Frage von Inamarie, 65

Erdrückende Sorge um das aktuelle Weltgeschehen - wie kann es gelingen, sich nicht "verrückt" zu machen und wieder zur Ruhe zu kommen?

Schon seit einigen Monaten bin ich in ständiger Sorge um das Weltgeschehen. Ukraine-Krise, Islamischer Staat, Klimakatastrophe - mein Vertrauen in die Richtung, dass "alles schon gut werden wird" ist derzeit ziemlich angeknackst.

Vor ein paar Wochen bin ich zum zweiten Mal Mutter geworden - und manchmal wache ich mit dem Gedanken auf: "In was für eine Welt habe ich meine Kinder da nur gesetzt". Obwohl ich es früher immer total bescheuert fand, wenn Leute sowas (oder Ähnliches) geäußert haben.

Ich habe ein starkes Gefühl von Unsicherheit und "Ausgeliefertsein". Ich versuche, dieses psychischen Druck irgendwie abzuschütteln und einfach für meine Kinder da zu sein, aber es will einfach nicht richtig funktionieren - die Ängste bauen sich immer wieder neu auf.

Das geht so weit, dass in manchmal denke, eigentlich aus Deutschland fliehen zu müssen (aber wohin?). Manchmal habe ich auch plötzlich den Gedanken Wasser oder Essen "hamstern" zu müssen. Dann pfeife ich mich zurück und bin erschrocken über mich selbst.

Jeden Tag lese ich fieberhaft im Internet nach: Kann der IS vielleicht doch Europa erobern? Stehen hier eines morgens Soldaten mit Waffen vor der Tür? Lohnt es sich eigentlich noch, den Fußboden neu zu fliesen? Wird Putin besonnen handeln? Arbeitet Erdogan mit dem IS zusammen? Bricht unser Klima übermorgen zusammen? Ich werde all diese Fragen jetzt hier nicht stellen, denn das Grundproblem liegt offenbar an anderer Stelle.

Mit anderen Worten: Ich sehe die Dinge gerade (fast) nur noch pessimistisch, und mir ist das "Urvertrauen" in die Welt abhanden gekommen, das ich 40 Jahre lang (fast unhinterfragt) hatte.

Ich weiß, dass ich mich da in etwas reingesteigert habe. Ich wünsche mir nur, mein Leben mit meiner frisch gebackenen Familie wieder genießen zu können.

Natürlich bringt es nichts, sich "verrückt zu machen". Das weiß ich, aber leider kann ich nicht aus meiner Haut, obwohl meine Lebensqualität ist zunehmend beeinträchtigt.

Meine Frage: Geht es hier vielleicht jemandem ähnlich? Wie kann ich gegensteuern?

Und: Ist meine Sorge realistisch - oder handelt es sich derzeit um Krisen der "normalen" Qualität, wie sie die Welt schon immer bewegt, verändert und geprägt haben? Reagiere übersensibel darauf?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Gutfrager156, 30

Wie lange ist das mit dem zweiten Kind her? Ist das vielleicht noch Baby-Blues oder eine postpartale Depression? Besprich das doch mal mit Deiner Hebamme falls Du eine hast. Ansonsten einfach mal mit dem Hausarzt.

Selbst wenn nicht: Lies den Kram nicht im Internet! Tu es nicht! Du kannst direkt nichts daran verändern, weißt aber, dass es Dich verrückt macht. Wenn man sich täglich Horrornachrichten oder -Videos im Internet reinzieht, macht es einen echt verrückt.

Krisen gibt und gab es immer und die Medien pushen das auch ganz gerne. Denk doch mal an die ganzen Schweingegrippe und Ebola Nachrichten. Was haben sich die Leute verrückt gemacht...

Kommentar von Inamarie ,

Einen Baby-Blues hatte ich auch schon vermutet. Ich war sogar deshalb schon bei einem Therapeuten. Die Geburt ist gerade erst sechs Wochen her.

Ich versuche, meine Leserei im Netz zu reduzieren, aber es fällt mir echt schwer, da ich immer befürchte, vielleicht etwas Wichtiges zu verpassen. Im Prinzip liegst du völlig richtig: Meine Sorgen hätte ich nicht in dem Maße, wenn ich mir nicht dauernd diese Artikel reinziehen würde (Videos spare ich mir). Ganz heftig sind manchmal auch die Kommentare, die Endzeit-Stimmung transportieren.
Die gab es in den Vorjahren aber auch schon, ohne dass die vielen Prophezeiungen bestätigt wurden.

Kommentar von Gutfrager156 ,

Folge Deinem Bauchgefühl in der Frage, was Dir gut tut. Die wirklich wichtigen Sachen wirst Du nicht verpassen! Die hörst Du spätestens beim Einkaufen. Alles andere ist nicht so wichtig, dass Du es wissen musst. Konzentrier Dich auf Deine beiden Kinder und freu Dich darüber, dass das Neugeborene jeden Tag etwas dazu lernt.

