Frage von User5217, 77

Erfahrungen mit Asiatischen Kampfkünsten/Kampfsportarten, was hat euch gefallen?

Hier eine Frage an alle Kampfsportler hier: Ich mache Seit 2 Jahren Kickboxen bzw. K1 und ich würde gerne etwas neues ausprobieren. Sollte in Richtung Asiatische Kampfkunst gehen. Habe schon über Ninjutsu, Wing Tsun und Kung Fu recherchiert. Brauche mal ein paar Erfahrungen zu dem Thema. Was gefällt euch besonders? Mich interessiert vor allem die mit der Kunst verbundene Philosophie und die Hintergründe.

Danke schonmal für alle Antworten :)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Enzylexikon, Community-Experte für Kampfsport, 54

Ich selbst trainiere die japanische Kampfkunst Aikido und habe hier einmal etwas ausführlicher geschrieben, weshalb ich diese Disziplin so schätze - inklusiver einiger Videos zur Illustration:

https://www.gutefrage.net/frage/welche-kampfsportart-gefaellt-euch-und-warum-wel...

Aikido hat einen besonderen philosophischen Anspruch, dessen pazifistische Grundhaltung besonders von den Konzepten moderner Selbstverteidigungssystem abweicht.

Solltest du nach den Informationen in meinem Link noch Fragen haben, helfe ich gerne weiter. :-)

Kommentar von User5217 ,

Sehr hilfreich, Danke :)

Kommentar von Enzylexikon ,

Keine Ursache, sehr gerne. :-)

Kommentar von User5217 ,

Denkst du Aikido ist auch praktisch anwendbar? Also könnte man sich im Ernstfall auch damit verteidigen? Es geht mir natürlich hauptsächlich um den Spaß und dem Ausgleich zur Schule, aber das wäre interessant zu wissen :)

Kommentar von Enzylexikon ,

Ich musste Aikido leider schon dreimal im Ernstfall anwenden, um mich, oder andere Personen vor gewalttätigen Übergriffen zu schützen. Somit kann ich aus eigener Erfahrung die Effektivität bestätigen.

Natürlich wirken die Bewegungen dann durchaus weniger elegant, einfach weil der reale Angreifer nicht in der Lage ist, die Verteidigungstechnik zu kompensieren und die Technik härter durchgezogen wird.

Aufgrund der Philosophie des Aikido ist es allerdings kein System, mit dem man schnell eine "optimale Verteidigungsfähigkeit" erlangt. Wer so etwas sucht, wird eher an anderer Stelle fündig.

Dadurch ist nach meiner Erfahrung die "Aussteigerrate" beim Aikido hoch - einfach weil die Menschen falsche Erwartungen haben und nicht lange genug bleiben, um die Feinheiten der Technik zu entdecken.

Wenn du allerdings wirklich Interesse an einer Kampfkunst hast, bei der die Persönlichkeitsentwicklung im Mittelpunkt steht und die zu mehr Ausgeglichenheit führt, kann ich dir Aikido empfehlen.

Kommentar von User5217 ,

Nagut, wie lange denkst du dauert es bis man es effektiv Anwenden kann? :)

Kommentar von Enzylexikon ,

Das hängt unter anderem auch vom Aikido-Stil ab.

Einige davon, wie beispielsweise Yoshinkan, sind von vornherein stärker auf Selbstverteidigung ausgerichtet, als zB der weltweit am meisten verbreitete Stil des Aikikai.

Bei den Iwama-Stilen ist der Gebrauch der traditionellen Übungswaffen fest verankert, der in manch anderen Stilen deutlich weniger Platz einnimmt.

Das Shin-Shin-Toitsu-Aikido ("Ki-Aikdo") ist dagegen stärker auf die Entwicklung der inneren Kraft (Ki) ausgerichtet.

An Trainingsdauer und Graduierungen ist der SV-Aspekt schlecht festzumachen, da je nach Verband unterschiedliche Graduierungen vorgegeben werden.

Ich zB trainiere in einem Verein der zum BDAL (Bund Deutscher Aikido Lehrer) gehört.

Bei uns begann das Kindertraining mit dem 10. Kyu und etwa einmal pro Jahr gab es eine Gürtelprüfung.

Offiziell beginnt das Training meist erst mit dem 5. Kyu und dann merkt man auch schon den Unterschied zu den "Kindergraden".

Der Schwierigkeitsgrad stieg dann eben doch an und die Intervalle zwischen den Prüfungen wurden länger.

Für mich ist es da wirklich schwer einen Zeitraum zu nennen. Die Verteidigungsfähigkeit entwickelt sich einfach mit.

Als es beispielsweise mal einen Assistenzlehrer gab, der den Unterricht übernahm, war seine Art zu lehren viel offensiver und ich staunte erstmal ordentlich.

Ich hätte nämlich nie gedacht, dass die Techniken, die wir so harmonisch ausführten, eine derart explosive Qualität entwickeln können.

So sind zB in einigen Würfen auch "Atemi" (Angriffe gegen empfindliche Körperstellen) enthalten, die nicht nur Anfängern überhaupt nicht bewusst sind.

Grundsätzlich bekommt man also schon sehr früh effektives "Rüstzeug" mit - man muss eben nur das Potential entdecken.

Kommentar von User5217 ,

Vielen Dank hat mir sehr geholfen :)

Kommentar von Enzylexikon ,

Sehr gerne. :-)

Kommentar von Enzylexikon ,

Vielen Dank für den Stern. :-)

Antwort
von judgehotfudge, 57

Hallo User5217,

wie die Erfahrung zeigt, empfehlen bei solchen Fragen die meisten
einfach das, was sie selbst am besten kennen. Das ist auch normal.
Letzten Endes bringt es Dich aber bei Deiner Entscheidungsfindung nicht
so viel weiter.

Am besten ist es, wenn Du mal ein paar verschiedene Kampfsportarten/ Kampfkünste ausprobierst. Es ist schließlich eine sehr persönliche
Entscheidung. Die Kampfsportart/Kampfkunst muss Dir Spaß machen
und Du musst Dich auch in der Gruppe und mit dem Meister/Trainer wohl
fühlen. Alles Dinge, die Du nur durch Ausprobieren herausfinden wirst.
Wohlgemerkt: durch Ausprobieren, nicht durch Zuschauen!

Ich selbst mache Kung Fu - genauer gesagt, einen auf dem klassischen Shaolin Kung Fu basierenden Stil - und würde Dir auch empfehlen, das mal
auszuprobieren, weil es sehr vielseitig von den Techniken her ist und Körper und Geist gleichermaßen trainiert.

Kommentar von User5217 ,

Ok Danke vielmals für die Antwort

Kommentar von judgehotfudge ,

Bitte, gerne! Und viel Spaß beim Training!

Kommentar von User5217 ,

Noch eine Frage, wie lange würde es deiner Meinung nach dauern bis man Kung Fu einigermaßen beherrscht? An Kickboxen hat mir vor allem gefallen wie schnell man es erlernt hat und es in Not Situationen verwenden werden konnte. Ist Kung Fu auch bei einem Anfänger praktisch anwendbar?

Kommentar von judgehotfudge ,

Kung Fu ist sehr viel komplexer als Kickboxen, vor allem die Stile, die auf dem traditionellen Shaolin Kung Fu basieren. Von Beherrschen kann man da erst nach ein paar Jahren sprechen. Es kommt aber natürlich auch darauf an, was man für Ansprüche hat. Auch als Anfänger wirst Du aber schon von dem Training profitieren.

Antwort
von OnkelSchorsch, 49

Da du in einem Kommentar bereits Kendo erwähntest, wäre mein Vorschlag, dass du mal mit Kendo anfangen könntest. Kendo ist die vermutlich schwierigste und belastendste Kampfsportart, die es gibt. Nicht nur körperlich (du bist nach jedem Training komplett erschöpft; also nicht nur bissl angestrengt, nein, richtig komplett am Ende, völlig fertig, weil dich jedes Training bis über die Leistungsgrenze bringt), sondern auch mental. Während du bei anderen Kampfsportarten erlebst, wie du was lernst und im Laufe der Monate mehr und mehr kannst, wird dir beim Kendo im Laufe der Jahre immer klarer, wie wenig du kannst und was du alles nicht kannst. Damit kommen die meisten nict klar und hören wieder auf, weshalb die Abbruchquote extrem hoch ist. Wenn du aber meinst, für Kendo tough genug zu sein, dann probiere das.

Kenjutsu ist in der Form, wie es bei uns angeboten wird, in aller Regel nicht seriös. So wie auch das von dir erwähnte "Ninjutsu".

Iaido ist nett, so nett wie Balletttanzen, Wassergymnastik oder Blumenstecken. Wenn man einige Jahre Kendo (oder Aikido) gemacht hat und so langsam beim Kendo (oder Aikido) in die höheren Dan-Grade kommt, ist Iaido als Ergänzung sinnvoll. Iaido alleine führt jedoch meiner Erfahrung nach bei den Übenden zu einem gewissen Realitätsverlust.

