Frage von ccordel, 38

Erbrecht, Nacherbe?

Hallo, Ein Ehemann setzt seine Ehefrau als Erbin und seinen einzigen Sohn als Nacherben ein. Der Sohn lebt notariell getrennt von seiner Frau und hat 2 Kinder. Der Sohn stirbt vor seiner Mutter-also der Ehefrau des Erblassers. Welche Erbrechte haben nun die Enkelkinder, wenn diese das Erbe ihres Vaters ablehnen? Normalerweise könnten sie nicht "enterbt" werden, aber wie sieht es aus, wenn sie das Erbe ihres Vaters ablehnen? Danke für Antworten!

Antwort
von imager761, 30
Welche Erbrechte haben nun die Enkelkinder, wenn diese das Erbe ihres Vaters ablehnen?

Hier sind zwei Erfälle zu unterscheiden, die nichts miteinander zu tun haben.

Zunächst beerben die Kinder ihren Vater, haften mithin gesamtschuldnerisch für dessen Schulden und Bestattungskosten.


Dieses Erbe kann man durch fristwahrende, förmliche Erklärung ausschlagen: Man erklärt dies innerhalb von 6 Wochen nach Kenntnis seiner gem. § 1922 BGB automatischen Erbeinsetzung zur Niederschrift beim Nachlassgericht oder bei jedem Notar. Minderjährig, wäre dies von der Mutter zu erklären, die sich zwar von dem Vater, aber nicht von ihren Kindern hat scheiden lassen. Für die Bestattungskosten kommt man gleichwohl auf, so man entsprechende Einkünfte hätte.

Dann
geht gem. § 2108 II, § 2069 BGB das Nacherbrecht ihres vorverstrorbenen Vatres an Nachlass dessen Vaters zum Zeitpunkt des Nacherbfalles, also mit dem Tod dessen längstlebender Ehefrau auf sie über es sei denn, dies wäre in dem gemeinschaftlichen Testament der Großeltern anders bestimmt, ausgeschlossen, durch Ersatzerbregelung vereinbart oder duch freie Vorerbschaft der Ehefrau zu ändern.

G imager761




Antwort
von miboki, 38

Ein bereits Verstorbener kann nicht mehr erben. Das heißt, im Hinblick auf das Testament des Großvaters ist die Verfügung mit dem Tod des Nacherben in diesem Punkt hinfällig geworden.

Die Enkel haben beim Versterben der Oma nur Ansprüche, wenn das testamentarisch vorgesehen bzw. aufgrund der gesetzlichen Erbfolge. Die Erbausschlagung gegenüber dem Vater hat damit nichts zu tun.

Der Vater hätte beim Tod seines Vaters - unabhängig vom Testament - einen Pflichteilsanspruch geltend machen können. 

Antwort
von ichweisnix, 22

Dies ist in §2108 Abs 2 BGB geregelt.

http://dejure.org/gesetze/BGB/2108.html

In der Regel gilt also, das Recht auf das Nacherbe nach Eintritt des ursprünglichen Erbfalls weitervererbt wird, also auf den Erben des Nacherbe übergeht. Durch die Ausschlagung der Erbschaft des Vaters schlagen die Kinder das Nacherbe mit aus denn das erhällt nun anstelle des Vaters dessen Erben.

Die Kinder könnten allerdings argumentieren, das "ein anderer Wille des Erblassers anzunehmen ist.".

Man beachte, das die Todesreihenfolge entscheiden ist. Wäre der Sohn vor den Tod des Ehemanns gestorben, würde er nicht Nacherbe, da er den Erbfall nicht erlebt hätte.


Antwort
von Reanne, 32

Wenn die Enkel volljährig sind, können sie vor dem Amtsgericht das Erbe ausschlagen, aber erst, wenn die Ehefrau - also die Oma - verstorben ist. Vorher ausschlagen oder erben geht ja nicht, weil die Frau des Erblassers ja den Nutzen bis zu ihrem Tod hat.

Kommentar von ccordel ,

Hallo,

meine Frage ist die: Die Enkelkinder wollen das Erbe ihres Vaters ablehnen, da er nur Schulden hat. (also der Nacherbe des Vermögens). Wenn nun die Großmutter stirbt, die Kinder den Nacherben jedoch abgelehnt haben, werden sie trotzdem statt ihres Vaters als Nacherben behandelt.

Kommentar von Reanne ,

Nein, den sie haben das Erbe abgelehnt. Es ist dann Aufgabe des Amtsgerichts, weitere Erben aus dem Verwandtenkreis zu suchen. Wenn alle ablehnen oder keine gefunden werden, erbt das Bundesland.

Kommentar von ichweisnix ,

Die Ausschlagung des Erbes geht nur innerhalb von 6 Wochen nach Kenntniss des Erbfalls und der Gründe der Berufung. Insoweit müssen sich die Enkel jetzt entscheiden, ob sie das Erbe ausschlagen wollen oder nicht.

Ob das Sinnvoll ist, hängt von der Höhe der Nachlassschulden des Sohnes, des Werts des Nacherbes und den genauen Inhalt des ursprünglichen Testaments ab.

A priori wird die Nachlasserbschaft weitervererbt. Allerdings gibt es da die Ausnahme des mutmaßlich anderen Willen des Erblassers. Ein Erblasser kann den Fall also explizit regeln.

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