Anlässlich der Einweihung des Kölner Diözesanmuseums Kolumba hat Kardinal Joachim Meisner vor einer "Entartung" der Kultur gewarnt. Die Wortwahl stieß auf Empörung und Kritik. Sollte sich die Kirche aus diesen Dingen heraushalten. Wie ist EURE Meinung dazu.

Kardinal Joachim Meisner ist doch schon vor drei Wochen mit seiner Stellungnahme zum neuen Domfenster aufgefallen (http://www.ksta.de/html/artikel/1188364285834.shtml). Aus Schlesien kommend, hat er einfach Schwierigkeiten mit dem rheinischen Katholizismus. Seine Ausdrucksweise sollte er aber überdenken.

Ich weiß nicht genau, worauf sich sein Ausdruck bezog, ging es nicht um kirchliche Motive?
Prinzipiell sollte sich die Kirche aus Kunst natürlich heraushalten, wenn es sie betrifft, d.h. religiöse Motive u.ä. kann sie natürlich auch eine Meinung äußern. Eine etwas bedachte Wortwahl sollte man von einem Kardinal aber schon erwarten.
In seiner Predigt hatte Meisner die Bilder von Christus, Maria und den Heiligen als «die schönsten Menschenbilder Europas» bezeichnet. Hier leuchte etwas von dem innersten Wesen des Menschen auf, betonte der Kardinal: «Der Mensch ist nie nur profan, er ist auch immer sakral. Deshalb gehört es zur Sachlichkeit des Künstlers, diese Menschenwirklichkeit in ihrer ganzen Breite und Tiefe zur Kenntnis zu nehmen». Wo dies vergessen werde, werde man dem Menschen nie gerecht.
Meisner bezeichnete Kolumba als ein «Sakralbau in den Dimensionen eines Museums». Der auf den Ruinen einer alten Pfarrkirche errichtete Bau sei «eine neue Möglichkeit, Menschen mit der Wirklichkeit Gottes in Berührung kommen zu lassen.» Express Köln.

Unabhängig wie ich zur Kirche allgemein stehe: Auch ein Kardinal hat gemäß GG das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern. Wenn er etwas als "entartet" bezeichnet, so kann das seine Meinung sein, solange er nicht versucht mich zu zwingen, ebenfalls diese Meinung zu vertreten. Das Wort "Entartung" ist zwar seit Ende des III.Reiches verfemt, kann aber nicht bewirken, einer Person oder Institution den Mund zu verbieten.
Die zu kritisierenden Sätze lauten: "Dort, wo die Kultur von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kultus im Ritualismus und die Kultur entartet. Sie verliert ihre Mitte." ..."Der Mensch ist nie nur profan, er ist auch immer sakral. Deshalb gehört es zur Sachlichkeit des Künstlers, diese Menschenwirklichkeit in ihrer ganzen Breite zur Kenntnis zu nehmen." Nun, dass jeder Mensch eine r e l i g i ö s e Dimension hat, ist nicht zu leugnen. Diese als "sakral" zu bezeichnen, ist für mich eine Einengung. Die Sätze Meisners mögen für die sakrale Kunst Geltung und Bedeutung haben; von allergrößter Bedeutung ist jedoch für mich die Freiheit von Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre. Kunst hat mit Gottesverehrung m.E. zunächst nichts zu tun. Der Herr Kardinal sollte sich davor hüten, Kunstkategorien zu nennen und dabei die Begriffe ("Entartete Kunst/Kultur") zu wählen, die einer Zeit entstammen, die wir uns alle nicht mehr wünschen. Was sagen Lehrpersonen immer ihren Schüler(inne)n? "Erst denken, dann schreiben!" :-))
Einem Mann in dieser Position muss klar sein, was er auslöst, wenn er den Begriff "entartet" verwendet. Davon abgesehen, handelt es sich ja wohl nicht um einen spontanen Kommentar - auch das wäre nicht vertretbar - also kann man wohl erwarten, dass er vorher weiß, welchen Text er vorträgt. Ich denke, dass Kunst weder religiös noch politisch bewertbar ist. Es sei denn ein Kunstwerk stellt sich in einen unmittelbaren religiösen oder politischen Zusammenhang. Die katholische Kirche und ihre Äußerungen sind mir ohnehin in großen Teilen unerträglich, da ich sie als weltfremd und teilweise menschenverachtend empfinde z. B. im Zusammenhang Verhütung und HIV. Insofern überrascht mich in der HInsicht nicht viel.
Zu Satz 2. Du sprichts mir aus der Seele.