Frage von Lilithm080, 43

Erbe und Geldsumme. Was würdet Ihr tun?

Hallo, ich würde gerne einmal die objektive und auch juristische Meinung zu meinem Sachverhalt erfragen. Mein Vater ist verstorben und hat in seinem Testament (123recht.net Tipp: Berliner Testament ) seine Lebensgefährtin, meine Halbschwester (deren Tochter ) und mich zu Erben gemacht. Sein Vermögen besteht im Grunde aus einem Haus. Dieses wollte er kurz vor seinem Tod verkaufen, der Käufer und die Verkaufssumme standen fest. Nun, nach dem Tod möchte meine Halbschwester das Haus erwerben. Sie würde, im Sinne meines Vaters, 10% weniger bezahlen müssen, als es der aktuelle Marktwert verlangt. Erstmal muss nun natürlich der Wert des Hauses bestimmt werden. Mein persönlicher Knackpunkt ist der: Mein Vater wollte meinem Onkel dieses Jahr die Summe von 70.000 Eur zurückzahlen, die der Onkel für den Hauskauf von meinem Mann und mir vorgestreckt hatte. Frage mich nun, wie ich mit dieser Summe umgehen soll. Sollte die Erbengemeinschaft dafür aufkommen oder ist es klar, dass ich diese Summe von meinem Erbteil zurück zahle? (da diese ja nun auch für den Hauskauf meines Mannes und mir gedacht war). Wie würdet Ihr dies betrachten ? Danke im Vorfeld

Antwort
von kabbes69, 3

Ich komme auch nicht ganz klar, obwohl deine Frage mit gleichem Text in meinen Themen gleich zweimal gelandet ist. 

Für mich stellt sich der Knackpunkt, warum wollte dein Vater deine Schulden bezahlen?  Wollte er dir die 70.000€ schenken und ist nicht mehr dazugekommen?  Dann hast du Pech gehabt und bist auf das Verständnis und Entgegenkommen der EG angewiesen. Im Moment steht du ja mit den 70.000 € beim Onkel in der Pflicht. Da der Onkel mit dem Erbe nichts zu tun hat, ändert sich die Sachlage nicht und hat mit deinem Erbteil nichts zu tun. 

Mir stellt sich nur die Frage, warum ihr euch für den Marktwert nicht an dem bereits verhandelten Kaufpreis orientiert und davon die 10 % abzieht. 

Antwort
von Hugito, 10

Zunächst Thema "Berliner Testament": Hier müsste man genauer wissen, was genau da geregelt wurde. Denn eigentlich läge nahe, dass du nach dem Tod des Vaters nicht erbberechtigt bist, sondern nur z.B. die Lebensgefährtin. Du wärst dann erst nach ihrem Tod voll erbberechtigt. (Da das Haus aber verkauft wird, passt das nicht recht zusammen. Denn Zweck eines Berliner Testaments ist i.d.R. zu verhindern, dass das Haus wegen einer Erbschaft verkauft werden muss und deshalb die verbliebene Ehefrau ausziehen muss.)

Mit den 70.000 hängt es davon ab, ob der Vater ein Darlehen beim Onkel genommen hat oder du selber. Wenn er das Darlehen genommen hat, (um es dir zu schenken), dann ist das eine Verbindlichkeit des Nachlasses. Aber vermutlich ist das so gedacht gewesen, dass der Vater dir das Geld als vorweggenommene Erbschaft geben wollte (Er zahlt es aus, aber in der Erwartung, dass es bei der Erbschaft berücksichtigt werden muss). Dann müsste es auf dein Erbe angerechnet werden. Das ist die naheliegendste Interpretation. Aber egal wie herum man es sieht, wirst du die 70.000 wohl auf dein Erbe anrechnen lassen müssen. Juristisch wird man das nicht viel anders sehen können.

Wenn du das Darlehen selber beim Onkel aufgenommen hast, dann wärst du direkt dem Onkel verpflichtet, es zurück zu geben. Auch wenn der Vater (sieh oben) es im Wege einer vorweggenommenen Erbschaft zahlen wollte. Hier wäre es nicht über den Nachlass zu regeln. Sondern du erhälst deinen Erbanteil und bezahlst daraus das Darlehen an den Onkel.

