Frage von xxCamarguexx, 63

Entwurmung von Jungpferden/Fohlen/Absetzer?

Wie entwurmt ihr eure Jungpferde? Am Samstag kommt ein 7 monatiger Absetzerhengst zu uns. Mit dem Wurmmanagement bin ich mir irgendwie unsicher. Meine alte Stute wird nur nach positiven Kotproben entwurmt, damit ich ihr so viel Wurmkur wie möglich sparen kann. Eigentlich wollte ich das beim kleinen Hengst auch so machen, nur lese ich immer wieder davon dass man Fohlen viel und regelmäßig entwurmen soll. Teilweise las ich von 6x im Jahr ???? Was sagt ihr dazu?

(PS. natürlich steht meine Stute dann nicht mit ihm zusammen und natürlich gibt es gleichaltrige Freunde ;) die gehören aber nicht mir )

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Baroque, Community-Experte für Pferde, 47

Es gibt auch für Fohlen und Jungpferde die Möglichkeit und es ist durchaus sehr sinnvoll, nach den Regeln der Zeitgemäßen Selektiven Entwurmung zu arbeiten. Die Beprobungsfrequenz ist dabei meines Wissens dichter als beim adulten Pferd und möglicherweise muss man mehr als einmal im Jahr die kombinierte Sedimentation-Flotation oder gar ein anderes Verfahren bestellen, da die Jungpferde noch vermehrt mit Spulwürmern zu tun haben.

Aber durch die vorherige Befundung kann man halt auch feststellen, wann und welcher Wirkstoff nötig ist und somit dem Jungpferd eine Chance einräumen, gleich mal mit einem guten Darmimmunsystem in die Phase des adulten Pferdes zu starten.

Die Erfahrung der ZSE Profis zeigt, dass selektiv behandelte Jungpferde zu einem höheren Anteil als Null- oder Niedrigausscheider auftauchen, wenn sie mal über 4 Jahre sind als welche, die einfach pauschal behandelt wurden.

Warum in der Jungpferdeaufzucht nicht weitaus häufiger selektiv gearbeitet wird, hängt oft an finanziellen Gesichtspunkten. Ein Fohlen groß ziehen, kostet meist eh mehr als man dann für's Tierchen bekommt. Da will man nicht noch mehr rein investieren.

Hast Du jemanden an der Hand, der sich auf die Methodik der Zeitgemäßen Selektiven Entwurmung spezialisiert hat? Dann lass Dich dort beraten.

Dein "P.S." find ich übrigens "witzig", weil genau das, was Du "natürlich" nennst, finden viele sooooo wichtig und ist aus Gesichtspunkten naturnaher Haltung doch so unsinnig: Es kommt in kleinen Herden, die nur eine Familie umfassen, immer wieder vor, dass ein Jungtier keine Gleichaltrigen hat, doch nie, dass lauter Jungtiere in dem Alter auf sich alleine gestellt sind. Mir wäre eine gemischtaltrige Herde weitaus wichtiger als eine reine Jungpferdeherde - das nur am Rande, weil Du es dazu geschrieben hast ;-)

Kommentar von Baroque ,

Ach ja, geschickt wäre McMaster und Sed/Flot noch VOR Umzug des Pferdes, weil der nette kleine Spulwurm ein hartnäckiger Überlebenskünstler ist und man dann das Pferd behandelt einziehen lassen könnte.

Kommentar von xxCamarguexx ,

Ich habe ja nirgends geschrieben dass es eine Jungpferdeherde ist, sondern nur dass es gleichaltrige Freunde gibt ;) 

Die Herde besteht aus vielen Wallachen, der älteste ist 15. Und es gibt inklusive Meinem dann 3 Jungpferde (7 Monate, 12 Monate und 23 Monate). Ich finde das genau richtig so. Reine Jungpferdeherden finde ich total schrecklich und so würde ich das Pferd niemals aufziehen wollen.

