Frage von skgfbl, 207

Erfahrung mit Römer Infrarotheizung?

Hat jemand Erfahrung mit diesem Anbieter für Infrarotheizungen gemacht? http://roemer-energiesparheizung.de/infrarotheizung.html

Antwort
von Physikfreund, 206

Hallo,

ich habe mich zumindest mit den Aussagen von Römer beschäftigt, die mich ziemlich enttäuschten:

Auf der Römerseite ist zu lesen: "Dieses Kohlefasergewebe setzt die aufgenommene Energie in Infrarotstrahlung um".

Die für IR-Heizungen maßgebliche Infrarotstrahlung ist eine Emission der letzten Oberflächenschicht. Bei der Heizung ist das z.B. eine Pulverbeschichtung oder Heizungsfarbe. Hier entscheiden dann e-Wert, Temperatur und Flächengröße über die tatsächlich abgehende Strahlungsdichte bzw. Strahlungsleistung. Welche Rolle der e-Wert bei Infrarotheizugnen spielt ist hier ganz gut beschrieben:

http://www.waermemeister.com/informationen-infrarotheizungen-waermewellenheizung...

Mit dem Innenleben einer Heizung hat das also gar nichts zu tun. Das Kohlefasergewebe sorgt nur dafür, dass die Heizungsoberfläche auf ausreichend hohe Temperatur kommt. Wäre die Oberfläche der Heizung mit Zink beschichtet, könnte das Heizgewebe innen extrem heiss sein, Strahlung würde die Platte nach außen trotzdem kaum abgegeben, weil Zink einen sehr niedrigen e-Wert hat

Physikalisch ziemlich irrwitzig ist deswegen auch folgender Satz: "Durch die neu entwickelte Reflektor-Technologie strahlen Römer Infrarot Heizplatten über 98% der erzeugten IR-Strahlung nach vorne ab. "

Strahlung entsteht wie gesagt auf der Oberfläche entsprechend ihrer Temperatur. Kontakt zur Innenwärme der Heizung, also zur Wärmeerzeugung, hat sie aber nur über die Wärmeleitung des Plattengehäuses. Die Platte wird durch Wärmeleitung von innen erwärmt. Dadurch erhöht sich ihre Oberflächentemperatur und so auch von Natur aus ihre Strahlungsleistung.

Man kann daher auch gar keine Infrarotstrahlung "erzeugen". Die Pulverschicht gibt entsprechend ihre e-Wertes und ihrer jeweiligen Tmperatur immer schon Infrarottsrahlung ab - auch bei -10 °C. Macht man die Platte wärmer, erhöht sich die Strahlungsleistung der Oberfläche entsprechend.

Die "neu entwickelte Reflektor-Technologie" ist schon deshalb reiner Hokuspokus. Selbst wenn es eine solche gäbe, sie hätte keine Wirkung.

Ein innen verbauter Reflektor kann nicht viel ausrrichten, da sich ja zwischen der Rückwand und der Frontseite der Heizung das Kohlefasergewebe befindet. Man kann davon ausgehen, dass das Gewebe den Innenraum ziemlich ausfüllen dürfte. Sonst dauert die Erwärmung der Heizplatte länger als wünschenswert.

Strahlung nennt man den materielosen Energietransport, aber nicht den Energietransport durch ein Gewebe. Jedenfalls nicht bei Infrarotstrahlung oder Licht. Und der Reflektor wird ja wohl kaum Röntgenstrahlung oder Gammastrahlung produzieren ...

Der Hersteller scheint selbst gar nicht zu wissen, was er da für einen physikalischen Unsinn über seine "neue Technologie" schreibt.

Physikfreund

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