Frage von chewiegirl, 54

endergonische Reaktionen?

Hallo! Kann mir jemand Beispiele für endergonische Reaktionen geben?

danke schon mal im voraus:)

Antwort
von ThomasJNewton, 26

Wohl kaum. Denn endergonisch und exergonisch sind die Vorzeichen der sogenannten Freien Energie, neuerdings auch Gibbs-Energie genannt.

Und darin geht neben der Energie/Enthalpie einer Reaktion auch die Entropie ein. Grob vereinfacht ist die Entropie ein Maß für die Wahrscheinlichkeit oder Unordnung.

Probier es aus: Nimm ein trockenes Wäschestück aus dem Schrank und häng es über den Wäscheständer. Folgen dann die Wassermoleküle der Anziehung, befeuchten und erwärmen die Wäsche, wegen der Energie, die dabei frei wird?

Nein es funktioniert anders herum. Das Wasser überwindet die Anziehung der Wassermoleküle untereinander und zur Wäsche, weil es für ein einzelnes Wassermolekül eben sehr viel wahrscheinlicher ist, sich irgendwo aufzuhalten, als grad im Wassertropfen in deiner Wäsche oder auf einer Faser deiner Wäsche.
Selbst wenn das Energie kostet, und genau deshalb ist ja feuchte Wäsche kühl.

Und das ist ein Widerstreit der Bestrebungen. Wenn du statt Wäsche NaOH nimmst, das wird feucht, und trocknet auch nicht.
Da ist die Energie entscheidender als die Wahrscheinlichkeit.

In diese Freie Energie, oder die Entscheidung. ob eine Reaktion exergonisch oder endergonisch ist, gehen die Reaktionsenergie/enthalpie, die Entropie und auch die Konzentrationen ein.

Wenn Stoff A zu Stoff B werden kann, wird die Reaktion A -> B einfach häufiger vorkommen, wenn von A millionenfach mehr als von B vorhanden ist.

Gerade in der Biochemie werden endergonische mit exergonischen gekoppelt, sodass die Gesamtreaktion exergonisch ist, also abläuft.
Und in ¾ aller Fälle nimmt die Zelle dazu ATP.

Natürlich gibt es in der Theorie endergonische Reaktionen, in dem Sinne, dass sie eben NICHT ablaufen.

Ein Klassiker wäre 2 NaCl -> 2 Na + Cl₂.
Kommt dir irgendwie bekannt und doch fremd vor?
Genau, das läuft umgekehrt ab, exergonisch.

Expertenantwort
von vach77, Community-Experte für Chemie, 25

Ich hätte das folgende Beispiel anzubieten:

Man mischt in einem Glas Bariumhydroxid mit Ammoniumthiocyanat. Es tritt sofort der intensive stechende Geruch von Ammoniak auf.

Die Reaktion läuft wie folgt ab:

Ba(OH)₂ • 8 H₂O + 2 NH₄SCN --> Ba(SCN)₂ + 2 NH₃ + 10 H₂O

Diese Reaktion ist stark endotherm. Sie verläuft deshalb endergon ab, da sie deutlich entropiegesteuert ist. Die Entropie nimmt stark zu (Gasentwicklung). Damit wird die Freie Enthalpie negativ, denn der Zahlenwert des Produkts T•ΔS ist größer als die positive Enthalpie.

Es ist ΔGR° = ΔHR° - T • ΔSR° < 0

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