Sei dir aber darüber klar, dass Kendo eine teure Angelegenheit ist. Vernünftige Kleidung und gute Rüstung kosten ab tausend Euro aufwärts. Allerdings haben die meisten Clubs für Anfänger Leihrüstungen, auch kann man hin und wieder Gebrauchtes von Kollegen und/oder Abbrechern erstehen.

Kendo steht zu anderen Kampfsportarten etwa im selben Verhältnis wie Golf oder Yachtsport zu Fußball oder Kegeln.

Und: Als schwierigste Prüfung in Japan (nicht schwierigste Budo-Prüfung, sondern allgemein schwierigste Prüfung!) gilt die Prüfung zum 8.Dan Kendo, zur höchsten Kendo-Graduierung.

Kommentar von User5217 ,

Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Kennst dich scheinbar sehr gut aus, machst du selber Kendo?

Kommentar von OnkelSchorsch ,

Nicht mehr, habe es aber viele Jahre lang, u.a. auch als Trainer,  betrieben.

Kommentar von User5217 ,

Achso, also tatsächlich ein Profi. Kennst du vielleicht eine Kampfkunst ohne Waffen, welche auch praktisch anwendbar ist? Das hat mir beim Kickboxen sehr gefallen aber der Sport wird mir zu aggressiv, denn in meinen Verein kommen mehr und mehr Jugendliche welche einfach nur anderen auf die Klappe hauen können. Es geht mir neben dem Spaß und dem Ausgleich zur Schule auch schon darum sich damit verteidigen zu können :)

Kommentar von OnkelSchorsch ,

Alles ist praktisch anwendbar. Der gezielte Tritt eines gut trainierten Fußballspielers ist auch eine effektive Waffe, ebenso ein Hieb mit einem Regenschirm durch einen Tennisspieler.

Wenn du Kampfkunst oder Kampfsport lernst, lernst du, wie der menschliche Körper funktioniert und lernst, dich zu bewegen. Mit diesen beiden Dingen und viel Training bist du grundsätzlich immer in der Lage, dich zu verteidigen, egal, was du ausübst.

Ich selber habe an waffenlosen Kampfkünsten JiuJitsu (das bis zum 2. Dan) und WingTsun gemacht, sowie ein Mixed System. Gelernt habe ich aus allem was. Kommt eben immer darauf an, wie ernsthaft man trainiert und was man dabei für sich selbst rausholt. Wenn ich heute eine Empfehlung aussprechen müsste, dann würde ich wohl WingTsun, Aikido und Krav Maga als auszuprobierende Anlaufstellen empfehlen. Wobei in allen Fällen das jeweilige Studio sehr genau zu überprüfen ist, denn leider gibt es viele Studios, bei denen der Gelderwerb des Besitzers mehr im Vordergrund steht als fundierte Ausbildung der Schüler.

Kommentar von User5217 ,

Das ist wohl richtig, Danke für die hilfreichen und ausführlichen Antworten :)

Kommentar von User5217 ,

Noch eine Frage, du sagtest ja Kenjutsu und Ninjutsu werden hier nicht seriös gelehrt. Wie darf ich das verstehen? Sollte man um diese Kunst eher einen Bogen machen? Denn Ninjutsu würde mich eigentlich schon interessieren aber natürlich nicht wenn das hierzulande nicht so seriös ist

Kommentar von OnkelSchorsch ,

Das wäre nun ein Thema für sich. Mit wenigen Worten lässt sich das weder komplett noch kompetent beantworten. Lass es mich relativieren: meiner Einschätzung nach ist das, was hier an sogenanntem Kenjutsu und Ninjutsu gelehrt wird, mehrheitlich eine eigene Erfindung der jeweiligen Lehrer bzw Oberhäuter ohne nachvollziehbare, reale Tradition.

Kommentar von User5217 ,

Ja das habe ich auch gehört, in meiner Nähe gibt es ein Ninjutsu Verein, welcher aber selber auf der Website angibt, kein Traditionelles Ninjutsu zu lehren und das macht mich skeptisch

Antwort
von xxxtenguxxx, 24

Wie schon unten erwähnt, würde ich auf jeden Fall vieles versuchen und schauen was dir am besten liegt. Du musst dich wohl fühlen und es soll für dich persöndlich Sinn machen.

