Frage von DieLena,

Erfahrungen im Beruf der Altenpflegerin?

Könnt ihr mir ein wenig über den Beruf erzählen? Sollte man ihn lernen oder doch die Finger davon lassen? Am liebsten wären mir persönliche Erfahrungen.

Hilfreichste Antwort von Christa251248,
19 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Grüss dich DieLena, ich habe über 22 Jahre in der Altenpflege gearbeitet, meist als Stationsleitung, und ich muss dir ganz ehrlich sagen, für diesen Beruf musst du irgendwie berufen sein.Viele Außenstehende glauben, wenn sie zu Hause eine liebe Oma oder einen Opa gepflegt hätten, wäre das in einem Pflegeheim ähnlich.Aber das ist es nicht.

Ich will dir zuerst einmal tägliche Arbeiten vorstellen. Du hast meistens Schichtdienst, Früh und Spätdienst. Selten frei und wenn du mal frei hast, kannst du dich nicht darauf gross freuen, denn oft fällt eine Kollegin oder Kollege aus und dann wirst du angerufen und musst einspringen.

Auch an sämtlichen Feiertagen wirst du kaum in den Genuss von Frei kommen, da die Krankheitsquote in diesem Beruf sehr hoch ist. Kollegen haben sich oft überhoben, oder nach drei Wochen durcharbeiten einfach keine Kraft mehr. Ebenfalls ist dieser Beruf nicht Familienfreundlich.

Du denkst jetzt bestimmt. Soviel negatives auf einmal. Ja, das ist aber nur die Seite aus der Sicht vieler Kollegen, und in vielen Häusern ähnlich.

So, jetzt kommen wir zu den schönen Seiten. Mir hat es viel Freude gemacht die alten, kranken und dementen Bewohner zu versorgen und zu betreuen. Sie haben soviel erlebt in ihrem Leben, sind für so vieles dankbar besonders wenn du dich ein bisschen näher mit ihnen befassen kannst. Zeit ist für solche Gespräche wenig.

Wenn du eine Ausbildung machst, dann hast du Schule und Praxis. Die Schule stellt sehr hohe Anforderungen und du musst viel lernen für Klausuren. Aber es wird auch in einem Pflegeheim viel gelacht. Du wirst lernen mit Bewohner dich zu beschäftigen, also Spiele machen, ebenso ihre noch vorhanden geistigen Fähigkeiten zu erkennen und zu fördern.

Wenn du nach drei Jahren dein Staatsexamen dann bestanden hast, kommen sehr verantwortungsvolle Aufgaben auf dich zu. Visite gehen, Bewohner beobachten, Angehörige mit zu betreuen, und Medikamente und Spritzen für alle Bewohner zu richten.

Physich und Psychisch kann dieser Beruf oft an die Grenzen der Belastbarkeit gehen, ebenso hast du mit Ausscheidungen sämtlichr Art täglich zu tun.Das heißt, dass am Anfang schon Ekelgefühle vorprogrammiert sind.

Aber ich hatte viele Kollegen die diesen Beruf ebenfalls schon viele Jahre machten, und manche von ihnen würden ihn immer wieder machen.

So, das war jetzt nur mal ein kleiner Einblick, damit du dir ein ungefähres Bild machen kannst.

Wenn du dich ernsthaft für diesen Beruf interessieren solltest, dann empfehle ich dir dringend vorher ein Praktikum dort zu absolvieren.

Kommentar von ClariceClaptone,

@Christa so habe ich es auch bei meinem früheren Mann erlebt.

So ist es.

Kommentar von schnukky,

@hrista Du hast diesen Beruf sehr hart und stressig beschrieben. Er ist aber mit seinen drei Schichten ein schöner Beruf. Du hast am Anfang geschrieben man muß dafür berufen sein, das kann ich nur unterstreichen, denn wer berufen ist, geht in dieser Arbeit auf macht ihn gerne und lässt sich nicht stressen. Das hätte Deine Einführung seien sollen. Ich hab mehr als 22 Jahre in der Altenpflege sprich PFLEGE gearbeitet und habe den Schreibtisch als Stationsschewester immer wieder abgelehnt. Trotz meiner Bandscheibenvorfälle würde ich alles so wieder machen denn von Arbeit hab ich mich nicht stressen lassen und der Schwesternklatsch ist oft stressiger. Ein geregeltes Privatleben hatte ich auch und habe meine vier Kinder vernünftig ( keine Schlüsselkinder->Tagesmutter) groß gezogen. Dazu kommt, die Liebe zu dieser verantwortungsvollen Aufgabe, die Du den Senioren entgegenbringst, wird Dir zu jeder Zeit und immer wieder zurück gegeben. Jedes 2te Wochenende komplett frei ist die Regel. Wenn das Frei zu oft gestrichen wird, müssen Wohn- und Pflegeeinrichtungen und auch Geriartische Kliniken entweder Minijobber oder Aushilfen durch Zeitarbeitsfirmen anstellen. Was richtig ist, vorher ein Praktikum in einem Pflegeheim zu machen, das keinen guten Ruf hat. Dort kann man feststellen, was im schlimmsten Fall in der Zukunft auf einem zu kommt und ob man die Kraft hat die negativen Seiten zu verbessern. Es liegt an jedem einzelnen Menschen selbst in wie weit man den HILFEBEDÜRFTIGEN ZU HELFEN ZUR AUFGABE MACHT oder nicht, denn die Liebe zu dieser Arbeit und die Achtung des nächsten Menschen gegenüber ist eine der optimalsten kombinationen.

