Frage von Marvyn, 88

Entwicklungsstillstand?

Ich reite seit ca. 4 Jahren, habe eine feste Reitbeteiligung. Habe in der Vergangenheit zahlreiche Ausritte unternommen, auch allein und kam gut zurecht. Nun hat mir die Besitzerin mein bisheriges Pferd wiedergegeben, das ich zwischenzeitlich mal "eingewechselt" gegen ein anderes hatte, da es Unstimmigkeiten zwischen uns gab. Habe falsche Hilfen gegeben und da es ein sehr "korrekter" Wallach ist hat er auf diese mit Unwillen reagiert. Die Besitzerin u. Reitlehrerin meint, er sei wieder schlecht auf mich zu sprechen. Sie würde mir seit 4 Jahren erklären, wie welche Hilfe einzusetzen sei. Doch ich nehme immer wieder mal den falschen Schenkel (z.B. verwahre auf der falschen Seite) oder klopfe und das würde dem Pferd in den Rippen schmerzen (ist ja verständlich). Was kann ich tun? Wenn ich oder sie, die Besitzerin dann die richtige Hilfe in Erinnerung bringt, klappt es auch wieder... bis zum nächsten Mal... und das nach 4 Jahren.

Antwort
von sukueh, 30

Na ja, das ist eben der kleine, aber feine Unterschied beim Reiten: Bin ich aktiver Reiter oder Passagier.

Ich bin in meinem "ersten Leben" als Reiter auch vorwiegend Pferde geritten, bei denen ich mehr oder weniger nur Passagier war. Dank der Gutmütigkeit der Pferde (ich kam in der Geschwindigkeit, in der ich sein wollte, dort hin wohin ich wollte, also müsste ich ja wohl reiten können) klappte das auch ganz gut.

Dann bin ich in einem Reitbetrieb gelandet, wo auf "aktives" Reiten geachtet worden ist. Nicht nur der RL forderte von mir, dass ich nicht nur auf dem Pferd sitze und mich spazieren tragen lasse, sondern auch das Pferd, sehr fein geritten und dank seines Alters und Charakters sehr "penibel". Der hat genau das gemacht, was du auf ihm an Hilfen gegeben hast. Das hat in der einen Reitstunde mal gut geklappt, in der anderen bin ich dagegen erst nach gefühlten "Stunden" dort gelandet, wo ich eigentlich hin wollte.

Unwillig in dem Sinn wurde das Pferd eigentlich nie (wenngleich ich mir ziemlich sicher bin, dass er manchmal entweder ungeduldig die Augen verdreht hat oder hämisch in sich hineingekichert hat ob meiner "Unfähigkeit").

Aber was soll ich sagen: auf solchen Pferden lernt man wirklich reiten. Weil die nämlich wirklich nur das tun, wenn du es ihnen "sagst" und nicht, weil sie die Stunden vorher genau das gleiche getan haben oder die mündlichen Befehle des RL aus dem FF kennen und darauf reagieren - egal, was der Reiter macht. Besagtes Pferd kennt die mündlichen Kommandos mit Sicherheit auch - allerdings erwartet er von seinem Reiter, die richtige Hilfe zu geben; nicht von dem Typen, der in der Halle mit rumläuft :-)

Mir kam (und kommt es immer noch) so vor, als hätte ich seit meinen Anfangszeiten wenig oder kaum Fortschritte gemacht - die Anweisungen meines RL klingen irgendwie immer noch gleich. Wenn ich aber mal aufhöre, zu selbstkritisch zu sein und zu erwarten, dass Reiten etwas ist, was sich binnen ein paar Jahren wirklich gut erlernen lässt, stelle ich doch fest, dass vielleicht die Korrekturanweisungen meines RL immer noch gleich lauten - aber mittlerweile doch auf einem anderen Niveau sind. Ich bin nicht mehr km-weit von der wirklich richtigen Körperhaltung weg, sondern nur noch m :-)

Und deppremierenderweise ist es auch nach Jahren des Reitunterrichts so, dass ich Tage habe, wo ich schon fast triumphierend aus der Reitstunde marschiere, weil ich denke, jetzt müsste endlich der Knoten geplatzt sein, um dann in der darauffolgenden Stunde auf dem Pferd zu sitzen, als wäre die vorherige Stunde mit den ganzen Erkenntnissen und Erfolgen nur ein Traum.