Also von Ninjitsu würde ich eher abraten, je nach dem was du suchst. Grundsätzlich besitzt Ninjitsu nicht eine eigene Kampfkunst, denn dabei handelt es sich in trationellerweise um eine Spionagetechnik. Du lernst dort zwar unmengen an Techniken, doch keine wirklich richtig!! Die Techniken wurden alle aus tratitionellen Ryu`s entnommen und etwas abgeändert und entsprechen nicht mehr den Prinzipien der tratitionellen Samuraikunst. Das heisst, wenn du viel sehen möchtest um dich in eine Richtung zu entscheiden, könnte ein Einstieg ins Ninjitsu evt. noch Sinn machen. Die Gefahr besteht halt darin, dass du dir irgendwelche komischen Prinzipien aneignest, die in der Praxis nicht funktionieren.

Also wen dich die Kunst hinter der Kampf intressiert, würde ich dir auf jedenfall tratinonelle Ryu Schulen empfehlen. Auf dort gibt es natürlich schwarze Schafe, aber da währst du sicherlich schon auf einem spannenden Weg ;-)

Kommentar von User5217 ,

Danke für die Antwort :) Gibt es denn hier in Deutschland seriöse Ryu Schulen?

Kommentar von xxxtenguxxx ,

Woher kommst du den in Deutschland?

Kommentar von User5217 ,

Gibt es Internet Seiten wo man nachschauen kann?

Kommentar von xxxtenguxxx ,

Also ich betreibe einen Yoshinryu Stil und bin absolut begeistert. Kannst sonst mal unter Moto-ha yoshinryu oder evt. Hontai yoshinryu anschauen. bin absolut begeistert.

Ansonsten würde ich dir sowiso die tratitionellen alten Ryu Schulen empfehlen. Kendo ist sicherlich auch super, aber meist sind die Kampfkünste mit der Endung Do (=Weg) eher neuere Stile oder abgändert.

Kommentar von User5217 ,

Das ist richtig. Das habe ich auch gehört. Danke für die Empfehlung

Antwort
von Kampfsport15, 35

Wenn du nicht nur auf Selbstverteidigung aus bist, sondern dich auch die Philosophie dahinter interessiert und du dich vllcht auch persönlich entwickeln möchtest, kann ich dir Aikido empfehlen.

Ich bin durch Aikido ruhiger geworden, und ich trainiere erst seit einem halben Jahr. Ich habe schon vorher davon gehört, dass Aikido einen zu einem ,,friedlicheren Menschen" macht, habe es aber als Quatsch abgetan. Aber es stimmt, zumindest hat's bei mir funktioniert!

Du kannst mir gerne noch Fragen stellen, wenn du willst :)

Kommentar von Kampfsport15 ,

Ich habe gerade gelesen, dich interessiert auch der Kampf mit dem Katana. Aikido beinhaltet auch den Kampf mit dem Schwert, allerdings trainiert man ,,nur" mit dem Bokken (Holzschwert). Zusätzlich trainiert man auch mit dem Jo (Stock).

Kommentar von User5217 ,

Sehr hilfreich, Danke sehr :) Die andere Antwort hat mich schon sehr für Aikido begeistert und das hört sich genau danach an was ich suche. Gehört beim Aikido das Training mit dem Bokken zum Standard Training, oder müsste man speziell danach Fragen bzw. Trainieren?

Kommentar von Kampfsport15 ,

Bei uns gehört das Bokken Training auf jeden Fall zum Standard Training. Ich würde sagen bei ca. jedem 2. Training üben wir mit dem Bokken. Das liegt auch daran weil viele Bewegungen mit dem Bokken auch im Training ohne Waffen gebraucht werden. Viele Techniken klappen besser wenn man sich vorstellt ein Schwert in der Hand zu haben.

Kommentar von User5217 ,

Na gut vielen Dank :)

Kommentar von Kampfsport15 ,

bitte, bitte :)

Antwort
von ShadowLive9, 32

Hi ich mach seit nen paar Jahren Taekwondo. Der ganze Sport ist auf eine Militärkampfkunst und kommt aus Korea er baut auf Fünf Prinzipien auf. Taekwondo hat in Korea eine lange Tradition und ist weltweit der Sport mit den meisten Dan-Trägern.

Antwort
von juergen02, 6

Probiere es mal mit Tai Chi, WT, Escrima, Shaolin Kung-Fu. Wobei Tai Chi von meiner persönlichen Seite her etwas ganz Besonderes ist. Außen schwach, aber innen stark.

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