Kommentar von Christa251248,

Liebe schnukky, auch ich hatte so ganz nebenbei einen Sechspersonenhaushalt zu Hause. Die Liebe zu den alten und kranken Menschen sollten immer im Vordergrund stehen. Ich würde diesen Beruf auch wieder machen, nur nicht Ganztags, sonst könnte man sich ja gleich ein Zimmer im Heim nehmen. Dir weiterhin alles Gute, und danke für deinen Kommentar.

Kommentar von Christa251248,

Vielen Dank für die Auszeichnung, habe mich sehr gefreut.LG

Antwort von Mucker,
10 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Ältere Menschen sollen in unserer Gesellschaft in Würde alt werden können ! Das ist auch insbesondere abhängig von der Qualität des Pflegepersonals !

Wenn du gerne mit älteren Menschen zu tun hast - eine positive Einstellung und Einfühlungsvermögen mitbringst - sowie eine gewisse psychische und physische Belastbarkeit - und ihnen gerne hilfst - kann der Beruf für dich geeignet sein ! Sonst lass lieber die Finger davon - und mach was anderes !

Antwort von elenore,
4 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Liebe DieLena, ich kann sagen, der Beruf des Altenpflegers ist ein körperlich schwerer und sehr verantwortlicher Beruf. Nur wer gut mit alten zu pflegenden Menschen umgehen kann, sie respektiert und liebevoll behandelt, also mit dem Herzen dabei ist.....wird in diesem Beruf seine Erfüllung finden.

Hierzu gehört die die Unterstützung bei der Alltagsbewältigung, Beratung, psychosoziale Betreuung (z.B. Motivation zur Freizeitgestaltung) sowie die pflegerisch-medizinische Betreuung........es wird also der ganze Mensch gefordert, um in die Welt der Senioren einzudringen sie zu beruhigen, sie zum Lächeln zu bringen und auch die vielen pflegerischen Massnahmen anzunehmen und durchgühren zu lassen.

Auch der Tod ist ein Aspekt, es ist Nähe und Begleitung gefragt. Vergiss auch nicht, alte Menschen werden oft wie Kinder, sie entwickeln sich zurück und viele Krankheiten und die Pflege erfordern dein ganzes "ICH".......Ekel zum Beispiel beim Inkontinenzmaterialwechsel oder anderen Vorkommnissen in den Pfplegemassnahmen, dass muss du als natürlich ansehen und damit umgehen können.

Wichtige Voraussetzungen für diesen Beruf ist soziales Engagement und Freude am Umgang mit alten Menschen.....aber lass dir sagen, du darfst deinen beruflichen Alltag nicht mit nach Hause nehmen, was nicht immer gelingt, auch ist das 3- Schichtsystem kein Zuckerschlecken, es ist überall viel zu wenig Personal eingesetzt, das du wirklich manchmal für 2 arbeiten musst, wenn das überhaupt ausreicht.

Wie wertvoll und bereichernd ein offener Blick auf das Alter mit all seinen positiven Aspekten wie auch den tatsächlichen und vermeintlichen Schattenseiten sein kann, das erlebst du alles in diesem Beruf.........die gesamte Familie muss bei diesem, eventuellen Beruf mitziehen und hinter dir stehen, denn Wochenenden und zu Feiertagen kannst du dann von berufswegen nicht zu Hause mit den Deinen verbringen.......und es sind auch die Nacht- und Spätschichten nicht zu vergessen.......oder wenn du zusätzlich für erkrankte oder im Urlaub sich befindende Kollegen angefordert wirst und dann meist freiwillig einspringst.

Aber für mich war es ein Beruf der Erfüllung für alte Menschen dazu sein, ihnen immer offene Ohren zu schenken, sie mal zu DRÜCKEN oder zu STREICHELN, ihnen beizustehen, ein vertrauter Mensch zu sein, wenn die Angehörign sich nicht gekümmert haben.....und immer auf ihr Wohl bedacht zu seun.....es gab kein schöneres Gefühl, wenn zu Schichtbeginn ihre Augen lächelten und die Freude gross war, wenn ich da war. LG elenore .

