welche nicht aufgezeichnet wurden, verschwinden? Sie sind dann nicht mehr als Datum fixiert, sind nicht mehr abrufbar. Es ist wie ein gelöschter Datensatz auf dem Computer. Wäre dieser Datensatz noch existent nach der Löschung, sofern er auch nicht wiederherstellbar ist? Eher nicht. [Hier sei das Defizit ausgeblendet, daß ein Datensatz auf anderen Datenspeichersystemen bestehen könnte, das ist das Problem an Beispielen: sie sind selten optimal.]

Erinnerungen, die wir verloren haben, sind verloren, also dann auch nicht mehr existent, denn die Erinnerung ist an uns gebunden, sie sind ein subjektiv gehaltenes Abbild von etwas, was sich ereignet hat, sind selber Illusion, die wir erzeugten, speicherten und damit NUR in uns existieren können. Dabei ist der Mensch weder zur objektiven Wahrnehmung noch zur objektiven Verarbeitung fähig, also ist jeder Eindruck nur ein Abbild von Wahrheit, eine Illusion von Wahrheit. Mit den Worten von Franz Kafka :"Unsere Kunst ist ein von der Wahrheit Geblendetsein: Das Licht auf dem zurückweichenden Fratzengesicht ist wahr, sonst nichts." Dies gilt nicht nur für die Kunst.

Du kehrst übrigens die Aussage um, wobei die Aussage eine implizite Kausalität darstellt und damit nicht umgekehrt werden darf:

WENN wir uns an eine Erinnerung nicht mehr erinnern,
DANN existiert die Erinnerung auch nicht mehr.

Damit ist nicht gesagt, daß nur das existiere, an das wir uns erinnern.

Antwort
von ChialesLP, 26

Meine Frage: Wie heißt denn der Anime? ;D
Nunja, es gibt immer Erinnerungen, an die wir uns nicht erinnern können.
Du verdrängst sie aus gutem Grund, beispielsweise, weil sie dich verstören oder sie einfach irrelevant sind.
Ich bin ein Mensch, der wenn er sich was merkt, sich ALLES merkt.
Ich merke mir meine Sicht, die Gerüche, wie mein Körper steht und und und.

Jeder hat seine eigene Fantasiewelt in der derjenige schwebt. Manche träumen von Katzen, andere von der nächsten Matheklausur. 
An was auch immer du glaubst, DEINE Sicht ist wichtig, also mach dir Gedanken darüber, was du siehst, nicht was andere sehen!

Kommentar von thisgirl0 ,

Serial Experiments Lain heißt der Anime

Antwort
von Meeew, 20

Jain

Bspw. Erinnern wir uns alle nicht mehr wie es in Mamas Bauch war, dennoch beruhigt und alle der Herzschlag eines anderen Menschens, Wärme und Nähe.

Und wenn man nen Großvater hatte, der früh gestorben ist und man sich nicht mehr erinnert, gab es den Großvater und die Erlebnisse ja trotzdem.
Und man könnte über einige Wege weiterhin auf sie zugreifen.

Antwort
von warehouse14, 1

Es gibt sogar Erinnerungen an Ereignisse, die nie stattgefunden haben. o.O

Das menschliche Gedächtnis ist bei weitem nicht so zuverlässig, wie man gerne annimmt.

Deshalb sind Befragungen beispielsweise von missbrauchten Kindern immer kritisch auf Suggestionen zu prüfen.

Generell existieren Erinnerungen erst ab dem Zeitpunkt, an dem sie stattfinden. Unabhängig davon, ob die Situation je real existiert hat, die erinnert wird.

Bewußtsein an sich ist praktisch eine einzige Illusion. Jede Sinnes-Wahrnehmung ist illusorisch. Farben, Formen und Geräusche werden im Gehirn interpretiert. Und Interpretationen sind äußerst fehleranfällig.

Sie sind immer nur eine Annäherung an die Wahrheit, aber nie die Wahrheit selbst.

warehouse14

Antwort
von Andrastor, 19

Blödsinn. Das ist nichts weiter als eine Erweiterung der geistigen Onanie "Wenn ein Baum im Wald fällt..." Egal ob man sich daran erinnert oder nicht, was geschehen ist war real und hat seine Auswirkungen auf die Zukunft.

Um diese These mit einem Beispiel in der Luft zu zerfetzen: Wenn jemand im Vollrausch ungeschützten Sex hat und sich mit HIV oder anderen Geschlechtskrankheiten infiziert, ist es egal ober sich im Nachhinein noch daran erinnert oder nicht, die Krankheiten hat er trotzdem.

Antwort
von nowka20, 1

alle erinnerungen werden aufgehoben im unterbewußtsein

Antwort
von grtgrt, 4

Erinnerung ist das, an was man sich erinnert.

Was du tatsächlich fragen wolltest, ist wohl: Gibt es Dinge, an die wir uns nicht erinnern? Und so gefragt ist die Antwort ja wohl klar.

Mit anderen Worten: Du hast deiner Frage eine Form gegeben, die keinen Sinn macht. Nur deswegen konntest du sie nicht selbst beantworten.

Man sieht hier sehr schön, wie wichtig es ist, sich sprachlich korrekt ausdrücken zu können. Wer es nicht kann, verwirrt sich selbst (und oft auch andere).

Kommentar von grtgrt ,

Nebenbei: Auf die (umgekehrte) Frage, ob das, an was man sich erinnert, wirklich vorhanden war oder geschah, kann es unterschiedliche Antworten geben. Manchmal nämlich glaubt man, sich an etwas zu erinneren, hat es aber in Wirklichkeit nur im Traum so gesehen oder erlebt.

Antwort
von theMentalist061, 4

Existenz kann man nicht definieren da diese theoretisch alles oder nichts sein kann

Antwort
von Ich00011, 12

An die fettgedruckte Frage: Ließ mal den Wikipedia-Artikel zu Passives Wissen durch: de.m.wikipedia.org/wiki/Passives_Wissen wenn du es gelesen hast wirst du die Antwort wissen: Man kann auch Erinnerungen im Gehirn haben, die nicht aktives Wissen sind: de.m.wikipedia.org/wiki/Aktives_Wissen

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