Wollte nur Vorbeugen dass es hier wieder unnötige Diskussionen gibt. Ich hörte schon diejenigen, die nichts zum Thema beitragen und dann aber schreiben "du kannst deine Stute doch nicht mit dem Hengstfohlen zusammen stellen!" oder "du weißt schon dass eine alte Stute nicht als Artgenosse für ein junges Pferd reicht".


Du bist jetzt die (oder der?) Erste, von dem ich höre dass selektives Entwurmen auch bei Jungpferden Sinn macht.

Das Blöde ist einfach dass ich keinen Tierarzt habe der das unterstützt :( Bin da so ein bisschen auf mich allein gestellt. Die Tierärzte hier entwurmen noch wies früher normal war... zwischen 2 und 4x jährlich. Egal ob Würmer da sind oder nicht.

Wo lässt du Kot testen?

Kommentar von Baroque ,

Du musst dafür wirklich keinen Tierarzt vor Ort haben, ich kann Dir da durchaus auch jemanden empfehlen.

Wenn Du auf Facebook aktiv bist, lohnt sich für Dich ein Blick in die Gruppe "Zeitgemäße Selektive Entwurmung beim Pferd", die wird schon von Spezialisten administriert und dort sind auch noch weitere Spezialisten als normale Gruppenmitglieder unterwegs: Tierärzte, Tiermedizinische Fachangestellte, ... es gibt dort auch eine Liste von Tierärzten, die nach den Regeln arbeiten und selbst ein Labor betreiben oder direkt mit einem zusammenarbeiten.

Außerdem gibt es die Website "selektive-entwurmung.com", wo es ein Verzeichnis von Fachleuten gibt.

Und zu der Jungpferdefrage ... genau den Leuten, die so eingefahrene Meinungen dazu haben, wollt auch ich den Wind aus den Segeln nehmen und eben noch drauf setzen, dass das, was viele sofort fordern würden, gar nicht mal das Optimum ist ;-)

Antwort
von VanyVeggie, 37

Hallo, 

ich würde immer, egal wie alt das Pferd ist, zu jeder Jahreszeit/alle 3 Monate eine Kotprobe abgeben und wenn diese positiv ist entwurmen. 

Immer und immer wieder entwurmen, obwohl evtl gar nix ist kann auf Dauer schädlich sein. Ist schließlich irgendwo immer noch ein Gift. 

Mit freundlichen Grüßen

VanyVeggie

Kommentar von Baroque ,

Alle drei Monate reicht beim Fohli bzw. Jährling nicht wirklich. Da wird frequenter beprobt und zum Teil auch mit anderen Verfahren, weil wir nicht primär auf Strongylidensuche sind, sondern mit Spulwürmern zu tun haben, die beim adulten Pferd kaum mehr auftauchen.

Antwort
von DrAnneBecher, 5

Die Aufzucht  von Jungpferden in Pferdegruppen mit gemischtem Alter ist die klassische Indikation auch ein Jungpferd selektiv zu entwurmen. Ich habe das schon bei meiner Doktorarbeit 2008 erfolgreich gemacht.

Wichtig ist, dass ALLE Jungpferde im Intervallen von 6-8 Wochen untersucht werden. Das macht man solange, bis sich eine gute Immunität gegen die Würmer ausgebildet hat. Da dieser Zeitpunkt bei jedem Pferd anders ist, kann man auch nicht genau sagen, ab welchem Zeitpunkt genau dann die Regeln der Zeitgemässen (+Selektiven) Entwurmung für erwachsenen Pferde angewendet werden können. 

Am aller wichtigsten ist aber bei der Entwurmung von Jungpferden, dass die Wirksamkeit der Wurmkuren überprüft wird: Das macht man mit sog. Eizahlreduzktionstest (weiterlesen hier: www.entwurmungpferd.de/kotprobe-pferd ). Wegen resistenten Spulwürmern sterben in Deutschland schon junge Pferde. Das kann ganz einfach mit winigen Kotuntersuchungen verhindert werden.

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