Ich finde solche Pferde, wie deine RB toll - Anstrengend, weil sie dir nichts "schenken" und keine Selbstläufer sind. Auf der anderen Seite bin ich überzeugt davon, wenn du auf so einem Pferd reiten gelernt hast, dann kannst du auch so ziemlich jedes andere Pferd reiten - weil du nämlich gelernt hast, aktiv zu reiten und nicht nur im Sattel zu sitzen !

Also, nur Mut und mach weiter ! 

Antwort
von Serayla, 28

Ohje also zum einen finde ich sollte ein Pferd, welches so fein zu reiten ist wie dieser Wallach, nur von einer Person geritten werden. Es wäre schade wenn das Tier irgendwann abstumpft weil es immer falsche oder unterschiedliche Signale bekommt. Man liest oft von Pferde welche "Reiterfehler verzeihen" das sind oft Schulpferde oder solche die schon viele Besitzer hatten, diese Pferde reagieren grundsätzlich nicht mehr auf feine Kommunikation sondern man muss schon deutlich zeigen was man will.

Zur dir kann ich sagen, Reiten ist vergleichbar mit Autofahren, am Anfang musst du dich unheimlich konzentrieren, die Abläufe und Hilfen ins Gedächtnis rufen, dich daran erinnern ob du richtig sitzt etc. Mit der Zeit kommt die Routine und irgendwann klappt es von alleine und du gibst automatisch die richtigen Hilfen. Bis du soweit bist ist es ein sehr langer Weg. Es klingt so als wäre der Wallach noch eine Nummer zu groß für dich, was nicht schlimm ist, er ist einfach nur kein Lehrpferd sondern verunsichert dich. Ich würde an deiner Stelle nochmal einen Gang zurück schalten und ein weniger feinfühliges Pferd nehmen um erst mal in die Grundlagen Routine zu bekommen. Und wenn der Moment gekommen ist in dem du denkst dein Pferd kann Gedanken lesen weil es das tut was du möchtest ohne dass du dir bewusst warst die entsprechenden Hilfen gegeben zu haben, dann kannst du es nochmal mit dem Wallach versuchen.

Expertenantwort
von ponyfliege, Community-Experte für Pferde & reiten, 26

hi,

deine reitlehrerin tut das beste für dich, was sie tun kann.

sie gibt dir ein pferd, dem du "jeden schritt erklären" musst.

jetzt musst du nur noch anfangen, reiten zu lernen. mit konzentration wird das recht bald klappen. immerhin hast du ja jetzt ein pferd unter dem sattel, dass dich deutlich spüren lässt, wenn was nicht so ist, wie es soll.

es ist nicht die art pferd, die ich bevorzuge - aber man kann auf ihnen ungeheuer viel lernen.

deine reitlehrerin möchte dich zu einer reiterin machen. bislang bist du mehr oder weniger passagier gewesen und hast in der hauptsache von der gutmütigkeit und unkompliziertheit des pferdes profitiert.

nun wird dafür gesorgt, dass du nach möglichkeit eines tages mit jedem einigermassen ausgebildeten pferd zurecht kommst.

diese reitlehrerin gehört meiner meinung nach zu denen, die genau wissen, was sie mit den reitschülern tun und warum sie es tun.

für dich ist das natürlich eine ungewohnte herausforderung. bleib einfach dran - irgendwann klappt es.

Kommentar von Urlewas ,

(Marvyn ist keine Reiterin, sondern ein Reiter, aber das nur am Rande)  ;-)

Kommentar von Marvyn ,

Danke ;-) Ja, das stimmt! :-D

Expertenantwort
von Urlewas, Community-Experte für Pferde & reiten, 21

Eingeschliffene falsche Gewohnheiten zu ändern, ist nicht einfach. Um so wichtiger ist es, sich da möglichst bald konzentriert mit zu beschäftigen. Dass dies ein hohes Maß an Geduld erfordert, ist völlig normal.

Ich habe da auch ein paar so " Baustellen". Mir hilft es sehr, vor dem Reiten " mentales Trockentraining " zu machen. Am besten auf einem Gymnastikball, oder wo auch immer, " reite"  ich im Geiste und konzentriere mich darauf, was meine  einzelnen Gliedmaßen in einer bestimmten Reitsituation zu tun hätten.

Auch lese ich entsprechende Reitlehren, damit mir zumindest  zumindest das theoretische Verständnis dafür, warum ich welche Hilfen geben muss, völlig selbstverständlich wird.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten