Frage von Sven2025, 63

Emotonale Empathie bei Autisten?

Hey liebe Community,

Ich habe eben in einer Doku gesehen, dass Autisten angeblich genauso gut Emotionen im Gesicht erkennen können wie Normalos, jedoch müssen sie sich erstmal bewusst kognitiv in die andere Person einfühlen um z.b. auch traurig zu sein und neigen nicht intuitiv zum weinen, auch wenn sie es bei jemand anderen sehen.

Ich dachte immer, bei Autisten sei nur die kognitive Empathie (b.z.w. Theory of Mind) gestört und nicht die Emotionale. Diese Doku sagt ja im Prinzip das Gegenteil.

Bei mir ist es so (männlich), dass ich zwar die Gefühle gut erkennen kann, jedoch nicht Intuitiv mitfühle. Sowas ist mir total fremd. Ich muss mich für meinen Teil auch erstmal bewusst einfühlen und die Situation nachempfinden. Solche Dokus verunsichern mich da halt ein bisschen.

Danke für alle Antworten :-)

Antwort
von voayager, 33

Viele Autisten sind nicht in der Lage die Mimik und den Gesichtsausdruck anderer zu deuten - Ausnahmen bestätigen dabei nur die Regel.

Antwort
von circuli, 42

Ja, schon nicht falsch was die Doku sagt.

Durchaus können Autisten Emotionen in Gesichtern lesen, für viele ist es aber dann schwer sie für sich zu übersetzen und Empathie zu empfinden.
Welchen Punkt man bei Autisten beachten muss, ist, dass sie einfach alles wahrnehmen und alles als wichtig abspeichern. Normales Wahrnehmen besteht aber aus der Spaltung von wichtig und unwichtig, wobei das Unwichtige von unserem Gehirn gleich ausgeklammert wird und wir uns somit - anders wie Autisten - auf wichtigere Dinge bei der Kommunikation konzentrieren können. D.h das Gesagte, mit der Mimik und mit der Körpersprache zu verbinden, zu analysieren und zu interpretieren.

Nicht jeder, der Schwierigkeiten hat Empathie zu empfinden, muss deswegen autistische Züge haben. Das Empathieempfinden ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und die Ausprägung ist von verschiedenen Faktoren abhängig (z.B wo man aufgewachsen ist, wie viele soziale Kontakte man hat/hatte, ob man sensibel ist, einprägende Erlebnisse im eigenen Leben usw.)
So kann sich einer schwer tun, mit dem Nachempfinden und der nächste wiederum hat kein Problem damit.

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