Frage von LaundryTopUp, 41

Entkommt die Hoffnung aus der Büchse der Pandora in Hesiod - Werke und Tage (Bitte um Zeilenangabe)?

Ich suche die genaue Zeile in der bei Hesiod - "Werke und Tage" steht, dass die Hoffnung aus der Büchse der Pandora entflieht. Bis jetzt bin ich davon ausgegangen, dies sei der Fall. In Zeilen 94 - 99 wird beschrieben wie das Unheil entkommt. Nirgendwo find ich allerdings einen weiteren Verweis auf die Hoffnung. Gibt es alternativ ein Werk in dem die Hoffnung entkommt? Muss nicht auf die ANtike beschränkt sein. Danke Vorab!

Antwort
von andreasolar, 41

Die Hoffnung bleibt im Gefäß:


"Aber das Weib, vom Gefäß abnehmend den mächtigen Deckel,

95Ließ sie heraus und bedachte mit düsteren Sorgen die Menschen. Einzig die Hoffnung blieb in dem niemals wankenden Hause Unter der Mündung noch im Gesäß(muss wohl Gefäß heißen) und konnte heraus nichtFlattern, da jene zuvor dem Gefäße den Deckel noch aufdrückt,nach dem Befehl des Kroniden, des aigistragenden Herrschers."

http://www.gottwein.de/Grie/hes/ergde.php

Antwort
von berkersheim, 39

Vielleicht ein verständlicheres Deutsch:

Aber das Weib (Pandora), vom Gefäß abnehmend den mächtigen Deckel, Ließ das Böse heraus und bedachte mit düsteren Sorgen die Menschen. Einzig die Hoffnung blieb in dem stabilen Behältnis blieb noch vorm Ausguss und konnte nicht herausflattern, da jene (Pandora) rechtzeitig dem Gefäße den Deckel aufdrückt, ganz nach dem Befehl des Zeus, des aigistragenden* Herrschers. Zahllos schwärmten bei Menschen die anderen Leiden umher. Das ganze Land ist voll vom Unheil, voll auch das Meer; Krankheit schleichet am Tag wie zur Nachtzeit unter den Menschen umher und bringt zu den Sterblichen das unerwünschte Weh,

*Aigis : Das Wort bezeichnet ein goldenes Ziegenfell (manchmal auch einen Schild und Ähnliches), welches Zeus, bisweilen aber auch Athene oder Apollo, benutzte, um Gewitter heraufziehen zu lassen. Wenn das Fell geschüttelt wird, versendet es Blitz, Donner und Nacht. (Wikipedia)

Damit wird angedeutet, dass nach Willen des Zeus, die Hoffnung auf Überwindung des Bösen auf ewig vergebens ist.

Expertenantwort
von Albrecht, Community-Experte für Philosophie, 16

Bei Hesiod, Erga kai hemerai (Ἔργα καὶ ἡμέραι; Werke und Tage; lateinisch: Opera et dies) bleibt Hoffnung im Vorratsgefäß drinnen und entflieht nicht (Vers 94 – 105). Es gilt als unmöglich, dem Willen des Zeus zu entkommen, der die Verbreitung von verderbenbringenden Übeln geplant hat.

Was gängigerweise, aber auf das griechische Original ungenau als „Büchse der Pandora” bezeichnet wird, ist ein großes Voratsgefäß aus Ton (daher kommen auch die Ausdrücke “Krug” oder Faß” in Wiedergaben vor), ein Pithos (πίθος [pithos]).

Bei Hesiod gibt es keine davon abweichende Erzählung in einem anderen Werk.

Der Dichter Theognis erzählt über Hoffnung (die Göttin Elpis) etwas anderes.

Hesiod, Werke und Tage 94 – 105Hesiod, Sämtliche Gedichte. Theogonie, Erga, Frauenkataloge. Übersetzt und erläutert vonWalter Marg. Zürich ; Stuttgart : Artemisverlag, 1970 (Die Bibliothek der Alten Welt : Griechische Reihe), S. 311:

„Doch als das Weib von dem Tonfass den mächtigen Deckel emporhob,  

Ließ es sie los; es brachte ihr Sinn viel Unheil den Menschen.

Einzig die Hoffnung blieb da in unzerstörbarer Wohnstatt,

Innen unter dem Rande des Krugs, und flog nicht ins Freie

Auf und davon; denn vorher ergriff sie der Deckel des Kruges,

Wie es der Träger des Aigis gewollt, Zeus, der Herr der Gewitter.

Aber die andern durchschweifen, unzählbare Plagen, die Menschheit;

Nämlich voll ist die Erde von Übeln, voll auch die Salzflut;

Krankheiten kommen bei Tag zu den Menschen, andre zur Nachtzeit,

Wie sie wollen, von selbst, und bringen den Sterblichen Schaden,

Schweigend, denn ihre Stimme nahm fort Zeus' planender Wille.

