Frage von Sichelmantutu, 59

Erbrecht! Wer bekommt nun was und wie ist das mit dem Grundbuch oder Verkauf eines Hauses ?

Die Nachbarin meiner Oma ist Polin. Der Ehemann der Polin ist vor etwa 2 Jahren verstorben. Die Polin steht nicht Grundbuch. Der Ehemann hat allerdings einen Sohn aus der ersten Ehe, aber der Ehemann der Polin hat kurz vorm Tod ein Testament geschrieben in dem steht das die Polin alles bekommt und das 40 Jahre kein Kontakt zwischen Sohn und Ehemann bestand . Deswegen soll die Polin alles bekommen. Der Arzt hat das Testament beglaubigt. Wer bekommt nun was? Wie ist das jetzt mit dem Grundbuch? Wer darf das Haus verkaufen? Der Sohn hat nämlich alles gerichtlich angefochten. Danke für ausführliche Antworten :)

Antwort
von Bitterkraut, 30

Verkaufen darf der, dem im Urteil das Erbe zugesprochen wird. Der kann den Grundbucheintrag ändern lassen und das Haus vekaufen. Wenn das Gericht entscheidet, daß die gesetzliche Erbfolge einzuhalten ist, bekommt jeder die Hälfte des Hauses, das nennt man Erbengemeinschaft. Sie können es zusammen verkaufen und den Erlös teilen oder einer kauft den Anteil dem anderen ab.

Wie lange waren die beiden denn verheiratet?  

Kommentar von Sichelmantutu ,

Knapp 40 Jahre

Kommentar von Bitterkraut ,

Und genauso lange hat der Sohn keinen Kontakt? Seltsame Familie. Wenn sie so lange verheiratet waren, ist die Chance, daß das Testament anerkannt wird umso größer, da gibts keinen Verdacht auf eine "Zweckheirat".

Antwort
von miboki, 15

Inwiefern ist es von Bedeutung, dass die Frau Polin ist? War der Mann auch politischer Staatsbürger und greift eventuell polnisches Recht?

Antwort
von Ranzino, 45

Wenn er alles der Ehefrau zuschiebt, hat er quasi die gesetzliche Erbfolge ausgesetzt.  Dem Sohn steht nun Pflichtteil zu. Außerdem ist ein Arzt nicht in der Lage, etwas zu beglaubigen.
Kein Kontakt ist kein Grund für Erbunwürdigkeit, also kommt der Erblasser damit auch nicht durch. 

Was nun passiert ?  Die Frau muss den Sohn auszahlen.

Kommentar von Bitterkraut ,

Ein Arzt kann die geistige Gesundheit attestieren, ich denke,darum geht es.

Antwort
von kabbes69, 36

ich fange mal vorne an. Der Ehemann der Polin ist als alleiniger Eigentümer des Hauses eingetragen. Es gibt ein Testament in dem der Sohn leer ausgeht. Der Sohn hat jetzt erst mal die Glaubwürdigkeit des Testaments angefochten, nach dem Motto hat Papa dieses Testament aus freien Stücken unterzeichnet.? Es geht vor Gericht, bis ein Richter irgendwann entscheidet. 

Möglichkeit 1: Testament wird als zulässig anerkannt, die Polin erbt und der Pflichtteil des Sohnes (reiner Geldwert) wird bestimmt. Mit dem Urteil kann die Polin die Grundbuchberichtigung beantragen. 

Möglichkeit 2: Das Testament wird nicht anerkannt. Dann erben Polin und Sohn gemäß der gesetzlichen Erbfolge, müssen einen Erbschein beantragen und werden beide Eigentümer des Hauses. 

Das Haus verkaufen kann nur wer im Grundbuch als Eigentümer eingetragen ist. 

Expertenantwort
von ichweisnix, Community-Experte für Erbe, 23

Der Arzt hat das Testament beglaubigt.

In Deutschland kann ein Testament etweder notariell oder eigenhändig ( handschriftlich mit der eigenen Hand ) gemacht werden. Außerdem gibt es noch Nottestamente, die aber nur solange gelten bis die Möglichkeit eines normalen Testaments besteht.

Die "Beglaubigung" durch einen Arzt ist von geringer Bedeutung. Ein nicht eigenhändig vom Erblasser geschriebens Testament würde damit auch nicht wirksam. Bezüglich der Echtheit stützen sich die Gerichte in aller Regel auf graphologische Gutachten.

Wer darf das Haus verkaufen?

Der der am Ende im Erbschein als Erbe ausgewiesen wird, kann das Grundbuch auf sich umschreiben lassen und das Haus dann verkaufen.

Sohn hat nämlich alles gerichtlich angefochten.

Dann wird es wohl irgendwann ein Beschluss geben. Bis zu einen rechtskräftigen Beschluss kann nicht so einfach verkauft werden.

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