Frage von Gekolinchen, 99

Erbrecht, Erbe ausschlagen?

Hallo,

kurz zum Sachverhalt:

Der Bruder meiner Großmutter ist verstorben. Hat zuletzt im Heim gelebt. Davor in einer angemieteten Wohnung, die er vor ca. fünf Jahren versehentlich angezündet hat (Kerze hat brennen lassen!), wo er bis zum Tod einen Abtrag an die Wohnungsgesellschaft gezahlt hat (damals ein strafrechtliches Verfahren). Nun ja jetzt zu meiner Frage:

Also: Der Verstorbene (Bruder meiner Oma) hat einen Sohn und eine Tochter, die allerdings im Ausland lebt. Der Sohn vom Verstorbenen ruft uns an und teilt mit, dass er das Erbe ausschlagen wird, da ihm nur Schulden bekannt sind. Er sprach nur von Mietkautionsschulden. Da ich aber allerdings von dem Strafverfahren weis, bin ich mir ziemlich sicher, dass die auch noch nicht abgegolten sind.

Naja er hat uns dann beiläufig mitgeteilt, dass wir doch auch das Erbe ausschlagen sollten, sonst müssen wir die Schulden begleichen. Also der hier lebende Sohn hat das Erbe ausgeschlagen. Seine im Ausland lebende Schwester würde wohl nicht von den Behörden ausfindig gemacht, weil der Aufwand nicht lohnt. Die nächste verbliebene Erbin, wäre meine Großmutter. Wenn diese jetzt mit ihrem Mann das Erbe ebenfalls ausschlägt, würden ja theoretisch ihre Kinder die nächsten Erben und wenn die auch ausschlagen, dann wir und so weiter...

Jetzt stelle ich mir wirklich die Frage, sollen wir allesamt zum Nachlassgericht und das Erbe ausschlagen oder würde doch die Schwester herangezogen werden?

Wir haben noch zwei Wochen Zeit, dann läuft die sechs Wochenfrist aus.

Bin mir überhaupt nicht sicher, ob wir das Erbe sicherheitshalber ausschlagen sollten oder nicht.

Ich hoffe, dass die Frage zu verstehen ist und würde mich über Antworten freuen.

Liebe Grüße Gekolinchen

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Ronox, 57

Die Frist läuft erst, wenn du vom Anfall und dem Berufungsgrund Kenntnis erlangst. Das ist hier noch nicht der Fall.

Kommentar von Gekolinchen ,

Also verstehe ich es richtig, dass wir erst zum Nachlassgericht sollen, wenn wir angeschrieben werden? Und somit auch dann erst das Erbe ausschlagen sollen.

Hier greift ja die gesetzliche Erbfolge. Daher bin ich davon ausgegangen, dass wir auch innerhalb der sechs Wochen (ab Tod des Verstorbenen) ausschlagen müssen.

Kommentar von Ronox ,

Wenn es kein Testament gibt, greift die gesetzliche Erbfolge, ja. Du hast allerdings zum aktuellen Zeitpunkt keine Kenntnis von dem Anfall der Erbschaft an dich, da hierfür erst einmal beide Kinder des Verstorbenen, deren etwaigen Kinder, seine Eltern bzw. Mutter und dann dein Elternteil das mit ihr verwandt ist ausschlagen müsste. Solange du von diesen Ausschlagungen keine positive Kenntnis hast, hast du nach meinem Dafürhalten auch keine Kenntnis vom Anfall. Du kannst natürlich eine prophylaktische Ausschlagung abgeben, aber ich persönlich würde mir das sparen.

Aber auch wenn die Erbschaft ausversehen angenommen würde, gäbe es immer noch Mittel der Haftungsbeschränkung auf den Nachlass. Du musst also auch in diesem Fall keine Sorge haben, mit deinem Privatvermögen zu haften.

Expertenantwort
von ichweisnix, Community-Experte für Erbe, 35

Jetzt stelle ich mir wirklich die Frage, sollen wir allesamt zum Nachlassgericht und das Erbe ausschlagen

Ja. Am besten gemeinsam, dann wird nur eine Gebühr fällig. Ein Ausschlagen ist auch vorsorglich möglich und sinnvoll.

Naja er hat uns dann beiläufig mitgeteilt, dass wir doch auch das Erbe
ausschlagen sollten, sonst müssen wir die Schulden begleichen.

Es gibt durchaus auch nach der Annahme noch die Möglichkeit die Haftung auf den Nachlass zu beschränken. ( Nachlassinsolvenz oder Einrede der Dürftigkeit). Allerdings ist dies alles mit Aufwand und Risiken verbunden, so das bei einen klar überschuldeten Erbe das Ausschlagen die bessere Wahl ist.

Antwort
von SquadStein, 23

Also ich würde nicht ausschlagen und stattdessen notfalls meine Haftung auf den Nachlass begrenzen ( http://www.erbfix.de/2016/06/muss-ein-erbe-fur-die-schulden-des.html ). Eine Erbausschlagung macht aus meiner Sicht nur Sinn, wenn sicher ist, dass der Nachlass überschuldet ist. Ich hatte auch schon so Massenausschlagungsfälle, wo am Ende noch etwas da war.

Antwort
von HaGue60, 59

Hast Du Post vom Nachlassgericht bekommen? Erst dann gilt die Frist, nicht über Hörensagen aus der Verwandschaft.