Kommentar von Christa251248,

@elenore, sehr schöner und vor allem realistischer Beitrag, dickes Kompliment.LG

Kommentar von Eyke59,

Von Christa u Eleonore wieder mal ein toller Beitrag !!!!

Kommentar von McAlbert,

@elenore, kann ich nur unterstreichen McAlbert

Kommentar von schnukky,

Danke für diese sachliche aber doch liebevolle Ausführung. Du hast auch gerne diesen Beruf ausgeübt, danke dafür!

Antwort von Eyke59,
3 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Ich kann mich eigentlich nur noch den Aussagen von Christa u Eleonore anschliessen, da sie absolut PERFEKT sind. Ich habe diesen Beruf leider, obwohl ich ihn sehr gerne gemacht habe u meine Patienten auch sehr geliebt habe, bereits nach 8 Jahren wieder aufgegeben, weil er eben so familienunfreundlich ist, mjeine Familie hat sehr gelitten, weil ich an so vielen Wochenenden u Feiertagen nie zu Hause war, und leider auch ständig für KRANKE einspringen musste. Das wird einem nicht gedankt. Habe dann auch ein Enkelkind bekommen u dann habe ich es nicht mehr eingesehen, z. B. Weihnachten über mehrere Jahre meine Familie nur noch kurz zu sehen. Christa schreibt, wie schön es auch ist, sich mit Patienten zu beschäftigen, ja, das mag in vielen Heimen so sein, aber ich habe leider Heime erlebt, wo Du nur funktionieren musst u die Patienten in irgend einer Ecke abgestellt wurden. Und das tat mir schon sehr leid, auch ging es nur nach Zeit u wehe Du hast Dir zuviel Zeit für den einzelnen Patienten genommen.... Einfach schrecklich.. Probier aus ob Du es kannst u möchtest, aber überleg es Dir gut u lies Dir alle Sachen u Punkte von den erfahrenen Altenpflegern hier gut durch. Alles Gute..

Kommentar von ischdem,

im Krankenhaus sind Patienten ......im Altenheim sind es Bewohner.....das ist ein grosser Unterschied...

Kommentar von Christa251248,

@ischdem, und wo soll der Unterschied genau liegen? Bitte um Einzelheiten. Im Krankenhaus hast du meist Kurzzeitpatienten und im Pflegeheim leben die meisten Menschen bis zum Tod. Das ist nun mal eine Tatsache.

Kommentar von Eyke59,

Das weiss ich.... Habe aber lange in der ambulanten Pflege gearbeitet u da sind es auch Patienten... Weiss ja aber jeder wie es gemeint ist.

Kommentar von Eyke59,

Ja Christa, sie hat schon recht, ist aber albern... Patienten im KH, Bewohner im Heim, völlig egal..... Belehrung sehe ich nicht so schlimm...

Antwort von Egzon,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Jede der bisher abgegebenen Antwort enthält Wahrheiten positive wie auch negative.Seien wir doch ehrlich je "reicher "die Senioren sind umso besser sind die Heime die sie sich leisten können.Und da gibt es den Personalmangel nicht.Würde dieser Job besser bezahlt und organisiert werden gäbe es auch angemessene Freizeit für die Pfleger.Auch an Feiertagen müssen Menschen versorgt werden und das kann auch eingeteilt werden und jeder hat z.B.Weinachten mindestens 1Tag frei und die mit Kindern Heiligabend sowieso, also wo liegt das Problem? Ich wünsche jedem der sich für diesen Beruf entscheidet alles Gute und einen Arbeitsplatz mit einer personalfreundlichen Leitung

Kommentar von Eyke59,

Mit den Weihnachtsdiensten muss ich Dir leider widersprechen... Wenn wenig Personal da ist klappt es leider nicht immer. Und leider gibt es immer noch unkollegiale Kolleginnen, die dann zufällig krank werden, wenn sie Dienst haben. Und wenn alle Kinder haben, können sie auch nicht alle frei haben ?! Und wenn man dann z. B. 3 Jahre hintereinander Dienst am Weihnachten hat u eine gr Familie, dann ist das nicht mehr lustig.... Dazu noch Rufbereitschaft..... Und als "Mann " ist doch das Problem sowieso nicht so gross, da machen die Frauen doch die Vorbereitungen u man setzt sich nur an den Tisch? Aber als Frau mit Diensten ist das schon etwas anders???

Kommentar von Eyke59,

Sorry, dachte "Egzon" , der Name , ist ein Mann...

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