Wert des Hauses: Natürlich kann man ein Gutachten machen lassen. Das kostet zusätzlich Geld. Der Gutachter bestimmt den Wert danach, was das Haus bei einem Verkauf bringen würde. Denn das ist der Verkehrswert. In eurem Falle ist es sinnvoll, einfach den bereits mit dem Käufer ausgehandelten Verkaufspreis als "Verkehrswert" anzunehmen. Das ist vermutlich der realistische Wert und ihr spart noch 2000 Euro Gutachterkosten. Der Kaufpreis an die Schwester wäre dann 10% unterhalb dieses Wertes. Dieser Kaufpreis müsste dann unter den drei Erben gemäß dem Testament verteilt werden.


Antwort
von sergius, 4

1. Der Wert des Hauses steht ja praktisch fest: Es ist der Preis, den ihr Vater  mit dem Käufer ausgehandelt hat, es sei denn hier sei bewusst ein vom Verkehrswert abweichender Preis angesetzt worden; das ist aber nicht anzunehmen.

2. Ihre Schwester, die das Haus von der Erbengemeinschaft erwerben will; müsste also einen Preis von 10% unter diesem Kaufpreis anbieten; sie könnte also, wenn der Kaufpreis mit z.B. 300.000 € angesetzt gewesen wäre, Ihnen und der Leb.Gefährtin je 90.000 € = 180.000 €  (300.000 minus 10% = 270.000 €, also jeder 1/3-Anteil = 90.000 Euro zahlen..

3.Wenn Ihr Vater dem Onkel 70.000 € schuldet, müsste dieser Betrag vor der "Verteilung" des Erlöses von 270.000 € an den Onkel gezahlt werden, so dass nur noch 200.000 €  also 66.666 € pro Erben zur Verfügung stünden.

4.Hat nun aber Ihr Vater die 70.000 € an Sie weitergeleitet mit der auch vom Onkel akzeptierten Maßgabe, dass Rückzahlung durch Sie erfolgt, würde die Rückzahlung allein Ihre Sache sein. Das heißt praktisch, dass eine Regelung gemäß Ziffer 2 erfolgen müsste mit der Maßgabe, dass die Schwester aus Ihrem Anteil von 90.000 € den Teil von 70.000 € an den Onkel und an Sie nur den Rest von 20.000 € zu zahlen hätte.  Praktisch und rechnerisch würde das aufs gleiche hinauslaufen, als habe der Vater Ihnen die 70.000 € seinerzeit in vorweg genommener Erbfolge gezahlt.

5. Sie brauchen jetzt nur noch auf den tatsächlichen Wert (Kaufpreis), den ich ja nur beispielhaft mit 300.000 angenommen habe, umzurechnen, um zu dem konkreten Ergebnis zu kommen. 

 

Antwort
von Lilithm080, 6

Hallo Experte, mein Onkel hat meinem Vater die Geldsumme ausgelegt, die dann in die Finanzierung des Hauses von meinem Mann und mir gegangen ist. Ich bin mir unsicher, ob ich es als vorgezogenes Erbe behandeln soll oder ob ich es eben ganz einfach als Leihgabe an meinen Onkel betrachten soll. Da meine Halbschwester und ihre Mutter versuchen den Marktwert auf lügnerische Art znd Weise klein zu halten, bin ich schon fast geneigt, den Geldbetrag natürlich nicht von meinem Erbe abzuziehen. Was jeder andere vllt vpn vorneherein gemacht hätte

Antwort
von Lilithm080, 2

Hallo Sergius, Leider wollen die anderen Erben über den alten Verkaufspreis nicht mehr sprechen (da sie den Wert möglichst niedrig halten möchten) und vertuschen sogar den Käuferkontakt. Aber da wir einen Testamentsvollstrecker haben, wird der das schon entsprechend regeln hoffe ich. 2. der Käufer wollte 480.000 zahlen- wie ist die rechnun dann? 3. mit dem "darlehen" verhielt es sich so: mein mann und ich kauften ein haus mithilfe der unterstützung meines onkels und meines vaters. Mein vater wollte 70.000 dazu geben, hatte das geld zu dem zeitpunkt noch nicht (wollte deswegen sein haus verkaufen), und mein onkel streckte den anteil meines vaters vor. Dies wurde in einem dreiteiler mit der unterscheift meines vaters festhehalten. Es wurde nicht definiert, ob das letztendlich eine schenkung oder ein "vorerbe" an mich sein solle. Mein Vater sagte nur immer, er müsse meine halbschwester und seine Freundin auch bedenken. Frage mich, ob ich allein mit dem testamentsvollstrecker zur durchsetzung meiner interessen komme. Was ist, wenn ich die angebotene Summe meiner Schwester nicht akzeptieren würde? Dann muss der vollstrecker vermitteln und entscheidet Letztendlich? Vielen Dank!!!

