Frage von Kanera12, 144

Erfahrungen mit Derealisation/Depersonalisation?

Hey ihr Lieben!

Seit einigen Wochen leide ich einhergehend mit einer Angststörung und (dummerweise) einmaligem Cannabiskonsum an Derealisation/Depersonalisation. Also denke ich zumindest. Meine Symptome zu beschreiben wäre ein bisschen zu langwierig, aber sie gleichen der "Krankheit" extrem.

Ich habe sehr viel darüber gelesen, aber noch nie von jemandem, der so etwas HATTE. Alle erzählen nur so Sachen wie "ich habe das seit 6 Jahren blablabla.." "Mein ganzes Leben..". Das löst in mir die extreme Angst aus, dass ich das nie wieder los werde, und mein Leben damit verbringen muss. Was mir bei meiner sowieso schon vorhandenen Depression natürlich wenig hilft. Die DP/DR ist bei mir aber so, dass ich ab und zu noch Klarheitsmomente habe, das heißt, Momente, in denen ich mich 'normal' fühle, und das sozusagen weg ist. Manchmal dauern die auch ganze Tage an.

Was ich also fragen wollte: Gibt es hier Personen, die damit fertig geworden sind? Oder kennt jemand solche Personen? Oder ist es so, dass ich mir die "schweren Fälle" zu sehr zu Herzen nehme, und es NICHT der Normalfall ist, dass sowas bleibt?

Ebenfalls gelesen habe ich, dass dieser Bereich so unerforscht ist, dass es nichtmal Medikamente dagegen gibt (was ich sowieso nur als letzten Ausweg wählen würde).

Ja, ich mache Therapie. Morgen habe ich den nächsten Termin und werde dort alles nochmal besprechen.. Für mich wäre es aber überzeugender, positive Bestärkung von jemandem zu bekommen, der persönliche Erfahrungen mit sowas gemacht hat.

Liebe Grüße,

Hannah

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von perseus2016, 36

Hallo Hannah,

ich hab genau dasselbe wie Du (allerdings 24/7), ausgelöst durch sehr starken Cannabiskonsum.

Es gibt für DP/DR sehr viele Erklärungs- und Therapiemodelle. Was auf keinen Fall hilft, ist sich in die ganze Sache reinzusteigern. Es ist nichts gefährliches, im Gegenteil, es ist ein Schutzmechanismus deines Körpers!
Er will dir helfen. :)

Wenn Du eine Depression hast, dann könnte Derealisation eine Begleiterscheinung sein, die ebenso, wie die Depression, verschwinden kann.

Bei mir persönlich hängt es mit Angst/Stress und Aufmerksamkeit zusammen und merke wie Veränderungen dort mit Veränderungen des DP/DR-Empfindens einhergehen. Ausreichend Schlaf, Sport und gute Ernährung helfen auch.

Es gibt Hinweise darauf, dass Medikamente die antagonistisch auf den kappa-opioid-rezeptor wirken hier helfen könnten (Naloxon hat in einer kleinen Studie einen positiven Effekt gehabt, L. Nuller, M. G. Morozova, O. N. Kushnir, N. Hamper: Effect of naloxone therapy on depersonalization: a pilot study. In: Journal of psychopharmacology (Oxford, England)), manchen Menschen helfen auch Antidepressiva.

Wenn du Momente hast, in denen die DR/DP weg ist, dann ist das doch ziemlich gut und du hast einen Ansatzpunkt zu schauen, was an diesen Tagen/Zeiten anders ist, wie du dich fühlst.

liebe grüße

p.s.: Es gibt auch einen Spielfilm ("Numb") über Derealisation.

Expertenantwort
von Buddhishi, Community-Experte für Angst & Psychologie, 71

Hallo Kanera12,

Dein Wissensdurst und Eigenengagement in Ehren, aber Du tust Dir keinen Gefallen damit, zu versuchen, hier Fragen, die in die Therapie gehören, klären zu wollen. Wir stecken alle nicht in Deinem 'Thema' drin und können nicht in die Therapie eingreifen. Das wäre unseriös und für Dich schlimmstenfalls sogar schädlich. Vor einem evtl. Vertrauensbruch zu Deinem/r Therapeuten/in mal ganz zu schweigen.

Aus dem Text können wir ja nicht mal die Diagnose erkennen, die im übrigen nicht von Dir selbst, sondern dem/der Behandler/in gestellt werden sollte. Bitte sei nicht böse, aber auch wenn das nicht die von gewünschte Antwort ist, gebe ich sie Dir nur zu Deinem eigenen Besten.

Alles Liebe und Gute

Antwort
von Seanna, 64

Stimmt, es gibt keine Medikamente dagegen, das hat aber nix mit Seltenheit oder mangelnder Forschung zu tun. Dissoziation an sich wird sogar sehr stark erforscht.

DP und DR sind Formen der Dissoziation und diese ist ein Schutzmechanismus der Seele. Als solches also erst mal nicht pathologisch und daher auch nichts was man behandeln müsste.

Alltagsdissoziationen haben wir alle sogar täglich "Tunnelblick" etc, und bei schweren Unfällen ist der Mechanismus ja auch sehr nützlich, zb sich nicht an alles genau erinnern.

Machen kann man vor allem etwas indem man konsequent Stress ausschaltet, Schlafhygiene betreibt, regelmäßig isst, trinkt, Sport macht, raus geht, Bildschirme meidet, Kontakte pflegt... UND vor allem Drogen, Alk und Ähnliches meidet.

Falls es anhält ist je nach Ursache auch eine Psychotherapie möglich, aber letztlich verfolgt man da den gleichen Ansatz, da das nichts anderes als eine übergeneralisierte Stressreaktion ist. Man diesen Mechanismus also auch dann und in so starker Form anwendet wenn er gar nicht nötig ist zum Überleben.