So ist's gänzlich unmöglich, dem Sinn des Zeus zu entkommen.“

Hesiod, Werke und Tage : griechisch/deutsch. Übersetzt und herausgegeben von Otto Schönberger. Stuttgart : Reclam, 1996 (Reclams Universalbibliothek ; Nr. 9445), S. 11:

„Das Weib aber hob mit den Händen den mächtigen Deckel vom Faß, ließ alles heraus und schuf der Menschheit leidvolle Schmerzen. Einzig die Hoffnung blieb dort drinnen im unzerstörbaren Haus unter dem Rand des Fasses und flog nicht heraus. Vorher fing sie nämlich der Faßdeckel ab nach dem Willen des aigisführenden Zeus, des Wolken ballenden. Alles andere aber, verderbliche Übel in Unzahl, schweift bei den Menschen umher; voll ist ja die Erde von Plagen, voll das Meer und Krankheiten befallen die Menschen bei Tag und andre nachts, von selbst und bringen den Sterblichen Leiden, lautlos; denn Zeus, der Planende, nahm ihnen die Stimme. So ist es ganz unmöglich, dem Ratschluß des Zeus zu entrinnen.“

Hesiod, Theogonie : Werke und Tage ; griechisch-deutsch. Herausgegeben und übersetzt von Albert von Schirnding. Mit einer Einführung und einemRegister von Ernst Günther Schmidt. 5., überarbeitete Auflage. Berlin : Akademie-Verlag, 2012 (Sammlung Tusculum), S. 89 und S. 91;

„Aber die Frau entfernte den großen Deckel des Kruges,

leerte ihn aus und sann den Menschen schmerzliche Leiden.

Einzig die Hoffnung verblieb im unzerbrechlichen Hause,

drinnen unter den Lippen des Kruges, und nicht aus der Öffnung

flog sie heraus; sie [d. h. Pandora] hatte zuvor den Deckel des Kruges

zugeworfen nach Willen des Zeus des Wolkenversammlers

.Sonst aber zahllose Leiden entschwirren unter die Menschen.

Voll ist nämlich von Übeln die Erde und voll das Wasser.Krankheiten gehen bei Tag und Krankheiten gehen bei Nacht um

unter den Menschen selbst und bringen den Sterblichen Unheil,

lautlos, da ihnen Zeus der Berater die Stimme herausnahm.

Also ist es unmöglich, dem Sinn des Zeus zu entgehen.“

Die Göttin Hoffnung heißt griechisch Elpis (Ἐλπίς), die römische Entsprechung dazu ist Spes.

Bei Theognis ist Elpis die einzige Gottheit, die bei den Menscgen auf Erde ihnen bleibt, ihnen zugewandt. Daher soll ihr als erster und letzter Gottheit geopfert werden. 

Theognis, 1135 – 1150:

Ἐλπὶς ἐν ἀνθρώποισι μόνη θεὸς ἐσθλὴ ἔνεστιν,

ἄλλοι δ’ Οὔλυμπόν δ’ ἐκπρολιπόντες ἔβαν.

ὤιχετο μὲν Πίστις, μεγάλη θεός ὤιχετο δ’ ἀνδρῶν

Σωφροσύνη, Χάριτές τ’ ὦ φίλε γῆν ἔλιπον∙

ὅρκοι δ’ οὐκέτι πιστοὶ ἐν ἀνθρώποισι δίκαιοι,

οὐδὲ θεοὺς οὐδεὶς ἅζεται ἀθανάτους,

εὐσεβέων δ’ ἀνδρῶν γένος ἔφθιτο, οὐδὲ θέμιστας

οὐκέτι γινώσκουσ’ οὐδὲ μὲν εὐσεβίας.ἀλλ’ ὄφρά τις ζώει καὶ ὁρᾶι φάος ἠελίοιο

εὐσεβέων περὶ θεούς, ἐλπίδα προσμενέτω∙

εὐχέσθω δὲ θεοῖσι, καὶ ἀγλαὰ μηρία καίων

Ἐλπίδι τε πρώτηι καὶ πυμάτηι θυέτω.

φραζέσθω δ’ ἀδίκων ἀνδρῶν σκολιὸν λόγον αἰεί,

οἳ θεῶν ἀθανάτων οὐδὲν ὀπιζόμενοι

αἰὲν ἐπ’ ἀλλοτρίοις κτεάνοις ἐπέχουσι νόημα,

αἰσχρὰ κακοῖς ἔργοις σύμβολα θηκάμενοι.

1135: Elpis (Hoffnung) ist als einzige edle Gottheit unter den Menschen da.

Eine Seite in englischer Sprache:

http://www.theoi.com/Daimon/Elpis.html

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