Frage von bachforelle49, 21

Erhöhen sich die EEG Gebühren (Strom) grundsätzlich, wenn der Strompreis (noch) niedriger an der Börse fällt?

Erhöhen sich die Strompreise durch EEG Umlage grundsätzlich, wenn genug davon auf dem Markt ist und die Preise an der Börse im Keller sind?

Antwort
von Funfroc, 16

Hallo,

ein klares: Ja, aber...

Die EEG Umlage wird aus verschiedenen Komponenten berechnet. https://de.wikipedia.org/wiki/Erneuerbare-Energien-Gesetz#EEG-Umlage

Demzufolge wird im Oktober die Umlage in Ct./KWH festgelegt anhand von Prognosen. Die Liquiditätsreserve ist dann dafür da kurzfristige Schwankungen an der Strombörse abzufangen.

Stabilisiert sich der Strompreis aber längerfristig auf einem niedrigeren Niveau, dann wird dies auch dazu führen, dass im nächsten Jahr der Teil der Umlage, der durch den Börsenpreis beeinflusst wird, steigt.

Andere Faktoren gibt es aber auch, z.B.: die Anzahl der erwarteten Zahler und deren erwarteter Verbrauch. Wenn also einzelne Großverbraucher von der Umlage befreit werden, wird der Fehlbetrag auf die anderen Verbraucher umgelegt.

LG, Chris

Kommentar von bachforelle49 ,

ja, ein Grund mehr, die (unsere) Regierung ... zuwählen Logik ist nicht deren Stärke.. (?!)

Kommentar von Funfroc ,

Tja, wenn du ein anderes Wirtschaftssystem haben willst, gibt es in
Deutschland nur eine echte Alternative... und sie trägt das Wort nicht
im Namen :-)

Ob die es aber nur theoretisch oder auch praktisch besser machen... ich weiß es nicht.

Antwort
von Lynx77, 6

Wenn man halbwegs den EEG-Wälzungsmechanismus kennt, wird einem schnell klar, wie sich auch die Umlage bei bestimmten Veränderungen verhält. Ich versuche das mal kurz zu erklären:

Jeder EEG-Anlagenbetreiber bekommt ja eine Vergütung in bestimmter Höhe (je nach Energieträger, Größe der Analge, Inbetriebnahmedatum etc.) je eingespeiste (und teilweise auch selbstverbrauchte) Kilowattstunde. Da waren vor Jahren zum Beispiel im Photovoltaik-Bereich auch Sätze über 50 ct/kWh drin. Jedenfalls bekommt der Anlagenbetreiber das Geld vom regionalen Verteilnetzbetreiber (zum Beispiel Stadtwerke) und der holt sich das wieder vom Übertragungsnetzbetreiber (wie Tennet). Woher bekommt dieser nun das Geld?

Zum Einen wird so getan, dass er die Energie bekommt, die EEG-Anlagen eingespeist haben. Selbst wenn es physikalisch so ist, dass die Energie vor Ort verbraucht wird (bzw. in der Nachbarschaft), landet aber die bilanzielle Menge bei den Übertragungsnetzbetreibern. Diese handeln damit quasi an der Börse und erzielen dadurch natürlich niemals den Preis, den man den Anlagenbetreibern ausgezahlt hat (wenn man bedenkt, dass aktuell der Börsenpreis irgendwo zwischen 3 und 4 cent liegt).

Die Differenz muss also durch staatliche Gelder reingeholt werden. Dafür bezahlen Stromverbraucher diese EEG-Umlage. Stromkostenintensive Unternehmen aufgrund des Wettbewerbs speziell mit dem Ausland nicht oder nur verringert (wie die Deuschte Bahn, die ja echt Schiss vor ausländischen Wettbewerbern haben muss oder in Deutschland gute Argumente für den Standort braucht *hust*). Selbst einige Eigenversorger müssen neuerdings zumindest teilweise bezahlen (was meiner Meinung nach etwa den Charakter hat, als würde man für das Gemüse aus dem eigenen Garten Steuern abführen, wenn man es verzehrt).

Diese Differenz versuchte man in der Vergangenheit kleiner zu halten indem man eben die Eigenversorger mit reinnahm oder Erzeuger, die an Dritte beliefern (wie Strom, der an Mieter verkauft wird) oder aber auch indem man die Bedingungen für Stromkostenintensive Unternehmen etwas veränderte. Es gibt dann also mehr Schultern, die die EEG-Umlage stemmen. Andersrum senkte man natürlich die Höhe der Vergütung, welche allerdings nur bei neuen Anlagen greift (Anlagen bekommen 20 Jahre lang die gleiche Vergütung) und somit nur die Erhöhung der Umlage minimiert, aber nicht absenken kann, weil Bestandsanlagen nicht angefasst werden.

Fazit: Wenn alle anderen Parameter sich nicht verändern, ist es so, dass diese Differenz zwischen Vergütung und Börsenpreis ja größer wird, wenn der Börsenpreis sinkt. Somit würde in diesem Fall die Umlage für die Verbraucher tatsächlich steigen. Ob die Stromanbieter ihre Preise deswegen erhöhen, hängt natürlich von den anderen Preisbestandteilen ab (unter anderen eben auch den Einkaufspreis, aber auch den Netzentgelten und den anderen Abgaben).

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