Erbrecht als Minderjähriges Kind, Schulden?

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5 Antworten

Da ich erst davon erfahren habe, nachdem ich schon volljährig geworden
bin (man befasste sich damit noch nicht) hätte man ja 3 Monate Zeit
gehabt nachträglich das zu verweigern? So habe ich es zumindest im
Gesetz verstanden.

Damit meinst du wohl den § 1629a IV 1 BGB. Dieses Dreimonatsregelung ist aber nur eine Zweifelsregel. Eine Haftungsbeschränkung auf dein Vermögen zum Zeitpunkt der Volljährigkeit dürfte daher für einen überwiegenden Teil der Verbindlichkeiten noch möglich sein.

Die Frage ist jetzt, wenn meine Mutter verstirbt und ich den Erbe von
ihr ausschlage, ob ich dann trotzdem 1/8 der Schulden begleichen muss ?

Du missverstehst etwas. Du hast nicht 1/8 der Schulden geerbt und auch nicht 1/8 des Hauses/Grundstücks, sondern ihr seid als Erbengemeinschaft Gesamthandseigentümer des Grundstückes und auch Schuldner dieser Verbindlichkeiten. Die 1/8 geben nur deinen internen Erbteil wieder. Ob du das Erbe nach deiner Mutter ausschlägst, spielt daher zumindest für die Haftung als Erbe keine Rolle.

Oder kann überhaupt ein minderjähriges Kind solche Schuldenhöhe erben? 

Hierfür gibt es keine Beschränkungen. Geschützt wird das Kind z.B. durch die o.g. Norm und durch etwaige Schadensersatzansprüche gegen die Eltern.

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Du hast das Erbe doch schon angetreten. 1/8 des HAuses und 1/8 der Schulden gehören dann nach deiner Darstellung dir. Wenn deine Mutter stirbt, dann kannst du ihr Erbe ausschlagen um nicht ihren Sculdenanteil zu bekommen. Deinen Teil wirst du dadurch aber nicht mehr los.

Du hättest wie gesagt mit Eintritt der Volljährigkeit das Erbe deiner Vaters ausschlagen können (dazu hätte ich dir geraten).

Wie viel ist euer Haus denn wert, wenn es rechtfertigt dafür 640.000€ Schulden aufzunehmen? Ich meine, wenn ihr die nicht zahlen könt, dann ist das HAus ja eh weg. Die Schulden habt ihr danach trotzdem noch.

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Kommentar von JannekLohse
08.04.2016, 15:58

Ungefähr im Jahre 1999 habe sie zusammen das Haus gekauft und Ein Kredit von etwa über 200.000 € aufgenommen.
2001 verstarb mein Vater.

Ich habe es erst erfahren mit 19 Jahren, dass ich, bzw. wir Kinder alle 1/8 geerbt haben und sie es nicht ausgeschlagen hat.

Könnte man dagegen noch rechtlich vorgehen oder sein Anteil an die Mutter irgendwie "überschreiben"?

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Kommentar von JannekLohse
08.04.2016, 15:59

Wie ein Vertrag, zumindest wenn sie es mit unterschreibt ?

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Es sollte auf jeden Fall ein Rechtsanwalt hinzugezogen werden:

Es dürfte gelten:

Hat der minderjährige Erbe nicht spätestens drei Monate nach Erreichen
der Volljährigkeit die Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft
verlangt, so tritt zugunsten der Gläubiger des volljährig gewordenen
Erben allerdings die (freilich widerlegliche) Vermutung ein, dass die
Verbindlichkeit erst nach dem Eintritt der Volljährigkeit entstanden
ist, § 1629a Abs. 4 BGB.

Auch wenn der Erbe jedoch die Dreimonatsfrist des § 1629a Abs. 4 BGB verstreichen lässt, bleibt ihm immer noch die Haftungsbegrenzung nach § 1629a Abs. 1 BGB.

D. h. Du haftest nur mit dem Vermögen, daß Du am Tag des 18. Geburtstages hattest - es wird ausschließlich auf diesen einen Tag abgestellt.

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Du hast also im Moment 10.000/15.000 € Schulden und ein 1/8 Haus. Deine Mutter wollte mit Sicherheit nur das beste für euch Kinder. Wenn ihr heute noch ohne Insolvenz in dem Haus wohnt, Respekt vor dieser Leistung. Seid ihr bereits als Schuldner in den Vertrag eingetreten? Oder tilgt sie noch ganz allein? 

Setzt euch mit eurer Mutter an einen Tisch, sie soll euch alle Unterlagen zeigen und erklären, wie die Finanzierung aussieht. Vielleicht hat sie ja auch eine Versicherung, die eine Restschuld abdeckt. Zu einem Anwalt könnt ihr dann immer noch. 

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Kommentar von JannekLohse
08.04.2016, 17:35

Das Problem ist das meine Mutter keine Ordnung von Dokumenten eingehalten hat. Ich weiß das der Kredit noch zu 90.000€ abzuzahlen ist.
Ob wir bereits als Schuldner eingetragen sind, ist eine gute Frage.... Das kann ich leider nicht beantworten. Wenn wir das Haus ansprechen dann blockt unsere Mutter direkt ab und kann selber nicht viel Dazu sagen.

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Zunächstmal müssen sie Schulden und eine Überschuldung unterscheiden. Insoweit stellt sich die Frage, ob das Haus noch der Erbengemeinschaft gehört oder zwischenzeitlich veräußert bzw. zwangsversteigert wurde und noch eine Restschuld besteht.

Ist das Haus dagegen noch im Eigentum der Erbengemeinschaft, und hat mehr Wert als die Restbelastung, stellt sich die Frage nach Haftungsbegrenzungen so nicht. Denn dann kann das Haus ja verkauft werden und es bleibt noch Geld übrig. Eine Trennung von Vermögen und Schulden ist nicht möglich und bei einer dinglichen Schuld, wovon ich mal ausgehe, sowieso nicht, da sich der Anspruch auch gegen den Eigentümer des Hauses richtet.

Sollten die Schulden tatsächlich ohne Grundbuchabsicherung erfolgt sein, sollte man umschulden, da Grundbuchbesicherte Darlehen zu sehr viel niedrigeren Zinsen erhältlich sind.


Allerdings hat sie das Erbe von uns Kinder (4 Stück) nicht ausgeschlagen und wir haben damit 1/8 des Hauses geerbt.

Bei eindeutig positiven Erben kann die Mutter gar nicht für Ihre Kinder ausschlagen. 


Die Frage ist jetzt, wenn meine Mutter verstirbt und ich den Erbe von
ihr ausschlage, ob ich dann trotzdem 1/8 der Schulden begleichen muss ?

Die Erben haften grundsätzlich als Gesamtschuldner, d.h. nach außen haftet jeder Erbe für die gesammte Summe.




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