Ich habe jegliche Formen von Dissoziation und die DP und DR sogar seit vielen Jahren 24/7. Aber mich stresst das nicht mehr und ich kann sehr gut damit leben. Insofern vielleicht mal eine andere Rückmeldung... Zwar habe ich es dauerhaft, empfinde es aber nicht mehr als störend.

Es gibt verschiedene Störungen bei der Dissoziation auch als Symptom auftaucht... zb die Borderline-Störung. Hier gibt es auch viele Methoden, was man dagegen tun kann "Skills", vllt kannst du das mal versuchen. Bei diesen Störungen gehen die Dissoziationen mit der Zeit oft gänzlich zurück oder kommen nur noch selten.

Bei DP/DR aufgrund Drogenkonsum ist sehr sehr schwer einzuschätzen wie lang das anhält und wie sich Qualität und Quantität verändern. Allerdings sind mir nur wenige Fälle bekannt, bei denen das nach Einmalkonsum dauerhaft anhielt.

Noch Fragen? Fragen.

Expertenantwort
von samm1917, Community-Experte für Depression, 54

Depersonalisation und/oder Derealisation ist der absolute Horror. Ich selbst leide zeitweise immer noch darunter. Jedoch ging es vor einigen Jahren mal vorbei, bis ich in eine neue Depression fiel. Ich kenne auch Leute, bei denen es für ein und alle Mal zu ende war.

Es gibt grundsätzlich drei Möglichkeiten wie man zu einer Depersonalisation bzw. Derealisation kommt.

- DP/DL tritt häufig als Begeitstörung im Zuge anderer Erkrankungen auf. Inbesondere bei Angststörungen und/oder Depressionen. Wichtig ist, dass die dahinter liegenden Beschwerden behandelt werden. Sind diese Weg ist meist auch die DP/DL weg.

- Wenn man keine anderen psychischen Erkrankungen hat spricht man von einer sogenannten Depersonalisation- und Derealisationsstörung. Diese ist sehr schwierig zu behandeln, doch auch sie geht irgendwann einmal weg.

- Rauschmittelkonsum kann zu vorübergehenden Depersonalisation und Derealisation führen. Meist geht diese nach dem Wirkungsverlust wieder weg. Das Problem an Rauschmittel ist jedoch, dass gewisse Personen nicht mehr von diesem Gefühl wegkommen (sozusagen hängen bleiben) und sich sogar eine Angststörung oder Depression daraus entwickeln kann.

Therapiert wird eine DP/DL egal ob mit oder ohne Depression/Angststörung meist mittels Psychotherapie. Mit Psychotherapie meine ich eine richtige Therapie und nicht einfach das Gespräch beim Arzt, welcher anschliessend einfach Medikamente verschreibt. Eine Psychotherapie ist sehr langwierig und es dauert Monate, wenn nicht Jahre bis eine solche wirkt.

In der Zwischenzeit kann man es mit Medikamenten versuchen, allerdings gibts keine Medikamente die gegen DP/DL zugelassen sind. Es erfolgt also ein sogenannter "off lable use". Es gibt hinweise, dass Aripiprazol und Lamotrigin (meist im Zusammenhang mit einem SSNRI wie z.B. Duloxetin) die DP/DL beschwerden mindern können.

Antwort
von schloh80, 59

Da es im Rahmen einer psychischen Störung auftritt, bei der dies vorkommen kann, würde ich erst mal davon ausgehen, dass dies wieder nachlässt, sobald die Grunderkrankung erfolgreich behandelt ist.

Cannabis (oder überhaupt Drogen wie Alkohol usw.) ist eben keine gute Idee, wenn man an einer psychischen Störung leidet, das geht fast immer nach hinten los.

Zu klären wäre aber hier, ob es sich tatsächlich um das handelt, was du vermutest. Auch wegen des Cannabis als Auslöser, muss ich dringend anraten, baldmöglichst einen Facharzt für Psychiatrie aufzusuchen und um eine differenzialdiagnostische Abklärung zu bitten. Es ist ggf. wichtig, schnell medikamentös zu behandeln, um die von dir befürchtete Chronifizierung und Verselbständigung einzelner Symptome zu verhindern. Sonst kann es hier tatsächlich sein, dass du doch "drauf hängen" bleibst. 

Auch ein Derealisations/-personilastionserleben kann heute medikamentös (in der Regel mit atypischen Neuroleptika) behandelt werden (und das ist auch in vielen Fällen zu empfehlen)!

Antwort
von watsonemma, 61

Ich kann dich beruhigen, das geht wieder weg, solange es nicht allzu schlimm ist. Die schlimmste Stufe ist sozusagen eine dissoziative Identitätsstörung (früher auch multiple Persönlichkeitsstörung genannt), die wird man so schnell auch nicht mehr los bekommen. Aber DP/DR können auch temporär z.B. durch Stress entstehen und wieder verschwinden, wenn es einem besser geht. Ich selbst war davon ein Jahr lang relativ stark betroffen, stand ständig neben mir, bei jedem kleinsten Anzeichen von Stress habe ich mich praktisch aus meinem Körper "gebeamt", was dazu führte, dass ich mich an diese Momente auch nicht mehr erinnern konnte, habe meine Umgebung sehr verzerrt wahrgenommen, usw.

Doch mit der Therapie ging es mir mit der Zeit wieder besser, ich kam mit dem Stress besser klar und somit wurden auch die DP/DR weniger. Sprich die Thematik mal in deiner Therapie an, dein Therapeut weiß sicher ein paar Tricks, wie du besser mit dem Problem umgehen kannst :)

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