Antwort
von auchmama, 9

An Deiner Stelle würde ich mich an einen "Fachanwalt für Erbrecht" wenden!

Es gibt hier wohl einiges im Vorfeld zu klären, was schon genauerer Angaben bedarf. Einem Rat aus dem Internet würde ich da weniger vertrauen wollen. Immerhin geht es hier um ganz schöne Beträge und da sollte die Klärung schon an zuverlässiger Stelle erfolgen!

Alles Gute

Antwort
von Dackodil, 13

Ab der 2. Hälfte deines Posts habe ich nur noch Bahnhof verstanden.

Nur eins scheint für mich festzustehen: Wenn man ein Erbe annimmt, nimmt man auch die Schulden mit an.
Bevor es ans verteilen gehen kann, müssen erst mal alle Schulden beglichen werden und dann kann das Fell des Bären verteilt werden.

Antwort
von wfwbinder, 8

Was war es denn nun:

1. ein Darlehen des Onkels an Euch?

2. Oder ein Darlehen des Onkels an Deinen Vater und von dem eine Schenkung an Dich?

3. Oder ein Darlehen des Onkels an Deinen Vater und eine Schenkung des Vaters  an Dich und Deinen Mann?

4. Oder ein Darlehen des Onkels an Deinen Vater und dann ein Darlehen an Dich und Deinen Mann?

In Fall 1 und 4. müsstest Du/ihr aus Deinem Erbteil, oder sonstigen Mitteln die 70.000,- zurück zahlen.

In Fall 2 wäre Die Schenkung dem Erbe zuzurechnen und ggf. ein Pflichtteilergänzungsanspruch zu berechnen, weil zur Erbmasse natürlich das Darlehen des Onkels gehört, was aus der Erbmasse an den zu zahlen ist.

Fall 3. wie Fall zwei, nur das hier natürlich eine Schenkung von 35.000,- an Deinen Mann erfolgt wäre, was dort Schenkungssteuer ausgelöst hätte, aber die Pflichtteilsergänzungsansprüche von der Freunding des Vaters udn Dir und Deiner Schwester beeinflussen würde.

Das ganze wird natürlich auch dadurch zu einer ziemlichen Rechenaufgabe, weil die Schwester in dem Sinn das Haus nicht kaufen kann, sondern den Anteil der jeweils anderen Erben kauft, bzw. den Anteil aus der Erbengemeinschaft übernimmt.

Expertenantwort
von ichweisnix, Community-Experte für Erbe, 9

Mein Vater ist verstorben und hat in seinem Testament (123recht.net
Tipp: Berliner Testament ) seine Lebensgefährtin, meine Halbschwester
(deren Tochter ) und mich zu Erben gemacht.

Hat nix mit einem Berliner Testament zu tun. Als Berliner Testament bezeichnet man ein gemeinsames Testament von Ehegatten bei den sich die Ehegatten gegenseitig zu Alleinerben einsetzen.

meine Halbschwester (deren Tochter )

Wichtig ist natürlich das es auch seine Tocher ist, sonst ändert sich die Situation aufgrund der Pflichtteilsansprüche.

Mein Vater wollte meinem Onkel dieses Jahr die Summe von 70.000 Eur
zurückzahlen, die der Onkel für den Hauskauf von meinem Mann und mir
vorgestreckt hatte. 

Es geht hier nicht um wollen, sondern um müssen.

Die Frage ist, wem gegenüber kann der Onkel die Summe rechtlich geltend machen. Wenn der Erblasser mit den Onkel den Darlehnsvertrag geschlossen hat, also die Rückzahlung zugesichert hat, wäre es eine Nachlassfoderung und würde der gesamten Nachlass zur Last fallen.

Haben sie mit den Onkel den Darlehnsvertrag geschlossen und der Erblasser hat erst später die Begleichung der Schuld versprochen, wäre es eine Formunwirksame Schenkung.

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