Frage von Malavatica, 21

Erfinden in Deutschland lebende Ausländer eigene Wörter?

Zum Beispiel benutzen hier lebende Serben und Kroaten Wörter, die es im Herkunftsland nicht gibt, geschweige im Wörterbuch. Machen das auch Franzosen oder andere so? Und wie kommt das eigentlich? Hat jemand Beispiele? Interessiert mich einfach.

Antwort
von Slatkimeda, 13

Ja :)

Baustelle- bauštela

Bauarbeiter- bauštelac

Bohrer- bormašina

S-Bahn- ezban

Bruder- bruda

Brötchen- brojčin

Pfand- fand

Lidl- Lidel

Decke (Wand)- deka

Kommentar von Malavatica ,

Haha, nee, ist nicht wahr. Ezban, deka bormasina. :)) baustela wusste ich noch. Smiješno 

Kommentar von Slatkimeda ,

ist so :)

Antwort
von Spielwiesen, 15

Eine Sprache kannst du dir wie ein Lebewesen vorstellen: sie wandelt sich täglich - allein durch die vielen individuellen Varianten in der Mündlichkeit: jeder Sprecher bringt neue Feinheiten und Kombinationen hinein.

Leute anderer Herkunft, die hier leben und deutsch als gemeinsame Verkehrssprache praktizieren, aber nicht gleich das richtige Wort parat haben, entlehnen dieses ihrer eigenen Sprache - das ist ganz menschlich und nachvollziehbar. Immer in der Hoffnung, der andere versteht, was gemeint ist. 

Wortwandel geht zuerst los in der mündlichen Sprache (und oft bleibt es auch dabei), so Sachen wie 'Alder', und 'ey' entstehen fix mal so - nur werden sie kaum ins Schriftliche eingehen (außer vielleicht in Kleinkunst, Literatur und Zeugenaussagen). Inwieweit die da bleiben, wird sich erweisen. Manchmal sind ja richtige Ohrwürmer dabei, die dann vielleicht Karriere machen und die schriftliche Sprache entern.

Alle Deutsch-Sprecher tragen zu dieser Entwicklung bei. Und so kann man auch schon an den Textbeiträgen hier in diesem Forum sehen, was da so abgeht, denn vieles, was man geschrieben sieht, hat seien Ursprung in mündlicher Rede: 'neue' Begriffe sind oft Ausdruck von Smartphone-Diktiersoftware, die ein Morphem falsch verstanden hat und irgendwas draus macht, was es in seinem begrenzten Wortschatz zu kennen glaubt - eben einen benachbarten Klang-mit-Sinn (oder auch nicht) - alles ist möglich. 

Letztendlich ist Sprache Ausdruck kultureller Gepflogenheiten 

Kommentar von Malavatica ,

Ich weiß, was du meinst. Aber, ich rede davon, wenn sie ihre eigene Sprache sprechen, dabei aber zum Beispiel Wörter, die scheinbar dem Deutschen entlehnt sind, benutzen. Also quasi ein Mischmasch aus zwei Sprachen. Diese Wörter existieren so nicht. Ich finde das halt komisch. 

Kommentar von Spielwiesen ,

Ja, du hast recht. Aber das, was ich beschrieben habe, funktioniert auch in die Gegenrichtung: Sprecher anderer Sprachen schnappen sich mal hier, mal da deutsche Begriffe und basteln ihren Satz damit zusammen.

Ich selbst praktiziere das auch, wenn ich bei meinem Lieblingsitaliener mit der Wirtin, die aus Mexiko stammt, etwas bespreche (sie kann nur sehr rudimentär Deutsch, dafür aber Engl., Span. und Italienisch).
Da geht oft die Post ab, wir sprechen meist Englisch, aber ich entlehne aus dem Spanischen, Italienischen, Französischen die Worte, die ich brauche, um mich verständlich zu machen (ich bin Romanistin und Anglistin), manchmal passt auch gerade ein deutsches Wort. Es ist eine eigene, blumige Sprache (die keine Sprachpolizei hören dürfte...! ;)) - aber es macht gute Laune und es bleiben am Schluss keine Missverständnisse.

Die Triebfeder, so etwas zu tun, ist die Pragmatik: man will sich um jeden Preis und mit allen Mitteln verständlich machen. Finde ich gut!

Kommentar von Malavatica ,

Bei dir würde ich gerne mal Mäuschen spielen :) ist bestimmt lustig. 

Kommentar von Spielwiesen ,

Ach ja, und wenn alle sprachlichen Stricke reißen, kommen noch Zeichnungen auf dem Tischtuch dazu....

Kommentar von Malavatica ,

Haha, genau. 

Kommentar von Spielwiesen ,

Genau - und WARUM macht man das alles? Gute Frage: um verstanden zu werden. Das ist das wichtigste Ziel von Menschen, privat wie in der Politik - und was braucht man dazu: Sprachkenntnisse! Möglichst umfangreiche in möglichst vielen Schlüsselsprachen (das sind die mit einer gemeinsamen Wurzel mit anderen Sprachen).

So, jetzt habe ich aber alles dazu gesagt, was möglich war.

Weiterhin fröhliches Forschen!

Antwort
von Vetrogz, 16

Türken araber machen das ganz gerne vom Wort habibi wurde habub wäre nur ein Beispiel 

Kommentar von Malavatica ,

Hm,ok.Aber warum machen die das?  Und wie kommen die darauf? :)

Kommentar von Vetrogz ,

Ich glaube man kürzt einfach Wörter ab wie z. B Bruder wird Bra aber wieso die das machen kann dir niemand genau sagen 

Kommentar von OlliBjoern ,

Naja, Arabisch ist eine Sprache, die z.B. auch Kasus hat, diese Kasus können verschiedene (auch vom Vokal her verschiedene) Endungen haben. Auch könnte es eine adjektivische Form sein ("lieb", aber das weiß ich nicht genau)

mahbub = geliebt

Zudem unterscheidet Arabisch feminine und maskuline Formen:
Habibi = mein Lieber, Habibti = meine Liebe

und auch den Plural
Habibati = meine Lieben (Freunde)

Zudem gibt es viele arabische Dialekte, und diese haben auch Varianten in der Vokalisierung.  Beispielsweise faʿila statt faʿala oder faʿula . Zwischen Marokko (ganz im Westen) und im Irak liegen etwa 2 Dutzend Dialekte.

Türkisch ist eine ganz andere Sprache, da habe ich auch schon mal "birtanem" (meine Liebe, mein Schatz) gelesen...

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