Wenn ja, dann auf jeden Fall innerhalb der Frist ausschlagen, sonst stehst Du für die Schulden ein. Später wäre sehr schwierig, wenn nicht unmöglich. Es sei denn, es liegen irgendwo noch Schätze!

Kommentar von Gekolinchen ,

Nein vom Nachlassgericht wurden wir nicht angeschrieben.

Aber der Tod des Verstorbenen ist uns bekannt. Und meines Wissens, beginnt die Frist ab Bekanntheit des Todes an zu laufen. Zumindest hat es die Dame vom Nachlassgericht auch so gesagt. Wiederum eine andere Dame vom Amtsgericht meinte auch erst ab Zugang des Schreibens. Daher bin ich mir überhaupt nicht sicher.

Und auf irgendein Erbe sind wir überhaupt nicht aus. Aber die Schulden zu tragen sehen wir auch nicht ein.

Kommentar von HaGue60 ,

Von der Logik her: Erst muss das Schreiben vom Nachlassgericht her. Du erbst ja nicht automatisch, sondern nur, wenn die Anderen vorher Berechtigten Ausschlagen. In D ist alles geregelt und es kann dabei nicht um "vom Hören bekannt" gehen.

Antwort
von Harald2000, 57

Annehmen heißt, auch die Schulden annehmen.

Kommentar von Gekolinchen ,

ja das ist mir schon klar.

Antwort
von Grautvornix, 54

Warum nicht ausschlagen, wenn doch nichts da ist?

Oder denkst du das er noch was unter dem Kopkissen hat.?

Kommentar von Gekolinchen ,

Wir sind auf gar kein Erbe aus. Doch eine Ausschlagung hat auch was mit Arbeit und Kosten zu tun. Meine Großmutter ist nicht mehr die Jüngste und hat von sowas überhaupt keine Ahnung. Und die Schulden ihres Bruders ihr aufzubürgen ist auch nicht das was wir wollen. Ich würde ja nur gerne wissen, ob nicht doch die lebende Tochter die nächste Erbin ist und wir somit nicht zum Nachlassgericht müssen und allesamt eine Ausschlagung beantragen müssen. Wir sind zusammen über 20 Leute. Und müssten auch alle zu verschiedenen Amtsgerichten, da wir alle wo anders wohnen. Es ist somit doch eine nicht ganz so einfache Sache.Und wie gesagt, die Ausschlagung kostet ja auch was.

Kommentar von Grautvornix ,

Erbe ausschlage bei Schulden ist niocht so teuer.

http://www.erbrecht-ratgeber.de/erbrecht/erbschaft/kosten-ausschlagung.html

War eingentlich der Anruf des Sohnes alles was ihr habt, oder gibt es auch ein Schreiben vom Nachlassgericht?

Kommentar von Gekolinchen ,

Ein Schreiben des Nachlassgerichts ist mir nicht bekannt. Ich selbst habe nicht mit dem Sohn gesprochen. Aber dieser hat wie gesagt, bereits beim Nachlassgericht das Erbe ausgeschlagen. Zumindest hat er es gesagt.

Kommentar von Harald2000 ,

Seit wann kostet das Ausschlagen was ?

Kommentar von Grautvornix ,

Erklärt man die Ausschlagung der Erbschaft
gegenüber dem Nachlassgericht, so fällt für diese Erklärung, abhängig
vom Wert des Nachlasses, für den Ausschlagenden nach dem seit dem Jahr
2013 geltenden GNotKG (Gerichts- und Notarkostengesetz) eine 0,5 Gebühr
nach Nr. 21201 KV, mindestens jedoch eine Gebühr in Höhe von 30 Euro,
an. Die Ausschlagung einer überschuldeten Erbschaft löst mithin beim
Nachlassgericht Kosten in Höhe von 30 Euro aus.

http://www.erbrecht-ratgeber.de/erbrecht/erbschaft/kosten-ausschlagung.html

Kommentar von Gekolinchen ,

Auch die Ausschlagung bei Gericht ist mit Kosten verbunden. Und wir sind allesamt fast 20 Mann

" Erklärt

man die Ausschlagung der Erbschaft gegenüber dem Nachlassgericht, so

fällt für diese Erklärung, abhängig vom Wert des Nachlasses, für den

Ausschlagenden nach dem seit dem Jahr 2013 geltenden GNotKG (Gerichts-

und Notarkostengesetz) eine 0,5 Gebühr nach Nr. 21201 KV, mindestens

jedoch eine Gebühr in Höhe von 30 Euro, an. Die Ausschlagung einer

überschuldeten Erbschaft löst mithin beim Nachlassgericht Kosten in Höhe

von 30 Euro aus."

Macht man es über einem Notar sind auch Beurkundungskosten die anfallen.

Kommentar von ichweisnix ,

Die Ausschlagung ist eine reine Erklärung vor den Nachlassgerich oder vor einen Notar.

ob nicht doch die lebende Tochter die nächste Erbin ist und wir somit nicht zum Nachlassgericht müssen

Wenn diese auschlägt dann nicht. In diesen Fall wird der Erbe, der erben würde, hätte die Tochter den Erbfall nicht erlebt. Die Ausschlagungskaskade geht hierbei beliebig weiter.

Und müssten auch alle zu verschiedenen Amtsgerichten, da wir alle wo anders wohnen.

Es können alle zu den für den verstorbenen zuständigen Nachlassgericht. Die anderen Gerichte würden die Ausschlagung ohnehin nur dorthin senden.

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