Entlassung des Kindes aus psychiatrischer Einrichtung wegen Ablehnung eines unzulässigen Medikaments?

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4 Antworten

Nein.

Und selbst WENN das Medikament zugelassen wäre, darf der Patient oder Erziehungsberechtigte das natürlich auch verweigern.

Zwangsmedikation ist in Deutschland zum Glück nur noch in seltenen Fällen zugelassen und nur bei sehr speziellen Umständen. Da müsste aber entweder massive Gefahr fürs Personal bestehen oder euch die Vormundschaft in Gesundheitsfragen entzogen.

Insbesondere wenn die Störung auch ohne Medikamente behandelt werden kann, ist die Verweigerung von Medikamenten kein Grund zur Entlassung, da Behandlung ja nicht generell verweigert wird.

Kompliziert wird es bei Bipolarität, Schizophrenie uä was ohne Medikamente kaum adäquat behandelt werden kann.

Ich habe leider (zum Teil - diese Klinik hat mich nie wieder gesehen!) ähnliche Erfahrungen machen müssen mit Erpressung zur Einnahme von Medikamenten (nicht für meine Erkrankung indiziert) - oder Zwangsentlassung (was für mich zu dem Zeitpunkt keine mögliche Option war).

Die kassenärztliche Vereinigung dürfte in so einem Fall der korrekte Ansprechpartner sein.

Evtl auch die Krankenkasse, immerhin wird hier Behandlung von Versicherten aus dem zugewiesenen Sektor verweigert.

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Kommentar von Johnnyoeee
27.10.2016, 01:25

Genau so etwas habe ich auch schon vermutet. Danke für deine ausführliche Antwort 

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Ja, ist es. Die Klinik hat angeboten, sie zu behandeln (mit Medikamenten). Ihr habt diese Behandlung abgelehnt und somit kann er sie entlassen. Ob das sehr menschlich und fair ist, sei dahin gestellt. Weil er sie nicht behandeln kann, da ihr nicht zugestimmt habt, hat er den Platz für ein anderes Kind frei gemacht.

Gerad im psychischen Bereich gibt es kaum Medikamente, die für Kinder zugelassen sind. Der Grund dahinter: Für die Pharmaindustrie gibt es keine Vorteile, wenn sie die Medikamente auch für Kinder zu lassen. Das bringt keinen zusätzlichen Gewinn. Also gibt es keine Medikamente für Kinder.

Daher werden Kinder mit denselben Medikamenten behandelt wie Erwachsene, nur mit einer geringeren Dosis. Wenn der Arzt davon ausgehen kann, dass das Medikament hilft, kann er auch solche Medikamente verschreiben. Er hat ja auch keine Wahl, wenn es kaum welche gibt. Zum Beispiel gibt es keine Antidepressiva für Kinder. Was soll der Arzt sonst machen?

Ich empfehle euch, noch einmal darüber nachzudenken, ob ihr dem Kind nicht doch die Medikamente gibt. Es braucht jetzt Hilfe und das kann ihm helfen. Sie muss sie ja wahrscheinlich nicht für immer nehmen, oder? Und wenn sie sie nicht über einen langen Zeitraum nehmen muss, dann kann es auch nicht zu großartigen Langzeitschäden kommen.  

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Kommentar von Tanzistleben
26.10.2016, 21:04

Und woher nimmt eine 16jährige all diese Weisheiten?

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Kommentar von Seanna
27.10.2016, 00:56

Woher nimmst du die Annahme, dies sei zulässig? Weil es gängige Praxis ist? Und Zwangsmedikation bis vor einigen Jahren.. geduldet? // Es wird nicht die Behandlung verweigert, sondern die Medikamente und in diesem Fall sogar nur ein spezielles Medikament! Wenn man jeden vor die Tür setzen würde, der ein Medikament verweigert, würden die Leute reihenweise unbehandelt bleiben. Natürlich hat der Patient / Erziehungsberechtigte SELBST über die Behandlung zu entscheiden und nicht der Arzt! Alles andere wäre Körperverletzung.

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Meine frage: ist das überhaupt zulässig?

Natürlich. Wenn die notwendige Behandlung verweigert wird, ist ein weiterer Aufenthalt absolut sinnlos.

Dann haben wir Wochen später drauf aufmerksam gemacht dass das Medikament die Symptome eher verschlimmere

Das kann sein. Oder die Wirkung setzt nicht so schnell ein wie gewünscht. Weder der menschliche Körper noch die Psyche reagieren immer und sofort auf Knopfdruck.

Seine Argumention war die gleiche, nur wollte er dieses mal Psychopharmaka verabreichen die nicht für Kinder zugelassen sind

Das ist durchaus erlaubt. Der Arzt trägt dann die Verantwortung für die Anwendung. Ihm wird ganz gewiss klar sein, was er tut. Im Gegensatz zu euch. Aber mal ehrlich: Was soll er denn tun, wenn die Standardmedikation nicht anspricht und andere "kindgerechte" Medikamente nicht verfügbar sind? Wenn ihr so skeptisch seid, alles gleich mit (laienhafter) Kritik belegt und euch querstellt, kann eurem Kind eben nicht geholfen werden.

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Kommentar von Johnnyoeee
26.10.2016, 19:27

Es fand weder ein Aufklärungsgespräch statt noch hatten wir eine große Wahl. Uns wurde direkt gesagt: nehmen oder raus. Und dass ein sechs Jahre alted Kind mit Symptomen einer adhs Erkrankung mit neuroleptika behandelt werden MUSS, welche sonst bei Psychosen Einsatz finden, ist doch sehr fragwürdig. Wir haben uns sehr gut im Vorfeld auf dieses Gespräch vorbereitet und auch von zwei anderen psychatern Meinungen eingeholt. Und die waren einstimmig gegen diese Anwendung.

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Bitte wendet euch sofort an die Patientenanwaltschaft! Dort solltet ihr Antworten und Hilfe bekommen!

Alles Gute!

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Kommentar von Hideaway
26.10.2016, 19:25

Was für Hilfe? Sie haben dem Kind die mögliche Therapie verweigert. Denen ist nicht zu helfen!

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