Antwort
von SunnySonja19, 37

Oh ja, ich kann sehr gut verstehen, wie du dich fühlst. Ich habe auch im Studium viel mit ökologischen Problemen zu tun und nach so mancher Vorlesung war ich richtig apathisch. Nach dem Motto "ist doch eh alles egal, der Karren wird gerade an die Wand gefahren, also was soll's?".

Eigentlich sind es nur die kleinen Dinge, die mich immer wieder optimistisch stimmen. Das große Ganze ist total verkorkst und ja, ich denke, dass irgendwann der große Crash kommt. Allerdings nicht mit einem Paukenschlag, sondern Stück für Stück. Vielleicht sind wir auch schon mittendrin. Kriege/Konflikte, Klimakatastrophen - alles Syndrome eines globalen Wandels. Und wir? Sind Zuschauer. Schlimmer noch...wir sind Mittäter. Das macht mich besonders wütend, teilweise auf mich selbst.

Kommentar von Inamarie ,

Danke für deine Sicht der Dinge.

Antwort
von manwithoutaface, 24

Denk mal dran was in der Vergangenheit war: Die Mauer zwischen DDR und BRD - denkst du irgendwer hätte damit gerechnet, dass sie fällt? 1933-1945 wurden regelmäßig Minderheiten in Deutschland getötet, mittels industrialisiertem Töten - denkst du, die Menschen dachten, dass es irgendwann mal besser wird. 

Damit meine ich nicht, dass man Abwarten soll und dabei Tee trinken. Aber damit meine ich, dass alles vergänglich ist. Jede Krise, so auswegslos sie einem erscheint, wird sich einmal in Luft auflösen. Früher wurden im Christentum die Protestanten von den Katholiken verfolgt. Heute werden die Schiiten von den Sunniten drangsaliert und anders herum. Wie das Christentum moderner, ökumenisch und toleranter wurde, wird das auch irgendwann mit dem Islam geschehen. 

Keine Angst, dein Kind wird nicht in einer vollkommen zerstörten Welt aufwachsen. Krisen kommen und gehen. Alles geht vorbei.

Kommentar von Inamarie ,

Das hoffe ich sehr. Danke für deine Sicht der Dinge :-).

Antwort
von warreng, 28

mit dem aktuellen geschehen, ja ich fühle mich auch beunruhigt.

mir hat es geholfen sich zu informieren, aber nicht durch die mainstream medien, sondern durch unabhängige nachrichtensender, maganzine etc.. 

dadurch werden dir viele sachen klar und du bekommst einen durchblick, dadurch bekommst du etwas sicherheit.

und der IS in europa, weißt du, die chance ist höher als bei einem auto unfall zu sterben als in deutschland durch ne bombe drauf zu gehen, früher oder später geht jeder von uns.. und wenn es passieren sollte dann kann man das leider nicht verhindern

und du reagierst verständlich, in den heutigen medien werden viele themen ins falsche licht gestellt was russland betrifft, wir werden desinformiert etc.. also kein wunder, ging mir früher auch so, bis ich gemerkt habe wer wirklich hinter den heutigen Krisen steckt :)

Antwort
von Cosmicchaos, 25

Ich kann dich sehr gut verstehen und mir geht es in vielen Punkten ganz genau so.

Auf der anderen Seite darf man sich nicht verrückt machen. Die Bedrohungen sind doch im Wesentlichen fiktiv. Es gibt keinen Grund Vorräte anzulegen oder so etwas.

Immerhin (oder viel mehr leider) stehen wir hier in D ja auf der Seite der Gewinner all dieser Konflikte. D.h. wir sind auf der sicheren Seite im Gegensatz zu vielen Anderen.

Die Gefahr eines Anschlages ist verschwindend gering und mit Bodentruppen wird niemand nach D marschieren.

Kopf hoch, ich weiß auch manchmal nicht wie man da nicht durchdrehen soll...

Kommentar von Inamarie ,

Du hast in vielen Punkten recht. Nur die Gefahr eines Anschlags empfinde ich schon als hoch. Danke für deine Antwort! :-)

Antwort
von rosacanina45, 25

Vermeide diese Informationen. Es nützt dir das Wissen darüber nichts, weil du keinen Einfluss hast. Das Einzige, was passiert ist, dass du dich verstören lässt. Die Welt ist sehr sehr bedrohlich. Das weißt du auch ohne Medien. Mach die Kiste aus, ignoriere Nachrichten, lies nichts darüber. Nimm dir stattdessen eine sehr lange Auszeit und genieße das, was du hast.

Kommentar von Inamarie ,

Gute Idee - genau das versuche ich! Danke! :-)

Antwort
von satti20, 20

hab zwar nicht den ganzen text gelesen weill bin zu müde haha aber ich habe auch angst ich habe angst vor einem zussamenbruch der weltwirtschaft und der zussamenbruch der menschheit. aber das die is europa errobern kann ist eher unwarscheinlich das sind nur ein haufen idioten im drogenraush die angst davor haben von einer frau erschossen zu werden. Aber ein krieg ist nicht aufzuhalten so blöd wie es auch klingt

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